Ein Vergleich der Liebeskonzeption im "Herzmaere" Konrads von Würzburg mit der im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg


Hausarbeit, 2002
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Zum Begriff der Minne

3. Die Intentionen Konrads und Gottfrieds

4. Die Minneauffassung im „Herzmaere“ und im „Tristan“
4.1. Zur Motivation der Minnebeziehungen
4.2. Das Verhältnis der Liebenden zueinander
4.3. Der Gegensatz von liebe und leit
4.4. Die Bedeutung des Herzen
4.5. Der religiöse Aspekt

5. Schlußbetrachtung

6. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur
Lexika

1. Vorwort

Diese Arbeit hat einen Vergleich der Liebeskonzeption im „Herzmaere“ von Konrad von Würzburg mit der im „Tristan“ von Gottfried von Straßburg zum Thema. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Minneauffassungen der beiden Autoren sollen nach einer kurzen Definition des Minnebegriffes und der Vorstellung der Intentionen Konrads und Gottfrieds anhand des ritter[s][1] und der frouwe guot[2] im „Herzmaere“[3] sowie Tristans und Isoldes im „Tristan“ herausgearbeitet werden.

Vorweg einige Bemerkungen zur Stoffgeschichte und Entstehungszeit der beiden mittelalterlichen Erzählungen.

Konrads „Herzmaere“ gehört zu den beliebtesten mittelhochdeutschen Maeren[4]. Das Motiv vom ‚gegessenen Herzen‘[5], das hier thematisiert wird, scheint ein sehr altes zu sein und ist in Europa vermutlich um 1100 entstanden. Schriftliche Fassungen gibt es jedoch nicht vor der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts[6]. Der hier verwendete Text des „Herzmaeres“ fußt auf keiner einzelnen Handschrift, sondern ist ein künstliches Gebilde, zusammengesetzt aus verschiedenen Handschriften, die vom späten 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert datieren[7].

Mit seiner schriftliterarischen Bezeugung steht der Tristanstoff um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Konkurrenz zu anderen Stoffen, denn etwa gleichzeitig erschien z.B. die Artusgeschichte[8]. Es wird angenommen, daß Gottfrieds „Tristan“ um 1210/15 herum entstand. Allerdings stützt sich diese Datierung auf eine eher relative Chronologie der mittelhochdeutschen Dichtung und kann daher nur als ungefähr gesichert gelten[9].

2. Zum Begriff der Minne

Seit dem 19. Jahrhundert wird das mittelhochdeutsche Wort minne in der Literaturgeschichte als Terminus für die in der höfischen Dichtung vielfältig thematisierte „Liebe“ gebraucht. Die Grundbedeutung des Wortes war eine positive mentale und emotionale Zuwendung, die für die Beziehung der Menschen zu Gott sowie untereinander in karitativer, freundschaftlicher, erotischer und sexueller Hinsicht verwendet wurde. Im späten Mittelalter erfuhr das Wort eine Bedeutungsverengung auf den Aspekt der Erotik und Sexualität, die schließlich zu dem heute noch gültigen Ersatz von Minne durch ‚Liebe‘ geführt hat. Gattungsübergreifend erscheint die Minne mit wiederkehrenden Motiven, Denk- und Vorstellungsformen als ein komplexes Phänomen. Im Minnesang und im Roman wird die antithetische Wesensstruktur der Minne als unauflösbare Spannung von liebe und leit veranschaulicht und erörtert[10].

3. Die Intentionen Konrads und Gottfrieds

Im Prolog stellen beide Autoren ihre Absichten vor. Dabei beklagt Konrad, daß es auf der Welt keine reine Minne mehr gibt. Deshalb sollen sich alle, die vom „Herzmaere“ Kenntnis nehmen, seine Geschichte ganzer liebe[11] zum Vorbild nehmen[12]. Sein Exempel will er jedoch nicht als warnend oder abschreckend verstanden haben, sondern vielmehr als Ausdruck wahrer, reiner Liebe[13]. Auch Gottfried wird von einem vornehmen Liebespaar berichten[14].

[...]


[1] Zitiert nach Konrad von Würzburg: Heinrich von Kempten. Der Welt Lohn. Das Herzmaere. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Mhd. Text nach der Ausgabe von Edward Schröder. Übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von H. Rölleke. Stuttgart 1968 (RUB 2855).V. 29.

[2] Ebd.

[3] Die Personen im „Herzmaere“ sind nicht namentlich benannt. Statt dessen wird lediglich von dem ritter und der frouwe guot gesprochen. Somit stellt das „Herzmaere“ eine auf das Elemen- tarste reduzierte Geschichte da. Blamires, David: Konrads von Würzburg „Herzmaere“ im Kontext der Geschichte vom gegessenen Herzen. In: JOWG 5 (1988/89). S. 257.

[4] Blamires: Konrads. S. 251.

[5] Schulze, Ursula: Konrads von Würzburg novellistische Gestaltungskunst im „Herzmaere“. In: Hennig, H. Kolb (Hrsg.). Mediaevalia litteraria. Fs. H. de Boor. München 1971. S. 452.

[6] Brandt, Rüdiger: Konrad von Würzburg. Darmstadt 1987 (Erträge der Forschung 249). S. 106.

[7] Blamires: Konrads. S. 252.

[8] Huber, Christoph: Gottfried von Straßburg: Tristan. Berlin 2000 (Klassiker Lektüren 3). S. 15.

[9] Krohn, Rüdiger: Gottfried von Straßburg. In: Deutsche Dichter. Bd. 1: Mittelalter. Gunther E. Grimm u. Frank Rainer Max (Hrsg.). Stuttgart 1989 (RUB 86111). S. 220.

[10] Schulze, Ursula: Minne. In: Norbert Angerman, Robert-Henri Bautier u. Robert Anty (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters VI. Lukasbilder bis Plantagenêt. München 1993. S. 639-642.

[11] Zitiert nach Konrad: Heinrich. V. 7.

[12] Vgl. hierzu Konrad: Heinrich. V. 1-7.

[13] Blamires: Konrads. S. 257.

[14] Vgl. hierzu Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu herausgegeben, ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. 3 Bde. Stuttgart 8. Aufl. 1998 (RUB 4471-3). V. 125-130.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Liebeskonzeption im "Herzmaere" Konrads von Würzburg mit der im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Deutsche und Niederländische Philologie)
Veranstaltung
ÄdL Grundkurs C: Liebe, Ehe und Sexualität in der Maerendichtung
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
18
Katalognummer
V6393
ISBN (eBook)
9783638139748
ISBN (Buch)
9783638864312
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Liebeskonzeption, Herzmaere, Konrads, Würzburg, Tristan, Gottfrieds, Straßburg, Grundkurs, Liebe, Sexualität, Maerendichtung
Arbeit zitieren
Nadine Bliedtner (Autor), 2002, Ein Vergleich der Liebeskonzeption im "Herzmaere" Konrads von Würzburg mit der im "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6393

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