Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig (Abb.1+2) ist das größte Denkmal, das vor dem Ersten Weltkrieg in Europa errichtet wurde. Es wurde zum 100. Jahrestag des Sieges über Napoleon in der Völkerschlacht zum Gedenken an die Gefallenen 16.000 Preußen, 22.000 Russen, 12.000 Österreicher und 300 Schweden eingeweiht. Es steht im Süden von Leipzig am Rand einer langgestreckten, parkähnlichen Anlage und wurde zwischen 1898 und 1913 von dem Architekten Bruno Schmitz (Abb.3 )im Auftrag eines privaten Denkmalvereins, dem deutschen Patriotenbund (DPB) erbaut. Der 91 m hohe Turm steht auf einem Hügel und man muss von der Krypta aus 364 Stufen überwinden, um auf eine Plattform zu gelangen. Der 300.000 Tonnen wiegende Koloss ruht auf 61 Pfeilern und weist ein umfangreiches Skulpturenprogramm auf. Die massive Gestalt des Denkmals wird in einem Wasserbecken noch einmal gespiegelt. Das Völkerschlachtdenkmal war zu Beginn und am Ende des 19. Jahrhunderts Brennpunkt der Bestrebungen, auch in der Kunst „deutsche Sonderwege“ zu gehen und dem imaginären „Sondercharakter“ der deutschen Nation auch künstlerisch Gestalt zu geben. Anhand der Geschichte des Völkerschlachtdenkmals lässt sich nicht nur der Wandel des deutschen Nationalismus von einer defensiv ausgerichteten Emanzipations- zu einer aggressiven Expansionsideologie exemplarisch demonstrieren, sondern auch, welch weitreichenden Konsequenzen dieser auf die Entwicklung der Architektur und Bildenden Künste hatte. Denkmäler haben sich im Bereich der Geschichtskultur in den letzten Jahren als bevorzugte Forschungsgegenstände herausgestellt. Das gilt - seit einem frühen und bahnbrechenden Aufsatz des Münchner Historikers Thomas Nipperdey - vor allem für die sogenannten Nationaldenkmäler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, deren letztes das Leipziger Völkerschlachtdenkmal darstellt.
In meiner Hausarbeit zum Thema das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig behandele ich unter anderem die Denkmalpläne des 19. Jahrhunderts und die realisierten Denkmäler nach der bedeutenden Völkerschlacht bei Leipzig und gehe vor allem auf die langjährige und langwidrige Bauplanung und Baugeschichte des Völkerschlachtdenkmals ein. Dieses möchte ich nahe bringen durch die Abbildungen im Abbildungsverzeichnis, die die Architektur von diesem großartigen Denkmal darstellen, sodass man sich auch ein genaues Bild von dem Völkerschlachtdenkmal und noch von einigen anderen bedeutenden Denkmälern machen kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Denkmäler im 19. Jahrhundert
1.1. Denkmalpläne aus dem Jahre 1814
1.2. Gebaute und geplante Nationaldenkmäler bis 1880
2. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
2.1. Der Deutsche Patriotenbund (DPB)
2.1.1. Die Vorkonkurrenz
2.1.2. Die Hauptkonkurrenz
2.2. Die Entwürfe von Schmitz 1897 und 1898
3. Die Architektur des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig
3.1. Die Skulpturen des Völkerschlachtdenkmals
3.1.1. Die Barbarossaköpfe
3.1.2. Das Relief
3.2. Die Krypta
3.3. Die Ruhmeshalle
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und bauliche Genese des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig als bedeutendes Monument des deutschen Nationalismus. Ziel ist es, den langwierigen Planungsprozess sowie die architektonische und symbolische Gestaltung des Bauwerks im Kontext der zeitgenössischen Geschichtskultur zu analysieren.
- Denkmalentwicklung im 19. Jahrhundert
- Rolle des Deutschen Patriotenbundes (DPB)
- Wettbewerbsverfahren und Entwurfsgeschichte
- Architektonische Analyse der Skulpturen
- Bedeutung von Krypta und Ruhmeshalle
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Das Relief
Die zum Denkmalgebäude hochführenden Treppen werden seitlich um eine hohe Stirnwand geleitet, die zum größten Teil von einem 60 Meter breiten und bis zu 18 Meter hohen Relief (Abb.12) bedeckt ist, in dessen Zentrum sich die Figur des Heiligen Michael (Abb.13) befindet. Das Relief ist achsialsymmetrisch komponiert und wird durch die Michaelsfigur und dessen architektonisch-figürliche Umrahmung in zwei inhaltlich nicht identische Hälften unterteilt.
