Unterrichtseinheit: "Let's talk - Jeder will ein Stück vom Regenwald" (7. Klasse)


Unterrichtsentwurf, 2006

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Erklärung

Ich versichere, dass ich die vorliegende Unterrichtsplanung selbstständig verfasst und keine anderen Quellen und Hilfsmittel als die angegebenen benutzt habe. Stellen, die anderen Werken oder Veröffentlichungen dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen sind, habe ich in jedem einzelnen Fall unter Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht.

Paderborn, den 08.11.2006

1) Übersicht über die Unterrichtseinheit „Die Klimazonen der Erde – die tropische Zone“

1. Naturraum tropischer Regenwald – wir machen uns ein Bild!
2. Stockwerkbau im tropischen Regenwald – Leben in allen Etagen
3. Wetter und Nährstoffkreislauf
4. Film „Der tropische Regenwald – Ein Ökosystem in Zentralafrika“
5. Vorbereitung Rollenspiel: „Wir erarbeiten uns eine Rolle“
6. Rollenspiel: „Let’s talk – Jeder will ein Stück vom Regenwald“
7. Internetrecherche: „Rettet den Regenwald“
8. Die tropische Zone – überall gleich?
9. Die Wüste als Naturraum
10. „Ufer der Wüste“ – die Sahelzone

2) Intention bzw. Ziel der Stunde

Die SuS[1] sollen unterschiedliche Standpunkte kennenlernen, die ein spezifisches Interesse am tropischen Regenwald haben, indem sie ein Rollenspiel durchführen. Dabei sollen sie sich kritisch mit den unterschiedlichen Motiven und deren Folgen für die Natur und den Menschen auseinandersetzten. Weiterhin sollen sie lernen, sich in eine Rolle hineinzuversetzen und eine Position durch Argumente in einer Diskussion zu vertreten.

3) Didaktischer Schwerpunkt der Unterrichtsstunde

Die heutige Stunde „Let’s talk – Jeder will ein Stück vom Regenwald“ stellt die sechste Einheit in der Unterrichtsreihe Die Klimazonen der Erde – die tropische Zone“ dar. Sie legitimiert sich durch den Jahrgangsstufenschwerpunkt 7/8 „Erklärung und Bewertung von naturräumlichen und kulturräumlichen Zusammenhängen“ mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Erschließung und Umwertung von Räumen“ im Lehrplan für die Hauptschule in NRW im Fach Erdkunde (Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen, Erdkunde, S. 61; 67). Ferner legitimiert sich diese Stunde durch den schulinternen Stoffverteilungsplan der Archenholdschule Lichtenau.

Der tropische Regenwald ist für unsere SuS greifbarer als ihnen bewusst ist, denn sie konsumieren in ihrem Alltag Produkte, die direkt oder deren Rohstoffe von dort stammen. Sie benutzen z. B. Taschentücher oder Toilettenpapier, deren Zellulose aus dem Regenwald stammt. SuS besitzen möglicherweise Möbel aus Tropenholz oder konsumieren Bananen, Ananas oder Kakao von Plantagen im tropischen Regenwald. Sogar Rindfleisch von dort kann über Großhändler auf deutsche Teller geraten. Doch dem Lernenden ist in der Regel nicht bewusst, welches Konfliktpotenzial sich hinter diesen Produkten verbirgt. Durch eine Thematisierung im Unterricht können die SuS, an den fernräumlichen Problemen des tropischen Regenwaldes teilhaben, indem sie die Auswirkungen der dortigen Vorgänge begreifen und insbesondere ihre eigene Verantwortung als Konsumenten in diesem Zusammenhang erkennen. Besonders im aktuellen Kontext des Klimagipfels in Nairobi ist es für SuS wichtig zu begreifen, dass auch sie Einfluss auf die Vorgänge im tropischen Regenwald haben und so aktiv zu „Nachhaltiger Entwicklung“ beitragen können (Agenda 21: „global denken – lokal handeln“) (vgl. Wolf et al., S. 10). Die Sensibilisierung für diese Problematik, soll die SuS zu Raumhandlungsfähigkeit, dem übergeordneten Ziel des Erdkundeunterrichtes, befähigen (Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen, Erkunde, S. 45).

In den vorangegangenen Stunden dieser Einheit haben die SuS den Naturraum des tropischen Regenwaldes bereits kennengelernt. In dieser Lerneinheit sollen sie sich mit der dort vorherrschende Ökonomie-Ökologie-Problematik auseinandersetzen. Eingangs soll die Konstruktion eines „scheinbaren“ Widerspruchs bei den SuS eine Fragehaltung im Hinblick auf den weiteren Verlauf schaffen (vgl. Greving et al, S. 50f).

Den Schwerpunkt der Stunde bildet eine Diskussion über unterschiedliche Raumnutzungsinteressen im tropischen Regenwald und deren Folgen für Mensch und Natur anhand eines Rollenspiels. Da eine detaillierte Erarbeitung der komplexen Zusammenhänge der dortigen Flächennutzungskonflikte unmöglich ist, wird der Konflikt im Sinne der didaktischen Reduktion für die SuS exemplarisch durch fünf Personen dargestellt: Ein Indianer, ein Besitzer einer Zellulose Firma, ein Rinderzüchter (alle national ansässig), ein Vorstandsmitglied der Fa. „Tempo“ und ein Klimaschützer (beide internationale Vertreter). Die ausgewählten Personen verdeutlichen, dass an diesem Gebiet unterschiedliche, teils divergierende, wirtschaftliche und ökologische Interessen haften, die verschiedenartig motiviert sind und spezifische Folgen nach sich ziehen. Die Grundlage für diese Charaktere bilden Rollenkarten, die zur Verdeutlichung der exemplarischen Situation von der Lehrperson selbst verfasst wurden, aber auf realen Vorgängen basieren (vgl. Rettet den Regenwald e.V.). Die SuS können ihre Rolle dabei durch eigene Ideen und Argumente ergänzen. Zusätzlich wird für die Lerngruppe reduziert, indem das Gebiet Rondonia (Brasilien) exemplarisch für den tropischen Regenwald im Ökonomie-Ökologie-Konflikt steht.

