Analyse des Ökotourismus am Beispiel der Fundación Otway, Chile


Studienarbeit, 2005
48 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Motivation und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Chile
2.1 Politische Entwicklung
2.2 Bevölkerungsstruktur
2.3 Klima und Geographie
2.4 Tourismuspolitik
2.5 Umweltpolitik

3 Ökotourismus
3.1 Begriffsdefinition und Differenzierung zu verwandten Begriffen
3.1.1 Begriffsdefinition
3.1.2 Sanfter Tourismus
3.1.3 Nachhaltigkeit
3.2 Gründe für die Entstehung des Ökotourismus
3.3 Nachfrageanalyse: Der „Ökotourist“
3.3.1 Umweltbewusstsein und Umweltverhalten
3.3.2 Eigenschaften und Motivationen der Nachfrager im Ökotourismus
3.4 Angebotsanalyse: Der deutsche Veranstaltermarkt für Ökotourismus in Chile
3.5 Mögliche negative Effekte des Ökotourismus

4 Ökotourismus in Chile am Beispiel der Stiftung Fundación Otway
4.1 Die Stiftung
4.1.1 Entstehung und Entwicklung
4.1.2 Struktur
4.2 Die Projekte
4.2.1 Pinguinkolonie in Punta Arenas
4.2.2 Pinguinkolonie auf Chiloé
4.2.2.1 Allgemeine Informationen Chiloé
4.2.2.2 Touristisches Potenzial: Natürliches und abgeleitetes Angebot
4.2.2.3 Die Pinguinschutzstation in Puñihuil, Chiloé
4.3 Überprüfung des Angebots Puñihuil auf Kriterien des Ökotourismus

5 Fazit

Anhang I: Tourismus-Statistik des nationalen Statistik-Amtes INE

Anhang II: Sernatur Agenda de Turismo 2002-

Anhang III: Info-Broschüre Fundación Otway

Anhang IV: Stellenausschreibung der Fundación Otway

Anhang V: Mitschrift des Telefonates mit Kai George von der Fundación Otway

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Internet-Quellen

Eidesstattliche Erklärung

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Internationale Touristenankünfte in Chile

Darstellung 2: Erscheinungsformen von hartem und sanftem Reisen nach Jungk

Darstellung 3: Insel Chiloé

Darstellung 4: Übersicht Chile

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Motivation und Ziel der Arbeit

Der Ökotourismus hat in Deutschland einen Marktanteil von ca. ein bis fünf Prozent[1] und zählt somit zu den Nischenmärkten im Tourismus. Doch wie erklärt sich dann die inflationäre und zum Teil missbräuchliche Verwendung dieses Begriffes als werbewirksames, verkaufsförderndes Schlagwort, und wie kann der Missbrauch dieses Begriffes verhindert werden? Unter anderem diese Fragen motivierte die Verfasserin, sich näher mit dem Begriff des Ökotourismus, seiner Umsetzung im touristischen Angebot und den Zukunftschancen dieser Reiseform auseinanderzusetzen. Die Beantwortung der genannten Fragestellungen anhand einer Analyse des Ökotourismus ist das Ziel dieser Arbeit.

Weiterhin lernte die Verfasserin im Rahmen ihres Praxissemesters bei einem Reiseveranstalter in Chile Einrichtungen kennen, die Ökotourismus anbieten und wird so die theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema anhand eines Beispiels von Ökotourismus in Lateinamerika veranschaulichen.

1.2 Aufbau der Arbeit

In Teil 2 wird zunächst ein Überblick über alle für diese Arbeit relevanten Fakten Chiles gegeben und besonders die Tourismus- und Umweltpolitik näher betrachtet, um zu untersuchen, welche Chancen der Ökotourismus in Chile hat.

