Der Roman "Belgische Riesen" unter literaturwissenschaftlichen und didaktischen Aspekten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

30 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Autor

2 Analyse des Romans Belgische Riesen
2.1 Inhalt
2.2 Figurenkonstellation und Familienklima
2.2.1 Familie Bantelmann – die traditionelle Familie
2.2.2 Familie Frenke – die Patchworkfamilie
2.3 Charakterisierungen der Protagonisten.
2.3.1 Fridz – das starke Mädchen.
2.3.2 Konrad – der sensible Junge
2.4 Bildlichkeit - die Gute-Nacht-Geschichte

3 Didaktische Umsetzung
3.1 Vorüberlegungen zur Bedeutung des Themas Scheidung
3.2 Vorüberlegungen zum Einsatz im Unterricht
3.3 Bezug zum Lehrplan.
3.4 Skizzierung einer Unterrichtsreihe
3.5 Planung einer Einzelstunde

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

0 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Roman Belgische Riesen und dessen Umsetzung im Unterricht.

Den Roman von Burkhard Spinnen habe ich als Grundlage für diese literaturdidaktische Arbeit ausgewählt, wobei der Fokus auf der Thematik Scheidung und Trennung der Eltern liegt, da dies in der heutigen Zeit für immer mehr Kinder zur Realität wird. Es existiert nicht nur die traditionelle Familie, der Mutter, Vater und Kinder angehören, sondern es gibt immer mehr verschiedene Lebensformen. Der Roman soll unter anderem dafür sensibilisieren, unterschiedliche Lebensformen anzuerkennen und Verständnis für diese aufzubringen.

So werden zunächst die Familienstrukturen der traditionellen und der Patchworkfamilie kontrastierend analysiert.

Weniger umfangreich wird auf den Genderaspekt in diesem Roman eingegangen. Ausschließlich die Darstellung der Protagonisten wird dahingehend untersucht.

In dem zweiten, didaktischen Teil dieser Arbeit werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie der Roman in der Orientierungsstufe eines Gymnasiums eingesetzt werden kann. Neben der Skizzierung einer Unterrichtsreihe wird eine Einzelstunde exemplarisch dargestellt.

1 Autor

Der Autor Burkhard Spinnen, geboren 1956, lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Münster. Dort studierte er Germanistik, Publizistik und Soziologie, bevor er promovierte. Spinnen beendete 1995 seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Germanistik in Münster, um als freier Schriftsteller tätig zu werden.

Für seine Werke erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.[1]

2 Analyse des Romans Belgische Riesen

2.1 Inhalt

Der zehnjährige Konrad Bantelmann lebt mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Peter in einer Doppelhaushälfte, die sich inmitten einer Neubausiedlung, dem Dransfeld, befindet. Konrad verlebt eine behütete Kindheit in intakten Familienstrukturen: seine Mutter ist Hausfrau und sein berufstätiger Vater nimmt sich viel Zeit für seine Söhne. So erzählt er ihnen täglich eine fantasievolle Gute-Nacht-Geschichte.

Auf einem Erkundungsgang führt er seine „Dransfeld-Untersuchung […]“[2] durch, um alle Bewohner, vor allem die Kinder in einem Heft zu katalogisieren. Bei der Erkundung der neuen Wohnumgebung lernt Konrad die gleichaltrige Friederike, auch Fridz genannt, kennen. Als Zehnjähriger interessiert er sich im Allgemeinen nicht für Mädchen. Fridz ist jedoch anders. Allein die Tatsache, dass sie in anderen Familienverhältnissen lebt, als der Rest der Siedlung, macht Konrad einerseits neugierig, andererseits wirken die neuen Eindrücke verwirrend auf ihn. Fridz’ Vater hat seine Frau und Tochter verlassen, um mit seiner Freundin Kristine zusammenzuleben. Die verlassene Mutter hat nun große Schwierigkeiten, sich in ihr neues Leben hineinzufinden.