Die Methode des Rollenspiels ist schülerorientiert und zeigte bereits in anderen Fächern hohes Motivationspotenzial. Um eine intensive Diskussion zu ermöglichen, die nicht oberflächlich nach dem Prinzip „das Spiel um des Spieles willen“ durchgeführt wird, erfordert die Methode eine Ausdehnung auf zwei Unterrichtsstunden (vgl. Mattes, S. 47). Im Rahmen dieser unterrichtspraktischen Prüfung wird die zweite Stunde gezeigt (im Verlaufsplan grau hinterlegt). Das Rollenspiel ermöglicht den SuS Konfliktsituationen im „ geschützten Raum“ zu erproben, ohne ein persönliches Risiko zu tragen. Versagensängste, die oft bei Lernenden dieses Alters auftauchen, verschwinden, denn im Zweifelsfall ist immer die Rolle schuld. Dabei können SuS ihre Kreativität, Experimentierfreude und ihre Lust am Sprechen entfalten. Sie lernen einen Perspektivwechsel vorzunehmen, sich in das Denken anderer hineinzuversetzen und in der Diskussion nach realistischen Lösungen zu suchen, die auch fremde Bedürfnisse berücksichtigen (vgl. Mattes, S. 46). Dabei geht es nicht um Sieger und Verlierer, sondern vielmehr darum unterschiedliche Standpunkte gegeneinander abzuwägen und sachlich zu argumentieren, wie es auch in der Lebenswirklichkeit der SuS oft erforderlich ist (vgl. Riediger, S. 26).

Für die Durchführung des Rollenspiels wird die fiktive Situation einer Talkshow kreiert, die SuS aus ihrem realen Lebensumfeld bekannt ist und daher zusätzlich motivieren soll. Die Lehrperson übernimmt die Moderatorenrolle und kann so unterstützen, Impulse setzen und mögliche Unstimmigkeiten klären (vgl. Riediger, S. 26). Ferner kann sie die SuS zu konkreten Aussagen auffordern, weil in dieser Altersgruppe erfahrungsgemäß erst sehr zurückhaltend diskutiert wird.

Die Erarbeitung und die Nachbereitung des Rollenspiels werden anhand kooperativer Lernelemente durchgeführt. Sie sollen den SuS ermöglichen, ihre Denkprozesse in Einzelarbeit zu intensivieren und Ergebnisse im Austausch zu vertiefen, zu ergänzen oder ggf. zu korrigieren. Dabei werden die Sozialkompetenzen, die zu den sog. Schlüsselkompetenzen gehören, geschult (wie z. B. Teamfähigkeit, sozialverträgliche Kritik äußern, andere ausreden lassen). Von diesen Fähigkeiten, ebenso wie von den Kompetenzen, die die Methode des Rollenspiels fordert, profitieren die SuS auch über den Schulschluss hinaus. Die Erarbeitung nach dem „Think – Pair – Share-Prinzip“ gibt den SuS darüber hinaus ein Gefühl von Sicherheit und begünstigt so eine intensive Diskussion (vgl. Brüning et al., S. 25). Die Lehrperson setzt die Gruppen dabei möglichst leistungsheterogen zusammen und bestimmt nach Beendigung der Erarbeitungsphase den Sprecher jeder Gruppe. Das bedeutet, dass alle Lernenden darauf vorbereitet sein müssen, die Gruppe vor der Klasse zu präsentieren. Die anderen SuS fungieren als Publikum mit spezifischen Beobachtungsaufgaben.

Die Ergebnissicherung der Diskussion erfolgt durch das Sammeln aller Argumente auf einer Folie, die abhängig vom Zeitfaktor entweder von den SuS abgeschrieben oder von der Lehrperson in kopierter Form in der Folgestunde zur Verfügung gestellt wird.

In der Hausaufgabe sollen sich die Lernenden noch einmal mit einer Karikatur der Problematik vertiefend auseinandersetzen und dazu Stellung nehmen.

[...]


[1] Im weiteren Verlauf wird die Abkürzung „SuS“ für „Schüler und Schülerinnen“ verwendet.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Unterrichtseinheit: "Let's talk - Jeder will ein Stück vom Regenwald" (7. Klasse)
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V63825
ISBN (eBook)
9783638567756
Dateigröße
800 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Stunde wurde im Rahmen der 2. Staatsexamensprüfung geplant und durchgeführt. Methodisch wird das "Rollenspiel" thematisiert und angewendet. Inhaltlich beschäftigt sich diese Stunde mit dem Ökonomie-Ökologie Konflikt im tropischen Regenwald (Flächennutzungskonflikt). Dieser Konflikt wird anhand von fünf exemplarischen Positionen schülerorientiert anhand eines Rollenspieles umgesetzt. Insbesondere das übergeordnete Ziel der "Vermittlung von Raumhandlungsfähigkeit" soll so erreicht werden.
Schlagworte
Unterrichtseinheit, Jeder, Stück, Regenwald, Klasse)
Arbeit zitieren
N. Hoffmeister (Autor), 2006, Unterrichtseinheit: "Let's talk - Jeder will ein Stück vom Regenwald" (7. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63825

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