Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich


Seminararbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich
2.1. Die Standortproblematik
2.2. Adalhard von Corbie und Wala..
2.3. Kaiser und Kirche – Das Verhältnis Ludwigs des Frommen zu Corvey
2.4. Die Entwicklung Corveys nach den Karolingern

3. Resümée

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Corvey – in erster Linie verbindet man mit diesem Namen ein prächtiges Schloss, das von den Hochglanzprospekten der Fremdenverkehrsbranche mittlerweile zu einer Touris­tenattraktion des Weserberglandes degradiert wurde. Bei dem Namen Corvey den­ken wohl nur noch mediävistisch gut beschlagene Zeitgenossen an die Benedikti­nerabtei, deren Ursprünge bereits im frühen Mittelalter in der Karolin­gerdynastie liegen. Mit diesem Kloster Corvey bei Höxter wird sich die vorlie­gende Haus­arbeit näher beschäftigen, denn es lohnt sich, einen Blick auf die An­fänge der Ab­tei zu werfen.

Pläne zur Gründung einer Benediktinerabtei auf sächsischem Boden machte be­reits Karl der Große. Schon 802, noch bevor die Sachsenkriege beendet wurden, wies er dem Kloster Corbie bei Amiens an der Somme sächsische Geiseln zu, die dort an den christlichen Glauben herangeführt werden sollten. Er hatte es als Mut­terkloster für die neu zu gründende Abtei ausgewählt, weil es sich durch seine vorbildliche monastische Lebensführung auszeichnete und daher besonders geeig­net erschien. Darüber hinaus war der Abt Corbies, Adalhard, ein enger Vertrauter und Berater Karls des Großen, wobei sich das Vertrauensver­hältnis zwischen den beiden nicht zuletzt darauf begründete, dass Adalhard der Vetter Karls war und die beiden zusammen aufgewachsen waren. Da Karl 814 starb, erlebte er die tat­sächliche Gründung des Klosters allerdings nicht mehr.

Diese fand 822 unter der Herrschaft Ludwigs des Frommen vor folgendem politi­schen Hintergrund statt: Die Sachsenkriege wurden 804 mit der Unterwerfung der Sachsen beendet, der Plan einer fränkischen Klostergründung konnte nun um­ge­setzt werden. Doch das Reich war durch die langen Kriege ausgelaugt und der Herrscherwechsel nach Karls Tod wühlte es zusätzlich auf. Ludwig der Fromme schürte weitere Unruhe, als er sich des Beraterstabes seines Vaters, zu dem auch Adalhard von Corbie und dessen Halbbruder Wala gehörten, entledigte. Adalhard, der maß­geblich an den Vorbereitungen zur Klostergründung in Sachsen beteiligt war, schickte er in die Verbannung und Wala ins Kloster (er wurde Mönch in Cor­bie), um ihnen jegliche Möglichkeit der politischen Einflussnahme zu verwehren. Der Auf­bau der neuen Abtei verschob sich damit um unbestimmte Zeit.

Einer der wichtigsten Männer am Hof Ludwigs des Frommen wurde Benedikt von Aniane, der eine große monastische Reform im gesamten Reich plante, die so ge­nannte „anianische Reform“. Er wollte sämtliche Klöster auf die Regel des hl. Be­nedikt von Nursia verpflichten, was jede Abtei zum Benediktinerkonvent gemacht hätte. Als Benedikt von Aniane 821 starb und mit ihm sein Ein­fluss auf Ludwig den Frommen, amnestierte der Kaiser Adalhard und Wala, die fortan in ihre alten Äm­ter zurückkehrten. Die Klostergründung ging nun zügig voran. Aber warum wurde der Plan über so viele Jahre und Umwege hinweg verfolgt? Wie wichtig war Corvey für das Reich? Das Thema wirft einige Fragen auf.

In dieser Hausarbeit soll versucht werden, Antworten auf diese Fragen zu finden. Zunächst wird der Standort der Abtei zu betrachten sein. Möglicherweise lässt dies bereits Rückschlüsse auf die Bedeutung Corveys für das Reich zu. Für die Wahl des Ortes wird es gute Gründe gegeben haben, die es hier zu erörtern gilt. Au­ßerdem soll untersucht werden, welche Rolle die Brüder Adalhard und Wala spiel­ten. Zum Schluss der Ausarbeitung wird dann das Verhältnis zwischen der Abtei und Ludwig dem Frommen zu klären sein.

Da der Betrachtungszeitraum des Klosters Corvey in dieser Hausarbeit grob auf die Regierungszeit Ludwigs des Frommen – also auf ein Zeitfenster zwischen 814 und 840 - be­schränkt sein wird, erscheint ein knapper Ausblick auf die Entwicklung der Abtei in späteren Epochen sinnvoll. So lässt sich erkennen, ob Corvey seine Blü­te­zeit erst noch vor sich hatte oder mit den Jahren eher an Bedeutung verloren hat. Es wird allerdings keine allumfassende Analyse der Klostergeschichte bis in die heutige Zeit abgegeben.