Teil 3 beschäftigt sich mit der Analyse des Ökotourismus. Hierzu muss der vielseitig benutzte Begriff des Ökotourismus zuerst definiert und von verwandten Begriffen abgegrenzt werden, um eine wissenschaftliche Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem Themengebiet zu haben. In Kapitel 3.4 wird anhand ausgewählter Best-practice-Beispiele der deutsche Veranstaltermarkt für Ökotourismus in Chile vorgestellt. Auch mögliche negative Effekte des Ökotourismus müssen diskutiert werden, um die vollständige Auseinandersetzung mit dem Thema zu gewährleisten.

In Teil 4 wird schließlich anhand des Fallbeispiels der Fundación Otway der Ökotourismus in Chile beschrieben und analysiert.

2 Chile

2.1 Politische Entwicklung

In Chile existiert eine junge und dennoch stabile Demokratie, der Andenstaat ist eines der wirtschaftlich und politisch stabilsten Länder Südamerikas. Dies zeigt sich unter anderem an der stabilen Wachstumsrate (5,9 Prozent) sowie an der niedrigen Inflationsrate (2,4 Prozent).[2]

Der aktuelle Präsident ist seit dem 11. März 2000 der Christdemokrat Ricardo Lagos Escobar. Seine Mitte-Links-Regierung setzt sich aus Sozialisten und Christdemokraten zusammen. Die Opposition bildet eine Allianz aus rechtsgerichteten Parteien.[3]

Seit dem Tod des früheren sozialistischen Präsidenten Salvador Allende beim Militärputsch am 11. September 1973 regierte der General Augusto Pinochet das Land in Form einer Diktatur bis zum Dezember 1989. Die Frage in einem Plebiszit, ob Pinochet der einzige Kandidat für die kommenden Wahlen sein soll, beantwortete die Mehrheit der chilenischen Regierung mit „Nein“.[4] Pinochet verlor die Wahl, bleibt aber Militärchef und Senator auf Lebenszeit.[5] Neuer Präsident wurde der Christdemokrat Patricio Aylwin. 1994 löste ihn der Christdemokrat Eduardo Frei, Vorgänger von Ricardo Lagos, an der Regierungsspitze ab, denn die chilenische Verfassung untersagt eine unmittelbare zweite Amtszeit des amtierenden Präsidenten.[6]

2.2 Bevölkerungsstruktur

In Chile leben 15,8 Millionen Menschen. Bemerkenswert ist, dass von den 15,8 Mio. Einwohnern 86,8 Prozent in Städten leben. Allein rund 5 Mio. Menschen wohnen in der Hauptstadt Santiago.

Das BIP pro Kopf beträgt 5.693 USD (zum Vergleich: das BIP pro Kopf in Deutschland beträgt 26.400 Euro[7]). Es ist nicht zu leugnen, dass es immer noch Armut in Chile gibt. Knapp 3 Millionen Menschen in Chile leben in Armut, 728.400 sogar in extremer Armut. Dennoch ist die Entwicklung als positiv zu betrachten, denn die Armut geht kontinuierlich zurück. Die extreme Armut ist von 1987 bis 2003 um über 10 Prozent von 17,4 auf 4,7 Prozent gesunken, die Armut von 39 auf 18,8 Prozent.[8] Sie liegt damit sehr deutlich unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 43 Prozent.[9]

Der demographische Wandel vollzieht sich in Chile nicht so schnell wie in Deutschland. Die Geburtenrate sinkt zwar kontinuierlich, ist jedoch mit 2,13 Kindern pro Frau noch höher als in allen europäischen Industrienationen.[10] Die Anzahl der Menschen über 65 Jahren in der chilenischen Bevölkerung liegt mit 7,36 Prozent deutlich niedriger als in Deutschland (16,61 Prozent).[11]

2.3 Klima und Geographie

Chile erstreckt sich als ein langer, schmaler Streifen Land entlang der Westküste Südamerikas. Im Norden grenzt es an Peru, im Nordosten an Bolivien (welches seinen Küstenzugang im Salpeterkrieg 1883 an Chile verlor), im Osten an Argentinien und im Westen an den Pazifischen Ozean. Mit einer Länge von 4.300 km (inklusive dem chilenischen Teil der Antarktis sind es 8.000 km) und einer durchschnittlichen Breite von nur 188 km erstreckt Chile sich zwischen dem 17° und 56° Längengrad Süd und dem 60° bis 75° Breitengrad West.[12]

Geographisch wird das Land in 5 Landschaftsräume geteilt: Der Große Norden, der Kleine Norden, die Zentralzone, der Kleine Süden einschließlich der Insel Chiloé und der Große Süden.

