Dezentrales Betreutes Wohnen - Ein bedürfnisorientiertes Modell?


Hausarbeit, 2005
18 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung und Begründung der Notwendigkeit Dezentralen Betreuten Wohnens

2) Annäherung an den Begriff „Wohnen“
2.1 Wohnen allgemein
2.2 Die Bedeutung von Wohnen für alte Menschen

4) Entwicklung und Platzierung des Dezentralen Betreuten Wohnens in der sonstigen Wohnlandschaft
4.1 private Wohnformen
4.2 institutionelle Wohnformen

5) Bedürfnisse alter Menschen im Bezug auf das Thema „Wohnen“
5.1 Individualisierung
5.2 Selbständigkeit
5.3 Altengerechte Wohnungen
5.4 Einbindung ins Quartier
5.5 Sicherheit

6) Entsprechende konzeptionelle Leistungen des dezentralen betreuten Wohnens & der Sozialen Arbeit
6.1 Individualisierung – nach Bedürfnissen gestaffelte Leistungen
6.2 Selbständigkeit – eigenständiges Wohnen im selbstbestimmten Raum und Rahmen
6.3 Alterstgerechtes Wohnen - aufsuchende Beratung /Information
6.4 Einbindung ins Quartier – integrative Angebote
6.5 Sicherheit – Hilfestellungen auf Abruf

7) Ideen zur finanziellen
7.1 Grundpauschalen und Zusatzangebote
7.2 Verbleib in der eigenen Wohnung
7.3 ambulant vor stationär

9) offene Fragen
9.1 Umgang mit erhöhter Pflegebedürftigkeit oder Demenz
9.2 Diskrepanz zwischen Interesse und tatsächlicher Nutzung
9.3 Uneinheitliche Konzeptionen und unübersichtliches Angebot

Literaturverzeichnis

1) Einleitung und Begründung der Notwendigkeit Dezentralen Betreuten Wohnens

Für die aktuelle Diskussion um geeignete Wohnformen für die immer weiter anwachsende Zahl älterer Mitbürger[1], ist meiner Ansicht nach das Konzept des „Dezentralen betreuten Wohnens“ von großer Bedeutung.

Statistiken beweisen, dass bislang bereits die meisten Menschen in privaten Eigentums- oder Mietwohnungen leben (93% der über 65-jährigen)[2] und dass die Anzahl an bereitstehenden Wohnmöglichkeiten in Altenwohnungen oder Heimen aufgrund der demographischen Entwicklung bei Weitem nicht ausreichen wird.

Die traditionelle Heimunterbringung für die wachsende Zahl an alten Menschen ist auch auf Grund der sich ständig verschlechternden Finanzlage des Staates, nicht mehr zu leisten[3]. So wird der ambulanten Versorgung im Vergleich zur stationären ein größeres Gewicht zugemessen.

Das dezentrale betreute Wohnen ist allerdings nur eine Möglichkeit in der breiten Angebotspalette, die Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und verschiedenster Altersgruppen zur Verfügung stehen muss.

In einigen Regionen sind bereits solche Projekte entstanden, diese sind jedoch in Konzeption, wie auch Umsetzung sehr heterogen und ein quantitativer Überblick liegt noch nicht vor. Die Projekte tragen Namen wie: „Betreutes Wohnen zu Hause“, „Betreutes Wohnen im Quartier“, „betreutes Wohnen im Bestand“, „Betreutes Wohnen ohne Umzug“ oder „dezentrales betreutes Wohnen“[4].

Das im Folgenden beschriebene betreute Wohnen bei gleichzeitigem Verbleib in der eigenen Wohnung, werde ich hauptsächlich auf die Bedürfnisbefriedigung für Menschen prüfen, die sich in der Phase „erhöhter Gefährdung“ bzw. im „fragilen Rentenalter“[5] befinden. Gemeint sind Personen deren körperliche Einschränkungen ein eigenständiges Leben erschweren, die zwar noch nicht schwer pflegebedürftig sind, jedoch auf regelmäßige Alltagshilfen angewiesen sind. Menschen die beim Erhalt ihre Selbständigkeit und Selbstbestimmung unterstützt werden sollen.

