Sozialisation in der Peer-Group I: Zur Sozialisatorischen Bedeutung der Peer-Group


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definition

3. Funktionen von Peer-Groups

4. Auswahl der Peer Group

5. Definition Subkultur
5.1.Subkulturelle Gruppen

6. Geschlechterverhältnisse in Jugendkulturellen Räumen

7.Zusammenfassung

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit befasse ich mich mit der Frage, inwiefern eine Peer-Group Einfluß auf die Sozialisation[1] von Jugendlichen ausübt und in welcher Hinsicht die Familie dabei eine Rolle spielt.

Hier fließen natürlich mehrere Faktoren mit ein. Aus welchem sozialen Hintergrund kommt der Jugendliche? Wie finden sich Gruppen Gleichaltriger zusammen und welche Umgangsformen pflegen sie? Ebenso stellt sich die Frage, wie dort die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern aussieht.

Zu Beginn meiner Arbeit wähle ich bewusst eine lange Definition, da diese meiner Meinung nach viele Teilaspekte und Probleme, die mit dem Begriff Peer-Group zusammenhängen kurz anreißt und einen ersten Überblick über das Thema verschafft.

Über diese Definition gelange ich dann zu der Frage, wie funktionieren Peer-Groups und welche Bedeutung haben sie für den Jugendlichen? Hier beleuchte ich Aspekte der Motivation aus der Jugendliche sich einer Gruppe anschließen, und ebenso ihr Verhalten untereinander sowie den Entwicklungsaspekt, der solch einer Gruppe in Bezug auf den einzelnen Jugendlichen zugesprochen wird.

Hierbei kommt nun die Frage auf, welche Arten von Jugendgruppen existieren und wie sich der familiäre Hintergrund und das soziale Umfeld auf die Wahl der Jugendgruppe auswirken. Für die Auswahl der Peer-Group spielen diese eine entscheidende Rolle, denn es ist wahrscheinlich, daß die Peer-Group im gleichen sozialen Milieu gesucht wird, in dem der Jugendliche aufgewachsen ist.

In dem Abschnitt „Subkulturelle Gruppen“ definiere ich zunächst den Begriff der Subkultur. Dann spezialisiere ich mich auf das Beispiel abweichender Gruppen, sowie die möglichen Hintergründe, die zu solch einer Abweichung von der Norm führen können. Die Hauptproblematik dieses Teilthemas ist die Frage nach dem Grund und den Ursachen des Gegenwirkens gegen die gesellschaftliche Norm. Wieso geraten Jugendliche in Straßencliquen o.ä., und auf welchem Hintergrund basieren solche Zugehörigkeiten?

Da ich bis jetzt erläutert habe, welche Formen und Arten von Gruppen es gibt und welche Umgangsformen sie pflegen interessiert es mich, ob diese sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Mitgliedern gleich sind. Deshalb widme ich meinen nächsten Teilabschnitt den Geschlechterverhältnissen in Jugendkulturellen Räumen und beleuchte die Unterschiede, die beide Geschlechter innerhalb der Gruppe ausmachen. Von Belang sind hier die Hirarchie, die innerhalb von Jugendgruppen unter den Geschlechtern herrscht, sowie die unterschiedlichen Motivationen, aus denen heraus weibliche und männliche Adoleszente sich einer Peer-Group anschließen.

2. Definition:Englisch – peer group

„Mit dem Begriff Peer Group bezeichnet man eine Gruppe von gleichaltrigen Jugendlichen. Der Begriff wurde in der US-amerikanischen Soziologie entwickelt. Die Forschungsarbeiten der Soziologie, Sozialpsychologie und Psychologie zur Peer Group basieren darauf, dass Jugendliche ein sehr starkes Interesse an Gruppen von Gleichaltrigen haben. Einige Forscher schätzen den Einfluss der Gruppe der Gleichaltrigen für Jugendliche größer ein als die Beeinflussung durch die Eltern (Familie). Aus der Sicht der Entwicklungspsychologie leitet die Zugehörigkeit einer zu einer Peer Group den Ablösungsprozess vom Elternhaus ein (Sozialisation). Die Ablösung geht jedoch oftmals mit der Übernahme von gruppenspezifischen Normen und Regeln der Peer Group einher, die subkulturelle Eigenschaften (Subkultur) aufweisen. Die psychoanalytische Sicht ergänzt, dass die Peer Group für die Entwicklung der Ich-Identität bei Jugendlichen sehr wesentlich ist.

Nach dem aktuellen Kenntnisstand orientieren sich die meisten Jugendlichen an ihren Eltern und an ihrer Peer Group. Der elterliche Einfluss dominiert zum Beispiel in den Lebensbereichen Religiosität, Zukunftsplanung, Schule und Berufsausbildung. Die Peer Group ist für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil, dem Umgang mit Drogen (Drogenabhängigkeit), Musikvorlieben, Mode und Freizeitgestaltung wichtig.