Der Große Norden beherbergt mit der Atacama-Wüste die trockenste Wüste der Welt. Im Jahr fallen bei einer Durchschnittstemperatur von 19 Grad nur 0,7 mm Niederschlag.[13] Im Kleinen Norden schließt sich eine Steppenlandschaft an. Die Zentralzone rund um die Hauptstadt Santiago hat bereits ein angenehmeres Klima mit Temperaturen zwischen 11 Grad im Juli und 28 Grad im Januar.[14]

Der Kleine Süden ist eine regenreiche, gemäßigte Zone mit ausgedehnten Wald- und Weideflächen. Der durchschnittliche Niederschlag kann hier bis knapp 2.500 mm betragen.[15] Sehr rau kann das Klima im Großen Süden, besonders in Patagonien werden. In den waldreichen Insel- und Fjordgebieten, aber vor allem in den patagonischen Steppen gibt es viel Niederschlag und Windstärken um 10 sind häufig.[16]

Aufgrund seiner ungewöhnlichen Länge findet sich in Chile eine Vielzahl von Klimazonen, auf die hier nur kurz eingegangen werden soll. Grob kann man eine Einteilung in drei Klimazonen vornehmen: trockenkaltes Wüstenklima im Norden, subtropisches bis mediterranes Klima mit einer Regenzeit im Winter in Mittelchile sowie maritimes, ganzjährig niederschlagsreiches Klima im Süden des Landes.[17]

Generell unterscheidet sich das niederschlagsreiche, vom Humboldtstrom beeinflusste Klima an der Küste und auf den Inseln vom trockeneren, durch die Lage im Windschatten der Anden beeinflussten Klima im Landesinneren, auch die unterschiedlichen Höhen spielen eine Rolle im Bezug auf das Klima und die Temperaturen.

2.4 Tourismuspolitik

Aufgrund der politischen Lage gab es bis zum Jahre 1989 keinen nennenswerten internationalen Tourismus. Insofern befindet sich Chile, zumindest den Incoming-Tourismus betreffend, immer noch in der Entwicklung, auch wenn in fast allen Regionen eine grundlegende touristische Infrastruktur bereits gegeben ist.

Als staatliches Organ ist der „Servicio Nacional de Turismo“ (Sernatur) für den Tourismus zuständig. Sernatur funktioniert nicht nur als staatliches Fremdenverkehrsamt. Sein selbst ernannter Auftrag ist es ebenso, „in einer nachhaltigen Form die Entwicklung des Tourismus in Chile zu festigen, zu lenken und zu fördern“.[18]

Im Jahr 2001 entwickelte Sernatur die „Tourismus-Agenda 2002-2005“. Dieser Aktionsplan sieht u.a. folgende Maßnahmen vor:

- den Ausbau der chilenischen Tourismusindustrie durch eine bessere Vermarktung und Imagebildung, realisiert durch die Stärkung der Public-Private-Partnership „Corporación de Promoción Turística de Chile“ (CPT)
- mehr privatwirtschaftliche internationale Investitionen im Tourismus
- die Verbesserung der Angebotsqualität durch Einführung einer offiziellen Klassifizierung für Unterkünfte und Reiseleiter
- Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung zur Vermeidung negativer externer Effekte im Tourismus
- Ausbau des Tourismus in Schutzgebieten mit einer Strategie, die die Erhaltung dieser Ökosysteme gewährleistet
- Fokussierung auf die Zielgruppe der Senioren
- Ausbau der touristischen Informationszentren[19]

