Mit Beginn des frühen Mittelalters kam es zu einer regelrechten Welle von Städtegründungen, zumeist infolge einer, mit Rechten eines Marktherrn privilegierten, Marktsiedlung, der damalig größtenteils ländlichen Bevölkerung bzw. reisender Kaufleute.
So auch in Erfurt, der heutigen Landeshauptstadt Thüringens. Jedoch kaum jemand weiß, wenn er heute durch die gemütlichen Gassen, Fachwerkbesetzter Häuser, über die Krämerbrücke oder den Anger schlendert, über deren eigentlichen Ursprung.
In der vorliegenden Arbeit soll nun der Frage nachgegangen werden, warum genau dieses Gebiet für eine Ansiedlung gewählt wurde und welche Faktoren explizit dazu führten, dass sich dort eine Stadt herausbildete.
Vorweggenommen werden muss allerdings, dass aufgrund der schlechten Quellenlage aus dieser Zeit, welche erst mit dem Investiturstreit lichter zu werden beginnt, einige Hintergründe schwer aufzudecken sind und sich teilweise Lücken im chronologischen Ablauf ergeben bzw. sich Schwierigkeiten dabei ergaben, die teilweise unterschiedlichen Ereignisse, welche die verschiedenen Sekundärliteraturen beschreiben, in einen logischen Zusammenhang zu bringen.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Vorgeschichte auf dem Gebiet der Stadt bis 742
III Welche Bedingungen begünstigten eine Ansiedlung?
IV Wie entwickelte sich Erfurt zur mittelalterlichen Stadt?
4.1. Die Erhebung zum Bischofssitz
4.2. Der königliche Einfluß
4.3. Die „zwei Erfurter Märkte“ und deren Dualismus
a. Die Dommarktsiedlung
b. Die Angersiedlung
4.4. Der Übergang Erfurts in erzbischöflichen Besitz und das Zusammenwachsen der beiden Märkte
4.5. Die Ratsentstehung
VI Schluß
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Faktoren und Bedingungen, die zur Entstehung Erfurts als mittelalterliche Stadt führten. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der geografischen Lage, dem Einfluss weltlicher und kirchlicher Herrschaftsformen sowie dem Prozess der Zusammenführung der verschiedenen Marktsiedlungen zur städtischen Einheit.
- Die geografischen Standortvorteile und die Bedeutung der Furt durch die Gera.
- Die Rolle der bischöflichen Gründung und des königlichen Einflusses für die Stadtentwicklung.
- Der Dualismus zwischen der Dommarktsiedlung und der Angersiedlung.
- Der Übergang in erzbischöflichen Besitz und das Zusammenwachsen der Märkte.
- Die Entstehung der bürgerlichen Selbstverwaltung und des Rates.
Auszug aus dem Buch
IV Wie entwickelte sich Erfurt zur mittelalterlichen Stadt?
Im päpstlichen Auftrag erhob der Missionserzbischof Bonifatius im Jahre 742, neben Würzburg und Büraburg, Erfurt zum Bischofssitz. Dabei galt die Tatsache, dass Erfurt wie erwähnt kein gegründeter, sondern gewachsener Ort war als Voraussetzung, da nach kirchlicher Vorschrift für Bistumshauptstädte nur „civitates“, das heißt Völkerschaftsstädte, gewählt werden sollten. Allerdings mußte von dieser Bestimmung häufig abgewichen werden; denn auch Erfurt hatte zu dieser Zeit in Wirklichkeit noch keinen stadtartigen Charakter und Bonifatius betonte lediglich, dass der Ort schon eine „urbs“ heidnischer Bauern gewesen sei und bezeichnete Erfurt vorsichtig mit dem unbestimmten Begriff „locus“, um die Genehmigung vom Papst zu erhalten, dort einen Bischofssitz zu gründen.
