In dem Seminar „Fotografie zwischen Wirklichkeit, Sachlichkeit und Schönheit“ beschäftigten wir uns mit verschiedenen Fotografen, die sich auf ihre eigene künstlerische Art und Weise auf den Gegenstand der Fotografie und seine Umsetzung konzentrierten. Im Folgenden möchte ich mich mit Jeff Wall und seinen Arbeiten befassen und darauf eingehen, wie es Wall gelingt, die Fotografie als legitimes künstlerisches Ausdrucksmittel aufzuwerten. Dabei verdeutlicht er, dass es sich bei Fotografie nicht mehr um eine einfache Ablichtung der Wirklichkeit handelt, sondern dass diese mit Hilfe einer entsprechenden Wahl von Farbe, Komposition und Perspektive inszeniert werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biografie
3 Entstehungstechnische Bezüge
3.1 Inszenierung und digitale Bildbearbeitung
3.2 The Stumbling Block (Abb.1)
4 Walls Kunst
4.1.1 Der theatralische Charakter
4.1.2 Der malerische Charakter
4.1.3 Der narrative Charakter
4.1.4 Der filmische Charakter
5 Der Bildbetrachter
6 Werke
6.1 Picture for Women (Abb.2)
6.2 The Drain (Abb.3)
6.3 Odradek (Abb.4)
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das fotografische Werk von Jeff Wall unter dem Aspekt der Inszenierung. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Wall durch die bewusste Verbindung von Fotografie, Malerei und filmischen Elementen das Medium Fotografie als legitimes künstlerisches Ausdrucksmittel etabliert und die Grenze zwischen Dokumentation und konstruierter Realität neu definiert.
- Die Aufwertung der Fotografie zur Kunstform durch gezielte Inszenierung.
- Vergleich und Anleihen an die Tradition der Malerei im Arbeitsprozess.
- Die Rolle von Allegorie und Narration in Walls fotografischen Leuchtkästen.
- Der Umgang mit dem Bildbetrachter und dessen Einbeziehung in die Bildkonzeption.
- Die Bedeutung technischer Hilfsmittel wie digitaler Bildbearbeitung bei der Bildkomposition.
Auszug aus dem Buch
3.2 The Stumbling Block (Abb.1)
Auf dieser Aufnahme von 1991 sieht man eine Straßenszene in einer Großstadt. Gezeigt wird eine Frau in dem Moment, in dem sie über einen quer auf dem Bürgersteig liegenden Mann stolpert. Dieser Mann ist „The Stumbling Block“, was übersetzt so viel wie „Über ein Hindernis stolpern“ heißt.
Der Mann liegt mit dem Rücken zur Frau auf der Seite und stützt den Kopf auf seine rechte Hand.
Er ist geschützt gegen „Stolperer“ wie die Frau, denn er einen Helm und am ganzen Körper Protektoren. Er erinnert an einen Eishockeytorwart. Eine Plakette am Revers und ein Funkgerät weisen ihn als offiziellen „Stolperstein“ aus. Gleichzeitig mit der Frau, die im Moment des Stolperns erschrickt, wird auch der Betrachter des Bildes irritiert.
Die Figuren im Vordergrund fallen durch ihre unterschiedlichen Merkmale ihrer äußeren Erscheinung wie Kleidung, Körperhaltung und ethnische Herkunft auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Fotografie als künstlerisches Medium ein und stellt die Absicht des Autors dar, Jeff Walls Arbeiten zu analysieren.
2 Biografie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Lebensweg, die Ausbildung und den künstlerischen Werdegang von Jeff Wall.
3 Entstehungstechnische Bezüge: Hier wird untersucht, wie Wall durch Inszenierung und digitale Bildbearbeitung eine Nähe zur Malerei herstellt, am Beispiel von "The Stumbling Block".
4 Walls Kunst: Dieses Kapitel gliedert Walls Werk in vier künstlerische Charakteristika: theatralisch, malerisch, narrativ und filmisch.
5 Der Bildbetrachter: Der Fokus liegt hier auf der aktiven Rolle des Betrachters, den Wall in seinen Fotografien unmittelbar ins Geschehen einbindet.
6 Werke: In diesem Kapitel erfolgt eine detaillierte Analyse spezifischer Hauptwerke: "Picture for Women", "The Drain" und "Odradek".
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassend wird festgehalten, dass Wall die Fotografie erfolgreich als legitimes und gesellschaftskritisches Kunstmedium aufgewertet hat.
Schlüsselwörter
Jeff Wall, Fotografie, Inszenierung, Leuchtkasten, Malerei, Allegorie, Bildbetrachter, Picture for Women, The Stumbling Block, The Drain, Odradek, Digitale Bildbearbeitung, Zeitspanne, Realität, Fiktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das fotografische Werk des Künstlers Jeff Wall mit Fokus auf seine inszenatorische Arbeitsweise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition der Fotografie als Kunstform, der Einfluss der Malerei auf die Fotografie und der Einsatz digitaler Bearbeitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Walls Fotografien keine bloßen Abbilder der Realität sind, sondern durch gezielte Planung als komplexe Kunstwerke fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische und werkanalytische Methode angewandt, um die Entstehungsprozesse und inhaltlichen Bedeutungsebenen von Walls Bildern zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entstehungsgeschichte, der künstlerischen Klassifizierung in vier Bereiche sowie der Interpretation ausgewählter Schlüsselwerke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Inszenierung, Leuchtkasten, Allegorie und den Bezug zwischen Fotografie und Malerei charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst die digitale Bildbearbeitung Walls Werk?
Laut der Arbeit ermöglicht sie Wall, imaginäre Welten zu erschaffen und seinen Arbeitsprozess an den eines Malers anzupassen, der einzelne Elemente getrennt gestaltet.
Was bedeutet der Begriff "Stumbling Block" im Kontext von Walls Fotografie?
Es handelt sich um eine Allegorie für unerwartete Einbrüche im kapitalistischen Alltag, bei der der "Stolperstein" als fiktive Figur zur Reflexion über gesellschaftliche Zustände anregt.
Wie interpretiert die Arbeit die Rolle des Betrachters bei Jeff Wall?
Der Betrachter wird durch Wall oft direkt in das Bild einbezogen, wodurch seine passive Rolle aufgebrochen und er zum Reflektieren über das Gesehene animiert wird.
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- Wiebke Engler (Author), 2006, Jeff Wall. Fotografische Inszenierungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64062