Seit Beginn des Wandels der Finanzmärkte Mitte der 90er Jahre haben sich die Rahmenbedingungen für Bankkredite durch ein geändertes Vergabeverhalten der Kreditinstitute verschoben. Stärkere Berücksichtigung der individuellen Kreditrisiken sowie die Verbesserung des Risikomanagements der Banken stellen erhöhte Anforderungen an den Kreditnehmer. Für den Mittelstand bedeutet dies unter anderem, dass die Unternehmen deutlich transparenter werden müssen.
Der sich vollziehende Wandel wird von vielen mittelständischen Unternehmen als neue Hürde bei der Kreditvergabe wahrgenommen; sie reagieren hierauf oftmals mit Kreditverweigerung. Tatsächlich ging das Kreditvergabevolumen 2004 zurück, nachdem es bereits 2003 stagnierte. Daher stellt sich für viele mittelständische Unternehmen die Frage nach alternativen Finanzierungsquellen.
Derzeit werden zahlreiche Finanzierungsinstrumente, die bislang nur großen kapitalmarktfähigen Unternehmen zur Verfügung standen modifiziert, mit dem Ziel, diese auch kleinen und mittleren Unternehmen zugänglich zu machen.
Dies gilt auch für ABS-Transaktionen. Das Buch beschreibt die Charakteristika dieser Finanzierungsform und erläutert ausführlich mittelstandsspezifische Aspekte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Asset-Backed-Securities-Transaktionen
2.1 Grundkonzeption
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Transaktionsablauf
2.1.3 Umsetzung im Mittelstand
2.2 Nutzenpotentiale aus Sicht des Mittelstands
2.2.1 Bilanzstrukturpolitische Aspekte
2.2.2 Rating Aspekte
2.3 Nachteile aus Sicht des Mittelstands
2.3.1 Qualitative Problemfelder
2.3.2 Quantitative Problemfelder
3 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Asset-Backed-Securities (ABS)-Transaktionen als alternative Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand geeignet sind. Dabei stehen die Anforderungen an die Unternehmen, die spezifischen Nutzenpotentiale sowie die quantitativen und qualitativen Hürden im Vordergrund der Analyse.
- Grundlagen und Definition von ABS-Transaktionen
- Strukturelle Besonderheiten bei der Umsetzung im Mittelstand
- Auswirkungen auf Bilanzstruktur und Rating
- Analyse qualitativer und quantitativer Hemmnisse
- Kritische Bewertung des Finanzierungsinstruments für KMU
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Transaktionsablauf
Eine ABS-Transaktion hat ihren Ausgang in dem Bestreben eines Unternehmens (Originator) die eigene Finanzierung durch Verbriefung von Vermögenswerten, die regelmäßige Cashflows erwarten lassen, zu sichern. Die zur Verbriefung geeigneten Vermögenswerte werden in einen (Asset-)Pool gebündelt und an eine eigens gegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) gegen Zahlung eines Kaufpreises übertragen. Das SPV beauftragt nach Ankauf des Pools ein Konsortium mit der Platzierung einer durch den erworbenen Assetpool unterlegten Emission. Die Verkaufserlöse leitet die Zweckgesellschaft als Kaufpreis für den Assetpool an den Originator weiter, der so die gewünschte Liquidität erhält (Vgl. Glüder und Bechtold, 2004, S. 18-21).
Damit sind die wesentlichen Aufgaben der Zweckgesellschaft bereits beschrieben. Theoretisch könnte diese weitere Funktionen übernehmen, da sie jedoch vorwiegend als rechtliches Konstrukt zur Trennung der Vermögenswerte vom Originator aus bilanz- und insolvenzrechtlicher Sicht fungiert, werden diese Aufgaben anderen Akteuren übertragen. Die Verwaltungsaufgabe, d.h. das Forderungsmanagement und die Weiterleitung von Zins- und Tilgungszahlungen an einen Treuhänder, übernimmt der Service-Agent. Dabei ist der Service-Agent oft der Originator selbst, sodass der Forderungsverkauf für den Kunden des Originators nicht ersichtlich ist. Aus diesem Grund, wählen mittelständische Betriebe gerne diese Option, da sie regelmäßig eine enge Bindung an ihre Kunden haben und fürchten, diese durch einen Forderungsverkauf zu verärgern (Vgl. Menzel, 2005, S. 49).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands in Deutschland und die sich wandelnden Rahmenbedingungen der Bankenfinanzierung, was die Suche nach alternativen Finanzierungswegen notwendig macht.
2 Asset-Backed-Securities-Transaktionen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, den Transaktionsablauf sowie die speziellen Herausforderungen und Potenziale bei der Anwendung von ABS-Modellen in mittelständischen Unternehmen.
3 Kritische Würdigung und Ausblick: Hier erfolgt eine abschließende Bewertung der Eignung von ABS-Transaktionen für den gehobenen Mittelstand unter Berücksichtigung der diskutierten Nutzen- und Problemfelder sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Asset-Backed-Securities, ABS, Mittelstand, KMU, Verbriefung, Finanzierung, Zweckgesellschaft, SPV, Forderungsmanagement, Credit-Enhancement, Rating, Liquidität, Bilanzstruktur, True-Sale, ABCP-Programme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Eignung von Asset-Backed-Securities (ABS)-Transaktionen als Finanzierungsinstrument für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Konzeption von ABS, die spezifische Umsetzung im Mittelstand, die Auswirkungen auf die Bilanz sowie die Identifikation von Chancen und Risiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu eruieren, welche Anforderungen Unternehmen bei einer ABS-Transaktion erfüllen müssen und welche Nutzenpotentiale sie daraus ziehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse von Fallstudien zur praktischen Anwendung von ABS-Programmen im Mittelstand.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Grundkonzeption, den Transaktionsablauf, die Nutzenpotentiale wie Bilanzentlastung und Ratingverbesserung sowie die qualitativen und quantitativen Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Asset-Backed-Securities, Verbriefung, Mittelstandsfinanzierung, SPV und Credit-Enhancement.
Warum haben KMU oft Schwierigkeiten mit ABS-Transaktionen?
KMU stehen häufig vor qualitativen Problemen wie Abtretungsverboten in Kundenverträgen und dem Klumpenrisiko, sowie vor quantitativen Hürden durch hohe Fixkosten bei zu geringen Volumina.
Welche Rolle spielt die Zweckgesellschaft (SPV) bei der Transaktion?
Das SPV dient als rechtliches Konstrukt zur Trennung der Vermögenswerte vom Originator und fungiert als Emittent der Wertpapiere, um das Ausfallrisiko vom Unternehmen auf die Investoren zu verlagern.
- Quote paper
- Matthias Bauer (Author), 2006, Asset-Backed-Securities-Transaktionen als Finanzierungsalternative für den deutschen Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64044