Ökonomische Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik


Hausarbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Einleitung

IV. Ökonomische Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik

V. Kritische Schlussbemerkungen und Analyse

VI. Anhang

VII. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1:Entwicklung der Stundenlöhne gelernter Arbeiter

Abb. 2: Indexziffern zur Preisentwicklung 1920 - 1933

Abb. 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit 1918 - 1932

Abb. 4: Industrielle Investitionen 1925 - 1933

Abb. 5: Beschäftigung in den Hauptindustriezweigen

Abb. 6: Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen 1924 - 1933

Abb. 7: Produktionsindex für ausgewählte Industrien

Abb. 8: weitere Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik

III. Einleitung

Die erste deutsche Demokratie erhielt ihren Namen nach dem Ort des Zusammentretens der Nationalversammlung am 6. Februar 1919. Weimar war nichts weiter als ein Zufluchtsort, da die Sicherheit in Berlin nicht gewährleistet werden konnte.1 Die Weimarer Republik wurde nach dem Ersten Weltkrieg als ein politischer und gesellschaftlicher Neuanfang Deutschlands betrachtet. Sie war ein Werk der deutschen Arbeiterklasse und „das Ergebnis einer bürgerlich-demokratischen Revolution“.2 Die Anfänge der Weimarer Republik waren geprägt von großer Hoffnung auf Kontinuität und Wandel des überkommenden Parteiensystems des Kaiserreichs, das die Regierungsverantwortung politischer Parteien nicht gekannt hatte.3 Es sollte Ruhe einkehren nach den fortlaufenden revolutionären Klassenkämpfen.

Nach D. Abraham (1986) war „the Weimar era [was] the last act in the drama of Germany´s nineteenth century”4, wobei sie von W. Ruge (1982) nur eine “Republik auf Zeit” genannt wurde, da die reale Macht von Beginn an in den Händen des der Republik und der Demokratie zutiefst feindlich gesinnten deutschen Großkapitals und seiner politischen Beauftragten lag.5 Sie blieb auf eine kurze Zeitspanne beschränkt, da sie fortwährenden Belastungen ausgesetzt war, die ihr keine Zeit zur Reife gaben; „gemessen am - verklärten - Glanz der Kaiserzeit musste die Republik ärmlich, trostlos und ohne glaubwürdige Legitimation erscheinen“.6 Laut F.A. Hermens und T. Schieder (1976) hätte es zu einer demokratischen Lösung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krise eines anderen politischen Kräfteverhältnisses bedurft, als es damals in Deutschland vorhanden war.7

In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, die Ursachen und Kräfte, die die erste deutsche Demokratie zerstörten, zu benennen. Der Autor konzentriert sich auf den Zeitabschnitt von 1929 bis zu den Reichstagswahlen und der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler vom 30. Januar 1933.

Das Scheitern der Weimarer Republik ist kein datierbares Ereignis, sondern vielmehr ein Prozeß, der sich über Jahre hinzog. Die Gründe dieses Scheiterns sind so zahlreich, dass eine erschöpfende Darstellung der Komplexität von Strukturen und Ereignisketten nahezu unmöglich erscheint und im Rahmen einer solchen Arbeit naturgemäß Faktoren unbenannt bleiben.8 Der Autor beschränkt sich daher auf die ökonomischen Veränderungen in dieser Zeit wirtschaftlicher Depression und ihre Auswirkungen auf politische Verhaltenweisen und Einstellungen, die letzten Endes zum Untergang der Weimarer Republik führten.9 Es soll aber von vornherein darauf hingewiesen werden, dass die ökonomischen Ursachen alleine der Komplexität der Ereignisse nicht gerecht werden (vgl. Anhang A4). Der Untergang „cannot be fully understood on the basis of developments within the industry alone“.10

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die ökonomischen Ursachen des Scheiterns der Weimarer Republik herauszustellen, kritisch zu untersuchen und einen Beitrag zu leisten, Missverständnisse auszuräumen. Auch heute kann eine Wirtschaftskrise nicht auf längere Sicht unbedingt ausgeschlossen werden. Das Risiko einer solchen muss jedoch minimiert werden. Diese Arbeit soll dabei helfen, die Erfahrungen, die in der Weimarer Republik gemacht wurden, und die Lehren, die sich daraus für wirtschaftliches Handeln ergeben, bewusst zu machen.

IV. Ökonomische Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik

Laut F.A. Hermens und T. Schieder (1967) hatten sich im Laufe des Jahres 1929 drei große Aufgaben für die Reichsregierung ergeben: die Sanierung der Reichsfinanzen, die Finanzierung der wachsenden Arbeitslosigkeit und die Annahme des Young-Plans, der die Reparationsfrage klären sollte.11 12 Die unausgeglichene Haushaltslage setzte sich aus Fehlbeträgen im ordentlichen Haushalt von 1928 und den steigenden Kosten der Arbeitslosenversicherung zusammen. Die ersten beiden Punkte schienen - auch aufgrund von Strukturschwächen der politischen Ordnung - kaum lösbar, was auf eine innenpolitische Krise hinsteuerte. Auch die außenpolitische Lage war trotz der Annahme des Young-Plans nicht entspannt.

