Hexen. Die Hintergründe zur Entwicklung des Hexentums


Diplomarbeit, 2005

133 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

I Abschnitt
2. Begriffsklärungen
3. Was ist das Hexentum?
3.1 Der Hexenglaube
3.2 Bräuche, Sabbate und deren Bedeutung in der christianisierten Welt
3.2.1 Samhain
3.2.2 Mittwinter
3.2.3 Imbolc
3.2.4 Frühjahrstagundnachtgleiche
3.2.5 Beltane
3.2.6 Mittsommer
3.2.7 Lammas
3.2.8 Herbsttagundnachtgleiche
3.3 Werkzeug und Symbole des Hexenkultes
3.3.1 Instrumente
3.3.2 Symbole
3.3.3 Hexen und ihre Raschdrogen
3.4 Fazit zum ersten Abschnitt

II Abschnitt
4. Hexenverfolgung
4.1 Hexenjagd in Europa
4.1.1 Was ist Hexerei?
4.1.2 Das Ausmaß der Hexenjagd
4.2 Die Geistlichen Grundlagen
4.2.1 Der Hexensabbat aus christlicher Sicht
4.3 Die rechtlichen Grundlagen
4.3.1 Die Folter
4.3.2 Die weltliche Gerichtsbarkeit der Hexerei
4.3.3 lokale Gerichte
4.4 Der Einfluss der Reformation auf die Hexenverfolgung
4.4.1 Die Angst vor dem Teufel
4.4.2 Persönliche Heiligkeit, Schuld und Hexerei
4.4.3 Der Kampf gegen Aberglauben, Heidentum und Magie
4.5 Das Gesellschaftliche Umfeld der Hexenverfolgung
5. Das Ende der Hexenjagden
6. Hexenprozesse und Hexenwahn in Deutschland
6.1 Hexenverfolgungen in Sachsen
6.2 Beispiele von Hexenprozessen aus Sachsen
6.2.1 Ein Hartensteiner Hexenprozess
6.2.2 Der Zauberer von Bernsdorf
6.3 Fazit zum zweiten Abschnitt

III Abschnitt
7. Fortleben und Wiederaufleben des Hexenglaubens
7.1 Neue Hexenverfolgungen
8. Das moderne Hexentum
8.1 Kritische Sichtweise des Hexenglaubens
8.1.1 Hexenglaube als Protestbewegung
8.1.2 Hexenglaube als neue Religion
8.1.2.1 Einordnung des Hexentums in das Theoretische System einer Religion
8.1.2.2 Das Hexentum aus Sicht der Religionssoziologie
9. Conclusio
10. Quellen
12. Selbständigkeitserklärung
11. Anhang:

Zeichnungen 1
Tabelle 1
Tabelle 2
Tabelle 3
Tabelle 4

Liste der Religionen

1. Einleitung

Die allgemeine Vorstellung von Hexen beschränkt sich zumeist auf das sagenumwobene Bild einer alten Frau mit langer Nase, Buckel und Warzen, die kleine Kinder frisst und eine schwarze Katze hat. Aber auch die grausamen Zeiten der Hexenverfolgung, eine kollektive Hysterie, die sich um 1500 in ganz Europa ausbreitete und Tausenden von Frauen und Kindern, aber auch Männern und sogar schwarzen Katzen das Leben kostete, sind mit dem Begriff der Hexe unmittelbar verbunden.

In meiner Diplomarbeit werde ich auf die Hintergründe des Hexentums eingehen und dessen Entwicklung von Beginn der Menschheit an bis hin zur Neuzeit betrachten. Ein Hauptaugenmerk werde ich dabei auf gesellschaftliche Umstände richten, die zu der jeweiligen Entwicklung, wie beispielsweise der Hexenverfolgung, führten.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit möchte ich möchte ich folgende Fragen beantworten:

- Ist das Hexentum eine Religion?
- Wie kam es zu dem dunklen Kapitel der Hexenverfolgungen?
- Verschwand das Hexentum nach Ende der Hexenverfolgungen aus dem gesellschaftlichen Leben?
- Wie kam es zu einer Wiederbelebung bzw. fand diese statt?
- Warum ist das Hexentum heute wieder aktuell?

Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte:

der I. Abschnitt (Kapitel 2 und 3) beschäftigt sich mit dem Grundlagen des Hexentums und den damit verbundenen magischen Praktiken,

im II. Abschnitt (Kapitel 4 bis 6) durchleuchte ich den geschichtlichen Hintergrund der Hexenverfolgungen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Ereignisse

Abschnitt III (Kapitel 8) widmet sich dem modernen Hexentum.