Für Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ist die Kenntnis von der Existenz und dem Einfluss der Peer Group in vielen Fällen der Jugendarbeit von Bedeutung. Von dort können aktuelle Problemlagen der Klienten ausgehen, sie kann aber auch zur Lösung aktueller Schwierigkeiten einen wesentlichen Beitrag leisten (abweichendes Verhalten).“[2]

3. Funktionen von Peer-Groups

Peer-Groups oder Jugendkulturen, Cliquen, Gangs haben für den Heranwachsenden eine sehr bezeichnende Bedeutung. Es ist die Zeit, in der sich der Jugendliche von den Eltern löst, um eigenen Erfahrungen zu machen. Die Wertevorstellungen, die er bis jetzt in seiner Familie vorgelebt bekommen hat, kann er in der Jugendgruppe vergleichen, verfestigen oder verwerfen. Nach King sind solche Jugendgruppen für den Adoleszenten insofern sehr wichtig, als das er hier zum ersten Mal eine Freiheit verspürt, die ihm bis jetzt durch familiäre Grenzen abgesteckt gewesen ist. In der Gruppe hat der Jugendliche wenig Kontrolle durch höhere Instanzen wie Eltern oder Lehrer. Die Gruppe ist demnach so etwas wie ein „Experimentierfeld“[3] für den Jugendlichen, wo auch schon mal Grenzen überschritten werden, denn der Jugendliche will selbst herausfinden, ob die bisherigen familiär gesteckten Grenzen sinnvoll oder übertrieben sind. Diese These untermauert auch Ursula Matschke, nämlich, daß sich die Jugendlichen durch die Gruppe „…dem Wirkungsfeld der erwachsenen Sozialisation weitgehend entziehen und autonom die von diesen propagierten Lebensmodelle vergleichend erproben und in einer bestimmten Kombination einzelne Elemente in die eigene Persönlichkeit integrieren.“[4]

Jedoch ist die Gruppe auch in anderer Hinsicht wichtig für den Jugendlichen. Er bekommt hier die Möglichkeit unter Gleichaltrigen, seine Macht als Individuum unter Beweis zu stellen und auszutesten. Ist er eher Gefolgsmann oder nimmt er eine Führungsposition ein? Solche Fragen spielen eine große Rolle für die Identitätssuche eines jeden Jugendlichen, denn hier entscheidet sich sein weiterer Lebensverlauf. Die Gruppe ist einerseits zwar wichtig für den Jugendlichen seine Identität heraus zu bilden, jedoch kann sich dies sowohl zum Negativen als auch zum Positiven entwickeln.

Eine Peer-Group ist jedoch nicht nur für die Selbstfindung des Jugendlichen von Bedeutung. Solch eine Gruppe hat auch eine Vorbereitungsfunktion für die spätere Eingliederung in Bildungs- und Berufssysteme. Nicht zuletzt durch die familiäre Abnabelung, lernen die Adoleszenten unterschiedliche soziale Räume kennen und pendeln zwischen Institutionen hin und her. Hier dient die Peer-Group als Rückhalt für den Jugendlichen, da die Mitglieder größtenteils ähnliche Probleme haben.[5]

Jedoch ist an dieser Stelle anzumerken, daß in den meisten Fällen den Jugendlichen ein gesunder Kontakt zu ihren Eltern wichtig ist. Obwohl sie sich aus dem engen familiären Verhältnis loszulösen beginnen und zusätzlichen Halt in ihrer Gruppe suchen, möchten sie sich nicht von den Eltern entfremden. Diese zweiseitige Orientierung kann im besten Fall sich ergänzend und zusammenwirkend die Individuation des Jugendlichen fördern.

[...]


[1] Sozialisation meint den Prozeß der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit in Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit den sozialen und den dinglich-materiellen Lebensbedingungen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der historischen Entwicklung einer Gesellschaft existieren. (Hurrelmann)

[2] Quelle: www.singn-lang.uni-hamburg.de

[3] King, V. : Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. (2004) : 203

[4] vgl. Matschke, U. : Lebensalter. (1980) : 194 f

[5] vgl. King, V. : Die Entstehung des Neuen in der Adoleszenz. (2004) : 201 ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sozialisation in der Peer-Group I: Zur Sozialisatorischen Bedeutung der Peer-Group
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Sozialwissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V64110
ISBN (eBook)
9783638570022
ISBN (Buch)
9783640652235
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialisation, Peer-Group, Sozialisatorischen, Bedeutung, Peer-Group
Arbeit zitieren
Britta Kempers (Autor), 2006, Sozialisation in der Peer-Group I: Zur Sozialisatorischen Bedeutung der Peer-Group, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64110

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