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Zweigeschlechtlichkeit als Norm? Das Dogma der Zweigeschlechtlichkeit und seine gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen am Beispiel der Intersexualität

Title: Zweigeschlechtlichkeit als Norm? Das Dogma der Zweigeschlechtlichkeit und seine gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen am Beispiel der Intersexualität

Diploma Thesis , 2006 , 111 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Mary Jirsak (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Die Einteilung der Menschheit in Männer und Frauen, die Koppelung der
Geschlechtsrolle an das körperliche Geschlecht und die starre Dichotomie des
Geschlechtersystems haben starke Auswirkungen auf unsere Realität. Jedoch
ist auch die Sicht auf die biologische Geschlechtlichkeit komplex, wie die
wechselnden Definitionen im Laufe der Geschichte zeigen. Heute gelten andere Faktoren als „Beweis“ für das Geschlecht eines Menschen als noch vor einigen Jahrzehnten.

Die starre Festlegung von Menschen auf zwei Geschlechter mit all den daran
geknüpften Erwartungen führt oft zu einer Entwicklungsbeschränkung für die einzelnen Individuen, schlimmstenfalls – wie in dieser Arbeit berichtet - zu gravierenden Verletzungen und Traumatisierungen. Daher ist es für notwendig, sich gerade im sozialpädagogischen Feld kontinuierlich mit Normen und Zuschreibungen auseinanderzusetzen.

Aus den genannten Gründen setzt sich diese Arbeit mit Intersexualität
und den Auswirkungen der Geschlechterdichotomie auseinander und
untersucht sie anhand der These der Autorin, dass es sich bei ihr um ein
Normensystem und ein Dogma handelt.

Nach einer kurzen Einführung zu Definition und Häufigkeit von
Intersexualität wird die Ausprägung der Zweigeschlechtlichkeit als
politische, rechtliche, soziale und kulturelle Norm betrachtet.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den medizinischen und gesundheitlichen
Aspekten der Intersexualität. Die meisten intersexuellen Menschen haben Erfahrungen mit medizinischer Einordnung, Eingriffen und Behandlungen und
leiden teilweise massiv unter ihren körperlichen und seelischen Folgen. Die folgenreiche Zuweisung eines Geschlechts findet in den Kliniken statt und wird im Allgemeinen von ÄrztInnen vorgenommen. Daher richten sich Kritik und Forderungen der Betroffenen auch zunächst an diese.

Breiten Raum nehmen persönliche Erfahrungen erwachsener Intersexueller ein. Auch das Selbsthilfesystem und die aktuelle medizinische Situation werden betrachtet.

Im weiteren Kapiteln geht es um die psychosozialen Auswirkungen der
Zweigeschlechtlichkeitsnorm auf die Betroffenen und die Konsequenzen für die Sozialarbeit.

Zum Schluss wird die Frage betrachtet, inwiefern soziales und biologisches Geschlecht immer neu konstruiert werden und was hieraus folgt. Dabei wirft die Autorin einen polemischen Blick auf die Reproduktion von Rollenstereotypen in verbreiteten natur- und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Intersexualität – das letzte Tabu?

1.1 Was ist Intersexualität?

1.2 Häufigkeit der Intersexualität

1.3 Intersexualität, Transsexualität und Transgender

2. Zweigeschlechtlichkeit als Norm

2.1 Entwicklung der Geschlechtstypisierung

2.2 Zweigeschlechtlichkeit als politische und rechtliche Norm

2.3 Zweigeschlechtlichkeit als soziale und kulturelle Norm

3. Intersexualität als medizinische „Störung“

3.1 Die geschlechtliche Entwicklung

3.1.1 Die embryonale Entwicklung

3.1.2 Die pubertäre Entwicklung

3.2 Medizinische Einordnung der Intersexualität

3.3 Medizinische Maßnahmen und ihre Folgen

3.4 Traumatisierung

3.5 Probleme und Kritik

3.6 Forderungen von Betroffenen

3.7 Aktuelle Ansätze in der Medizin

4. Psychosoziale Auswirkungen der Normung für die Betroffenen in einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“

4.1 Selbst- und Fremddefinitionen

4.2 Tabuisierung und „Outing“

4.3 Sexualität und Zweierbeziehung

5. Selbsthilfe und Interessenvereinigungen

5.1 Die Gruppe XY-Frauen

6. Konsequenzen für die soziale Arbeit

6.1 Soziale Arbeit mit Erwachsenen

6.2 Soziale Arbeit mit Eltern

6.3 Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

7. Zweigeschlechtlichkeit als Dogma

7.1 Ist die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen ein Dogma?

7.2 „Superegoistische Chromosomen“ oder die naturwissenschaftliche Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit

7.3 Hat das System der Zweigeschlechtlichkeit ausgedient?

8. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Diplomarbeit untersucht die gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen des starren Dogmas der Zweigeschlechtlichkeit am Beispiel intersexueller Menschen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie soziale Normen und medizinische Praktiken die Identität und Lebensrealität betroffener Individuen maßgeblich beeinflussen und diskriminieren.

  • Kritische Analyse der Zweigeschlechtlichkeit als soziales und politisches Dogma
  • Medizinische Einordnung und Behandlung von Intersexualität aus Betroffenenperspektive
  • Psychosoziale Auswirkungen von Normierung, Tabuisierung und medizinischer Zwangszuweisung
  • Bedeutung von Selbsthilfeorganisationen für die Identitätsfindung
  • Ableitung sozialpädagogischer Konsequenzen und Handlungsansätze

Auszug aus dem Buch

3.1 Geschlechtliche Entwicklung

Bis zur sechsten Woche verläuft die geschlechtliche Entwicklung bei allen Föten gleich, dann findet eine Differenzierung statt, je nachdem ob XX oder XY-Chromosomen (oder selten auch beide) vorhanden sind. Die Gonaden - die späteren Hoden oder Eierstöcke - sind identisch.