Als Gegenstück zu der Regierungsorganisation Sernatur gibt es auf der privatwirtschaftlichen Seite die Institution „Cámara Nacional de Comercios, Servicios y Turísmo de Chile“ (CNC). Sie ist übersetzt die Handels-, Dienstleistungs- und Tourismuskammer und in ihren Aufgaben und Strukturen teilweise vergleichbar mit dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW). Die Mitglieder setzen sich u.a. aus Tourismusorganisationen und –betrieben zusammen, so z.B. die „Asociación Chilena de Empresas de Turismo – ACHET“ (Vereinigung der Angestellten im Tourismus), „Asociación Chilena de Gastronomía“ und „Asociación de Hoteleros de Chile“ (vergleichbar mit DEHOGA) oder die „Asociación Chilena de Líneas Aereas“.[20] Die Hauptaufgabe der CNC ist die „Interessenvertretung der Mitglieder und Teilhaber, basierend auf dem Konzept der freien Marktwirtschaft“.[21] Hierzu dient das Organ der CNC, der „Consejo (Rat) Superior de Turismo de Chile”.

Die aktuelle Entwicklung im Tourismus ist zufrieden stellend. Zwar hatten die Anschläge in den USA vom September 2001 auch Auswirkungen auf die Ankünfte in Südamerika, jedoch hat sich Chile von diesem Zwischentief bereits wieder erholt. Im Jahr 2004 kamen 1,7 Millionen ausländische Gäste nach Chile. Davon sind 75 Prozent Urlaubsreisende, 13 Prozent besuchen Freunde und Familie. Der Anteil der Geschäftsreisenden beläuft sich auf 3,9 Prozent.[22]

Die Touristen kommen vor allem aus Amerika. Süd- und Nordamerika machen zusammen 78,3 Prozent des internationalen Reiseverkehrs nach Chile aus. Die meisten Besucher kommen aus Argentinien (36,4 Prozent), Peru (11 Prozent) und den USA (9,2 Prozent). Der europäische Anteil beträgt 16,6 Prozent, davon sind wiederum 20 Prozent deutsche Touristen.[23]

Darst. 1: Internationale Touristenankünfte in Chile (in Millionen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung, Daten: http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/navega2.php?page=sernatur/sernatur_menu04; http://www.lateinamerika.org/pnews/details.php?nr=37

Einiges deutet darauf hin, dass die Touristenankünfte in den kommenden Jahren weiter wachsen werden. Es wird vor allem von internationalen Investoren permanent in die touristische Infrastruktur, vor allem in die Beherbergung, investiert.[24] Chile ist politisch und wirtschaftlich stabil und hat weder mit Terror noch mit hoher Kriminalität zu kämpfen. Es gilt als eines der sichersten Reiseländer in Südamerika.

In vielen Regionen deuten die Zahlen für 2005 auf ein überdurchschnittliches Wachstum hin. So meldete z.B. die 10. Region einen Anstieg der internationalen Ankünfte um 27,6 Prozent im Sommer 2005 (Januar und Februar), dies sind 17 Prozent mehr als der nationale Durchschnitt.[25]

Chile hat mit 15,8 Tagen eine hohe durchschnittliche Aufenthaltsdauer. Die Einnahmen im Tourismus beliefen sich im Jahre 2000 auf 1 Milliarde USD bei durchschnittlichen Ausgaben von 569 USD pro Aufenthalt pro Person (2003).[26] Der Anteil des Tourismus am BIP beträgt 4,7 Prozent.[27]

Besonders intensiv möchte Sernatur den deutschen und chinesischen Markt bearbeiten. Der deutsche Markt ist für Chile aufgrund mehrerer Faktoren besonders interessant:

