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Friedrich Nietzsche: Die zweite unzeitgemäße Betrachtung - Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben

Title: Friedrich Nietzsche: Die zweite unzeitgemäße Betrachtung - Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben

Excerpt , 2006 , 5 Pages

Autor:in: Moritz Deutschmann (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Die "Zweite Unzeitgemäße Betrachtung" gehört zu den wichtigsten philosophischen Texten des späten 19. Jahrhunderts. In dem Essay wendet sich Nietzsche gegen die Vorherrschaft des Historismus in den intellektuellen Auseinandersetzungen seiner Zeit. In einer sehr anschaulichen Sprache zeigt er, wie ein"Übermaß an Geschichte" die Handlungsfähigkeit der Menschen lähmen kann. Nietzsches Überlegungen, die auch den Zusammenhang von Geschichtsinterpretation und Macht ausleuchten, waren für die weitere Philosophie äußerst einflussreich und haben zum Beispiel deutliche Spuren in den Werken von Michel Foucault hinterlassen.
Mein Text gibt einen knappen Überblick über Nietzsches wesentliche Argumente. Zahlreiche Zitate (mit Quellenangabe nach der Standard-Nietzsche-Ausgabe) vermitteln einen guten Eindruck von Nietzsches Ideen und motivieren zu einer genaueren Lektüre des Originals.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die lebensdienliche Bedeutung der Historie

2.1 Monumentalische Historie

2.2 Antiquarische Historie

2.3 Kritische Historie

3. Kritik an der zeitgenössischen Historie

4. Verwissenschaftlichung und Persönlichkeitsschwäche

5. Methodologie der Geschichtswissenschaft

6. Historische Bildung und ihre Gefahren

7. Hegel’sche Geschichtsauffassung und der Kult der Fakten

8. Erziehung und die Rettung durch Unhistorisches und Überhistorisches

Zielsetzung und Themen

Das Ziel dieser Arbeit ist es, Nietzsches Kritik an einer übermäßigen historischen Bildung in seiner zweiten unzeitgemäßen Betrachtung aufzuarbeiten und die Forderung nach einer lebensdienlichen Geschichtsbetrachtung zu verdeutlichen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Geschichte genutzt werden kann, ohne das lebendige Handeln des Menschen durch eine rein wissenschaftliche Vergangenheitssucht zu ersticken.

  • Die notwendige Bedeutung des Vergessens für das menschliche Glück.
  • Differenzierung der drei Arten der Historie: monumentalisch, antiquarisch und kritisch.
  • Die Pervertierung der Geschichte durch ihre reine Verwissenschaftlichung.
  • Die Folgen der Überhistorisierung für den modernen Menschen.
  • Das Potenzial des Unhistorischen und Überhistorischen als Korrektiv.

Auszug aus dem Buch

Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben

Nietzsche stellt im Vorwort klar, dass er sich vor allem gegen eine bestimmte Tendenz der Geisteswissenschaften wehren will, denen er eine Überbewertung der Geschichte vorwirft. Im Leben hätte die Geschichte zwar ihren Platz, aber „nur soweit die Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen: aber es gibt einen Grad, Historie zu treiben und eine Schätzung derselben, bei der das Leben verkümmert und entartet.“ (245) Nietzsche weißt auf die Bedeutung des Vergessens für das menschliche Glück hin: „Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheit vergessend, niederlassen kann, wer nicht auf einem Punkt, wie die Siegesgöttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag, der wird nie wissen, was Glück ist...“ (250) Auffällig ist, dass Nietzsche die Geschichte nicht für vollkommen unnötig hält: So gesteht er der Geschichte zu, dass sie, genauso allerdings wie das Unhistorische, für die Gesundheit eines Einzelnen, eines Volkes nötig ist (252).

Aber er weist darauf hin, dass mancher historisch Ahnungslose „zum derben Wollen und Begehren“ (252) viel eher in der Lage ist, als ein historisch differenziert Denkender, dessen Wertungen und Maßstäbe sich permanent verändern. Jedes Handeln enthalte ein Moment des Vergessens, ein Unrechttun gegenüber der Vergangenheit (254). Schon aus diesem Grund lässt sich Geschichte nie als reine Wissenschaft betreiben; also solche wäre sie eine Art „Lebensabschluss und Abrechnung für die Menschheit“ (257).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Nietzsche positioniert sich gegen die Überbewertung der Geschichte in den Geisteswissenschaften und betont die notwendige Unterordnung der Historie unter die Erfordernisse des Lebens.

