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Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze

Title: Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze

Term Paper , 2005 , 18 Pages , Grade: 1,2

Autor:in: Andreas Geißler (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Die Praxis der „Abstimmung mit den Füßen“, mit der vor allem junge Menschen auf die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der frühen fünfziger Jahre in der DDR reagierten, stellte eines der größten Probleme für den im Aufbau begriffenen sozialistischen Staat im Osten Deutschlands dar. Um das Überleben der DDR zu sichern, wurde nach Lösungen für das gravierende Abwanderungsproblem gesucht. „Um den Kampf gegen gegnerische Agenturen, Diversanten und andere aus Westdeutschland in die DDR geschickte feindliche Elemente sowie gegen den auf Untergrabung der Wirtschaftslage der DDR gerichteten Schmuggel wirksam führen zu können, wird die Errichtung eines besonderen Regimes an der Demarkationslinie zwischen der DDR und Westdeutschland und im Küstengebiet ab 22. Mai 1952 vorgesehen“ 2 , lautete eine Weisung der Sowjetischen Kontrollkommission (SKK) an das Zentralkomitee der SED, die den Auftakt für einen massiven Ausbau der Sperrmaßnahmen an der innerdeutschen Grenze bildete. Im Zuge dieser Maßnahmen fanden 1952 und 1961 mehrere Aktionen statt, bei denen ca. 12000 3 Personen zwangsweise aus dem Grenzgebiet ausgesiedelt wurden. 4 Aufgrund verschiedener Rechtsverordnungen und Befehle, die teilweise jeglicher gesetzlichen Grundlage entbehrten, wurden zahlreiche Menschen von Beamten des Ministeriums für Staatssicherheit und der Grenzpolizei in Nacht-und-Nebel-Aktionen aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen und in das Inland der DDR umgesiedelt. Ziel meiner Arbeit ist es, zunächst Umfang und Ablauf der Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze darzustellen, da dieses dunkle Kapitel der SED-Diktatur meiner Meinung nach in vielen Publikationen über das DDR-Grenzregime nur unzureichend behandelt wurde. Jedoch soll auch der Frage nachgegangen werden, welche politische „Motivation“ hinter den Umsiedlungsaktionen steckte. Standen pragmatische Sicherheitsüberlegungen oder doch ideologische Überzeugungen im Vordergrund? Was versprachen sich die Verantwortlichen von diesen „Säuberungsmaßnahmen“ innerhalb der Bevölkerung der Grenzgebiete? Die folgende Darstellung stützt sich besonders auf die Monographie „Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze“ von Inge Bennewitz und Rainer Potratz, die in ihrer Arbeit eine gründliche Analyse von Dokumenten und Zeitzeugenaussagen vornehmen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des DDR-Grenzregimes

2.1 Beginn der Sperrmaßnahmen

2.2 Die Errichtung eines „besonderen Regimes“ an der innerdeutschen Grenze

3. Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze

3.1 Die Aktion „Ungeziefer“ 1952

3.1.1 Vorbereitung

3.1.2 Ablauf

3.1.3 Folgen

3.2 Die Aktion „Festigung“ 1961

3.2.1 Planung und Durchführung

3.2.2 Folgen

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Umfang, Ablauf und Hintergründe der Zwangsaussiedlungen, die im Zuge der Grenzsicherung der DDR in den Jahren 1952 und 1961 an der innerdeutschen Grenze durchgeführt wurden, um die repressive Natur des Grenzregimes und dessen Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung zu beleuchten.

  • Die Entstehung und der Ausbau des DDR-Grenzregimes
  • Die Durchführung der Aktion „Ungeziefer“ im Jahr 1952
  • Die Durchführung der Aktion „Festigung“ im Jahr 1961
  • Politische Motivationen und Legitimationsstrategien der SED-Diktatur
  • Die Auswirkungen der Zwangsaussiedlungen auf die betroffene Bevölkerung

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Ablauf

Der Ablauf der Aussiedlungsaktionen verursachte bei vielen Betroffenen einen regelrechten Schock. Zwar sahen die Vorschriften eine Zeitspanne von 48 Stunden für die Abreise vor, doch blieben den Menschen häufig nur wenige Minuten, um sich für den Abtransport fertig zu machen. Auch wurden den Opfern der Zwangsmaßnahmen, während den meist nachts stattfindenden Aktionen, weder der neue Wohnort genannt, noch erhielten sie Auskunft über den Verbleib ihres zurückgelassenen Eigentums. Sie wurden vielmehr gedrängt, eine Einverständniserklärung zu unterschreiben, bevor sie zu den Sammelplätzen für die Transporte ins Hinterland gebracht wurden.