Bevor der zeitliche Ablauf der Entwicklungsstadien des Hexentum näher beleuchtet werden kann, müssen im zweiten Kapitel zunächst einige wichtige Begriffe, die in engem Zusammenhang mit der Thematik stehen, definiert werden.

Im dritten Kapitel zeige ich den Begriff des Hexenglaubens und die damit verbunden Bräuche auf. Diese Feste werden von allen Menschen, die sich selbst mit dem Hexenglauben in Verbindung bringen, begangen und geehrt.

Ich werde die Feste näher beleuchten und ihre Bedeutung in der christianisierten Welt aufzeigen. Des Weiteren beschreibe und erkläre ich Werkzeuge und Symbole des Hexenkultes.

Die Bräuche, auch Sabbate genannt, sind Feste, die aus einer vorchristlichen Zeit herrühren. „Unter dem so genannten Hexensabbat verstanden die Hexentheoretiker in der Frühen Neuzeit das Treffen von angeblichen Hexen und Hexenmeistern mit dem Teufel an bestimmten, meist abgelegenen Orten, den so genannten Hexentanz­plätzen.“ (www.wikipedia.org)

Es handelt sich im Hexenglauben um acht Feste, die heute wie damals begangen werden, zu nennen sind:

1. Mittwinter (Jule), Fest der Wintersonnenwende um den 21. Dezember 2. Imbolc, Lichtfest am 2. Februar, Tag der Orakel 3. Frühjahrstagundnachtgleiche (Ostara), Frühlingsanfang um den 21. März, Fest der Fruchtbarkeit 4. Beltane, Walpurgisnacht in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai 5.Mittsommer (Litha), Sommersonnenwende um den 21. Juni 6. Lammas, Erntefest am 1. August 7. Herbsttagundnachtgleiche (Mabon), Herbstanfang um den 21. September, Erntedankfest

8. Samhain, Halloween am 31. Oktober, Totenkult

In Kapitel 4 bis Kapitel 6 möchte ich auf den dunklen Abschnitt der Hexenverfolgungen eingehen. Dabei werde ich deren Ursachen aus geistlichem, rechtlichem, gesellschaftlichem und aus dem Blickwinkel der aufkeimenden Reformation betrachten. Die Hexenjagd fand aber nicht wie allgemein bekannt nur im Mittelalter, sondern besonders in der frühen Neuzeit statt: „Hexenverfolgungen und -prozesse gab es in Europa vom 14. bis ins 18. Jahrhundert, wobei die wirklich exzessiven Verfolgungswellen in die Jahre zwischen 1590 und 1630 fallen. Die letzte Hinrichtung einer Hexe fand schließlich 1782 im Schweizer Kanton Glarus statt. Entgegen früheren Annahmen, nach denen Millionen von Frauen dem Hexenwahn zum Opfer gefallen seien, schätzt man heute, dass es im Alten Reich »nur« etwa zwischen 15 000 und 20 000, europaweit deutlich weniger als 100 000 und keineswegs nur Frauen waren. Doch die Frage, warum überhaupt Menschen als »Hexen« verfolgt wurden, ist noch nicht endgültig geklärt.“(www.brockhaus.de) Die Menschen wurden zu dieser Zeit als Hexe bezichtigt. In dieser Epoche galt der Begriff als Schimpfwort. Es ist daher unklar wie viele wirkliche Hexen in dieser Zeit den Tod fanden.

Meine Ausführungen beschäftigen sich im fünften Kapitel mit dem Ende der Hexenjagden, aus rechtlichen und gesellschaftlichen Gründen.

Im sechsten Kapitel gehe ich nochmals kurz auf die Hexenverfolgung in Deutschland ein, speziell mit einigen Beispielen aus Sachsen.

Nachdem die dunkle Epoche des Hexentums erläutert wurde, beschäftige ich mich im Kapitel 7 mit dem Fortleben und Wiederaufleben des Hexenglaubens. Dabei werde ich im achten Kapitel das moderne Hexentum in verschiedener Hinsicht beleuchten. Ich betrachte das Hexentum von einem kritischen Standpunkt aus und erläutere die Behauptungen, das neue Hexentum sei eine Protestbewegung oder eine neue Religion. Im letzten Schritt wird das neue Hexentum in ein Religionssystem eingeordnet und aus religionssoziologischer Sicht betrachtet um abschließend noch einmal die Frage nach der Religion zu bearbeiten.

Die Conclusion betrachtet die Arbeit abschließend und zeigt meine Ergebnisse über das Hexentum auf.

2. Begriffsklärungen

Bevor ich das Hexentum und die damit verbundenen Fragen bearbeite, möchte ich einige wichtige Begriffe definieren.