Bei Jungen (Föten mit Y-Chromosom) werden ca. ab der 7. Woche v. a. Androgene (u. a. Testosteron), daneben auch weibliche Sexualhormone gebildet, bei Mädchen (Föten ohne Y-Chromosom) ca. ab der 8. Woche Östrogene, Progesteron und eine kleine Menge Testosteron. Die Gonaden bilden sich zu Eierstöcken oder Hoden aus. Manchmal werden sowohl Hoden als auch Eierstöcke gebildet (bei Embryonen, deren Zellen sowohl die chromosomale Kombination XX als auch XY aufweisen).

Die Müllerschen und die Wolffschen Gänge als Vorstufen der Geschlechtsorgane finden sich anfangs bei allen; unter dem Einfluss der Hormone entwickeln sich die Müllerschen Gänge zu Uterus, Eileitern und der Innenseite der Vagina, die Wolffschen Gänge zu Samenbläschen, Nebenhoden und Samenleitern – die jeweils andere Anlage verkümmert.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit motiviert sich aus der Notwendigkeit, sich kritisch mit Diskriminierungen von Minderheiten auseinanderzusetzen, und hinterfragt die Dichotomie des Zweigeschlechtersystems.

1. Intersexualität – das letzte Tabu?: Dieses Kapitel definiert Intersexualität und grenzt sie von anderen Geschlechtsidentitäten wie Transsexualität und Transgender ab.

2. Zweigeschlechtlichkeit als Norm: Es wird beleuchtet, wie Geschlechtsidentität entwickelt wird und inwiefern rechtliche sowie kulturelle Normen das Dogma der Zweigeschlechtlichkeit stützen.

3. Intersexualität als medizinische „Störung“: Dieser Teil behandelt die biologischen Grundlagen der Intersexualität und kritisiert die medizinische Praxis der Genitalkorrekturen an Kindern.

4. Psychosoziale Auswirkungen der Normung für die Betroffenen in einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Hier stehen die psychischen Folgen der Tabuisierung, das „Outing“ und die Auswirkungen auf die Sexualität und Partnerschaft im Fokus.

5. Selbsthilfe und Interessenvereinigungen: Es wird die Bedeutung von Selbsthilfegruppen für intersexuelle Menschen, insbesondere die der Gruppe der XY-Frauen, dargelegt.

6. Konsequenzen für die soziale Arbeit: Das Kapitel entwickelt Ansätze für eine parteiliche und geschlechtssensible Arbeit mit betroffenen Erwachsenen, Kindern und Eltern.

7. Zweigeschlechtlichkeit als Dogma: Hier wird die These bekräftigt, dass die Zweigeschlechtlichkeit ein autoritäres System ist, und eine kritische Auseinandersetzung mit der naturwissenschaftlichen Konstruktion von Geschlecht geführt.

8. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit resümiert die Notwendigkeit, das System der Zweigeschlechtlichkeit zu überwinden und ein Recht auf körperliche Integrität und Selbstbestimmung zu etablieren.

Schlüsselwörter

Intersexualität, Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität, Normierung, Diskriminierung, Medizinische Eingriffe, Sozialarbeit, Selbsthilfe, XY-Frauen, Geschlechtsrolle, Geschlechtszuweisung, Traumatisierung, Gender, Körperliche Integrität, Tabuisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit thematisiert die gesellschaftlichen und individuellen Folgen des medizinischen und rechtlichen Systems der Zweigeschlechtlichkeit für intersexuelle Menschen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit beleuchtet die medizinische Behandlung, psychosoziale Auswirkungen, die Rolle der Selbsthilfe und die notwendigen Konsequenzen für die Soziale Arbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist der Nachweis, dass die Zweigeschlechtlichkeit als ein dogmatisches Normensystem fungiert, das Menschen verletzt, und Handlungsansätze für eine tolerantere Praxis aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, ergänzt durch qualitative Experten- und Betroffeneninterviews.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die medizinische Einordnung von Intersexualität als „Störung“, die traumatischen Folgen erzwungener Eingriffe und die Bedeutung der Selbsthilfe für Betroffene.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Intersexualität, Zweigeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität, Diskriminierung und Selbstbestimmung.

Warum ist die Arbeit für die Soziale Arbeit relevant?

Sozialpädagogische Fachkräfte kommen oft mit den Folgen struktureller Gewalt in Kontakt und benötigen fundiertes Wissen, um Betroffene und deren Eltern adäquat unterstützen zu können.

Wie bewertet die Autorin die medizinische Praxis?

Die Autorin kritisiert die medizinische Praxis der Genitalkorrekturen scharf als Menschenrechtsverletzungen, die oft ohne medizinische Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Geschlechterdichotomie durchgeführt werden.

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Details

Title
Zweigeschlechtlichkeit als Norm? Das Dogma der Zweigeschlechtlichkeit und seine gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen am Beispiel der Intersexualität
College
Kiel University of Applied Sciences  (Soziale Arbeit und Gesundheit)
Grade
2,3
Author
Mary Jirsak (Author)
Publication Year
2006
Pages
111
Catalog Number
V64187
ISBN (eBook)
9783638570657
ISBN (Book)
9783638848879
Language
German
Tags
Zweigeschlechtlichkeit Norm Dogma Auswirkungen Beispiel Intersexualität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mary Jirsak (Author), 2006, Zweigeschlechtlichkeit als Norm? Das Dogma der Zweigeschlechtlichkeit und seine gesellschaftlichen und individuellen Auswirkungen am Beispiel der Intersexualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64187
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