Das rigorose Vorgehen der „Zwangsvollstrecker“ führte auch innerhalb der übrigen Grenzbevölkerung zu Reaktionen. Schon bald nachdem die ersten Aussiedlungen stattgefunden hatten, hielten sich hartnäckige Gerüchte, dass es Ziel der DDR-Regierung sei, das Grenzgebiet vollständig räumen zu lassen. Daraufhin kam es in verschiedenen Grenzgemeinden zu Unruhen und Widerstand innerhalb der Bevölkerung. Vielfach protestierten die Bürger gegen die Vertreibung ihrer Nachbarn und Freunde oder verhinderten gewaltsam deren Abtransport. Obwohl sie sich massiver Polizeigewalt ausgesetzt sahen, errichteten sie mancherorts Straßensperren und stellten sich den Beamten „zum Teil mit Äxten und Mistgabeln bewaffnet“ in den Weg.

Trotz des umfangreichen Einsatzes von Volkspolizisten, Mitarbeitern des MfS und anderen Helfern konnte die während der Durchführung der Aktion „Ungeziefer“ einsetzende Fluchtwelle in die Bundesrepublik nicht gestoppt werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Problematik der Abwanderung aus der DDR in den frühen fünfziger Jahren und definiert das Ziel der Arbeit, die Zwangsaussiedlungen als repressive Maßnahme der SED-Diktatur aufzuarbeiten.

2. Die Entstehung des DDR-Grenzregimes: Dieses Kapitel erläutert den politisch-propagandistischen Hintergrund der Grenzsicherung und den Aufbau eines gestaffelten Sperrgebietes zur Verhinderung von Fluchtbewegungen.

3. Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze: In diesem Hauptteil werden die beiden großen Aussiedlungsaktionen, „Ungeziefer“ (1952) und „Festigung“ (1961), hinsichtlich ihrer Vorbereitung, ihres Ablaufs und ihrer sozialen Folgen detailliert untersucht.

4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Zwangsaussiedlungen als Teil einer totalitären Grenzpolitik zusammen, die primär der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und der Machtfestigung diente.

Schlüsselwörter

Zwangsaussiedlung, innerdeutsche Grenze, DDR, SED-Diktatur, Aktion Ungeziefer, Aktion Festigung, Grenzregime, Repression, Sperrgebiet, Ministerium für Staatssicherheit, Grenzpolizei, Zwangsumsiedlung, Systemfeinde, Demarkationslinie, Grenzsicherung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den staatlich verordneten Zwangsaussiedlungen von Bewohnern der grenznahen Gebiete in der DDR in den Jahren 1952 und 1961.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind der Aufbau des DDR-Grenzregimes, die Planung und Durchführung der Aktionen „Ungeziefer“ und „Festigung“ sowie der erlittene Staatsterror gegen die Grenzbevölkerung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, das Ausmaß und den Ablauf dieser Maßnahmen zu dokumentieren, da dieses Kapitel der SED-Diktatur in der Forschung oft nur unzureichend beleuchtet wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine Analyse von historischen Dokumenten, Zeitzeugenaussagen und bestehender Fachliteratur über das DDR-Grenzregime.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die zwei großen Aussiedlungswellen, wobei jeweils die Vorbereitung, die gewaltsame Durchführung und die physischen sowie psychischen Folgen für die Betroffenen analysiert werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zwangsaussiedlung, Repression, SED-Diktatur, Grenzsicherung, Aktion Ungeziefer und Aktion Festigung charakterisieren.

Warum wurde die Aktion von 1952 „Ungeziefer“ genannt?

Der Name entstammt der Terminologie des Regimes, das missliebige Personen, Systemgegner oder als kriminell eingestufte Bewohner als „feindliche Elemente“ diskreditierte, um sie aus dem Grenzgebiet zu entfernen.

Welche Rolle spielte der Bau der Berliner Mauer für die Aktion „Festigung“ 1961?

Der Mauerbau markierte eine neue Stufe der Grenzsicherung; die Zwangsaussiedlungen dienten in diesem Kontext dazu, die Sperrzone „nachhaltig zu säubern“ und potenzielle Fluchthelfer oder Regimegegner zu entfernen.

Wie reagierte die Bevölkerung auf die Zwangsaussiedlungen?

Die Bevölkerung leistete in vielen Fällen Widerstand, errichtete Straßensperren und versuchte, den Abtransport der Nachbarn und Freunde physisch zu verhindern.

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Details

Title
Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze
College
Dresden Technical University  (Philosophische Fakultät )
Course
Das Grenzregime der DDR
Grade
1,2
Author
Andreas Geißler (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V63787
ISBN (eBook)
9783638567459
ISBN (Book)
9783656787136
Language
German
Tags
Zwangsaussiedlungen Grenze Grenzregime
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Geißler (Author), 2005, Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63787
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