Zunächst möchte ich den Begriff „Religion“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Religion ist ein weit reichender Begriff und wird im Allgemeinen angesehen als „eine Bezeichnung für eine – anthropologisch angelegte oder als für den Aufbau und das Funktionieren von Gesellschaften unerlässlich angesehene – Bindung und Orientierung an letzten, zumeist als überweltlich angesehenen Gegebenheiten (Gotteswille, Werte), die allen individuellen religiösen Erfahrungen oder historisch auftretenden Religionsformen als Gemeinsames zugrunde liegt, und deren konkreter Ausdruck letztere sind.“ (J. Matthes 1978: 638)

Max Weber äußerte sich über den Begriff Religion folgendermaßen:

„Eine Definition dessen, was Religion ist, kann unmöglich an der Spitze, sondern könnte allen­falls am Schlusse einer Erörterung wie der nachfolgenden stehen. Allein wir haben es über­haupt nicht mit dem Wesen der Religion, sondern mit den Bedingungen und Wirkungen einer bestimmten Art von Gemeinschaftshandeln zu tun, dessen Verständnis auch hier nur von den subjektiven Erlebnissen, Vorstellungen, Zwecken der einzelnen - vom Sinn - aus gewonnen werden kann, da der äußere Ablauf ein höchst vielgestaltiger ist. Religiös oder magisch motiviertes Handeln ist in seinem urwüchsigen Bestande diesseitig ausgerichtet. Religiös oder magisch motiviertes Handeln ist ferner, gerade in seiner urwüchsigen Gestalt, ein mindest relativ rationales Handeln: wenn auch nicht notwendig ein Handeln nach Mitteln und Zwecken, so doch nach Erfahrungsregeln.“ (Weber 1980: 245).

Diese Definition von Max Werber zum Begriff Religion ist ebenso nicht explizit. Die zentrale soziologische Perspektive des Begriffes liegt hier in der Handlungssoziologie, daher steht im Zentrum von Webers Ausführungen ein religiös oder magisch motiviertes Handeln, welches diesseitiges, relativ rationales Handeln, Gemeinschaftshandeln und spezifisch motiviert ist (subjektiver Sinn). Bei Weber führt die Verbindung von religiöser Motivation und Handeln zu Ethik, Lebensführung, Habitus und Persönlichkeit.

Peter L. Berger definiert den Begriff der Religion wie folgt:

„Als heilig bezeichnen wir hier eine numinose, furchterregende Mächtigkeit, die der Mensch anders als sich selbst und doch mit ihm verbunden erlebt und von der er glaubt, sie hause in bestimmten Objekten der Erfahrung. [...] Der Mensch erlebt das Heilige als etwas, das von den Routinen des Alltagslebens absticht, als etwas Außerordentliches und potentiell Gefährliches, wenngleich Mächtigkeit und Gefährlichkeit für die Bedürfnisse der Alltagswelt nutzbar gemacht werden können. Obwohl das Heilige in der Vorstellung anders ist als der Mensch, bezieht es sich doch auf den Menschen, und zwar in einer Weise wie kein anderes nicht-menschliches, ganz gewiss kein nicht-heiliges Naturphänomen. Der von der Religion gesetzte Kosmos übergreift und umschließt den Menschen, der ihn sich gegenüber sieht als übermächtige Wirklichkeit, die anders ist als er selbst. Diese Wirklichkeit aber wendet sich ihm zu und gibt ihm seinen Platz in einer absolut sinnvollen Ordnung“ (Berger 1988: 26f.).

Diese explizite Religionsdefinition enthält die zentrale soziologische Perspektive der Wissenssoziologie. Im Zentrum dieser steht die Herstellung von Sinnordnungen durch Religion und die damit verbundenen nomisierende (sinnstiftende) und kosmisierende (Vorstellung eines Gesamtsinnes der Welt und des Kosmos) Funktion der Religion (funktionale Dimension).

Émile Durkheim stellte ebenfalls eine Definition von Religion auf: „Eine Religion ist ein solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in einer und derselben moralischen Gemeinschaft, die man Kirche nennt, alle vereinen, die ihr angehören“ (Durkheim 1981: 75).

„Alle bekannten religiösen Überzeugungen, wie einfach oder komplex sie auch seien, haben den gleichen Zug: sie setzen eine Klassifizierung der realen oder idealen Dinge, die sich die Menschen vorstellen, in zwei Klassen, in zwei entgegen gesetzte Gattungen voraus, die man im Allgemeinen durch zwei unterschiedliche Ausdrücke bezeichnet hat, nämlich durch profan und heilig. Die Aufteilung der Welt in zwei Bereiche, von denen der eine alles umfasst, was heilig ist, und der andere alles, was profan ist, das ist Unterscheidungs­merkmal des religiösen Denkens“ (Durkheim 1981: 62).

