Entartete Kunst


Seminararbeit, 2003

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kulturpolitik im Nationalsozialismus
2.1. Der staatliche Anspruch an Kunst und Kultur
2.2. Staatliche Beeinflussung der Kunst und Kultur

3. Die als „entartet“ diffamierte Kunst
3.1. Welche Kunstrichtungen galten als „entartet“?
3.2. Die „Säuberung“ der deutschen Museen

4. Zwei Kunstausstellungen in München
4.1. „Die Grosse Deutsche Kunstausstellung“
4.2. Die Ausstellung „Entartete Kunst“

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der totalitäre NS-Staat hatte den Anspruch der absoluten Überwachung der Bevölkerung. Kunst stellte dabei ein Mittel der Beeinflussung und der Lenkung der öffentlichen Meinung dar. Deshalb legte das nationalsozialistische Regime eine ganze Reihe von Strukturen, Mechanismen und Institutionen an, um die Kunst nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen. Dabei bestimmten die Nationalsozialisten, was nach ihrer Meinung systemkonforme oder systemfremde Kunst war. Hitler, dessen Interesse schon seit frühester Jugend der Kunst galt, ging dabei besonders schonungslos gegen ihm nicht genehme Künstler und deren Werke vor. Besonders verhasst war den Nazis die moderne Kunst, sie wurde verteufelt und als „entartet“ verfemt. In meiner Hausarbeit werde ich zunächst vorstellen, was für einen Anspruch die Nationalsozialisten an die Kunst hatten und was sie taten, um sie zu lenken, wie sie dabei den latenten Hass auf die moderne Kunst nutzten und wie in ihrer Kunstpolitik ihr Rassenwahn deutlich wurde. Dabei gebe ich, ohne auf Charakteristika wie Bildaufteilung, Farben, Strukturen und Kontraste einzugehen, einen kurzen Überblick über die systemkonforme Kunst. Auf die Debatte um den Wert der sogenannten Nazikunst und ihre Wirkung auf die Kunsthistorie gehe ich dabei nicht ein. Die Fülle von Gesetzen, Institutionen und Aktionen gegen die Moderne werden ebenso beschrieben wie ihre Wirkung. Ich empfand es als einen wichtigen Punkt, überhaupt deutlich zu machen, welche Kunstrichtungen und warum bei den Nazis so verhasst waren und mit welcher Brutalität sie gegen diese Kunstrichtungen vorgingen. Einen großen Teil meiner Arbeit habe ich dem empörendem Höhepunkt der NS-Kunstpolitik gewidmet, der Gegenüberstellung der gewollten Kunst in der „Grossen Deutschen Kunstausstellung“ zum einen und der ungewollten Kunst in einer Ausstellung, die man „Entartete Kunst“ nannte, zum anderen. Ich habe Anfang der Neunziger Jahre mit meinen Eltern in Berlin die von Kunsthistorikern neuaufgelegte Ausstellung „Entartete Kunst“ besucht, damals wusste ich nicht viel über dieses Thema. Dies hat mich bewegt, mein Hausarbeitsthema danach zu wählen. Es bleibt zu sagen, dass die Kunstpolitik für den NS-Staat nicht das Wichtigste war, sie war nur ein kleiner Teil des gesamten verbrecherischen Systems. Deshalb hat sie in Literatur und Forschung nicht den selben Stellenwert wie zum Beispiel der Holocaust. Kunst ist auch kein so massenwirksames Medium wie zum Beispiel der Sport. Die Kunst im Nationalsozialismus ist aber aufgrund ihrer Zielgruppe so interessant, kunstinteressiert sind ja vor allem Intellektuelle und Bildungsbürger. Mann versuchte aber mittels der Kunst auch andere Kreise zu erreichen und somit zu beeinflussen.