Fridz hegt Rachepläne gegen die neue Freundin, bei deren Umsetzung ihr Konrad behilflich sein soll. Der pflichtbewusste Konrad hat jedoch Bedenken, mit Hilfe eines Riesenkaninchens, einem Belgischen Riesen, einen Allergieschock bei der neuen Freundin des Vaters auszulösen, um diesen wieder zurückzuholen. Konrad und vor allem Fridz setzen alles in Bewegung, um den Plan durchzusetzen. Konrad, der ein ungutes Gefühl bei dem Racheplan hat, unterstützt Fridz trotz seiner großen Bedenken. Doch anstatt den Racheplan in die Tat umzusetzen, zeigt sie schließlich - auf Anraten Konrads – der Freundin des Vaters offen ihre Wut über die Trennung der Eltern. Auf diese Weise macht sie ihre Gefühle deutlich.

Anschließend kehren Konrad und Fridz nach einem aufregenden Tag in der Stadt, der dem Racheplan gewidmet war, ins Dransfeld zurück. Sie werden dort von ihren Familien erwartet.

2.2 Figurenkonstellation und Familienklima

In dem Roman Belgische Riesen werden zwei verschiedene Familienstrukturen kontrastierend einander gegenübergestellt.

So lebt Konrad in einer traditionellen Familie, der Mutter, Vater und Kinder angehören. Fridz hingegen wohnt mit ihrer Mutter allein. Ihr Vater lebt mit seiner neuen Freundin zusammen.

Konrad ist als einer der Protagonisten dieses Romans anzusehen, weil er das Bindeglied zwischen beiden Familien ist. Er wirkt sowohl in dem einen Handlungsstrang, der die traditionelle Familie betrifft, als auch in dem zweiten Handlungsstrang, der von der Protagonistin Fridz und ihrer Familie handelt, mit.

Familie Bantelmann Familie Frenke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.1 Familie Bantelmann – die traditionelle Familie

Konrad Bantelmann wächst, wie eingangs bereits erwähnt, in einer intakten Familienstruktur auf. In seiner Familie herrscht eine traditionelle Rollenverteilung. So ist seine Mutter Hausfrau, sein Vater hingegen verdient den Lebensunterhalt für die Familie. Die Familie entspricht einer typischen Mittelstandsfamilie, wie sie im Dransfeld anzutreffen ist: sie wohnen in einer Doppelhaushälfte und fahren Kombi.[3] Die verheirateten Eltern Bantelmann haben ein gutes, friedvolles Verhältnis zueinander. Man erfährt nichts über Streitigkeiten zwischen ihnen.

Die Familie legt großen Wert auf gemeinsame Aktivitäten. So erfährt der Leser, dass sie eine Jahreskarte für den Zoo besitzen.[4] Familienausflüge sind ein wichtiger und immer wiederkehrender Bestandteil des täglichen Familienlebens. Die Eltern gehen besonders auf die Interessen ihrer Kinder ein.

Ebenso ist es ihnen wichtig, verlässliche Strukturen und Rituale bei der Erziehung ihrer Söhne einzuhalten. Jeden Abend werden sie nach den schönsten und den weniger guten Erlebnissen des Tages gefragt.[5] Auf diese Weise kommt zum Ausdruck, dass die Eltern an den Freuden und Nöten ihrer Kinder interessiert sind. Zu den verlässlichen Strukturen gehören allerdings auch klare Regeln, die das tägliche Leben ordnen. Konrad weiß sehr genau, was seine Eltern verbieten und was nicht. Es ist nicht einmal notwendig, dass die Verbote ausgesprochen werden.[6]

Die beiden Brüder, Konrad und Peter, haben im Allgemeinen ein gutes Verhältnis zueinander. Sie haben eine behütete Kindheit im Dransfeld. Es wird geschildert, dass sie abends vor dem Einschlafen gemeinsam im Bett liegen und dabei einer Gute-Nacht-Geschichte des Vaters zuhören.[7] In manchen Momenten allerdings nervt der fünfjährige Peter seinen älteren Bruder Konrad, wenn er zum wiederholten Mal seinen Becher Kakao umkippt und so die Eltern aufregt. Trotzdem kann von einer normalen Geschwisterbeziehung die Rede sein, die sehr friedlich zu sein scheint.

