Unter dem Stichwort „Bewusstsein“ sind in ethnologischen Nachschlagewerken kaum Einträge vorhanden. Verwunderlich, sind doch Themen wie „Bewusstseinsveränderungen“, „Träume“ etc. besonders im Bereich der religiösen Praktiken und Rituale in den meisten Kulturen von großer Relevanz und die Veränderung von Bewusstseinszuständen durch Tanz, Rhythmus, Drogen, Meditation etc. ein zentrales Thema. Diese Diskrepanz gab den Ausschlag zu einer tiefer greifenden Auseinandersetzung mit dem Begriff „Bewusstsein“.
In einem ersten Schritt erfolgt eine etymologische Analyse des Begriffes, dass heißt eine Untersuchung nach Herkunft, Geschichte und Grundbedeutung, mit dem Ziel, ein Grundverständnis des Begriffes und einen Einblick in seine Problematik zu ermöglichen. Ergänzend wird hier ebenso ein Blick auf die Alltagsverwendung des Begriffes geworfen.
Nachfolgend sollen, mit dem Versuch einer groben exemplarischen Beleuchtung des Begriffes aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln, verschiedene Theorien und Herangehensweisen aufgezeigt werden. Abschließend soll anhand des aktuellen Forschungsstandes ein Blick auf wichtige wissenschaftliche Diskurse der Gegenwart und Zukunft geworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsanalyse
2.1. Etymologie des Begriffes
2.2. Begriffsgeschichte
2.3. Grundbedeutung / Problematik
3. Ansätze wissenschaftlicher Disziplinen
3.1. Religionswissenschaft / Ethnologie
3.2. Naturwissenschaften
3.3. Psychologie
3.4. Philosophie
4. Aktueller Forschungsstand und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff „Bewusstsein“ auseinander, da dieser in ethnologischen Nachschlagewerken kaum präsent ist, obwohl er für religiöse Praktiken und Rituale von zentraler Bedeutung ist. Das Hauptziel besteht darin, ein grundlegendes Verständnis des Begriffs durch eine etymologische, historische und disziplinenübergreifende Analyse zu erarbeiten und die Problematik seiner unkritischen Übertragung auf außereuropäische Kontexte zu beleuchten.
- Etymologische und historische Herleitung des Bewusstseinsbegriffs.
- Diskussion der interdisziplinären Ansätze (Religionswissenschaft, Naturwissenschaften, Psychologie, Philosophie).
- Analyse der Problematik von veränderten Bewusstseinszuständen in religiösen Kontexten.
- Reflektion über die kulturelle Spezifität abendländischer Begrifflichkeiten.
- Ausblick auf zukünftige Forschungsfelder an der Schnittstelle von Geist und Maschine.
Auszug aus dem Buch
2.3.2. Abgrenzung
Ebenfalls in den Bereich der Bewusstseinsproblematik mit einbezogen werden müssen Grenzbereiche wie Bewusstseinsveränderungen im Alltag, beispielsweise Schlaf, Traum, Phantasie, „Geistesabwesenheit“ o. Ä.. Es stellt sich hier allerdings die Frage, wie man die Bereiche der unbewussten und veränderten Geisteszustände erfolgreich definieren und untersuchen will, wenn bisher noch so wenig an Erkenntnis über das Bewusstsein an sich vorliegt.
In diesem Zusammenhang besonders erwähnenswert ist auch (besonders im Hinblick auf religionsehnologische Ansätze) die Beschreibung und Definition von erweiterten Bewusstseinszuständen, wie beispielsweise in Hypnose oder bei Halluzinationen und vor allem die Untersuchung „nichtalltäglicher“ veränderter Bewusstseinszustände. Auch auf diesem Gebiet ist eine klare Definition der gemeinten Sachverhalte nicht gegeben – oft sind in Begriffen wie „Besessenheit“, „Ekstase“, „Trance“, „Ergriffenheit“, „Rausch“ etc. Alltagsverständnisse enthalten, die nicht dem Kriterium von wissenschaftlicher Definiertheit entsprechen. Eine klare Abgrenzung ist besonders bei der Unterscheidung von „krankhaften“ und „religiösen“ Erlebnissen mit Schwierigkeiten verbunden (Figge 2002: 49). Hier sei als religionsethnologisches Beispiel die Theorie der „arktischen Hysterie“ genannt, in der das Schamanisieren im zirkumpolaren Bereich als eine durch die arktische Umwelt hervorgerufene psychische Krankheit gesehen wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Fehlen des Begriffs „Bewusstsein“ in ethnologischen Werken und stellt das Vorhaben dar, diesen durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen zu beleuchten.
2. Begriffsanalyse: Dieses Kapitel untersucht die etymologische Herkunft, die historische Entwicklung seit René Descartes und die definitorische Problematik des Begriffs.
3. Ansätze wissenschaftlicher Disziplinen: Hier werden die Perspektiven der Religionswissenschaft, Ethnologie, Naturwissenschaften, Psychologie und Philosophie auf das Bewusstsein gegenübergestellt.
4. Aktueller Forschungsstand und Ausblick: Das abschließende Kapitel betont die Notwendigkeit des interdisziplinären Austauschs und skizziert die Relevanz der Bewusstseinsforschung in neuen Feldern wie der Informatik.
Schlüsselwörter
Bewusstsein, Religionsethnologie, Bewusstseinszustände, Trance, Ekstase, Leib-Seele-Problem, Introspektion, Hirnforschung, Interdisziplinarität, Kognitive Wende, Subjektivität, Bewusstseinsveränderung, Kulturvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und interdisziplinären Aufarbeitung des Begriffs „Bewusstsein“, dessen Relevanz für religionsethnologische Themen unterstrichen wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die Etymologie, die Begriffsgeschichte, die Abgrenzung von Bewusstseinszuständen sowie die unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Wissenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Grundverständnis des Begriffs zu schaffen und kritisch zu hinterfragen, wie westlich geprägte Definitionen auf fremde kulturelle Kontexte angewendet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte, diskursive Analyse, um verschiedene wissenschaftliche Theorien und Konzepte zusammenzuführen und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Begriffsgeschichte, der Definitionsproblematik und der spezifischen Herangehensweise der Disziplinen Ethnologie, Psychologie, Naturwissenschaft und Philosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bewusstsein, Bewusstseinsveränderung, interdisziplinäre Forschung, Religionsethnologie und das Leib-Seele-Problem.
Warum problematisiert die Autorin die Anwendung des Begriffs auf außereuropäische Kulturen?
Da der Begriff Bewusstsein abendländisch geprägt ist, besteht die Gefahr einer unkritischen Übertragung, was zu Verzerrungen bei der Beschreibung fremder Weltbilder wie denen der Makiritare führen kann.
Wie stehen Religion und Wissenschaft in Bezug auf das Bewusstsein zueinander?
Die Arbeit zeigt, dass Phänomene wie Ekstase oder Besessenheit oft sowohl als religiöse Erfahrung gedeutet als auch wissenschaftlich, etwa durch psychologische oder neurophysiologische Ansätze, analysiert werden.
Welche Bedeutung kommt der Informatik in der aktuellen Forschung zu?
Die Informatik wird als ein zukünftiges Feld genannt, in dem die Frage nach künstlichem Bewusstsein und die Analogie zwischen menschlichem Denken und maschineller Intelligenz eine Rolle spielen.
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- Alexandra Schulz (Author), 2005, Bewusstsein im Hinblick auf religionsethnologische Fragestellungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64002