Diese ausführliche Definition von Religion von Durkheim enthält die zentrale soziologische Perspektive des Strukturfunktionalismus, dessen Mittelpunkt die gesellschaftliche Funktion der Religion ist. Er stellt eine Klassifizierung in heilige und profane Bereiche (formale Dimension) und die Integration in die moralische Gemeinschaft (funktionale Dimension) auf.

Ein weiterer Bekannter Soziologe, der sich mit der Frage der Religion auseinandersetzte war Niklas Luhmann: „Wenn die Welt und die laufend vorauszusetzende Angepasstheit der Systeme sich der Beobachtung und erst recht der kognitiven Verarbeitung entziehen: Wie kann das System dann so etwas wie Sinnvertrauen entwickeln? Und die Vermutung liegt nicht ganz fern, dass hierfür Religion zuständig ist“ (Luhmann 2000: 47)

„Die alte Unterscheidung von realen bzw. real imaginierten Dingen und Ereignissen kann weiterhin praktiziert werden, aber sie wird überformt durch eine sehr viel radikalere Unterscheidung, die die Welt selbst betrifft und für alles, was es gibt, eine zweifache Bewertung bereithält im Falle der Religion die Doppelbewertung als immanent und als transzendent“ (Luhmann 2000.: 62f.).

Luhmanns Religionsdefinition entstammt der Systemtheorie, die sich mit der gesellschaftlichen Funktion der Religion (als System und Kommunikation) und deren Kommunikationscode beschäftigt.

Nachdem ich verschiedene Definitionen des Begriffes Religion aufgezeigt habe, soll an dieser Stelle gesagt werden, dass ich in dieser Arbeit den Begriff der Religion und dessen Bedeutung nur auf das Hexentum beziehen werde. Im Kapitel 8.1 widme ich mich ausführlich der Frage ob das Hexentum heute eine Religion ist.

Der nächste Begriff, der geklärt werden soll, ist der Begriff Magie.

Magie ist im Hexentum von großer Bedeutung, da es einen festen Bestandteil des Hexendaseins darstellt. Diese magischen Praktiken werde ich im folgenden Kapitel genauer aufzeigen. Dabei sollte beachtet werden, dass in jeder Religion magische Elemente zu finden sind.

Magie soll im Folgenden verstanden werden als eine „Sammelbezeichnung für zumeist rituelle Praktiken, mit denen übersinnliche Mächte in den Dienst des Menschen gezwungen werden“. Magische Praktiken beruhen „auf dynamistischen Vorstellungen, d. h. dem Glauben an die mechanische Wirksamkeit von Kräften, die der Mensch vermittels bestimmter Techniken beherrschbar bzw. in Bewegung bringen und zum Nutzen (weiße Magie) wie zum Schaden (schwarze Magie) einsetzen kann“ (Krech 1994: 413)

„Magie ist der Inbegriff bestimmter Denk- und Verhaltensweisen, die auf den Hintergrund „moderner“, technisch-rationaler Denk- und Handelnsformen projiziert werden und sich von diesen als abartig abheben. […] oft wurde es auch mit dem „primitiven Denken“ gleichgesetzt […] Nicht jede Magie hat unmittelbar eine intersubjektive Bedeutung. Magischrituelle Akte spielen in unzähligen religiösen Zeremonien eine Rolle, vor allem bei Gelegenheit der kritischen Passage als da sind Geburt, Geschlechtsreife, Eheschließung, Tod [...]“ (Bernsdorf 1969: 653)

Max Weber beschäftigte sich, wie oben bereits erwähnt, Anfang des 20. Jahrhunderts ausführlich mit dem Phänomen "Religion" aus soziologischer Sicht. Er unterschied zwischen Religion und Magie. Unter Religion versteht Weber ein dauerhaftes, ethisch fundiertes System mit hauptamtlichen Funktionären, die eine geregelte Lehre vertreten, einer organisierten Gemeinschaft vorstehen und gesellschaftlichen Einfluss anstreben. Magie dagegen ist nach Weber nur vorübergehend wirksam, gebunden an einzelne Magier oder Zauberer, die als charismatische Persönlichkeiten vermeintlich Naturgewalten bezwingen und eigene moralische Vorstellungen entwickeln. Diese Abgrenzung versteht Weber als idealtypisch. Reinformen sind selten, Überschneidungen und Übergänge werden konstatiert. ( vgl. www.wikipedia.de)