2. Kulturpolitik im Nationalsozialismus

2.1. Der staatliche Anspruch an Kunst und Kultur

Hitler stellte 1933 auf der Kulturtagung des Reichsparteitages der NSDAP ausführlich seine Vorstellungen bezüglich der Kunst des Dritten Reiches, ihrer Aufgaben und angestrebten Wirkungsweisen vor. Dabei versuchte er, mit pseudowissenschaftlich hergeleiteten Phrasen zu begründen, warum die „Arier“ das Recht haben, alle existierende Kunst in Frage zustellen und die Kunstwelt neu zu gestalten[1]. Die Kunstanschauung des Nationalsozialismus bildete dennoch keine einheitliche Kunsttheorie aus. Stattdessen gab es eine Zusammenstellung verschiedenster und teilweise widersprüchlicher Aussagen und Konzepte. In erster Linie verfolgte man jedoch eine Fortführung der Kunstvorstellungen des Wilhelminischen Deutschlands mit einer übergewichtigen kleinbürgerlichen Komponente[2]. Echte Kunst rücke nach Hitler das Landleben, das „ewig Gesunde“ und vor allem das deutsche Volk in den Mittelpunkt[3]. Moderne Kunst hingegen verkörpere Internationalität und damit nicht das Deutschtum. Es lassen sich im Wesentlichen drei verschiedene kunsttheoretische Ansätze nachweisen. Zum Ersten waren da Völkische Kreise, welche ihre antisemitischen Traditionen durch antikapitalistische Akzente ergänzten und so für eine deutsche Heimatkunst einstanden, zu Zweiten gab es Gruppen aus nationalistischen Kreisen, welche die deutsche Kultur von allen ausländischen Einflüssen freihalten wollten und somit avantgardistische[4] und expressionistische Kunst ablehnten, und zum Dritten gab es den „altdeutsch-pangermanischen Zirkel“, welcher an den Führungsauftrag des nordischen Volkes glaubte[5]. Man war der Meinung zu sehen, dass sich die Kunst immer mehr vom Volk entfernte und war zu der Überzeugung gelangt, dass der „Verfall“ der Kultur als Anzeichen für den Verfall der Gesellschaft zu werten sei. Die Erklärung für den sogenannten „Kulturverfall“ suchte man in der NS-Rassentheorie, danach sei diese Kultur ein Ergebnis des „Aufstandes von Untermenschen“[6]. Juden und Slaven wurden als „kulturzersetzende Rassen“ angesehen. Den „Ariern“ als kulturbegründende und kulturtragende Rasse kam nun die Aufgabe zu, die Kultur zu erneuern und zu „reinigen“[7].