Zusätzlich wurde das Fortbestehen der Weimarer Republik durch den Versailler Frieden und seine Folgen - das verletzte Nationalgefühl der Deutschen und ihr nationaler Minderwertigkeitskomplex - erheblich geschwächt. Die Entstehung der Weimarer Republik ist als Ergebnis zu sehen einer militärischen Niederlage und dem Zusammenbruch der Monarchie. Sie entsprach den Wünschen und Vorstellungen der Siegermächte. In ihr konnte ein nationales Selbstbewusstsein nur äußerst schwierig aufkeimen.

Wie bereits erwähnt, wird in der vorliegenden Arbeit auf die Anfänge der Republik 1918

- 1923 und die Jahre der Stabilisierung 1924 - 1928 nicht eingegangen. Im Folgenden werden, beginnend mit dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise, die Jahre der großen Wirtschafts- und Staatskrise 1929 - 1933 betrachtet.

Die Weltwirtschaftskrise beginnt mit dem „Schwarzen Freitag“, dem 25. Oktober 1929. In den Monaten zuvor kam es in den Vereinigten Staaten zu einer Überproduktion aufgrund von erheblichen Produktivitätsfortschritten, die die Konjunktur überhitzen ließ. Das Angebot überstieg die Nachfrage. Der folgende Kurssturz an der New Yorker Börse signalisierte dramatisch eine Konjunkturwende in den USA.

Die sich nun ausbreitende Wirtschaftskrise, die für die bürgerliche Politik und den Großteil der Wirtschaftswissenschaften völlig unerwartet über weite Teile der kapitalistischen Länder einbrach, ergreift Deutschland besonders früh und stark. Die Industrieproduktion sank im Verlauf der Krise in Deutschland um 44%, der Export um 58%, das Arbeitseinkommen um fast 50% und die Arbeitslosigkeit stieg von 6,3% auf 44,4%.13

Der Widerspruch, der sich im Verlaufe der zwanziger Jahre herausgebildet hatte, kam im Zuge der Weltwirtschaftskrise mit aller Wucht zum Ausbruch: dem modernen und leistungsfähigen Produktionsapparat mit starkem Expansionspotential standen die sehr beschränkten realen Expansionsmöglichkeiten und die zurückgebliebene Kaufkraft der Massen gegenüber.14

Eine Phase des Konjunkturaufschwungs wurde durch die Weltwirtschaftskrise abrupt beendet. Sie zerstörte jegliche Hoffnungen auf eine fortschreitende und dauerhafte Stabilisierung des wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systems in Deutschland.

Wie sich im Folgenden zeigen wird, weitete sich die Wirtschaftskrise in Deutschland auf dem Wege über die Finanz- und Sozialpolitik zu einer Staatskrise aus, die zu dem Untergang der Weimarer Republik und der Machtergreifung Adolf Hitlers führte.

Schon Ende des Jahres 1929 war die wirtschaftliche Lage in Deutschland angespannt. Die Unternehmen antworteten mit einer massiven Drosselung der Produktion, d.h. durch Brachlegung von Kapazitäten an Maschinen und Menschen. Sie versuchten durch Herabsetzung der Löhne und Gehälter zu sparen (vgl. Abb. 1) und senkten nicht die Preise, was dem durch die Lohn- und Gehaltssenkung verursachten Kaufkraftverlust entgegengewirkt hätte.15

Abb. 1: Entwicklung der Stundenlöhne gelernter Arbeiter (1928 = 100)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ambrosius, G. (1984), S. 217

[...]


1 Aufgrund einer Anordnung Eberts entscheid man sich für Weimar. Siehe Huber, E.R. (1984), S. 1076 Anm. 21

2 Vgl. Drabkin, J.S. (1983), S. 517

3 Vgl. Köhler, H. (1982), S. 21

4 Vgl. Abraham, A. (1986), S. xlv

5 Vgl. Ruge, W. (1982), S. 141 f.

6 Vgl. Bracher, K.D., Funke, M. & Jacobsen, H.-A. (1987), S. 9 f.

7 Vgl. Hermens, F.A. & Schieder, T. (1967), S. 432

8 für eine ausführliche Darstellung der Auflösung der Republik auf regionaler und kommunaler Ebene; der Jadestädte Wilhelmshaven und Rüstringen, die zu den personalstärksten Marinestandorten gehörten vgl. Manns, H. (1998); für eine tiefgründige zeitgenössische Analyse in Gestalt von Wochenberichten, die in den letzten Jahren der Weimarer Republik in der Zeitung des „Bundes der religiösen Sozialisten Deutschlands“ veröffentlicht worden sind und den Alltag der „kleinen Leute“ anhand von unzähligen Geschehnissen jener Jahre dokumentieren vgl. Eckert, E. & Fuchs, E. (2002)

9 Unter anderem werden auf die parteipolitischen Auseinandersetzungen und die politische und organisatorische Spaltung der Arbeiterbewegung nicht eingegangen.

10 Vgl. Abraham, D. (1986), S. 106

11 Vgl. Hermens, F.A. & Schieder, T. (1967), S. 234

12 viele sahen in dem Young-Plan eine zu starke Belastung „and [who] preferred a showdown and reckoning“, siehe Abraham, D. (1986), S. 142

13 Vgl. Kindleberger, C.P. (1973) und Breuer, W.M. (1974)

14 Vgl. Kühnl, R. (1985), S. 205

15 Vgl. Ambrosius, G. (1984), S. 144

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Economic History
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V64167
ISBN (eBook)
9783638570473
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Scheitern, Weimarer, Republik, History“
Arbeit zitieren
Raban Schaumburg (Autor), 2006, Ökonomische Ursachen für das Scheitern der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64167

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