Analyse und Vergleich der Bibelstellen Mt 5, 25f und Lk 12, 58f: Das Gleichnis vom Gang zum Richter


Hausarbeit, 2004

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. DER TEXT
1. Übersetzung
2. TEXTKRITIK

II. ANALYSE
1. GRUNDLEGENDE ANALYSE
1.1 Aufbau und Abgrenzung der Perikopen
1.1.1 Gliederung
1.1.2 Anfang und Ende der Perikopen
1.2 Sprachliche Analyse
1.2.1 Syntaktische Analyse
1.2.1.1 Satzebene
1.2.1.2 Wortebene
1.2.2 Stilistische Analyse
1.2.2.1 Satzebene
1.2.2.2 Wortebene
1.2.3 Textkohärenz
1.3 Zusammenhänge und Parallelen
1.3.1 Stellung der Texte im Aufbau
der Evangelien
1.3.2 Vergleich mit den Kontexten
2. LITERARKRITIK
2.1 Zwei-Quellen-Theorie
2.2 Logienquelle Q
2.3 Synoptischer Vergleich
3. FORMKRITIK
3.1 Gattungsfrage
3.2 Sitz im Leben
3.3 Aussageabsicht
4. ÜBERLIEFERUNGSGESCHICHTE
4.1 Ursprungsort des Texte
4.2 Mündliche Überlieferung bis
zur schriftlichen Fixierung
5. REDAKTIONSGESCHICHTE
5.1 Redaktion von Q
5.2 Matthäische Redaktion
5.2.1 Ort-, Zeit- und Verfasserfrage
5.2.2 Funktion der Perikope bei Matthäus
5.3 Lukanische Redaktion
5.3.1 Ort-, Zeit- und Verfasserfrage
5.3.2 Funktion der Perikope bei Lukas
6. TRADITIONSGESCHICHTE
6.1 Parallelen im Alten Testament und Judentum
6.2 Begriffsuntersuchungen
7. ZEITGESCHICHTE
7.1 Jüdische Apokalyptik

III. INTERPRETATION
1. Historisch-theologische Interpretation
2. Wirkungsgeschichte
3. Systematisch-theologische Interpretation

LITERATURVERZEICHNIS

I. DER TEXT

1. ÜBERSETZUNG

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. TEXTKRITIK

Die Textkritik stellt fest, wie der Text in seiner Urform ausgesehen hat. Dies geschieht durch Vergleich der Übersetzungen.

Die Zürcher Bibel verwendet anstelle des allgemeineren Wortes Gegner den speziell auf das Wortfeld Gericht hindeutenden Begriff Prozessgegner. Hierbei kann es sich allerdings kaum um einen Prozessgegner handeln, da vielmehr eine außergerichtliche Einigung angestrebt werden soll. Einem Prozess ist vielmehr auszuweichen. Sowohl die Einheitsübersetzung als auch die Luther-Bibel kommen mit der Verwendung des Wortes Gegner dem eigentlichen Sinn dieses Textes näher.

Den übrigen Teil der Perikope betreffend stellt die Übersetzung der Zürcher Bibel eine der ursprünglichen Form vermutlich sehr nahe kommende Fassung dar, weil sie der Interlinearübersetzung am nächsten kommt. Aus diesem Grund ist, bis auf die o.g. Änderung, die Übersetzung der Zürcher Bibel dieser Arbeit zugrundegelegt.

II. ANALYSE

1. GRUNDLEGENDE ANALYSE von Mt 5, 25f und Lk 12, 58f

1.1 Aufbau und Abgrenzung der Perikopen

1.1.1 Gliederung

Die Gliederung der Bibelstelle Mt 5, 25f lässt sich wie folgt durchführen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1.2 Anfang und Ende der Perikopen

Mt 5, 25f erscheint im Zusammenhang mit der ersten Antithese innerhalb der Bergpredigt. Dieser Abschnitt lässt sich deutlich im Hinblick auf beteiligte Personen vom Rest des Textes abgrenzen. Nur in dieser Perikope ist die Rede von einem Gegner. Anders verhält es sich in den vorangehenden Versen, in denen vom Bruder geredet wird. Ein Bruder ist in der Regel ein Nahestehender, ein Familienmitglied. Der Gegner ist das ganze Gegenteil. Gegner stehen sich einander gegenüber. Sie handeln gegeneinander. In dieser Hinsicht erfährt dieser Text also eine erkennbare Abgrenzung.