Und genau mit der Bitte um die Bestätigung des Bischofssitzes trat Erfurt zum ersten Male urkundlich in Erwähnung. Schließlich bestätigte Papst Zacharias II., dank der bewußt diplomatisch undurchsichtig gehaltenen Ausdrucksweise Bonifatius`, am 1. April 743 diese Gründung. Aber nicht nur die mögliche Größe und Bedeutung der bereits bestehenden Siedlung scheinen Bonifatius dazu bewegt zu haben, in Erfurt eine Bischofsresidenz zu gründen, sondern auch er mag die Entwicklungsfähigkeit dieses Ortes mit seiner verkehrsanziehenden Furt bereits erkannt haben und sich, nach Schnellenkamp, möglicherweise auch schon mit dem Gedanken befaßt haben, eine Marktsiedlung ins Leben zu rufen, wobei die Ausführung eines solchen Planes nicht nachweisbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung der Arbeit bezüglich der Entstehungsursachen der Stadt Erfurt und weist auf die Herausforderungen durch die schwierige Quellenlage hin.
II Vorgeschichte auf dem Gebiet der Stadt bis 742: Dieses Kapitel skizziert die frühgeschichtliche Besiedlung des Erfurter Raums von der Steinzeit über die Zeit der germanischen Stämme bis zur fränkischen Herrschaft.
III Welche Bedingungen begünstigten eine Ansiedlung?: Der Fokus liegt hier auf den Standortvorteilen Erfurts, insbesondere der zentralen Lage im Thüringer Becken und der Bedeutung wichtiger Handelsstraßen sowie der Gera-Furt.
IV Wie entwickelte sich Erfurt zur mittelalterlichen Stadt?: Dieses Kernkapitel untersucht die schrittweise Entwicklung zur Stadt durch die Etablierung als Bischofssitz, den Einfluss des Königtums, den Dualismus der Märkte und die spätere Ratsentstehung.
VI Schluß: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Entwicklung Erfurts von einer gewachsenen Siedlung zu einer bedeutenden mittelalterlichen Stadt zusammen.
Schlüsselwörter
Erfurt, Mittelalter, Stadtwerdung, Marktsiedlung, Dommarkt, Anger, Bonifatius, Gera, Handelsstraßen, Bischofssitz, erzbischöflicher Besitz, Ratsentstehung, Stadtgemeinde, Bürger, Stadtmauer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung und die Entwicklung Erfurts zur mittelalterlichen Stadt unter Berücksichtigung geografischer, politischer und wirtschaftlicher Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Siedlungsgeschichte, die Bedeutung des Handels, die Rolle der Kirche und des Königtums sowie die rechtliche und räumliche Stadtentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuverfolgen, warum das Gebiet um Erfurt für eine Ansiedlung gewählt wurde und welche Faktoren explizit dazu führten, dass sich dort eine Stadt ausbildete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse verschiedener zeitgenössischer Sekundärliteratur, um trotz einer schwierigen Quellenlage einen logischen Zusammenhang der geschichtlichen Ereignisse herzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Vorgeschichte, den Standortvorteilen, der Rolle des Bischofssitzes, dem königlichen Einfluss, dem Dualismus der Märkte und der Entwicklung der städtischen Ratsverfassung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Erfurt, Mittelalter, Stadtwerdung, Marktsiedlung, Handel und städtische Selbstverwaltung charakterisiert.
Welche Bedeutung hatte die Lage an der Gera für die Stadtwerdung?
Die Furt durch die Gera war für die Fernhandelsstraßen von überragender Bedeutung, da sie die bequeme Durchquerung des Tals ermöglichte und so zum namengebenden Mittelpunkt für Siedlungen wurde.
Warum gab es in Erfurt einen Dualismus der Märkte?
Der Dualismus resultierte aus unterschiedlichen Herrschaftsrechten, da der Dommarkt bischöflich und der Angermarkt königlich verwaltet wurde, was zu einer Doppelbewirtschaftung und unterschiedlichen Rechtszuständen führte.
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- Claudia Zimmermann (Author), 2004, Die Entstehung der Stadt Erfurt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63942