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Sind "neue Kriege" wirklich neu? Über Theorien zur Veränderung im weltweiten Kriegsgeschehen

Title: Sind "neue Kriege" wirklich neu? Über Theorien zur Veränderung im weltweiten Kriegsgeschehen

Intermediate Examination Paper , 2006 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Magister Artium Sebastian Schütz (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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Mit dem Ende des Kalten Krieges haben sich die geopolitischen Parameter substantiell verschoben. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die einzige noch existierende Supermacht und auch die sicherheitspolitischen Herausforderungen haben sich mit dem Ende des Ost-West Konflikts fundamental geändert. Anstelle der Konfrontationen zwischen den beiden Blöcken sind lokale Konflikte getreten, welche sich zumeist innerhalb von Staatsgrenzen abspielen. Des Weiteren stellt die Problematik des global agierenden Terrorismus eine neue Herausforderung dar.

Wer zu Beginn der neunziger Jahre glaubte, der Wegfall der Systemkonfrontation würde den Beginn eines neuen, friedlicheren Zeitalters markieren, sah sich getäuscht. Die Zeit nach dem Kalten Krieg war geprägt vom Zerfall der ehemals kommunistischen Vielvölkerstaaten, dem Völkermord in Ruanda oder auch den blutigen Bürgerkriegen in Sri Lanka, Kongo und Angola. Alle diese Kriege haben oder hatten eines gemeinsam, sie finden zwischen bewaffneten Gruppierungen innerhalb eines Staatsgebietes statt. Für diese Art von Konflikten hat Mary Kaldor den Begriff der „neuen Kriege“ geprägt um sie einerseits von den Konflikten während der Zeit des Kalten Krieges, welche zumeist Ausdruck des Systemkonflikts zwischen den beiden Blöcken waren, andererseits von den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen abzugrenzen. Was aber zeichnet nun diese „neuen Kriege“ aus? In der vorliegenden Arbeit soll die Frage behandelt werden, ob diese „neuen Kriege“ wirklich neu sind oder, um mit Clausewitz zu sprechen, ob das „Chamäleon Krieg“ nur seine Farbe geändert hat, oder tatsächlich ein neues Tier geworden ist.

Grundlage der Ausführungen über die „neuen Kriege“ bilden größtenteils die Darstellungen Herfried Münklers, welcher sich in verschiedensten Publikationen umfassend mit der Thematik befasst. Daneben werden auch andere Autoren wie Kaldor, van Crefeld oder von Trotha ergänzend herangezogen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „alten Kriege“

2.1. Krieg – Ein Begriff ohne klare Definition

2.2. Merkmale „alter Kriege“

3. Die „neuen Kriege“

3.1. Wandel der Kriegsformen seit 1945

3.2. Entstehung der Begrifflichkeit

4. Merkmale des Wandels

4.1. Asymmetrische Akteurskonstellationen - Staat gegen substaatlichen Akteur

4.2. Wandel der Gewaltakteure - Staatszerfall, Entstaatlichung und Privatisierung

4.3. Wandel der Gewaltmotive - Kriminalisierung, Ökonomisierung und Entpolitisierung

4.4. Wandel der Gewaltstrategien - Enthegung und Brutalisierung des Kriegsgeschehens

5. „Neuer Krieg“ – „Chamäleon“ oder neues Tier?

5.1. Das Merkmal der Asymmetrisierung der Gewaltakteure

5.2. Das Merkmal des Staatszerfalls, der Entstaatlichung und Privatisierung der Gewaltakteure

5.3. Das Merkmal der zunehmenden Ökonomisierung, und die damit einhergehende Entpolitisierung der Gewaltakteure

5.4. Das Merkmal der zunehmenden Enthegung und Brutalisierung des Kriegsgeschehens

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch das Konzept der sogenannten „neuen Kriege“. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob sich das Wesen kriegerischer Auseinandersetzungen seit dem Ende des Kalten Krieges tatsächlich radikal gewandelt hat oder ob es sich eher um eine Fortführung historisch bekannter Phänomene unter veränderten Rahmenbedingungen handelt.

  • Historische Einordnung und Charakteristika „alter“ (klassischer) Kriege
  • Analyse der zentralen Merkmale „neuer Kriege“ (Asymmetrie, Staatszerfall, Ökonomisierung, Enthegung)
  • Untersuchung der empirischen Validität der „Neuartigkeit“ dieser Konflikte
  • Vergleich zwischen den Thesen der „neuen Kriege“ und historischen Konfliktmustern
  • Reflexion des Wandels der Kriegsformen im Kontext von Globalisierung und Transnationalisierung

Auszug aus dem Buch

4.3. Verstetigung des Kriegsgeschehens, Ökonomisierung der Gewaltakteure und ökonomische Transnationalisierung

„War has increasingly become the continuation of economics by other means.“ Der von Keen, in Anlehnung an das berühmte clausewitzsche Zitat geprägte Satz beschreibt eine weitere Entwicklung, welche von vielen Autoren übereinstimmend als vielleicht wichtigstes Merkmal der „neuen Kriege” angesehen wird, nämlich die zunehmende Ökonomisierung und Kriminalisierung der Gewalt. Einhergehend mit der Erosion des staatlichen Gewaltmonopols und der sukzessiven Privatisierung der Gewaltakteure sei bei diesen eine Verschiebung von politisch/ideologischen zu ökonomischen Interessen und Motivationen festzustellen. In wachsendem Maße dienten „neue Kriege“ der privatwirtschaftlich organisierten Einkommenserzielung und Vermögensakkumulation. Neue Kriege seien somit eine Erscheinung, in der „ein Primat der Politik dem der Bereicherung gewichen ist.“