Beim Vergleich dieser beiden Begriffe stellt sich heraus, dass Religion ein fester Bestandteil unsere Gesellschaft und für Regeln und Normen von wesentlicher Bedeutung ist. Magie wird als ein von den Regeln und Normen abweichendes Phänomen bezeichnet, welches allerdings in allen Gesellschaften eine Rolle spielt. Magie symbolisiert den Glauben an Böses wie bei Schwarzer Magie und den Glauben an Heilbringendes wie bei Weißer Magie. Magie wird als etwas Übernatürliches angesehen, welches Macht besitzt. Dies wird durch den Aberglauben der Gesellschaft gestützt. „Eine soziologische Kennzeichnung des Aberglaubens scheint nur formal möglich zu sein: geglaubte, für wahr gehaltene Meinungen einer Referenzgruppe, oder, unter Zuhilfenahme der Summerschen Unterscheidung von ‚Wir’ - und ‚Sie’ - Gruppe: Aberglaube ist, was „die anderen“ glauben.“ (Bernsdorf 1969: 1) Dieser Begriff hat seine Ursprünge im 15. Jahrhundert und wurde verwendet, wenn Menschen zu Unrecht der Ketzerei beschuldigt wurden. Die gebildete Schicht dieser Epoche bezeichnete die Ungebildeten als abergläubisch um sich von diesen abzugrenzen. Daher wurden Menschen, die an Magie glaubten, welche durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt der Gesellschaft erklärbar war, ebenfalls als abergläubisch bezeichnet. Der Aberglaube hat sich mit der Zeit immer tiefer in unserer Gesellschaft verwurzelt, nur eine radikale Aufklärung im modernen Stil, (wie eine etablierte wissenschaftliche Bildung) ist dem Aberglauben gewachsen. (vgl. Bernsdorf 1969: 1ff) Der Begriff Aberglaube ist auch sehr stark mit dem Hexentum verbunden.

Eine Hexe wurde wie folgt definiert: „(althochdeutsch hagzissa, ein sich auf (Grenz-) Zäunen aufhaltendes dämonisches Wesen), im Volksglauben bezeichnen Hexe oder Hexer zauberkundige Personen, die durch magische Kräfte Schadenszauber gegen andere Menschen durchzuführen vermögen. Hexerei ist meist der symbolische Ausdruck moralischer Kategorien: Hexerei kommt in vielen nicht-modernen Gesellschaften die Funktion zu, die gesellschaftliche Ordnung mit zu konstituieren und aufrechtzuerhalten, eine gesetzte Ordnung, welche Hexen durch ihr "verkehrtes" Verhalten zu konterkarieren scheinen. Hexerei als institutionalisierte Verkehrung der gesellschaftlichen Ordnung dient aber im Weltbild dieser Gesellschaften dazu, die geordnete Welt zu schützen, indem durch sie bedrohliche (Natur-) Kräfte verkörpert und in diesem Sinn gebannt werden können. Gilt die gesellschaftliche Ordnung als existenziell gefährdet, ist also ein vermeintlich bedrohliches Ungleichgewicht zwischen ordnenden und "chaotischen" Kräften entstanden, sehen solche Gesellschaften in der ansonsten tolerierten Hexerei die Ursache für die Bedrohung, was häufig zu brutalen Hexenverfolgungen geführt hat.“ (Pickering 1996: 135f) Hexen sind im Volksglauben geheimnisvolle, zauberkundige Frauen. Der Aberglaube wird in Märchen deutlich, in denen sie einen Figurenstereotyp wie bei „Hänsel und Gretel“ darstellen. Oder wenn sie in Sagen, beispielsweise beim Hexensabbat auf dem Blocksberg, erscheinen. Die Hexe wird „meist als alte und hässliche Schreckgestalt mit Buckel, die Unzucht mit dem Teufel treibt, auf einem Besen durch die Lüfte reitet und Menschen und Tieren Schaden zufügt,“ (vgl. Pickering 1996:135f) dargestellt. „Die Wirksamkeit ihrer magischen Kräfte soll zu bestimmten Zeiten wie zur Osternacht, zum Andreastag oder zur Walpurgisnacht besonders groß sein. Der älteste Beleg der Bezeichnung ist aus althochdeutschen Glossen des 9. und 10. Jahrhunderts überliefert. Der Begriff verbreitete sich im 13. und 14. Jahrhundert durch die Theologie der mittelalterlichen Kirche und war im Rahmen der Hexenverfolgung inhaltlich durch päpstliche Bullen, staatliche Gesetzgebung und Literatur (Hexenhammer von 1487) definiert. Doch bestanden schon in der Antike, wo Thessalien als Hexenland fungierte, bei den Germanen und anderen alteuropäischen Völkern sowie im Orient Vorstellungen von weiblichen Unholden, an die der spätere Volksaberglaube anknüpfen konnte. Heute noch geben Bezeichnungen wie Hexenschuß, Hexenkraut und Hexenbesen Zeugnis vom mittelalerlichen Hexenwahn.“ (Pickering 1996: 135f)

Der Begriff Hexe wird heute anders verwendet. Menschen, die dem Hexenglauben angehören bezeichnen sich heute selbst mit stolz als Hexen und praktizieren deren Bräuche.