Thematisch ist dieser Textabschnitt nicht so eindeutig abzugrenzen. Schon vorher wird zur Versöhnung aufgerufen. Dieses Thema ist auch Gegenstand der Verse 25f.

Das Ende dieser Einheit ist deutlich daran zu erkennen, dass der dann folgende Vers eine weitere Antithese der Bergpredigt darstellt. In den darauffolgenden Versen wird ein anderer Sachverhalt, der Ehebruch, behandelt. Diese inhaltliche Veränderung lässt eine klare Abgrenzung zu.

Auch der Textabschnitt Lk 12, 58f lässt sich eindeutig auf den genannten Umfang beschränken. In den vorangehenden und nachfolgenden Versen spricht Jesus mehrere Zuhörer an. Dies ist daran feststellbar, dass die Pronomen hier in der zweiten Person Plural erscheinen. Auffällig ist, dass nur die Verse 58f in der zweiten Person Singular stehen. Der Inhalt der Verse 58f wird zwar bereits in Vers 57 angedeutet, es geht um das Thema Recht und Urteil, jedoch wird erst in den Versen 58f der wichtige Aspekt der Einigung mit dem Widersacher aufgenommen. Dies ist die zentrale Aussage dieser Verse. Aus diesem Grunde ist die angesprochene Abgrenzung zu rechtfertigen.

Weitere Anhaltspunkte, die für eine Abgrenzung des Textabschnittes sprechen, sind die genannten Personengruppen. Richter und Gerichtsdiener werden ausschließlich in den Versen 58f erwähnt.

1.2 Sprachliche Analyse

Die sprachliche Analyse versucht, die Besonderheiten der beiden Perikopen in Sprache und Stil aufzudecken und zu erklären. Hierbei wird auf die Satz- sowie auf die Wortebene eingegangen.

1.2.1 Syntaktische Analyse
1.2.1.1 Satzebene

Die Perikope Mt 5, 25f besteht aus drei Sätzen. Der erste Teil beginnt mit einem Hauptsatz, der durch Nebensätze ergänzt wird.

Im ersten Nebensatz, begonnen mit der Konjunktion solange, lässt sich ein Temporalsatz erkennen. Es wird eine nähere Angabe über die Zeit gemacht.

Der zweite Nebensatz kann als Finalsatz klassifiziert werden, da er mit der Konjunktion damit eingeleitet wird. Dieser Satz beschreibt ein Ziel bzw. einen Zweck.

Der darauffolgende Teilsatz erscheint in Form einer Ellipse, da sowohl das dazugehörige Verb, als auch das passende Pronomen weggelassen werden („[...] und der Richter dem Gerichtsdiener[...]“[1]).

Der erste Vers dieser Perikope wird von einem Hauptsatz abgeschlossen.

Der Finalsatz, der unvollständige Hauptsatz (Ellipse) und der am Schluss stehende Hauptsatz bilden ein Polysyndeton. Die Konjunktion und hat eine parataktische und verbindende Funktion für die Teilsätze. Diese Art von Aufzählung ist insofern auffallend, als eine dieser Konjunktionen in der Regel durch ein Komma ersetzt wird. Die Aneinanderreihung dieser Teilsätze schafft eine Klimax. Inhaltlich beginnt die Steigerung innerhalb dieses Satzes mit der Vorführung vor den Richter und endet im Gefängnis, wobei diese Situation als Höhepunkt und als schlimmste Folge zu beurteilen ist. Diese mögliche Folge soll abgewendet werden, erkennbar daran, dass im bereits angesprochenen Finalsatz eine Negation auftaucht. Die Situation einer Verurteilung ist nicht erstrebenswert, was auch das zweimalige Erscheinen der Präposition mit in dieser Einheit anzeigt. Die Präposition unterstreicht den Aufruf zur Verständigung mit dem Gegner. Man soll sich mit dem Gegner einigen und nicht gegen ihn arbeiten. Es wird aufgerufen, auf ein Mit einander hinzuwirken.

Vers 26a eröffnet mit dem Wort Amen. Darauf folgt ein kurzer Hauptsatz in der Funktion, eine direkte Rede einzuleiten. Nun schließt sich ein Hauptsatz an, welcher durch ein Komma vom nachfolgenden Nebensatz, einem Temporalsatz, getrennt ist.

In beiden Versen findet man Pronomen, die alle in der zweiten Person Singular stehen. Dies bewirkt, dass sich der Leser bzw. der Zuhörer persönlich angesprochen fühlen und es schafft eine vertraute Atmosphäre.