2) Annäherung an den Begriff „Wohnen“

2.1 Wohnen allgemein

„Im Wohnen drückt sich aus, wie Menschen ihr Leben gestalten. Die Wohnung ist für die Identität des Menschen ebenso wie für Gefühle der Kontinuität und Sicherheit von Bedeutung. Die Lage und Ausstattung der Wohnung beeinflussen Selbständigkeit, Alltagsgestaltung und soziale Teilhabe(...)“[6] Diese Definition beinhaltet meiner Ansicht nach die im Zusammenhang des Wohnens wichtigsten Funktionen. Sie zeigt auf, dass die Form und der Ort des Wohnens sowohl für den einzelnen Menschen, als auch für seinen Bezug zur sozialen Umwelt von größter Bedeutung ist.

2.2 Die Bedeutung von Wohnen für alte Menschen

Für alte Menschen hat das Thema Wohnen deshalb eine besondere Bedeutung, weil sich der Lebensraum zunehmend auf die Wohnung und das enge Wohnumfeld eingrenzt. Gründe dafür sind zum Beispiel, dass keinen beruflichen Verpflichtungen mehr nachgekommen werden muss, oder dass mit steigender Wohndauer eine immer größer werdende Vertrautheit/ Verbundenheit zur Wohnung und zur Wohnumgebung entsteht. Die Wohnung wird zu einem Ort, an dem man sich sicher fühlt und eine bestimmte Autonomie erworben hat. Die Wohnumgebung garantiert soziale Kotakte, eine über die Jahre gewonnene Orientierung und somit Selbständigkeit.[7]

Aus dem Beschriebenen resultiert der häufige Wunsch alter Menschen so lange als möglich im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Um das gewährleisten zu können müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Auf Grund der abnehmenden Mobilität alter Menschen, sind Barrierefreiheit des Wohnumfeldes, gut erreichbare Dienstleistungs- und Einkaufsangebote, wie auch günstige Verkehrsanbindungen von besonderer Bedeutung.[8]

Zudem muss die Versorgung gesichert, „soziale Kontakte und Integration in die soziale Umwelt, sowie eine selbständigkeitsfördernde räumliche Gestaltung von Wohnung und Wohnumfeld“[9] sichergestellt werden.

Es ist allerdings wichtig, nicht nur die unterstützende Merkmale zu betrachten, sondern auch „sensorisch und kognitiv“[10] stimulierende, anregende und somit selbständigkeitsfördernde Faktoren.

4) Entwicklung und Platzierung des Dezentralen Betreuten Wohnens in der sonstigen Wohnlandschaft

Aufgrund der divergierenden Bedürfnisse der immer größeren Zahl alter Menschen, bei sich verschlechternder Finanzlage des Staates und dem verringerten familiären Hilfepotential, entwickeln sich in neuerer Zeit neben der traditionellen Heimunterbringung verschiedene alternative Wohnformen. Weitere Gründe dafür sind das zunehmende Streben älterer Menschen nach Selbständigkeit und Selbstbestimmung, wie auch die Durchsetzung des Kompetenzgemodells, was durch aktive Lebensgestaltung zum Erhalt der körperlichen und geistigen Kräfte beitragen möchte.[11]

Eine dieser Wohnformen ist das betreute Wohnen, meist in eigens erbauten Wohnanlagen. Es wurde ursprünglich für andere Bereiche der Sozialen Arbeit konzipiert (z.B. Behindertenwohnen), wird nun aber auch im Altenwohnbereich genutzt. Anfänglich wurde betreutes Wohnen im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus für einkommensschwache Personen eingeführt. Später wurden auch für alte Menschen mit mittlerer bis höherer Finanzkraft frei finanzierte Wohnungen mit gehobenem Ausstattungsniveau gebaut. Diese galten als Anlageobjekte für Versicherungswirtschaft und für Fonds.[12]

Diese ursprüngliche Form des betreuten Wohnens enttäuschte häufig die Erwartungen der Bewohner. Es gab wenig spezielle Hilfeangebote und „zudem eine ganze Reihe von Problemen im Bereich der Versorgung und des Zusammenlebens“[13]. Außerdem hat sich der allgemeine Wohnstandard dahingehend verbessert, dass baulich keine großen Unterschiede zwischen normalen Neubauwohnungen und speziellen „Altenwohnungen“ mehr bestehen.