„Hexenvorstellungen und Hexerei in heutiger Zeit hört sich zuerst wohl ziemlich unglaubwürdig an, doch die Forschungen der Ethnologin Jeanne Favret-Saada Ende der siebziger Jahre in Westfrankreich haben ganz neue Erkenntnisse über zeitgenössische Hexenvorstellungen in Europa erbracht. Dabei zeigte eineVielzahl neuerer volkskundlicher Monographien aus ländlichen Regionen in ganzEuropa, dass Hexenvorstellungen auch in modernen Gesellschaften weiterleben.[…] Doch auch in Deutschland existieren diese modernen Hexen. Sie beschreiben sich als besonders kräuterkundige Menschen, die sich ganz auf ihre Person und ihre Persönlichkeitsentwicklung konzentrieren, das heißt ihr volles Augenmerk gilt nurdem geistigen und seelischen Fortkommen der eigenen Person. Deshalb sind bei diesen Hexen auch die Willenskraft, die Energie, der Instinkt (sozusagen einsechster Sinn) und die Liebe zu sich selbst außergewöhnlich stark ausgebildet.“ (www.esotheka.de)

Eine zweite Formder heutigen Hexenvorstellungen wird gerade von diesen eben beschriebenenmodernen Hexen als angebliche Teufelsanbetung und Hexenkult verachtet.Dabei liegt in dieser Art des Hexentums die Begeisterung für verschiedene Gesellschaftsgruppen. „Während der Wiccakult und der Okkultismus bei Erwachsenenvor allem Anklang als alternative Religion findet, ist es bei Jugendlichen bevorzugt der Reiz der Praktiken dieser so genannten Schwarzen Magie auszuprobieren. Dazu zählte auch schon das simpelste Pendeln, Tische oder Gläser rücken bis hin zu dem mit großem Aufwand und Erfahrung verbundenen Hypnotisieren.“ (vgl. Pickring 1996: 9ff)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zwar heute noch Hexenvorstellungengibt und dass sich auch immer mehr Menschen dafür interessieren, dennoch glaubt ein Großteil der Weltbevölkerung nichtmehr, dass es heute noch Zauberei durch Schwarze Magie gibt, welche den Menschen objektiven Schaden zufügt. Aus der Bibel wie auch aus der Überlieferungvon Naturvölkern weiß man, dass es bestimmte Praktiken gibt, welcheMenschen wirklichen Schaden zufügen können. Doch da sich solche Vorkommnisse nicht bekunden lassen, ist es nicht möglich, sie durch weltliche oder kirchlicheGerichte beurteilen zu wollen. Wissenschaftler erklären das Phänomen desHexenglaubens mit bevorzugt psychologischen und soziologischen Thesen. Diese beziehen sich beispielsweise auf Kastrationsängste und Ohnmachtsgefühle oderauf die Unfähigkeit, soziale Konfliktsituationen offen zu lösen. Hexereibeschuldigungen treten heute zudem gehäuft in Phasen rapidem sozialen und kulturellen Umbruchs (z.B. Kolonialismus, schlechten wirtschaftlichen Bedingungen, unsicheren Politischen Umbrüchen) auf.“ (vgl. Pickring 1996: 9ff)

Bei meiner Arbeit zur Entwicklung des Hexentums versuche ich die oben aufgeworfenen Fragen zu klären, dabei ist es wichtig hier an dieser Stelle noch den Begriff des Heidentums zu erläutern. Das moderne Hexentum wird auch als Neues Heidentum oder Neuheidentum[1] bezeichnet. Darauf werde ich in Kapitel 8 noch genauer eingehen. Das Heidentum kann wie folgt definiert werden:

„Mit Heiden bezeichnet man Menschen, die in der christlichen Lehre nicht im christlichen Glauben getauft sind.“ Heidentum: „Der Ausdruck Heidentum und der Begriff Heide werden in verschiedenen kultur- und religionsgeschichtlichen Zusammenhängen verwendet. Ursprünglich wurde er für Menschen verwendet, die weder Juden noch Christen waren. Heute wird er für Menschen verwendet, die eine (religiöse) Person sind, die weder Jude noch Christ noch Moslem ist, einen Anhänger des Polytheismus, z.B. im Neuheidentum oder einen Anhänger von indigenen Religionen.“ Der Begriff kann unter verschiedenen Gesichtspunkten definiert werden. „Etymologisch wird der Begriff von germanisch haithio (unbebautes, wildgrünendes Land, Waldgegend, Heide) abgeleitet. Die englische Entsprechung ist heathen oder pagan, von lat. paganus (Bewohner des unbebauten Landes). Da die Landbevölkerung zuletzt vom Christentum erreicht wurde, wurde die Bezeichnung für die Landbevölkerung auch zur Bezeichnung von Nichtchristen. Bereits in der christlichen Antike wurde das Wort paganus in der Bedeutung von Nichtchrist verwendet. […] Auch unter Heiden herrscht relative Unklarheit über eine etwaige konkrete Bedeutung und die Trennschärfe des Begriffes Heidentum; Manche verstehen unter Heiden sämtliche naturreligiösen Menschen, andere wiederum argumentieren, der Begriff Heidentum meint explizit das germanische Heidentum, da er (der Begriff "Heidentum") schließlich aus dem germanischen komme. Manche wenige beziehen den Begriff sogar ausschließlich auf Angehörige von Hexenreligionen wie z.B. Wicca.“ (www.wikipedia.de)

