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Courasche am Scheideweg - Das Titelkupfer der 'Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courage' von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Title: Courasche am Scheideweg - Das Titelkupfer der 'Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courage' von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Term Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Stephanie Baumann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Der emblematische Kupferstich der Courasche, bestehend aus der pictura, dem inscriptio in Form einer Banderole und dem subscriptio auf der Rückseite des Titelblatts, ist allegorisch angelegt. Auch wenn nicht genau zu klären ist, inwieweit Grimmelshausen bei dem Entwurf des Titelkupfers mitgewirkt hat, so scheint die in der Allegorie intendierte Anregung zur Reflexion ganz im Sinne des Autors zu liegen. Bei der Deutung des Titelbildes aus dem Roman heraus muss allerdings berücksichtigt werden, dass das Kupfer, obwohl der „Trutz-Simplex“ von Courasche als Gegenschrift zur Männerwelt des Simplicissimus-Romans erdacht wurde, im Wesentlichen durch die Frauenvorstellung des fiktiven männlichen Autors und Mittlers Philarchus Grossus von Trottenheim bestimmt ist. Somit ist der Leser wie so oft bei Grimmelshausen vor die Aufgabe gestellt, die Geister unterscheiden zu lernen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Szenerie des Titelblatts

3. Der surrealistische Luftraum um die Banderole

4. Der Falter auf der Rückseite des Einbandes

5. Courasche: Motte oder Schmetterling?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die allegorische Gestaltung des Titelkupfers von Grimmelshausens Roman „Die Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courage“. Ziel ist es, durch eine detaillierte Analyse der Embleme und Symbole aufzudecken, wie das Titelbild die lasterhafte Lebensweise der Protagonistin sowie ihre Rolle als „Gegenschrift“ zur Männerwelt des Simplicissimus reflektiert und bewertet.

  • Analyse der zentralen Bildmotive (Courasche, Maultier, Zigeuner-Schaar)
  • Untersuchung der tierischen Symbolik (Eule, Basilisk, Biene, Hirschkäfer, Schmetterling)
  • Interpretation des „Y-Signums“ als Symbol der moralischen Wahl zwischen Laster und Tugend
  • Verknüpfung der ikonographischen Elemente mit den Sieben Todsünden
  • Deutung des Motivs der Motte im Kontext von Vergänglichkeit und Moral

Auszug aus dem Buch

Die Szenerie des Titelblatts

Die dargestellte Szene ist dem Kapitel XXVII entnommen. Hier trifft Courasche auf ihrem „MaulEsel“ eine „Ziegeuner-Schaar“ an, zu der sie sich gesellt. Die im Zentrum der Illustration auf dem Maultier sitzende Courasche öffnet den Tornister, aus dem ihre Kosmetikutensilien herausfallen. Die „Erklärung des Kupffers deutet all dies als „der Thorheit Kram“, die nicht zu ihrem jetzigen Stand taugen (vgl. Courasche, S. 12). Die unbequeme Haltung der ausführenden linken Hand mit dem gespreizten Daumen, Zeige- und Mittelfinger erscheint als ein Schwur, der aber im Sinne von einer gelobter Besserung ihres Lebenswandels mit der rechten Hand ausgeführt werden müsste. Durch die Umdrehung der Geste wird deutlich, dass Courasche die Zeichen der vanitas nicht als Bekenntnis zur sittlichen Umkehr von sich wirft, sondern um einen Weg einzuschlagen, der sie weiter in die Verdammnis führt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die allegorische Anlage des Kupferstichs ein und beleuchtet die Rolle der Frauenvorstellung des Autors bei der Gestaltung des Titelbildes.

2. Die Szenerie des Titelblatts: Hier wird die dargestellte Szene aus dem Roman analysiert, wobei besonders die Körperhaltung der Figur und ihre sündhaften Handlungen (Geiz und Neid) anhand des Bildes gedeutet werden.

3. Der surrealistische Luftraum um die Banderole: Dieses Kapitel interpretiert die verschiedenen Flugwesen um das Banner, wie Eule, Biene und Hirschkäfer, als ambivalente moralische Wegweiser zwischen Tugend und Laster.

4. Der Falter auf der Rückseite des Einbandes: Die Analyse des Motivs der Motte zeigt deren negative Konnotation im 17. Jahrhundert und ihre Bedeutung als Symbol für moralische Unzulänglichkeit und Diabolisches.

5. Courasche: Motte oder Schmetterling?: Das Schlusskapitel reflektiert die Identität der Protagonistin am „Scheideweg“ und diskutiert, inwiefern ihre Unmoral durch die gesellschaftlichen Umstände ihrer Zeit relativiert wird.

Schlüsselwörter

Courasche, Grimmelshausen, Barockliteratur, Titelkupfer, Emblematik, Allegorie, Todsünden, Vanitas, Ikonographie, Simplicissimus, Laster, Tugend, Tiersymbolik, Moral, 17. Jahrhundert

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die bildliche Darstellung auf dem Titelkupfer von Grimmelshausens Werk über die „Courasche“ und deren tieferliegende allegorische Bedeutung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die barocke Emblematik, die moralische Deutung von Tiersymbolen und die Charakterisierung der Protagonistin im Kontext ihrer Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Titelbild als Rezeptionsanleitung für den Leser dient, um die Lasterhaftigkeit und den Lebensweg der Courasche zu reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine ikonographische und emblematische Analyse, indem sie Bildmotive des Titelkupfers mit zeitgenössischen Texten und traditioneller christlicher Symbolik in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die zentrale Szene auf dem Maultier, die Flugwesen um die Banderole sowie die spezifische Bedeutung der Motte im Detail interpretiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Allegorie, Emblematik, Sieben Todsünden, Barock und gesellschaftskritische Romandichtung geprägt.

Welche Rolle spielt das Maultier der Courasche im Bild?

Das Maultier symbolisiert durch seine Abstammung und sein distelfressendes Verhalten eine der Todsünden – den Geiz – und verdeutlicht Courasches Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Normen.

Was bedeutet das Y-Signum des Baumes?

Das Y-Signum des Baumes symbolisiert die moralische Wahlmöglichkeit des Menschen zwischen zwei entgegengesetzten Wegen, hier konkret zwischen dem Pfad der Tugend und dem Pfad des Lasters.

Warum wird die Motte als negatives Symbol gedeutet?

Die Motte wird als Unheil bringendes, diabolisches Geschöpf gesehen, das den Mangel an geistiger Erleuchtung und das Festhalten am irdischen Ballast verkörpert.

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Details

Title
Courasche am Scheideweg - Das Titelkupfer der 'Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courage' von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen
College
University of Münster  (Institut für deutsche Philologie II)
Grade
sehr gut
Author
Stephanie Baumann (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V64007
ISBN (eBook)
9783638569217
ISBN (Book)
9783638793162
Language
German
Tags
Courasche Scheideweg Titelkupfer Ertzbetrügerin Landstörtzerin Courage Johann Jakob Christoffel Grimmelshausen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Baumann (Author), 2003, Courasche am Scheideweg - Das Titelkupfer der 'Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courage' von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64007
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