- Die deutschen Touristen haben mit 24 Tagen die längste durchschnittliche Aufenthaltsdauer
- Mit 64,7 Millionen Reisen im Jahr[28] sind die Deutschen „Vize-Reiseweltmeister“, das Reisevolumen soll laut Schätzung im Jahr 2010 auf 122 Millionen Reisen steigen
- Deutsche Touristen geben in Chile durchschnittlich 58 USD pro Tag aus.
- Chile als immer beliebteres Reiseland der Deutschen: von 2002 aus 2003 sind die Ankunftszahlen der deutschen Touristen um 38 Prozent gestiegen.[29]

Auch der chinesische Markt hat mit 1,3 Milliarden Bewohnern und einer der höchsten Wachstumsraten der Welt große Entwicklungspotenziale. So wurde bereits bei der Konferenz der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft APEC, die im Oktober 2004 in Chile stattfand, eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit von Chile und China, auch im Bereich Tourismus, besprochen.[30]

2.5 Umweltpolitik

Während der Militärdiktatur unter General Pinochet spielte der Umweltschutz keine große Rolle. Es wurden Gesetze wie z.B. das Gesetz Nr. 701 erlassen, welches die Subventionierung der Holzwirtschaft mit bis zu 75 Prozent der Investitionen vorschreibt. Waldflächen wurden privatisiert und an ausländische Konzerne verkauft.[31]

Ab 1990 bemühte sich Präsident Aylwin um eine Systematisierung der Gesetzgebung und die Schaffung effizienter Umweltschutzinstitutionen. Es bestehen allerdings weiterhin gesetzgeberische Defizite. So wurde das Urwaldgesetz (Ley del Bosque Nativo), welches seit zwölf Jahren diskutiert wird, bis heute nicht verabschiedet. Auch die Kontrolle der Einhaltung bestehender Regeln bleibt eine Schwachstelle der staatlichen Umweltpolitik.[32]

Auch der derzeitige Präsident Lagos engagiert sich stärker im Umweltschutz als sein Vorgänger Frei. Um der Zerstörung der Naturwälder Chiles entgegenzuwirken, setzt er sich beispielsweise für die Einführung nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden ein.[33]

Umweltparteien haben in Chile keinen signifikanten Einfluss. Zwar gibt es eine grüne Partei in Chile, diese tritt jedoch nicht als eigenständige Partei auf, sondern fusionierte 1991 mit der „Partido Humanista“ und tritt unter diesem Namen auf.[34] Die Partido Humanista wiederum gehört zu der Allianz „Juntos Podemos“, eine Allianz von 22 Organisationen und Parteien, welche im Oktober bei den Kommunalwahlen mit 9,09 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft wurde.[35]

Von staatlicher Seite ist die Umweltbehörde CONAMA (Comisión Nacional del Medio Ambiente) für die „Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung in Chile und zur Koordination entsprechender staatlicher Maßnahmen und Strategien“[36] zuständig. Sie ist tätig auf allen Gebieten staatlicher Umweltpolitik, wie Naturschutz, Umweltbildung, Institutionsentwicklung, Gesetzgebung und die Überwachung der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen.[37]

Chile hat aufgrund seiner vielseitigen Geographie viele schützenswerte Regionen. Belastet wird die Umwelt in Chile vor allem durch die folgenden vier gravierenden umweltpolitischen Probleme:

- Luftverschmutzung und Smog: besonders in der Hauptstadt Santiago gibt es im Winter ein Smogproblem. Ursache hierfür ist nicht nur die Kessellage der Metropole, sondern vor allem der extensive Busverkehr mit veralterten Bussen ohne Katalysator sowie der übermäßige Verkehr im Allgemeinen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es einen Dekontaminierungsplan. Bei kritischen Luftbedingungen kann so der Verkehr eingeschränkt werden.[38] Außerdem wird der Busverkehr seit 1993 mit der Vergabe von Straßennutzungsrechten reguliert.[39]
- Müllentsorgung: in Santiago existiert die bisher einzige nach modernen Standards funktionierende Mülldeponie in ganz Chile. Im Rest des Landes gibt es keine Mülltrennung.[40]
- Abwasseraufbereitung: 2002 konnten nur 40 Prozent der städtischen Haushaltsabwasser geklärt werden. Dieses Problem scheint sich im Privatsektor jedoch einer Lösung anzunähern: Ende 2004 wurden schon 70 Prozent der Abwasser aus Privathaushalten geklärt. Die chilenische Regierung plant bis 2010 ein flächendeckendes Netz von Kläranlagen zu installieren. Allerdings ist die Lage der Entsorgung von Industrieabwässern nicht zufrieden stellend: 80 Prozent der Industriebetriebe lassen ihr Abwasser nicht aufbereiten, sondern leiten es in die Kanalisation, Seen, Flüsse und Bewässerungskanäle ab.[41]
- Abholzung von einheimischem Wald: Besonders die Baumarten Araukarie und Alerce gelten zu den am meisten gefährdeten einheimischen Baumarten Chiles. Diese Bäume können bis zu mehreren tausend Jahren alt werden und ihre Abholzung ist seit einigen Jahren verboten. Generell muss Chile in der Forstwirtschaft das schwierige Gleichgewicht zwischen ökonomischen Erträgen und notwendigen Umwelt- und Artenschutzmaßnahmen finden. Einerseits sind Alerce und Araukarie akut vom Aussterben bedroht, andererseits sind es besonders wertvolle und teure Holzarten. Des Weiteren ist die Lobby der Forstwirtschaft in Chile besonders einflussreich. Nicht ohne Grund, denn die wirtschaftliche Bedeutung des Forst- und Holzsektors hat in den letzten 25 Jahren deutlich zugenommen, der Anteil der Exporte hat sich von sechs auf zwölf Prozent verdoppelt.[42] Ein großer Teil dieser Exporte sind jedoch schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus, Pinien oder Kiefern, die in Plantagen als Monokulturen angepflanzt werden. Diese Plantagen wurden oft dort errichtet, wo früher Naturwälder existierten.[43] Jährlich werden 120.000 Hektar Urwald durch die Forstwirtschaft geschädigt oder vernichtet, 14.000 Hektar werden durch Monokulturen ersetzt. Die Folgen sind u.a. verschmutztes Grundwasser und erodierte Böden.[44]

Für den Tourismus sind vor allem die Luftverschmutzung und die Waldrodung von Bedeutung, da die einheimischen Baumarten wie z.B. die Araukarie oder der Alerce-Baum auch touristische Attraktionen sind.

[...]


[1] Vgl. http://www.bmu.de/tourismus_sport/doc/print/2192.php, Stand: 25.08.2005; http://www.dialog.inwent.org/de/rub_20020306182708/artikel_20020805161030.html?print=1, Stand: 25.08.2005.

[2] Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/

laender_ausgabe_html?type_id=24&land_id=31, Stand: 25.08.2005.

[3] Vgl. Schmidt di Simoni, I., Chile, 1999, S. 47.

[4] Vgl. Wessel, G., Chile, 2000, S. 161.

[5] Vgl. Schmidt di Simoni, I., Chile, 1999, S. 45.

[6] Vgl. http://www.inwent.org/v-ez/lis/chile/seite2.htm, Stand: 25.08.2005.

[7] Vgl. http://www.deutschland.de/aufeinenblick/uebersicht.php?lang=1, Stand: 25.8.2005.

[8] Vgl. http://www.condor.cl/brecha_pobreza.html, Stand: 25.8.2005.

[9] Vgl. http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/415.html, Stand: 25.08.2005.

[10] Vgl. http://www.ipicture.de/daten/demographie_chile.html; http://www.ipicture.de/daten/demographie_deutschland.html, Stand: 25.08.2005.

[11] Vgl. ebda., Stand: 25.08.2005.

[12] Vgl. Schmidt di Simoni, I., Chile, 1999, S. 16ff.

[13] Vgl. ebda., S. 27.

[14] Vgl. http://reiseinformationen.carpe.de/reiseinformationen-chile.php#amerika_Chile4, Stand: 25.8.2005.