Das Heidentum kann aus religiöser Sicht beschrieben werden und in verschiedenen Religionen hat der Begriff daher einen unterschiedlichen Ursprung. Im Judentum wird zwischen zwei Völkern unterschieden, zum einen das Volk Israel und zum anderen die Gojim (Einzahl Goj), was in der Septuaginta[2] mit ΕΘΝΟΣ (ethnos) übersetzt wurde. Gojim war für die Juden mit der Vorstellung von Götzendienst und sittlicher Unanständigkeit verbunden, beide Ausdrücke werden jedoch mehrfach (z.B. Genesis 35,11) neutral für die Bezeichnung und insbesondere für die Segnung Israels verwandt. Auch in Griechenland gibt es ein Heidentum zu finden.

Die Griechen wiederum hatten die zuerst wertfreie, mit der Zeit abwertender werdende Bezeichnung ΒΑΡΒΑΡΟΣ barbaros für fremde (nicht unbedingt weniger gebildete) Völker. Barbaros bezieht sich auf die Unverständlichkeit der fremden Sprachen. Aber auch ΕΘΝΟΣ (ethnos, eigentlich: Volk) wurde im Sinn von Ausländer, Nichtgrieche ebenso abwertend verwendet wie in anderen Völkern.

Im Neuen Testament wird der Begriff ΕΘΝΟΣ (ethnos = Nationen) ebenso wie im Alten Testament für Nichtjuden verwendet. Bei dem Apostel Paulus (vgl. Apostelgeschiche 25ff im Neuen Testament der Lutherbibel) sind damit oft die Anhänger des griechischen und römischen Polytheismus gemeint, in einigen Fällen aber auch zum Christentum bekehrte. Es wird unterschieden zwischen Judenchristen (zum Christentum bekehrten Juden) und Heidenchristen (zum Christentum bekehrten Anhänger ursprünglicher einheimischer Religionen). Paulus von Tarsus bezeichnete sich als Apostel der Heiden. (vgl. www.wikipedia.de)

„Im Christentum wird das Heidentum außerhalb der eigenen Kultur lokalisiert, als Aberglaube abgetan oder zum Missionsobjekt. Als das Christentum im späten 4. Jahrhundert zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, geriet der Paganismus rasch in die Defensive, auch wenn sich heidnische Überzeugungen und Praktiken noch die ganze Spätantike hindurch finden lassen.“ (www.wikipedia.de) Diese Verschiedenen Bedeutungen von Heiden die in fast jeder Religion zu finden sind, zeigen die Bandbreite dieses Begriffes auf. An dieser Stelle werde ich wieder zur Entwicklung des Hexentums übergehen.

Im Folgenden, erläutere ich die Frage: Was ist das Hexentum?

Die Riten und Bräuche, sowie die damit verbundenen magischen Elemente werden von mir aufgezeigt und erklärt.

3. Was ist das Hexentum?

3.1 Der Hexenglaube

Das Wort Hexenglaube wirkt auf viele Menschen beängstigend und auf andere wiederum verwirrend. In der Volksmeinung sind Hexen alte und furchtbar hässliche Weiber, die kleine Kinder fressen, auf Besen reiten oder gar bösartige Teufels­kultanhänger, die obszöne Riten praktizieren. Moderne Hexen, so glaubt man, seien übrig gebliebene Mitglieder der Hippie-Bewegung aus den Siebzigern, die immer wieder neue Mitlieder in ihren exzentrischen Club rekrutieren. Doch die Würden und der ernste Sinn einer wahren Religion fehlen.