Die reliefierten Felder sind horizontal geschichtet und stellen das Schlachtfeld nach dem Kampf - einen Leichenberg- dar. Am linken äußersten Rand sticht der Rumpf eines sich aufbäumenden Pferdes und eine weit nach außen ragende Standarte hervor, während die übrige Fläche mit Köpfen, Leibern, Gliedmaßen ausgefüllt ist. Nach oben zu wird das Dargestellte immer kleiner und verliert zudem an Plastizität. Das Relief zeigt die Völkerschlacht wie die für das mittlere 19. Jahrhundert charakteristischen Historienbilder als Schlachtenszene mit einheitlichem Bildraum und hintereinander gestaffelten Staffagefiguren, sondern wirkt durch das scheinbar beziehungslose Neben- und Übereinander von Köpfen und Waffen eher wie eine abstrakte Komposition.
Nicht die topographisch genaue Beschreibung oder das zeitgenössische Ambiente der Völkerschlacht, sondern das allen Schlachten gemeinsame Resultat -Tod, Verstümmelung und menschliches Leid- werden geschildert. So zum Beispiel ist der Kopf eines sterbenden Kriegers und zwei Frauengestalten mit ausgreifenden Armen, die zusammen mit der Michaelsfigur ein gleichschenkliges Kreuz bilden, zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Völkerschlachtdenkmal als größtes Denkmal vor dem Ersten Weltkrieg und seine Bedeutung im Kontext des deutschen Nationalismus.
1. Denkmäler im 19. Jahrhundert: Untersuchung der gescheiterten Denkmalpläne nach 1814 und der Etablierung nationaler Monumente wie der Walhalla bis 1880.
2. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig: Darstellung der Gründung des Deutschen Patriotenbundes sowie der langwierigen Planungsprozesse durch Vorkonkurrenz und Hauptkonkurrenz.
3. Die Architektur des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig: Detaillierte Analyse der Skulpturenprogramme, der Krypta-Symbolik sowie der ikonographischen Gestaltung der Ruhmeshalle.
Zusammenfassung: Retrospektive auf die Entstehungsgeschichte des Denkmals und seine Rolle als heutiges Wahrzeichen der Stadt Leipzig.
Schlüsselwörter
Völkerschlachtdenkmal, Leipzig, Nationalismus, Bruno Schmitz, Clemens Thieme, Deutscher Patriotenbund, Architektur, Nationaldenkmal, Befreiungskriege, Skulpturen, Krypta, Ruhmeshalle, Geschichtskultur, Monumentalbau, 19. Jahrhundert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte und architektonische Symbolik des Leipziger Völkerschlachtdenkmals im Spiegel der deutschen Nationalgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Denkmalplanung nach der Völkerschlacht, der Rolle des Deutschen Patriotenbundes, der architektonischen Wettbewerbsgeschichte und der ikonographischen Bedeutung der Skulpturen und Innenräume.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie sich durch den Bau des Denkmals der Wandel des deutschen Nationalismus von einer defensiven Emanzipationsbewegung hin zu einer machtorientierten Ideologie künstlerisch manifestierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Architekturkritik und fachwissenschaftlicher Literatur zur Geschichtskultur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die stilistischen Einflüsse auf die Entwürfe, die Rolle von Architekten wie Bruno Schmitz und die bildhauerische Ausgestaltung durch Künstler wie Franz Metzner und Christian Behrens detailliert analysiert.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Völkerschlachtdenkmal, Nationalismus, monumentale Architektur, Erinnerungskultur und die Entstehungsgeschichte zwischen 1814 und 1913.
Welche Bedeutung haben die Barbarossaköpfe in der Krypta?
Sie dienen als plastischer Schmuck, der den Aufgang zu den Treppen markiert und symbolisch auf das mittelalterliche Erste Reich verweist, wobei ihre Bedeutung im Vergleich zum Kyffhäuserdenkmal eher untergeordnet ist.
Was symbolisieren die vier Tugenden in der Ruhmeshalle?
Die vier Kolossalplastiken in Sitzhaltung allegorisieren die Eigenschaften des deutschen Volkes während der Befreiungskriege, namentlich die Tugenden der Glaubensstärke, Volkskraft, Tapferkeit und Opferbereitschaft.
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- Claudia Scheer (Author), 2004, Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64051