Der Patriotismus, um den es sich im Folgenden handeln soll, ist von seiner Definition her eine „vaterländische Gesinnung“, die auf einem starken Zugehörigkeitsgefühl zur Heimat beruht und sich bis zur selbstlosen Hingabe an die staatliche Gemeinschaft steigern kann. Der Patriotismus äußert sich in dem Bemühen, die nationale Eigenart zu bewahren, sowie in der Achtung vor nationalen Symbolen. Dabei muß es aber jedem Einzelnen durch die Staatsverfassung gestattet sein, an den öffentlichen Angelegenheiten teil zu nehmen. Im Grunde reicht der Begriff schon bis in die Antike zurück (griech. patriotes, „Landsmann“). Doch durch die Besinnung auf nationale Traditionen und Werte, besonders auch im sprachlichen Bereich, welche sich im 16. Jahrhundert ausprägten, kam es zu ersten Gründungen patriotischer Gesellschaften.
Da Deutschland Mitte des 18. Jahrhunderts nicht als rekonstruierbares Gebilde mit definierbaren Grenzen und klaren Verfassungsgrundsätzen existierte, nahm die Diskussion darüber, was unter dem Modebegriff der Vaterlandsliebe zu verstehen sei, immer weiter zu. Der Vorreiter in Bezug auf die neu entfachte Besinnung war die Zeitschrift „Der Patriot“ von 1724, welcher viele Schriften mit den verschiedensten Denkansätzen über Patriotismus folgten. Unter ihnen die Schrift von Friedrich Carl Freiherr von Moser „Vom deutschen Nationalgeist“, um deren Inhalt und Hintergrund es sich im Folgenden handelt.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Biographischer Abriß und politische Hintergründe
III Inhalt der Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“
IV Kurze Analyse der Schrift
V Schluß
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht den Patriotismusbegriff im 18. Jahrhundert am Beispiel der bedeutenden Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“ (1765) von Friedrich Carl von Moser. Ziel ist es, Mosers politisches Verständnis von Vaterlandsliebe und Nationalgeist im Kontext der zeitgenössischen Zerrissenheit des Heiligen Römischen Reiches zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Biographische Einordnung von Friedrich Carl von Moser.
- Analyse der Definition und der Anforderungen an einen Patrioten.
- Kritik an der politischen Verfassung und den sozialen Missständen des 18. Jahrhunderts.
- Die Rolle von Bildung und Erziehung für das Vaterland.
- Die Wirkungsgeschichte des patriotischen Appells im zeitlichen Verlauf.
Auszug aus dem Buch
III Inhalt der Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“
Zu Beginn seiner Schrift definiert Moser kurz das Wesen eines Patrioten. Er meint, ein solcher “verabscheut den Geist der Unruhen“ und ihn beherrschen allein das Gesetz und die Bande der allgemeinen Wohlfahrt, diesem, so Moser, opfert er all seine Triebe.
Als weiteres beschreibt er das deutsche Volk, als Gemeinschaft eines Namens und Sprache, unter einem Oberhaupt, einer Verfassung, einerlei Gesetzten und durch ein Interesse verbunden- dem der Freiheit. Doch dies ist nur das äußere Bild. Denn Deutschland ist dadurch, dass weder eindeutig Monarchie, noch Aristokratie, noch Demokratie herrscht ein „Rätsel politischer Verfassung“. Weiterhin ist es, und dies ist Mosers größte Schmach, kraftlos durch die Trennung, die Bürger unempfindlich gegen die Ehre ihres Namens, mißtrauisch untereinander und unzusammenhängend in ihren Grundsätzen.
Nach Moser wäre es die Pflicht eines Freundes des Vaterlandes, mögliche Fehler und Schwierigkeiten, die die Verfassung birgt, zu benennen und dagegen vorzugehen, und somit ein redlicher deutscher Bürger zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Definition des Patriotismusbegriffs im 18. Jahrhundert und Einführung in die historische Ausgangslage Deutschlands als zersplittertes Gebilde.
II Biographischer Abriß und politische Hintergründe: Darstellung des Lebensweges von Friedrich Carl von Moser, seiner wechselhaften politischen Karriere und seiner Annäherung an das Kaiserhaus.
III Inhalt der Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“: Zusammenfassung der Thesen Mosers, in denen er zur Einigkeit, zur Achtung vor den Gesetzen und zur Reform des Bildungswesens aufruft.
IV Kurze Analyse der Schrift: Kritische Einordnung des Werkes als Appell gegen Absolutismus und Egoismus sowie die zeitgenössische Rezeption durch bedeutende Denker wie Herder.
V Schluß: Reflexion über die historische Entwicklung des Patriotismusbegriffs von der Aufklärung bis zur Moderne und der Ausblick auf ein europäisches Identitätsverständnis.
Schlüsselwörter
Patriotismus, Nationalgeist, Friedrich Carl von Moser, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Vaterlandsliebe, Heiliges Römisches Reich, Politische Verfassung, Einigkeit, Staatsreform, Historische Quellenkunde, Gesellschaftspolitik, Identität, Preußen, Absolutismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Patriotismus und Nationalgeist im 18. Jahrhundert anhand der politischen Publizistik von Friedrich Carl von Moser.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die politische Zerrissenheit des Reiches, die moralische Pflicht des Bürgers gegenüber dem Staat und die Rolle der Eliten in der Entwicklung eines Nationalbewusstseins.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse und kritische Würdigung von Mosers Schrift „Vom deutschen Nationalgeist“ im historischen Kontext der damaligen Staats- und Gesellschaftskritik.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine quellenorientierte Analyse, indem sie die historische Schrift in den biographischen und politischen Lebenskontext des Verfassers einbettet und durch zeitgenössische Reaktionen ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Skizze, eine detaillierte Inhaltsangabe der Schrift sowie eine analytische Bewertung der dargelegten Thesen zur Vaterlandsliebe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Patriotismus, Nationalgeist, staatliche Einheit, Aufklärung und die kritische Auseinandersetzung mit absolutistischen Machtstrukturen.
Wie bewertet Moser die Rolle der deutschen Höfe?
Moser kritisiert die Höfe scharf für ihre Verschwendungssucht, ihre Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemeinwohl und ihr Versagen, die Jugend für die Belange des Vaterlandes auszubilden.
Welchen Ausblick gibt die Autorin am Ende der Arbeit?
Sie stellt die Relevanz des klassischen Patriotismusbegriffs infrage und plädiert angesichts heutiger Mobilität für einen europäischen Patriotismus als zukunftsfähige Perspektive.
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- Claudia Zimmermann (Author), 2004, Patriotismus und deutsches Vaterland? Friedrich Carl von Moser: "Von dem deutschen Nationalgeist" (1765) , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63998