Die Rolle der Komik und des Lachens im Quijote


Seminararbeit, 2005
17 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1.1. Was ist Komik/komisch?
1.2. Geschichte der Lach- und Komiktheorie Vorrausetzungen für Komik
1.3. Die Arten der Komik anhand von Beispielen aus dem Quijote

II. Hauptteil: Die Komik/ das Lachen im Quijote
2.1. Kapitel 20
2.2. Kapitel 35
2.3. Kapitel 43
2.4. Kapitel 52

Bibliographie

I.Einleitung:

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Komik und des Lachens im Roman Don Quijote de la Mancha von Cervantes. Im ersten Teil der Arbeit wird kurz auf die gängigsten Komik- und Lachtheorien sowie die Arten der Komik eingegangen, um die Basis für eine Betrachtung unter den gegebenen Gesichtspunkten zu legen. Im Hauptteil wird versucht, anhand von Beispielen die von Cervantes’ benutzten Techniken und die Rolle der risa (des Lachens) selbst im Roman darzustellen.

1.1.Was ist Komik/ komisch?

Komik geht etymologisch zurück auf gr. komos, den zum Dionysos-Kult gehörenden festlichen Umzug mit Zecherei, Gesang und Flötenspiel .

Während das Adjektiv komisch die Eigenschaft einer Sache (einer Person oder eines Sachverhaltes) bezeichnet, die ein Lachen hervorruft, bezeichnet Komik das Phänomen , das diese Reaktion hervorruft. Das Komische und das Lachen hängen eng zusammen, das Komische ist der Anlass für das Lachen (vgl. Kablitz 1997:289[1] ).

1.2.Geschichte der Lach- und Komiktheorietheorie / Vorraussetzungen für Komik

In der Antike werden der Gegenstand des Lachens und das Lachen selbst zumeist als etwas Schlechtes angesehen.[2] Auch im Mittelalter wird vor allem in theologischen Theorien die Auffassung vertreten, dass « es sich für den unerlösten Menschen nicht zieme zu lachen.» In der (frühen) Neuzeit gibt es eine Vielzahl von psychologischen Ansätzen , die sich damit befassen, aus welchen Motiven ein Mensch lacht. Es sollen hier nur in verkürzter Form die Ansätze angesprochen werden, die für die Analyse im Hauptteil von Bedeutung sind.

Ritter unterscheidet zwischen den negativen Anlässen (Nichtiges, Unechtes, Scheinhaftes) des Lachens und dem positiven Effekt des Lachens , wenn es aus Freude , Heiterkeit oder Glück geschieht.[3] Nach Hobbes wird im Lachen Überlegenheit über Inferiorität ausgedrückt und Kant definiert das Lachen als « ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Situation in nichts.»

Henri Bergson sieht die Komik als etwas typisch Menschliches an, das heißt man kann nur über etwas lachen, das menschliche Züge hat oder zeigt, wie zum Beispiel ein Tier, das uns glauben macht zu lachen oder Ähnliches ( vgl. Bergson 1988:14)[4]. Eine weitere Vorraussetzung für Komik ist der von Bergson geprägte Begriff der Empfindungslosigkeit, das heißt um über jemanden oder etwas lachen zu können, muss eine Art emotionale Distanz zwischen Lacher und Belachtem herrschen (vgl. Bergson 1988:15). Ein drittes Kriterium für genussvolle Komik ist das Erleben derselben in einer Gruppe. So ist es für Nichtzugehörige zu einer Gruppe manchmal schwierig bei einem Lachen einer Gruppe mitzulachen, da der Bezug zur Thematik und den Personen selbst fehlt (vgl. Bergson 1988:15-16).Neben dem Entstehen in einer Gruppe zeichnet sich die Komik durch Automatismen aus . Durch sich wiederholende Gesten, Gebärden, Ticks, Wörter, Situationen oder viele Menschen , die sich in Aussehen oder Verhalten ähneln, entstehen lächerliche Momente, die uns zum Lachen reizen (vgl. Bergson 1988:31). Warning nennt als Grundvorrausetzung für das Entstehen von Komik die Subjekt- Objektkonstellation ; das heißt ein Subjekt steht in Beziehung zu einem Objekt, auf das es lachend reagiert. Das Objekt ist gekennzeichnet von

Gegensinnigkeit, Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit und weicht von gewissen Normen ab beziehungsweise durchbricht die Erwartungen des Subjekts(vgl. Warning 1996: 900[5] ).

1.3. Die Arten der Komik (nach Henri Bergson) erläutert anhand kurzer Beispiele aus dem Quijote

Bergson unterscheidet fünf Arten der Komik.

Das erste Element , die Situationskomik , setzt sich bei Bergson aus mehreren Techniken zusammen . Bei der Repetition entsteht Komik durch Wiederholungen gleicher Situationen, die steigernd angeordnet sind.. Im Quijote finden sich solche Repetitionen immer dann, wenn Quijote auf ein weibliches Wesen trifft. Für ihn ist jede Frau eine fermosa doncella, selbst wenn es sich um eine Dirne oder Bauersfrau handelt (vgl. Kap 1: S.57)[6].

Bei der Inversion verhält es sich ähnlich wie bei der Repetition, mit dem Unterschied, dass in gleichen Situationen die Rollen vertauscht werden, (vgl. Bergson 1988:66). Eine solche Inversion findet sich im 10. Kapitel , als Sancho seinen Herrn davon abbringt, einen Eidschwur zu leisten:

[…] Oyendo esto Sancho, le dijo: « Advierta vuestra merced, señor don Quijote , que si el caballero cumplió lo que se le dejó ordinando de irse a presentar ante mi señora Dulcinea del Toboso , ya habrá cumplido con lo que debía, y no merce otra pena si no comete nuevo delito. »

« Has hablado y apuntado muy bien – respondió don Quijote- ; y así, anulo el juramento […] . (S.144) »

Man könnte diese Situation deshalb als Inversion bezeichnen, da Sancho seinen Herrn in Fragen des Rittertums belehrt , was ansonsten im Roman eher umgekehrt ist.