Das Verhältnis zwischen den Eltern und ihren Söhnen ist von besonderem Vertrauen geprägt. So weiß Konrad, dass er sich an seine Eltern wenden kann, wenn er Probleme hat. Dabei sind die Eltern weder aufdringlich noch neugierig. Sie respektieren die Geheimnisse ihres Sohnes. Konrad bittet seine Eltern um Hilfe, als es darum geht, Fridz’ Racheplan durchführen zu können. Dabei fordern sie nicht, dass er seine Freundin verrät, indem er ihnen alles erzählt. Vielmehr beweisen sie ihr ungetrübtes Vertrauen in ihren Sohn, indem sie ihn nicht im Stich lassen und ihn unterstützen, obwohl sie nicht wissen, was Konrad und Fridz planen. Sie nehmen die Bitte um Hilfe ernst und beweisen ihre Verlässlichkeit.[8] Das Erziehungsverhalten der Eltern wird nicht nur an dieser Stelle sehr demokratisch dargestellt. Die Eltern stellen sich nicht über ihre Kinder und sind in der Lage, gemachte Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Eine ausgesprochene Strafe nimmt die Mutter zurück, als sie bemerkt, dass sie unangebracht und nicht angemessen ist.[9]

Die Eltern fördern das vertrauensvolle Familienklima, indem sie demonstrieren, dass auch sie nicht unfehlbar sind. Der Umgang im Hause Bantelmann ist von Interesse und Partnerschaftlichkeit geprägt.

2.2.2 Familie Frenke – die Patchworkfamilie

Friederike Frenke, genannt Fridz, lebt in einer Familie, die sich von den anderen Familien im Dransfeld unterscheidet. Sie lebt mit ihrer Mutter allein in der neuen Doppelhaushälfte, in die ihr Vater nicht eingezogen ist, da dieser vor kurzem die Familie verlassen hat und nun mit seiner Freundin „[..] Kristine. Kristine mit K“[10] zusammenwohnt.

Über Fridz’ Mutter erfährt man, dass sie „[…] ganz anders [aussieht] als die anderen Dransfeld-Mütter […]“[11]. Diese Feststellung betont, dass diese Familie anders ist als die, die Konrad bisher kennen gelernt hat. Die Mutter von Fridz hat einen auffälligen Kleidungsstil und ist stark geschminkt. Konrad stellt ebenso fest, dass Fridz’ Mutter unglücklich aussieht. So befindet sie sich nach der Trennung in einer äußerst labilen Phase, unter der ihre Tochter Fridz sehr leidet. Fridz ist sich der Probleme ihrer Mutter bewusst und weiß, dass diese Schlaftabletten einnimmt.[12]

In dieser Phase der Desorganisation der Familie, die sich nach der Trennung vom Vater zunächst umstrukturieren muss[13], fühlt sich Fridz verantwortlich für ihre traurige Mutter. Fridz scheint diejenige zu sein, die mit der Scheidungssituation besser umgehen kann. Eine besondere Belastung für die Kinder ist ein Elternteil, der „[…] selbst vermehrte Depressivität und emotionale Labilität aufweist […]“[14]. So weint Fridz’ Mutter, was die Tochter selbstverständlich belastet. Außerdem vernachlässigt sie Fridz und ist nicht in der Lage, sich angemessen um sie zu kümmern. Fridz teilt sich ihrer Mutter typischerweise nicht mit, um sie nicht noch mehr zu belasten.[15]

[...]


[1] Vgl. www.de.wikipedia.org/wiki/Burkhard_Spinnen. 10.08.2006.

[2] Spinnen, B.: Belgische Riesen. S. 27.

[3] Vgl. ebd. S. 27.

[4] Vgl. ebd. S. 33.

[5] Vgl. ebd. S. 34.

[6] Vgl. ebd. S. 75.

[7] Vgl. ebd. S. 42.

[8] Vgl. ebd. S. 166f.

[9] Vgl. ebd. S. 67.

[10] Ebd. S. 73.

[11] Ebd. S. 47.

[12] Vgl. ebd. S. 79.

[13] Vgl. Walper, S.; Gerhard, A. K.: Scheidung. S. 528.

[14] Ebd. S. 530.

[15] Vgl. ebd. S. 531f.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Der Roman "Belgische Riesen" unter literaturwissenschaftlichen und didaktischen Aspekten
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Deutsche Sprache und ihre Didaktik)
Veranstaltung
Genderorientierung in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
30
Katalognummer
V63874
ISBN (eBook)
9783638568166
ISBN (Buch)
9783656781905
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Roman, Belgische, Riesen, Aspekten, Genderorientierung, Kinder-, Jugendliteratur
Arbeit zitieren
Susanne Peschutter (Autor:in), 2006, Der Roman "Belgische Riesen" unter literaturwissenschaftlichen und didaktischen Aspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63874

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