Bei der Ausarbeitung des Themas waren unter anderem die Abhandlungen Lorenz Weinrichs („Wala“) und Brigitte Kastens („Adalhard von Corbie“) sehr hilfreich, da sie einen tiefgreifenden Einblick in die „Gründer“-Persönlichkeiten Corveys, aber auch in die Umstände der Klostergründung selbst gestatteten. Hägermanns, Clas­sens bzw. Boshofs Ausführungen über Karl den Großen bzw. Ludwig den Frommen ermöglichten die Rekonstruktion der staatspolitischen Zusammenhänge, während „Mönchtum – Kirche – Herrschaft 750-1000“ (D. Bauer u. a.) über die kirchenpoliti­schen Hinter­gründe aufklärte.

Walther Matthes „Corvey und die Externsteine“ konnte einen regionalen Bezug zum Thema herstellen. Einen sehr umfassenden Abriss über die Gründung, die ers­ten Jahre und die Entwicklung der Abtei Corvey in den nachfolgenden Jahrhunder­ten lieferte das Werk „Höxter. Geschichte einer westfälischen Stadt. Höxter und Corvey im Früh- und Hochmittelalter“ von Andreas König, Holger Rabe und Ger­hard Streich.

Bei der Auswahl der verwendeten Literaturtitel wurde versucht, einen möglichst aktuellen Forschungsstand zu reflektieren.

2. Corbeia Nova – Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich

2.1. Die Standortproblematik

Bereits Karl der Große hegte Pläne zur Errichtung eines Klosters in Sachsen. 815, kurz nach Karls Tod, wurde sein Plan in der Zelle Hethis im Solling[1] in die Tat um­gesetzt. Doch sehr bald zeigte sich, dass dieser Standort schlecht ge­wählt war. Die topografischen Eigenschaften der Landschaft und ihre geografi­sche Lage machten es den Mönchen fast unmöglich, autark zu leben. Ackerbau und Viehzucht waren kaum realisierbar, denn das bergige, unwirtliche Gelände um Hethis war dafür ungeeignet. Die Vieh- und Felderträge reichten nicht an­satzweise, um alle Mönche versorgen zu können[2]. Dies hatte zur Folge, dass die Neugründung von Corbie, dem Mutterkloster, aus mit nahezu allem Le­bens­notwendigen - Nahrung, Kleidung usw. – „beliefert“ werden musste. Nun ge­hörte Corbie zwar zu den wohlhabendsten Abteien im ganzen Franken­reich und es konnte seine Mitbrüder in Sachsen mitversorgen. Dennoch stellte dies eine nicht zu unterschätzende Doppelbelastung dar, immerhin währte die­ser Zu­stand mehrere Jahre. Das weitaus größere Problem war jedoch die Logis­tik. Schließlich mussten alle benötigten Dinge von Corbie nach Hethis geschafft werden, d. h. die Mönche waren mehrere Tage mit den Gütern unterwegs und mussten die gleiche Strecke auch wieder nach Corbie zurücklegen. Gerade im Winter dürfte dies eine recht beschwerliche Aufgabe gewesen sein.

Abgesehen vom Aufwand, die Brüder in Sachsen permanent über eine relativ große Distanz hinweg versorgen zu müssen, kam hinzu, dass die Lage der Zelle Hethis geografisch unattraktiv war. Karl der Große hatte mit seinen Planungen für eine Klostergründung in Sachsen eine bestimmte Intention verfolgt: Ihm schwebte ein Glaubenszentrum für die Missionierung der heidnischen Sachsen vor. Sicherlich hätte er sich „seine“ Abtei etwas anders vorgestellt als eine in unwegsamem, bergigem Gelände angesiedelte Anlage, die kaum in der Lage war, ihre Mönche zu beköstigen oder gar Gäste aufzunehmen und angemessen zu bewirten.

[...]


[1] Bei der lokalen Festlegung der Zelle Hethis gehen die Meinungen auseinander. Walther Matthes etwa glaubt Hethis in der Nähe der Externsteine (beim heutigen Horn-Bad Meinberg in Lippe ge­legen) lokalisiert zu haben (vgl. dazu seine Ausführungen in: Corvey und die Externsteine. Schicksal eines vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit, Stuttgart 1982, S. 14ff.), wäh­rend na­hezu alle anderen Historiker, deren Abhandlungen dieser Ausarbeitung zugrunde liegen, die Zelle Hethis in der Nähe von Neuhaus im Solling vermuten.

[2] Laut B. Kasten ist die Größe des Gründungskonvents in Hethis nicht zu ermitteln, es soll aber trotz der schlech­ten Bedingungen bereits in der Anfangszeit einen regen Zulauf in die Zelle ge­geben haben, in der sich sogar eine Klosterschule befand (vgl. Kasten, B., Adalhard von Corbie. Die Biographie eines karolingischen Poli­tikers und Klostervorstehers, Düsseldorf 1986, S. 145 ff.). Es ist also davon auszugehen, dass sich durchaus schon eine größere Anzahl von Mönchen in He­this befunden haben dürfte, die selbstverständlich auch verpflegt werden musste.

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Details

Titel
Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich
Hochschule
Universität Paderborn  (Fakultät für Kulturwissenschaften, Historisches Institut)
Veranstaltung
Einführungs-/Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V63806
ISBN (eBook)
9783638567602
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Corbeia, Nova, Bedeutung, Klosters, Corvey, Karolingerreich, Einführungs-/Proseminar
Arbeit zitieren
Katharina Krause (Autor), 2006, Corbeia Nova - Die Bedeutung des Klosters Corvey für das Karolingerreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63806

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