Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden - Der erste Zusatz


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
20 Seiten, Note: 1,7
Dietmar Klumpp (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kant und seine Zeit

3. Zum ewigen Frieden

4. Der erste Zusatz
a. Von der Garantie des ewigen Friedens
b. Interpretation

5. Die Garantie in heutiger Zeit

6. Zusammenfassung

7. Literaturliste

Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden.

Der erste Zusatz.

1. Einleitung

Die Menschheit hat in ihrer langen Geschichte schon viele Friedensverträge kommen und gehen sehen. Zu ewigem Frieden ist es aber noch nicht gekommen, allenfalls beständigen Frieden kann man in einigen Regionen der Erde erspähen. Daher besitzt die Suche nach ewigem Frieden leider immer noch Aktualität und wird sie, in für uns unabsehbarer Zeit, besitzen. Die Suche nach ewiglichem Frieden ist wahrscheinlich so alt, wie die Menschheitsgeschichte selbst. Kant war daher nicht der Erste, der nach ihm suchte, doch hinsichtlich der gedanklichen Tiefe und Konsequenz übertraf er alles, was bis dahin darüber geschrieben worden war.[1]

Kant verfasste seinen philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ in der damals gängigen Form eines Friedensvertrages. Dieser stellt daher einen Teil seiner „praktischen Philosophie“[2] dar. Der Titel ist satirische und gibt die Inschrift eines Wirtshausschilds wieder, auf dem außerdem noch ein Friedhof zu sehen ist.[3] Den Friedhof kann Kant nicht im Auge gehabt haben, als er an den Frieden dachte. Doch er glaubte, dass der ewige Friede nur über den Krieg zu erreichen ist.

Nach einer kurzen geschichtlichen Einbettung der Schrift in die damalige Zeit, soll in der hier vorliegenden Arbeit begründet werden, wodurch die Garantie gewährleistet wird und wie sie geartet ist. Handelt es sich bei dem Gedanken an den ewigen Frieden um eine Utopie? Und welche Rolle spielt die Natur für Kant? Und schließlich: Wie lässt die Natur in heutiger Zeit, aus der Sicht Kants, den Menschen sich an den ewigen Frieden durch Staats- Völker- und Weltbürgerrecht annähern?

Kants Leben und Werk wurde bereits von allen erdenklichen Seiten ausführlich beleuchtet, daher steht ein Fülle von Literatur zu Verfügung. Anlässlich seines 200. Todestages am 12. Februar diesen Jahres wurden eine Vielzahl neuer Biographien und Schriften veröffentlicht. Speziell zu seinem Traktat „Zum ewigen Frieden“ wurde 1995 (200. Jahrestag der Veröffentlichung) die Gelegenheit genutzt, dieses neu zu bearbeiten und zu interpretieren.

2. Kant und seine Zeit

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant wurde am 22.04.1724 in Königsberg (Ostpreußen) geboren. Als Sohn eines Handwerksmeisters war der Weg zum Professor der Philosophie nicht gerade leicht. Als sein Vater verstarb, musste er zusätzlich noch für den Rest der Familie sorgen. Er hielt sich und seine Familie als Hauslehrer in verschiedenen ostpreußischen Städten über Wasser, verlor dabei jedoch nie den Blick auf seine universitäre Karriere. 1755 wird Kant Magister und daraufhin Privatdozent an der Albertus-Universität in Königsberg. 1770 gelang ihm, was er immer schon angestrebt hatte, er wurde Professor für Methaphysik und Logik in Königsberg. Sein Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ erschien im Jahre 1781. Sechs Jahre später entwickelte er den kategorischen Imperativ in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“. 1795 wurde sein Traktat „Zum ewigen Frieden“ veröffentlicht. Kant starb nach Jahren mit Alzheimer im damals biblischen Alter von 80 Jahren in Königsberg, den Ort, den er fast nie verlassen hatte.[4]

Er war in eine Zeit eingebettet, die von Aufklärung und Absolutismus geprägt wurde und in der Französischen Revolution ihren Höhepunkt fand. 1740 trat Friedrich II. (der Große) von Preußen sein Amt an. Dieser wurde zu einem der bedeutendsten Vertreter des aufgeklärten Absolutismus. Friedrich der Große zog sogar Voltaire an seinen Hof. Er betrachtete sich selbst als „erster Diener des Staates“. Zudem machte er Preußen entgültig zu einer europäischen Großmacht. Er starb im Jahre 1786 und sein Neffe Friedrich Wilhelm II. wurde sein Nachfolger. Dieser war nicht in gleicher Weise offen für den aufgeklärten Absolutismus, vor allem in Fragen bezüglich der Religion, so dass er 1788 mit seinem Religionsedikt eine Zensur für Religionsschriften erließ. Diese beeinträchtigte auch Kant, in seiner Freiheit darüber schreiben zu können, was er unter Friedrich dem Großen ungestört tun konnte. 1795 zog sich Friedrich Wilhelm II. aus der Koalition gegen Frankreich zurück und trat im Basler Frieden die linksrheinischen Gebiete an Frankreich ab, was angeblich der Anlass für Kant war, seinen philosophischen Entwurf „Zum ewigen Frieden“ zu schreiben.[5] Auch die dritte polnische Teilung vom Oktober 1795 musste ihn wohl in seinem Denken bestärk haben.[6]