[15] Vgl. Schmidt di Simoni, I., Chile, 1999, S. 27.

[16] Vgl. Wessel, G., Chile, 2000, S. 131.

[17] Vgl. Westermann (Hrsg.), Weltatlas, 1996, S. 220 ff.

[18] Http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/navega2.php?page=sernatur/sernatur_menu01, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.8.2005.

[19] Vgl. http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/navega2.php?page=sernatur/sernatur_menu04, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[20] Vgl. http://www.cnc.cl/navTpl.php?s=20031215112104&c=20031218124044&login=&tid=, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[21] Ebda., Stand: 25.08.2005.

[22] Vgl. http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/noticias.php?noticia=86, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[23] Vgl. http://www.ine.cl/18-turismo/turismo02/turismoreceptor.doc, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[24] Vgl. http://www.cnc.cl/navTpl.php?s=&c=20050303101054&login=&tid=, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[25] Vgl. http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/noticias.php?noticia=93, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[26] Vgl. ebda., Stand: 25.08.2005.

[27] Vgl. http://www.cnc.cl/datos/docs/20040109112314/Turismo_-_Industria_en_Potencia.doc, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[28] Vgl. http://www.fur.de/downloads/Reiseanalyse_2005.pdf, Stand: 25.08.2005.

[29] Vgl. http://www.sernatur.cl/scripts/sitio/noticias.php?noticia=51, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[30] Vgl. http://www.cnc.cl/datos/docs/20040109112143/APEC_2004_-_Nuestro_Horizonte.doc, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005

[31] Vgl. http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/422.html, Stand: 25.08.2005.

[32] Vgl. ebda., Stand: 25.08.2005.

[33] Vgl. http://www.kfw-entwicklungsbank.de/DE/Laender%20und%20Projekte/Lateinamer79/

Chile61/EPKD_05085_DE_Nachhaltige_Naturwaldbewirtschaftung.pdf, Stand: 25.08.2005.

[34] Vgl. http://www.bcn.cl/pags/instituciones/partidos/ahv.htm, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[35] Vgl. http://www.partidohumanista.cl/modules.php?name=News&file=article&sid=3, übersetzt durch Verfasserin, Stand: 25.08.2005.

[36] Http://www.tu-dresden.de/lsk/laz/semesterarbeiten/ ss00/umweltpolitik/wollmann_umweltpolitik_haupt.htm, Stand: 25.08.2005.

[37] Vgl. ebda., Stand: 25.08.2005.

[38] Vgl. http://www.umweltexport.de/export/003_004_001_004.html, Stand: 25.08.2005.

[39] Vgl. http://www.tu-berlin.de/fak7/ilup/fg-hartje/forschung/ha-chile.shtml, Stand: 25.08.2005.

[40] Vgl. http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/422.html, Stand: 25.08.2005.

[41] Vgl. http://www.intec-online.net/uploads/tx_intec/Chile_Umweltschutz.pdf, Stand: 25.08.2005.

[42] Vgl. http://www.kfw-entwicklungsbank.de/DE/Laender%20und%20Projekte/Lateinamer79/

Chile61/EPKD_05085_DE_Nachhaltige_Naturwaldbewirtschaftung.pdf, Stand: 25.08.2005.

[43] Vgl. Wessel, G., Chile, 2000, S. 174ff.

[44] Vgl. http://www.lateinamerikanachrichten.de/?/artikel/422.html, Stand: 25.08.2005.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Analyse des Ökotourismus am Beispiel der Fundación Otway, Chile
Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig  (Fakultät Karl Scharfenberg, Salzgitter)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
48
Katalognummer
V64143
ISBN (eBook)
9783638570299
Dateigröße
1073 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Beispiel, Fundación, Otway, Chile
Arbeit zitieren
Julia Kipper (Autor), 2005, Analyse des Ökotourismus am Beispiel der Fundación Otway, Chile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64143

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