2. Die lebensdienliche Bedeutung der Historie: Nietzsche führt die drei Arten der Historie – monumentalisch, antiquarisch und kritisch – ein, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche Zugänge zur Vergangenheit das menschliche Leben stützen oder einschränken können.

3. Kritik an der zeitgenössischen Historie: Der Autor kritisiert scharf die zeitgenössische historische Praxis, die durch eine rein wissenschaftliche Betrachtung ihren Bezug zum Leben verloren hat.

4. Verwissenschaftlichung und Persönlichkeitsschwäche: Es wird analysiert, wie die Anhäufung toten Wissens den modernen Menschen in eine passive Zuschauerrolle drängt und zur Entstehung von Abstrakta statt wahrer Persönlichkeiten führt.

5. Methodologie der Geschichtswissenschaft: Die Geschichte sollte keine Gesetze aufstellen, sondern als kreative Interpretation aus der Kraft der Gegenwart dienen.

6. Historische Bildung und ihre Gefahren: Nietzsche warnt vor der Gleichgültigkeit und dem Verlust von Tatkraft, die durch eine übermäßige historische Bildung entstehen, insbesondere am Beispiel der Religion.

7. Hegel’sche Geschichtsauffassung und der Kult der Fakten: Die Kritik richtet sich gegen den Fatalismus der hegelschen Philosophie und das unwürdige Niederknien vor der bloßen Faktizität.

8. Erziehung und die Rettung durch Unhistorisches und Überhistorisches: Als Heilmittel gegen das Zuviel an Historie werden das Vergessen (Unhistorische) sowie Kunst und Religion (Überhistorisches) vorgeschlagen.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Historie, Lebensdienlichkeit, Vergessen, Monumentalische Historie, Antiquarische Historie, Kritische Historie, Verwissenschaftlichung, Überhistorisierung, Bildungs-Entschluss, Hegelsche Geschichtsauffassung, Persönlichkeitsschwäche, Unhistorisches, Überhistorisches, Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Friedrich Nietzsches „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ und untersucht seine Kritik an einer historisch überladenen Kultur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die drei Arten der Geschichtsbetrachtung, die Bedeutung des Vergessens für das Handeln sowie die negativen Folgen einer rein wissenschaftlichen Aufarbeitung der Vergangenheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Nietzsches Argumentation darzulegen, warum die Geschichte dem Leben dienen muss, statt durch eine Anhäufung toter Fakten die Tatkraft des Menschen zu lähmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um ein Exzerpt und eine hermeneutische Interpretation der Nietzscheschen Schrift, um die wesentlichen Thesen und Argumentationsschritte strukturiert aufzubereiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei historischen Typen, die Kritik an der zeitgenössischen Historie sowie die Untersuchung der Folgen von Überhistorisierung für Bildung und Persönlichkeitsentwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Historie, Lebensdienlichkeit, das Unhistorische, Monumentalische, Antiquarische, Kritische, sowie die Kritik an der Verwissenschaftlichung des Wissens.

Warum hält Nietzsche das Vergessen für wichtig?

Laut Nietzsche ist das Vergessen eine notwendige Voraussetzung für das Handeln; ohne die Fähigkeit, die Vergangenheit im richtigen Moment auszublenden, fehlt dem Menschen die Unbefangenheit für neues Wollen.

Wie definiert Nietzsche die drei Arten der Historie?

Er unterscheidet zwischen der monumentalischen Historie (Vorbild für Heroen), der antiquarischen Historie (bewahrendes Festhalten am Überlieferten) und der kritischen Historie (verurteilendes Brechen mit der Vergangenheit).

Warum kritisiert Nietzsche die Suche nach Gesetzen in der Geschichte?

Er sieht darin eine Herabwürdigung der Geschichte zur bloßen Faktizität und einen Ausdruck einer „massehaften“ Denkweise, die das Einzigartige und Große leugnet.

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Details

Title
Friedrich Nietzsche: Die zweite unzeitgemäße Betrachtung - Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben
Author
Moritz Deutschmann (Author)
Publication Year
2006
Pages
5
Catalog Number
V64171
ISBN (eBook)
9783638570510
ISBN (Book)
9783656562290
Language
German
Tags
Friedrich Nietzsche Betrachtung Nutzen Nachteil Historie Leben Zweite Zusammenfassung Lebensphilosophie Foucault Geschichtstheorie unzeitgemäße Wissenschaftstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Moritz Deutschmann (Author), 2006, Friedrich Nietzsche: Die zweite unzeitgemäße Betrachtung - Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64171
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