Immanuel Kant war nicht nur der bedeutendste Philosoph der Spätaufklärung, sondern schuf auch die Grundlagen der neueren Philosophie. Inspiriert wurde er unter anderem von Voltaire und Rousseau. Der Mensch ist, Kant nach, als natürliches und vernunftbegabtes Wesen sich seiner selbst bewusst und vertraut auf eine Erkenntnis- und Entwicklungsfähigkeit. Er war somit einer der geistigen Väter des Liberalismus. Des weiteren setzte er sich im Sinne der humanitären Aufklärung für die Menschenrechte der Bauern und Abschaffung der Leibeigenschaft ein.[7]

In den 70er und 80er Jahren des 18. Jahrhunderts stieg die Lesefähigkeit des Volkes in Deutschland ständig an, nicht zuletzt aufgrund der Schulpolitik des Preußischen Königs. Auch die Zahl der Buchautoren nahm stetig zu, was eine steigende Zahl an Neuerscheinungen von Büchern nach sich zog. Es entstand eine Art „Leserevolution“ in Deutschland, die unter anderem auch Kant zu einer großen Popularität verhalf.[8]

3. Zum ewigen Frieden

Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ erscheint im Jahr 1795 und ist in der damals gängigen Form eines Friedensvertrags mit Präliminarartikeln und Definitivartikeln aufgebaut.[9]

Er führt sechs Präliminarartikel auf, die zum Ziel haben, den nur durch Waffenstillstände unterbrochenen ewigen Krieg, in einen Zustand des Friedens zu überführen. Die Präliminarartikel können als politisches Sofortprogramm verstanden werden.[10] Es handelt sich bei diesen um Verbotsartikel.[11] Die Präliminarartikel lauten wie folgt: 1. Es soll kein Friedensschluß für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffes zu einem künftigen Kriege gemacht worden. 2. Es soll kein für sich bestehender Staat von einem anderen Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden können.[12] 3. Stehende Heere sollen mit der Zeit ganz aufhören. 4. Es sollen keine Staatsschulden in Beziehung auf äußere Staatshändel gemacht werden. 5. Kein Staat soll sich in die Verfassung und Regierung eines anderen Staates gewalttätig einmischen. 6. Es soll sich kein Staat im Krieg mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind Anstellung der Meuchelmörder, Giftmischer, Brechung der Kapitulation, Anstiftung des Verrats um bekriegten Staat etc.[13]

Die sechs Präliminarartikel lassen sich im wesentlichen auf drei Kernaussagen verdichten. Da bisher die meisten Friedenschlüsse nur Waffenstillstände waren, handelt es sich um eine Täuschung. „Wollen wir zum wirklichen Frieden kommen, dürfen wir nicht lügen, also nicht Frieden nennen, was nur Waffenstillstand ist.“[14] Ferner handelt es sich bei einer Einmischung von außen, um die Verletzung der Autonomie im inneren eines Staates, was eine Unsicherheit für alle erzeugt. Als weiteres sind Ausrottungs- und Vernichtungskriege zu unterlassen, denn es muß inmitten des Krieges ein Stück Vertrauen übrigbleiben, um zukünftigen Frieden zu gewährleisten.[15]

Ist erst einmal der Frieden durch die Präliminarartikel vorbereitet, sodann sollen die drei Definitivartikel den Frieden auf Dauer sichern.[16] Erstens: „Die bürgerliche Verfassung in jedem Staat soll republikanisch sein.“[17] Kant geht davon aus, dass nur republikanische Rechtsstaaten untereinander im ewigen Frieden leben können. Er versteht „republikanisch“ nicht im Sinne einer Staatsform, sondern Regierungsart. Diese ist bestimmt durch die gesetzliche Freiheit, welche unter anderem Menschenwürde und Gewaltenteilung garantiert. Nur die republikanische Regierungsart schafft ein gemeinschaftliches Rechtsbewusstsein, das den Frieden auf Dauer erhält.[18]

Zweiter Definitivartikel: „ Das Völkerrecht soll auf einen Föderalism freier Staaten gegründet sein.“[19] Kant fordert keinen Weltstaat, sondern ein gemeinschaftlich ausgehandeltes Völkerrecht. Das heißt Friede durch Einverständnis. „Föderalismus ist Frieden in lebendiger Freiheit durch Gleichgewicht der Kräfte, [...].“[20]

Dritter Definitivartikel: „Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der Allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein.“[21] Da das Völkerrecht nur innerhalb der Föderation Geltung erlangt und nicht für die gesamte Menschheit gilt, muß ein Weltbürgerrecht geschaffen werden, das alle Menschen verbindet. Die allgemeine Hospitalität ist eine wesentliche Bedingung für ein solches Weltbürgerrecht. Für alle Definitivartikel gilt, dass der Friedenszustand kein Naturzustand ist. Er muß gestiftet werden.[22]

[...]