Bei der Interferenz der Serien treffen zwei vom Sinn her unterschiedliche Handlungsstränge aufeinander oder überlappen sich kurzzeitig. Eine solche Interferenz findet sich im Kapitel 52 beim Aufeinandertreffen mit den Pilgern. Eine weitere Technik ist das sogenannte Schneeballprinzip, das heißt ein Prozess löst weitere Prozesse aus (vgl. Bergson 1988:68-70). Ein passendes

Beispiel findet sich im Kapitel 16 bei der Episode in der Schenke als sich eine Schlägerei entwickelt , in die immer mehr Menschen involviert sind:

El bueno del arriero, a quien tenían despierto sus malos deseos […] estuvo attentamente escuchando todo lo que don Quijote decía , y, celoso […] enarboló el brazo en alto y descargó tan terribile puñada sobre las estrechas quijadas del enamorado caballero , que le baño toda la boca en sangre [...]. [...] a cuyo gran ruido despertó el ventero […] , se levantó, y encendiendo un candil , se fue hacia donde había sentido la pelaza. La moza, viendo que su amo venía […] se acogió a la cama de Sancho Panza […] despertó Sancho […]

y comenzó a dar puñadas a una y otra parte […] (S.217-218).

Das zweite Element , die Wortkomik , muss der Situationskomik entsprechen beziehungsweise muss die Projektion der Situation auf das Wort sein. Die Wortwahl, der Satzbau, der Einsatz von Stilmitteln sowie das Einflechten von Absurdität in bestehende Wendungen oder grammatische Konventionen sind adäquate Mittel zum Hervorrufen von Wortkomik (vgl. Bergson 1988:76).

Ein weiteres wichtiges Mittel der Redekomik sind die vielen verschiedenen Tonarten, die ein Mensch anzuschlagen weiß. Wechselt ein Mensch das in eine

Situation passende Register durch ein anderes aus (zum Beispiel einen feierlichen in einen familiären Ton) , können dadurch eine Unmenge komischer Situationen entstehen. Dieser Vorgang wird von Bergson Transposition genannt. Im Quijote finden sich diese Transpositionen ständig, die die Basis der Wortkomik im Quijote legen. Quijote spricht in einem bäuerlich-ländlichen Milieu ständig in einem hochgestochenen , feierlichen Ton. Besonders komisch sind die Dialoge, in denen die deftige Bauernsprache direkt auf die hochgestochene «Rittersprache» Quijotes treffen.[7] Weitere wortkomische Elemente liefern die bauernschlauen Redewendungen Sanchos, die zum Teil noch selbst von ihm verfremdet werden. Im Kapitel 20 möchte Sancho seinen Herrn von dem Vorhaben abbringen die Ursache eines furchtbaren Getöses zu ergründen und versucht ihn mit zahllosen Argumenten davon überzeugen noch zu warten:

« A mí me muestra la ciencia que aprendí cuando era pastor , no debe de haber desde aquí al alba tres horas, porque la boca de la Bocina está encima de la cabeza , y hace la media noche en la línea del brazo izquierdo.» (S.265)

Eine sinngemäße Übersetzung ab porque würde ungefähr so lauten:

[...]


[1] Kablitz, Andreas: «Komik, Komisch», in: Weimar, Klaus (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft , Berlin 1997. Bd.2, S.289-294.

[2] Platon bestimmt das Komische als « etwas Schlechtes , das im Gegensatz zur Tugend steht.» Nach seiner Auffassung beruht Komik « auf der Selbsttäuschung der Menschen im Bezug auf ihr Vermögen , ihren Charakter oder ihr Aussehen (vgl. Platon . » Aristoteles definiert das Komische als « ein mit Hässlichkeit verbundener Fehler, der ohne Konsequenzen bleibt, » und im Vergleich zu Platons’ Auffassung moralisch unbedenklich ist. Die Funktion des Komischen bestimmt er als Entlastung des Menschen von tugendhaftem Handeln . Die Vorstellung der Negativität des Komischen (Lachfeindschaft) überwiegt jedoch bis in die frühe Neuzeit.

[3] Kablitz folgt dieser Theorie : «Das Lachen selbst ist ein Ausdruck von Freude , während der Gegenstand des Lachens meist in Kategorien der Negativität gekennzeichnet ist (vgl. Kablitz 1997:289). »

[4] Bergson, Henri: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Darmstadt 1988.

(Verlag)

[5] Warning, Rainer: «Komik, Komödie» in: Ulfert Ricklefs (Hg.): Fischer Lexikon Literatur, Frankfurt a. M: Fischer 1996, Bd. 2, S.897-936.

[6] Die angeführten Kapitel- und Seitenangaben beziehen sich auf den ersten Teil der Ausgabe: Cervantes, Miguel: Don Quijote de la Mancha, ed. Florencio Sevilla, Madrid: Allianza Editorial 2001 (Biblioteca de Autor).

[7] Im Kapitel 43 beim Dialog zwischen Quijote und Maritornes ( s.2.3).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Komik und des Lachens im Quijote
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Proseminar 2
Note
2.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V63921
ISBN (eBook)
9783638568524
ISBN (Buch)
9783638797177
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Komik, Lachens, Quijote, Proseminar
Arbeit zitieren
Sebastian Braun (Autor), 2005, Die Rolle der Komik und des Lachens im Quijote, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63921

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