„Am Ostermontag wurde in einer Dortmunder U-Bahn-Station der 31-jährige Punker Thomas S. erstochen. Der mutmaßliche Täter, ein 17-jähriger Neonazi, der von einer 16-jährigen Gesinnungsgenossin begleitet wurde, wurde kurz nach der Tat verhaftet und wird wegen Mordes angeklagt."
Meldungen wie diese vom 1. April 2005 sind auch heute noch erschreckend oft zu lesen. Am Alter der Täter kann man erkennen, dass diese entweder die Schule noch besuchen, oder sie erst vor kurzem verlassen haben. Rechtsextremismus und Gewalt sind also Themen, die die Schule etwas angehen, da sie einmal mit rechtsextrem eingestellten Jugendlichen umgehen muss und gleichzeitig dafür sorgen sollte, dass Kinder und Jugendliche gar nicht erst zu rechtsextremistisch eingestellten jungen Erwachsenen werden. Im Seminar „Jugend und Rechtsextremismus. Geschichte und Gegenwart“ untersuchten wir die Entwicklung des Rechtsextremismus von der Jahrhundertwende bis heute. Dies geschah mit speziellem Blick auf rechtsextremistisch eingestellte Jugendliche bzw. auf rechtsextremistische Organisationen für Jugendliche. Gegen Ende des Seminars beschäftigten wir uns auch mit den Möglichkeiten der Schule und Jugendarbeit pädagogisch gegen Rechtsextremismus anzugehen bzw. präventiv tätig zu werden. In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich nun vertiefend- im Hinblick auf meine spätere Berufstätigkeit mit den pädagogischen Arbeitsmöglichkeiten der Schule gegen Rechtsextremismus beschäftigen.
Dazu werde ich erst versuchen den Begriff Rechtsextremismus zu klären, die Verbreitung des Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft untersuchen, sowie die Entstehungsursachen von rechtsextremistischen Denkweisen. Das Schwerpunktthema wird die pädagogische Arbeit in der Schule gegen Rechtsextremismus sein. Hier möchte ich zuerst beschreiben, was allgemein die Probleme der Pädagogik gegen Rechtsextremismus sind, an wen sich diese Pädagogik wendet und schließlich welche Konzepte der präventiven Arbeit gegen Rechtsextremismus und für den Abbau von rechtsextremistischem Denken es für die schulische Arbeit gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Rechtsextremismus – was ist das?
2.2. Verbreitung des Rechtsextremismus- allgemein
2.3. Verbreitung des Rechtsextremismus- bei Jugendlichen
2.4. Entstehungsursachen für Rechtsextremismus
2.5. Pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus
2.5.1. Stellenwert der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus
2.5.2. Adressaten der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus
2.5.3. Gründe für pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus in der Schule
2.5.4. Herangehensweise an das Thema Rechtsextremismus in der Schule
2.5.5. Handlungskonzepte für die Schule gegen Rechtsextremismus
2.5.6. Ziele der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus in der Schule, um Schüler frühzeitig gegen rechtsextremistisches Gedankengut zu immunisieren und demokratische Kompetenzen zu fördern.
- Begriffliche Klärung und Phänomenologie des Rechtsextremismus
- Empirische Analyse der Verbreitung rechtsextremer Einstellungen bei Jugendlichen
- Psychologische, soziale und politische Ursachen für rechtsextremistische Denkweisen
- Konzepte der präventiven pädagogischen Arbeit im schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.4. Entstehungsursachen für Rechtsextremismus
Die Ursachen für rechtsextremistische Einstellungen und Verhaltensweisen sind vielfältig, ebenso die Erklärungsansätze und ihre jeweils unterschiedlichen theoretischen und methodischen Herangehensweisen. Besonders bedeutsam sind psychologische, soziale und politische Erklärungsansätze.
Psychologische Erklärungsansätze sehen die Ursachen für Rechtsextremismus in der einzelnen Person und drehen sich häufig um Forschungen des Soziologen Theodor W. Adorno zur „Authoritarian Personality“ = autoritärer Charakter. Diese orientierten sich an der Hypothese „dass die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Überzeugungen eines Individuums häufig ein umfassendes und kohärentes, gleichsam durch eine Mentalität oder einen Geist zusammengehaltenes Denkmuster bilden und dass dieses Denkmuster Ausdruck verborgener Züge der individuellen Charakterstruktur ist.“ Vorurteile galten als Ausdruck eines autoritären Charakters und als Merkmale für Autoritarismus galten u.a.: „Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit, autoritäre Aggression, Aberglaube und Stereotypie, Machtdenken, Destruktivität und Zynismus.“ Nach Adorno resultiert eine solche Charakterstruktur aus den Folgen frühkindlicher und familiärer Sozialisation. Ungünstig ist hier vor allem eine Vater- Dominanz und die nicht kindgerechte Umgebung in autoritären Familien.