So entstand also in jüngerer Zeit die Form des dezentralen betreute Wohnens, die in dieser Arbeit auf ihre Bedürfnisorientierung hin geprüft werden soll.

Im Folgenden werde ich kurz und knapp einen Überblick über die aktuell vorherrschenden Wohnformen für ältere Menschen geben. Diese lassen sich grob in private und institutionelle Wohnformen unterscheiden.

4.1 private Wohnformen

Haus- und Wohngemeinschaften

Diese Form des Wohnens garantiert den Bewohnern einen privaten Wohnbereich, wie auch gemeinschaftlich genutzte Räume. Die Organisation und die Verwaltung obliegt meist den Bewohnern selbst und von außen können dann ambulante Dienste in Anspruch genommen werden.[14] Positiv ist die Möglichkeit, sich bei aufkommenden Schwierigkeiten gegenseitig unterstützen zu können und das Aufgehobensein im sozialen Umfeld.[15] So können Menschen, die alleine nicht mehr wohnen könnten, durch die gemeinsame „Lebens- und Versorgungssituation“[16] weiterhin relativ selbständig leben.

Integriertes Wohnen

In „normalen“ Wohnanlagen leben hier verschiedene Bewohnergruppen zusammen. Ziel ist es sich durch nachbarschaftliche Hilfen (auch generationenübergreifend) gegenseitig zu unterstützen. Es sind Begegnungsräume und meist auch eine fachliche Unterstützung vorhanden.[17]

Barrierefreies Wohnen

Unter barrierefreiem Wohnen versteht man den Neubau von Wohnungen ohne Hindernisse oder Barrieren. Sie werden hauptsächlich nach den Standards der DIN-Norm 18025 errichtet. Auch die individuelle Anpassung bestehender Wohnungen an diese Norm und die Bedürfnisse alter Menschen, fällt unter diesen Begriff.[18] Ziel ist es, im Alter einen möglichst langen Verbleib im gewohnten Wohnumfeld zu ermöglichen.

Dezentrales Betreutes Wohnen

siehe S.9-16

4.2 institutionelle Wohnformen

Betreutes Wohnen

Menschen die diese ursprüngliche Form des betreuten Wohnens nutzen, leben meist in einer altengerechten Wohnung innerhalb einer Wohnanlage. Sie nehmen ein Paket von Grundleistungen in Anspruch (z.B. Beratung, Notruf...), und können sich zusätzlich noch für Wahlleistungen (z.B. Pflege, Reinigung,...) entscheiden.[19] Sie leben also selbstbestimmt und individuell, haben aber gleichzeitig die Sicherheit im Bedarfsfall Hilfe und Pflege zu erhalten.[20]

[...]


[1] vgl. Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003), S.5

[2] vgl Tyll S.(2001), S.40

[3] vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1997), S.17

[4] Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003), S.55

[5] Höpfinger F (2004), S.30

[6] Initiative zweite Lebenshälfte (?), S.6

[7] vlg. Höpfinger F (2004), S.9ff

[8] vgl. Hessisches Sozialministerium (2005), S.13

[9] Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003), S.21

[10] Initiative zweite Lebenshälfte (?), S.20

[11] vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1997), S.17

[12] vgl. Klie, T. (2002), S.389

[13] Gerngroß-Haas, G. (1997), S.14

[14] vgl. Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003), S.17

[15] vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1997), S.18

[16] Mätzke Norbert, (1992), S.10

[17] vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1997), S.18

[18] vgl. Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003),15f

[19] vgl. Kremer-Preiß U./Stolarz H. (2003), S.16

[20] vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1997), S.18

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Dezentrales Betreutes Wohnen - Ein bedürfnisorientiertes Modell?
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Veranstaltung
Schwerpunkt Soziale Gerontologie
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V63844
ISBN (eBook)
9783638567923
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dezentrales, Betreutes, Wohnen, Modell, Schwerpunkt, Soziale, Gerontologie
Arbeit zitieren
Amelie Singer (Autor), 2005, Dezentrales Betreutes Wohnen - Ein bedürfnisorientiertes Modell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63844

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