[1] Vgl. Löwe, Immanuel Kants Entwurf, S. 337.

[2] Ebd., S. 333f.

[3] Vgl. Schreiber, „Die Arbeitsmoral des Handwerkers“, S. 122; siehe auch Pfetsch, Internationale Politik, S. 221; „Ein Friedhof ist ein eingehegter Raum, eine Einfriedung, mit der der Zustand Ruhe assoziiert wird (Friedhofsruhe). Da es sich um einen Ort handelt, an dem Tote ruhen, liegt die Vorstellung nahe, dass Friede erst nach dem Tod im Jenseits errecht werden kann (biblischen Begriff).“

[4] Vgl. Lukoschik, Kant, S. 241; Vgl. auch Salzwedel, Das reine Gold des Denkens, S. 117-133; Vgl. auch Pries, Die Sterne vom Himmel holen, S. 12; Die Tatsache, dass Kant nur ganz selten und wenn, dann nur ein paar hundert Kilometer, außerhalb Königsberg weilte, heißt nicht, dass er keine Welterfahrung gehabt hatte. Königsberg war eine Hansestadt und der dortige Handel brachte die Welt zu ihm in die Stadt. Außerdem war Königsberg eine multikulturelle Stadt, dort lebten Deutsche, Balten, Juden, Russen, Polen zusammen.

[5] Vgl. Winkler, Der lange Weg nach Westen, S. 48; Vgl. Adolph, Lexikon der Weltgeschichte Ploetz, S. 152f u. 38f.

[6] Vgl. Irrlitz, Kant Handbuch, S.432.

[7] Vgl. Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866, S. 41 u. 290; Vgl. auch Ploetz, Der Große Ploetz, S.664f und 837; Vgl. auch Löwe, Immanuel Kants Entwurf, S. 332.

[8] Vgl. Blackbourn, History of Germany 1780-1918, S.26-30.; Vgl. auch Löwe, Immanuel Kants Entwurf, S. 339; Kant fordert in seiner Schrift „Zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“, dass die Aufklärung der politisch Beherrschten soweit voranschreiten muß, bis sie zu den Ohren des Regenten gelangt. Die Leserevolution war ein Schritt in diese Richtung.

[9] Vgl. Schulz, Immanuel Kant, S. 130; Die erste Auflage erschien 1795. Die zweite Auflage mit der Erweiterung durch den zweiten Zusatz wurde 1796 veröffentlicht. Vgl. dazu Kant, Zum ewigen Frieden, S.33-35.

[10] Vgl. Irrlitz, Kant Handbuch, S.432.

[11] Vgl. Jaspers, Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“, S. 712; Vgl. auch Schulz, Immanuel Kant, S. 131.

[12] Vgl. Irrlitz, Kant Handbuch, S.432. Die dritte polnische Teilung war genau die Art Gebietsgeschacher die Kant im zweiten Präliminarartikel ablehnte.

[13] Kant, Zum ewigen Frieden, S.3-7.

[14] Jaspers, Kants Schrift, S.711.

[15] Vgl., ebd., S.712.

[16] Vgl. Schulz, Immanuel Kant, S. 132.

[17] Kant, Zum ewigen Frieden, S.10.

[18] Vgl. Jaspers, Kants Schrift, S.712.

[19] Kant, Zum ewigen Frieden, S.16.

[20] Jaspers, Kants Schrift, S.713; Vgl. dazu Burg, Immanuel Kant, S. 18; „[...] das ein mächtiges und aufgeklärtes Volk sich zu einer Republik (die ihrer Natur nach zum ewigen Frieden geneigt sein muß) bilden kann, so gibt diese einen Mittelpunkt der föderativen Vereinigung für andere Staaten ab, um sich an sie anzuschließen, und so den Freiheitszustand der Staaten, gemäß der Idee des Völkerrechts, zu sichern und sich durch mehrere Verbindungen dieser Art nach und nach immer weiter auszubreiten.“ Damit ist Frankreich gemeint. Die Französische Revolution ist für Kant ein Beweis für den geschichtlichen Fortschritt und des Friedenswillen des Meschen.

[21] Kant, Zum ewigen Frieden, S.21.

[22] Vgl. Jaspers, Kants Schrift, S.713; In diesem Zusammenhang entlarvt Kant die Imperialistischen Methoden der europäischen Mächte uns stellt sich gegen sie.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden - Der erste Zusatz
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Oberseminar: Theoretiker der Politik: Immanuel Kant
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V64164
ISBN (eBook)
9783638570466
ISBN (Buch)
9783638773720
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Immanuel, Kant, Frieden, Zusatz, Oberseminar, Theoretiker, Politik
Arbeit zitieren
Dietmar Klumpp (Autor), 2004, Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden - Der erste Zusatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64164

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