Ein gegenteiliger Erklärungsansatz besagt, dass die antiautoritäre Erziehung für die Entstehung grade des jugendlichen Rechtsextremismus verantwortlich sei (den Kindern werden keine Grenzen gesetzt etc.). Dieser Ansatz wurde vor allem von dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie vertreten. Allerdings wird oft daraufhingewiesen, dass der Erziehungsstil, den Leggewie für die Entstehung von Rechtsextremismus verantwortlich machte, nicht der antiautoritäre, sondern der Laisser-faire-Stil sei. Ebenfalls gegen diesen Erklärungsansatz spricht, dass rechtsextreme Jugendliche oft aus Schichten stammen, in denen grade nicht antiautoritär erzogen wird. Auch die höhere Anzahl gewalttätiger Rechtsextremisten in den neuen gegenüber den alten Bundesländern kann nicht mit diesem Ansatz erklärt werden, wurden sie doch als Kinder/Jugendliche in der DDR autoritär sozialisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Aktualität und Dringlichkeit des Rechtsextremismus als schulisches Handlungsfeld anhand von Gewaltbeispielen und steckt das Ziel der Untersuchung ab.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert das Phänomen Rechtsextremismus, seine Verbreitung bei Jugendlichen, die theoretischen Entstehungsursachen sowie konkrete pädagogische Konzepte für die schulische Prävention.
2.1. Rechtsextremismus – was ist das?: Dieses Kapitel klärt den umstrittenen Begriff und definiert Merkmale wie völkischen Nationalismus und die Ablehnung des Gleichheitsprinzips.
2.2. Verbreitung des Rechtsextremismus- allgemein: Hier wird der Stand der empirischen Sozialforschung zur Verbreitung rechtsextremer Einstellungen in der Bevölkerung und der Parteienlandschaft dargelegt.
2.3. Verbreitung des Rechtsextremismus- bei Jugendlichen: Das Kapitel beleuchtet die spezifische Situation Jugendlicher und diskutiert, inwiefern eine eigene rechtsextreme Jugendkultur existiert.
2.4. Entstehungsursachen für Rechtsextremismus: Darstellung der psychologischen, sozialen und politischen Erklärungsansätze für die Herausbildung rechtsextremer Einstellungen.
2.5. Pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus: Systematische Übersicht über die verschiedenen Dimensionen und Ebenen pädagogischer Interventionsmöglichkeiten.
2.5.1. Stellenwert der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus: Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Arbeit sowie deren gesellschaftliche Einbettung.
2.5.2. Adressaten der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus: Differenzierung nach verschiedenen Zielgruppen, von „normalen“ Jugendlichen bis hin zu Aussteigern aus der Szene.
2.5.3. Gründe für pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus in der Schule: Begründung der präventiven Rolle der Schule im Rahmen ihres Bildungsauftrags.
2.5.4. Herangehensweise an das Thema Rechtsextremismus in der Schule: Methodische Hinweise zur Ermittlung des Bewusstseinsstandes der Schüler und zur Kommunikation im Unterricht.
2.5.5. Handlungskonzepte für die Schule gegen Rechtsextremismus: Vorstellung konkreter Ansätze wie demokratisches Lernen, politische Bildung und interkulturelle Pädagogik.
2.5.6. Ziele der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus: Formulierung der übergeordneten Zielsetzungen zur Förderung einer autonomiestiftenden Lebensorientierung.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass es zwar präventive Ansätze gibt, aber eine mangelnde Fachkompetenz und unzureichende Konzepte für bereits radikalisierte Jugendliche problematisch bleiben.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Schule, Pädagogische Arbeit, Jugendliche, Prävention, Demokratieerziehung, Politische Bildung, Interkulturelle Pädagogik, Politische Einstellungen, Gewaltbereitschaft, Sozialisation, Autoritäre Persönlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextreme Jugendkultur, Ausländerfeindlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Herausforderung, die rechtsextremistisches Gedankengut für Schulen darstellt, und analysiert pädagogische Möglichkeiten, präventiv dagegen vorzugehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition und Verbreitung von Rechtsextremismus, die Ursachenforschung sowie die Darstellung pädagogischer Konzepte in der Schule.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schule Schüler gegen rechtsextreme Ideologien immunisieren und ihre demokratische Urteilsfähigkeit stärken kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Theorien.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Fokus liegt auf der Analyse der Entstehungsursachen und der praktischen Anwendung von pädagogischen Handlungskonzepten wie dem demokratischen Lernen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Prävention, demokratische Schulkultur, Jugendliche, Rechtsextremismus und interkulturelle Pädagogik.
Warum spielt die Lehrerausbildung eine so wichtige Rolle im Fazit?
Die Autorin stellt kritisch fest, dass mangelnde Fachkompetenz und unbewusste Vorurteile bei Lehrkräften den Erfolg präventiver Arbeit massiv gefährden können.
Welche Kritik äußert die Arbeit an multikulturellen Schulfesten?
Sie kritisiert, dass solche Festlichkeiten oft oberflächlich bleiben und von den eigentlichen Problemen wie systematischer Ausländerfeindlichkeit ablenken.
- Quote paper
- Bettina Anker (Author), 2005, Pädagogische Arbeit gegen Rechtsextremismus in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63840