Insgesamt verhält es sich bei Lk 12, 58f ähnlich. Allerdings beginnt Lukas diesen Abschnitt mit einem Nebensatz. Dieser lässt sich anhand der Konjunktion wenn als Konditionalsatz einordnen. Es wird die Bedingung genannt, unter welcher das nachfolgend Gesagte Geltung findet. Es folgt, durch ein Komma vom Konditionalsatz abgetrennt, ein Hauptsatz. Daran schließt sich ein Finalsatz an, welcher dem bei Matthäus erscheinenden Bedingungssatz stark ähnelt. Dies betrifft sowohl die Satzstruktur als auch den Wortlaut. Auch hier taucht ein Polysyndeton an gleicher Stelle und in gleicher Funktion auf. Im Gegensatz zu Matthäus sind die einzelnen Teilsätze vollständig. Die das Polysyndeton bildenden Sätze können somit als Hauptsätze klassifiziert werden.

Eine weitere Parallele zur Matthäus-Perikope ist die Klimax, die ebenfalls mit derselben Absicht wie bei Matthäus erscheint.

Wie bei Matthäus beginnt der nächste Vers mit einem Hauptsatz, der auch hier eine direkte Rede einleitet. Auch bei Lukas besteht die direkte Rede aus einem Hauptsatz, gereiht an einen temporalen Nebensatz.

1.2.1.2 Wortebene

Der erste Abschnitt bei Mt 5, 25f ist im Präsens geschrieben. Die Verwendung dieses Tempus erhebt den Anspruch auf Geltung des Erzählten in der Gegenwart. Es soll deutlich werden, dass es sich hier um eine Situation handelt, die auch Relevanz in der heutigen Zeit hat. Die Imperativform dieses Satzes unterstreicht die erwünschte Wirkung, dass sich Zuhörer bzw. Leser direkt angesprochen fühlen. Dieser Effekt wird auch dadurch verstärkt, dass der Zuhörer bzw. Leser als Subjekt angesprochen wird.

Der Finalsatz steht im Konjunktiv. Es werden die Folgen, die bei Nichtbeachtung des vorangegangenen Imperatives eintreten, geschildert. Diese können, sollen aber nicht auftreten, was die Verwendung des Konjunktiv erklärt. Die direkte Rede ist ein Ausblick auf die Zukunft, weshalb diese im Tempus des Futur steht.

Dieselben Feststellungen können für die parallele Lukas-Perikope gemacht werden.

1.2.2 Stilistische Analyse
1.2.2.1 Satzebene

Wie bereits erwähnt beginnt Mt 5, 25f mit einem Hauptsatz, der durch sich anreihende Nebensätze erweitert wird. Daraus entsteht ein längerer Satz, wobei man hier von einem hypotaktischen, aber unkomplizierten Satzbau sprechen kann. Dasselbe ist für den zweiten Vers dieser Einheit festzuhalten. Diese Hypotaxe besteht sogar aus einem Hauptsatz, der von einem Nebensatz gefolgt wird. Man findet nur einen kurzen Satz in dieser Perikope, der dazu dient, die direkte Rede einzuleiten.

Das Satzgefüge bei Lk 12, 58f entspricht dem eben Beschriebenen. Auch hier liegt ein hypotaktisches Satzgebilde vor. Trotzdem sind die Sätze unkompliziert und leicht verständlich. Jeder soll sich mit dieser verständlichen Sprache angesprochen fühlen können.

Die Länge der Sätze ist annähernd gleich. Dies nicht zuletzt wegen der beinahe identischen Wortlaute dieser beiden Texte. Genau wie Matthäus verwendet Lukas die direkte Rede.

[...]


[1] Mt 5, 25

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Analyse und Vergleich der Bibelstellen Mt 5, 25f und Lk 12, 58f: Das Gleichnis vom Gang zum Richter
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau  (Institut für Evangelische Theologie / Religionspädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die exegetischen Methoden
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
34
Katalognummer
V64012
ISBN (eBook)
9783638569231
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Vergleich, Bibelstellen, Gleichnis, Gang, Richter, Einführung, Methoden
Arbeit zitieren
Susanne Peschutter (Autor), 2004, Analyse und Vergleich der Bibelstellen Mt 5, 25f und Lk 12, 58f: Das Gleichnis vom Gang zum Richter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64012

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