Diese Fokussierung auf ökonomische Interessen schlage sich in den Austragungsformen, Abläufen und Charakteristika der „neuen Kriege“ nieder. Krieg werde zum Mittel ökonomischer Reproduktion und relativiere bzw. ersetze die politischen Zielsetzungen. Die Kriegsökonomien hätten, anders als noch in den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen, nicht mehr ausschließlich unterstützende Funktionen, sondern seien vielmehr Selbstzweck.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Wandels von klassischen Staatenkriegen zu „neuen Kriegen“ ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der tatsächlichen Neuartigkeit dieses Phänomens.

2. Die „alten Kriege“: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeiten bei der Definition des Kriegsbegriffs und beschreibt die Hauptmerkmale klassischer, symmetrischer und staatlich organisierter Kriege.

3. Die „neuen Kriege“: Hier wird der Wandel der Kriegsformen seit 1945 analysiert und die Entstehung der Begrifflichkeit „neuer Krieg“ durch Autoren wie Mary Kaldor nachgezeichnet.

4. Merkmale des Wandels: Dieses Kapitel detailliert die vier wesentlichen Charakteristika der „neuen Kriege“: asymmetrische Akteure, Staatszerfall, Ökonomisierung und Enthegung der Gewalt.

5. „Neuer Krieg“ – „Chamäleon“ oder neues Tier?: Hier wird die zentrale These der Arbeit geprüft, indem die vermeintlich neuen Merkmale historisch kontextualisiert und kritisch auf ihre tatsächliche Neuartigkeit hin untersucht werden.

6. Fazit und Ausblick: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den „neuen Kriegen“ primär um eine Vermischung bekannter Erscheinungen handelt und das „Chamäleon Krieg“ lediglich seine Farbe gewechselt hat.

Schlüsselwörter

Neue Kriege, Staatenkrieg, Staatszerfall, Asymmetrie, Kriegsökonomie, Gewaltmarkt, Privatisierung der Gewalt, Clausewitz, Transnationalisierung, Kriminalisierung, Enthegung, Interne Konflikte, Globalisierung, Konfliktforschung, Warlords.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das wissenschaftliche Konzept der „neuen Kriege“ und hinterfragt, ob die in diesem Zusammenhang beschriebenen Phänomene eine tatsächlich neue Qualität kriegerischer Gewalt darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen den Wandel von Staats- zu Bürgerkriegen, die Erosion staatlicher Gewaltmonopole, die Ökonomisierung von Gewalt sowie den Einfluss globaler Netzwerke auf lokale Konflikte.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob „neue Kriege“ tatsächlich eine neue Art des Krieges sind oder ob es sich um alte Konfliktmuster handelt, die lediglich unter neuen Vorzeichen auftreten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller Konflikttheorien mit historischen Erkenntnissen und statistischen Daten zur Kriegsentwicklung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Merkmale asymmetrischer Akteurskonstellationen, die Privatisierung der Gewalt, die ökonomischen Motive hinter Konflikten und die zunehmende Entgrenzung des Kriegsgeschehens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind „neue Kriege“, Staatszerfall, Kriegsökonomie, Asymmetrie und die Metapher des „Chamäleons Krieg“ nach Clausewitz.

Welche Rolle spielen Warlords in dieser Arbeit?

Warlords werden als prototypische Akteure in entstaatlichten Räumen analysiert, die durch ihre Gewaltmärkte und ökonomische Interessen die Dynamik vieler „neuer Kriege“ maßgeblich beeinflussen.

Warum wird das Bild des „Chamäleons“ von Clausewitz verwendet?

Die Metapher dient dazu, die wandelbare Natur des Krieges zu veranschaulichen, um zu klären, ob die heutigen Kriege ein gänzlich neues Wesen angenommen haben oder nur ihre Erscheinungsform veränderten.

Was ist das Ergebnis der Untersuchung zu den „neuen Kriegen“?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass „neue Kriege“ nicht so neu sind, wie oft behauptet, sondern primär eine Mischung aus bereits bekannten, historischen Erscheinungsformen darstellen.

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Details

Title
Sind "neue Kriege" wirklich neu? Über Theorien zur Veränderung im weltweiten Kriegsgeschehen
College
University of Göttingen  (Seminar für Politikwissenschaft)
Grade
1,0
Author
Magister Artium Sebastian Schütz (Author)
Publication Year
2006
Pages
33
Catalog Number
V64240
ISBN (eBook)
9783638571128
ISBN (Book)
9783638669863
Language
German
Tags
Sind Kriege
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Sebastian Schütz (Author), 2006, Sind "neue Kriege" wirklich neu? Über Theorien zur Veränderung im weltweiten Kriegsgeschehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64240
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