Aufgabe der Kunst war es also, eine neue nationalsozialistische Weltanschauung zu verdeutlichen sowie Geist und Haltung von jedermann zu prägen. Die Kunst wurde zu einem wichtigen Werkzeug, um das nationalsozialistische Menschenbild zu formen beziehungsweise es aufzuzeigen. Dabei spielten Begriffe wie Volk, Heimat, Familie, Boden und Blut, die mit dem Gefühl von gesicherter Existenz verbunden waren, eine große Rolle[8]. Die Nationalsozialisten benutzten Kunst jedoch nicht nur, um politische Botschaften zu vermitteln, vielmehr sollte die Kunst Wünsche und Sehnsüchte in der Bevölkerung wecken und so ihre Verhaltensweisen lenken. Landschaftsmotive sollten die Schönheit des eigenen Landes aufzeigen und so Sehnsüchte nach fernen Ländern unterdrücken, Motive mit Müttern, Vätern und mehreren Kindern sollten das Familienleben harmonisieren und zu mehr Geburten animieren, muskulöse, schlanke Körper sollten den staatlichen Anspruch auf gesunde, kräftige und damit kriegsfähige Menschen verdeutlichen. Der sogenannte „Nordische Mythos“ wurde zum Schlagwort des nationalsozialistischen Kunstverständnisses, wobei nordisch nicht reinweg geographisch zu verstehen ist. So sahen sich die Nazis gern in der Tradition der alten Griechen und fühlten sich sogar als Nachfolger der ägyptischen Pharaonen, deren monumentale Pyramidenbauten Hitler bewunderte. Unter dem Wort „nordisch“ verstand man jene menschlichen Eigenschaften wie Treue, Klugheit und Intelligenz, Gesundheit, Schönheit und nicht zuletzt Fruchtbarkeit. Alles, was in der Geschichte auch nur ein bisschen germanische oder nordische Werte besaß, wurde genutzt, um den nordischen Mythos zu stützen. Der Krieg der Nibelungen, die Reformation und die Kreuzzüge wurden von der Propaganda genutzt und sollten durch die bildende Kunst dargestellt werden[9]. Kunst wurde damit den Erfordernissen der Politik untergeordnet und der NS-Staatsideologie verpflichtet. Im nationalsozialistischen Anspruch an Kunst und Kultur wird sowohl der übersteigerte Rassenwahn als auch die grenzenlose Selbstüberschätzung der Nazis deutlich. Eine Wertung der Kunst erfolgte stets mit Adjektiven wie völkisch, rassisch, nordisch, deutsch, stammhaft, heroisch, gesund oder krank. Die Nazis implizierten meiner Meinung nach in jede Vokabel eine ganze Welt von gewalttätiger Dummheit. Ob bestimmte Kunstwerke zur Ideologie des NS-Staates passten, hing oft von nicht eindeutig definierten und schlecht nachzuweisenden Eigenschaften ab. So entschieden die Nationalsozialisten mit ihrem provinziellen und teilweise stümperhaft- subjektiven Kunstverständnis darüber, was genehm und was nicht genehm war. Vor allem Hitler, der sich selbst seit seiner Ablehnung durch die Wiener Kunstakademie als verkanntes Genie und Kunstsachverständigen sah[10]. Viele der ästhetischen Prinzipien, die später in das Gedankengut und das Kunstverständnis des Dritten Reiches einflossen, stammen aus Hitlers Wiener Zeit.

[...]


[1] Vgl. Hitlers Rede auf der Kulturtagung des Reichsparteitages der NSDAP 1933 in Nürnberg, in: Wulf, Joseph:

Die bildenden Künste im Dritten Reich, Eine Dokumentation, Berlin, Frankfurt/M., Wien 1983, S. 64-68.

[2] Vgl. Petsch, Joachim: Kunst im Dritten Reich, Architektur, Plastik, Malerei, Alltagsästhetik, 3. Auflage,

Köln 1994, S. 11.

[3] Vgl. Adam, Peter: Kunst im Dritten Reich, 1. Auflage, Hamburg 1992, S. 14.

[4] Avantgarde = Vorkämpfer, sie unternahmen den Versuch, Veränderungen innerhalb der Gesellschaft durch

künstlerische Mittel nachzubilden, wobei sie bewusst gegen zuvor gültige Regeln verstoßen. Deshalb galt die

Avantgarde für die Nazis als fremd, jüdisch und bolschewistisch.

[5] Vgl. Petsch, Joachim: Kunst im Dritten Reich, Architektur, Plastik, Malerei, Alltagsästhetik, a.a.O., S. 11-12.

[6] Vgl. Ebenda, S. 12.

[7] Vgl. Petsch, Joachim: Kunst im Dritten Reich, Architektur, Plastik, Malerei, Alltagsästhetik, a.a.O.,, S. 12.

[8] Vgl. Ebenda, S. 14.

[9] Vgl. Adam, Peter: Kunst im Dritten Reich, a.a.O., S. 26.

[10] Vgl. Kershaw, Ian: Hitler Bd. 1 1889-1936, München 2002, S. 55 - 73.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Entartete Kunst
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar zur Zeitgeschichte Seminarthema: 'Kultur und Bildung im Nationalsozialismus'
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V64128
ISBN (eBook)
9783638570152
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entartete, Kunst, Proseminar, Zeitgeschichte, Seminarthema, Bildung, Nationalsozialismus“
Arbeit zitieren
Matthias Kolodziej (Autor), 2003, Entartete Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64128

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