Diese These wird wie folgt widerlegt: „Der Hexenglaube ist jedoch eine Religion, vielleicht die älteste in der westlichen Welt. Ihre Ursprünge reichen weiter zurück als Christentum, Judentum und Islam, weiter auch als Buddhismus und Hinduismus, und sie ist anders als alle anderen ‚so genannten’ großen Religionen. Die alte Religion, wie wir sie nennen, steht in ihrem Geiste den Traditionen der amerikanischen Eingeborenen oder dem Schamanismus[3] der Arktis näher.“ (Starhawk 1992: 13)

Die Hexenreligion gründet nicht auf Dogmen oder Glaubensregeln, wie beispielsweise bei den Christen die Bibel oder bei den Muslimen der Koran.

Der Hexenglaube bezieht seine Lehren und Glaubensgrundsätze aus der Natur und von den Elementen. Seine Inspiration zieht er aus den Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen, aus dem Flug der Vögel, dem langsamen Wachsen der Bäume und dem Wandel der Jahreszeiten.

Den Legenden zufolge begann der Hexenglaube vor mehr als fünfunddreißigtausend Jahren, als in Europa die Eiszeit begann.

Die Stämme der Jäger und Sammler sicherten ihr Überleben unter anderem mit Hilfe der Schamanen, welche die Gabe besaßen, die Herden von Tieren in Gruben oder zu einer Felswand zu locken, wo sich einige Tiere opferwillig einfangen lassen würden. Man sagte, Schamanen können sich in den Geist der Herden versetzten und diese somit umleiten. Die Schamanen drückten ihre Erkenntnis in Bildern aus, in bekannten Symbolen wie die Muttergöttin als Lebensspendende, die alles Lebendige hervorbringt oder der gehörnte Gott als Jäger und Gejagter, der ewig durch die Pforten des Todes tritt, auf das das neue Leben beginne. (vgl. Starhawk 1992: 13)

Nachdem das Eis gewichen war, wanderten einige Stämme nach Amerika und andere blieben hier in Europa. Siedlungen wurden gebildet, neue Werkzeuge erfunden und durch die Verschmelzungen der verschieden Stämme und Siedlungen entstanden die ersten Dörfer dieser Region. Schamanen, die sich dem gehörnten Gott zugehörig fühlten, sich in Felle hüllten und mit Hörnern schmückten, vereinten ihr Wissen und ihre Kräfte mit den Priesterinnen, die sich der Muttergöttin verwand fühlten, da sie die Fruchtbarkeit der Erde verkörperte, dadurch entstanden die ersten Hexenzirkel. Sie waren mit dem Leben der Tiere und Pflanzen vertraut und konnten somit beginnen Ziegen und Schafe zu züchten, sowie Landwirtschaft zu betreiben.

Aus Dörfern wurden Städte und später Staaten. Der Fortschritt der Menschheit war nun nicht mehr aufzuhalten.

Die Menschen beschäftigten sich mit der Natur und kannten somit alle Zyklen. Das Jahr wurde in acht Abschnitte unterteilt. Diese werden Sabbate genannt: Sonnenwende, Tagundnachtgleichen und die Tage des Viertel­jahresbeginnes.

Große Feuer wurden entzündet, Feste gefeiert und Opfergaben gebracht, um die Götter zu ehren. (vgl. Starhawk 1992: 14f)

Diese Bräuche sind heute noch zu finden, wenn man zum Beispiel an das Erntedankfest oder die Walpurgisnacht denkt. Durch die Beschäftigung mit der Natur wuchs das Wissen der Menschen und die Geisteswissenschaften wurden somit begründet. Für Wissenschaften wie Mathematik, Astronomie, Dichtkunst, Musik, Heilkunde und für das Verständnis des menschlichen Geistes wurde somit der Grundstein gelegt. (vgl. Daxelmüller 1996: 74 ff)

Die alten Sichtweisen verschwanden nie aus dem Wissen des Menschen, wurden aber durch neuere Religionen oder Lebensweisen in den Hintergrund gedrängt

Es gab Völker des Krieges, die den Glauben an die Kriegsgötter unter die Menschen brachten oder beispielshalber ließen die Griechen Zeus und die Göttin miteinander verschmelzen und viele Kinder zeugen, die nun verschiedene göttliche Aufgaben übernahmen. Man denke an Ares als Kriegsgott oder Poseidon als Gott der Meere.

Dies vollzog sich in vielen Kulturen und somit passte sich der mythologische Zyklus der Göttin und ihres Gefährten, dem gehörnten Gott, der dreißigtausend Jahre geherrscht hatte, den neuen Wertvorstellungen an.

Auf den britischen Inseln übernahmen die siegreichen Kelten viele Merkmale der alten Religion und banden diese in die Mysterien ihres Druiden- und Bardentums in Irland und Wales ein. Die acht Feste wurden weiter zelebriert und Elfen, Kobolde und Feen unterstützten die Mythen. (vgl. Starhawk 1992: 16)

Das Christentum änderte zunächst nicht viel. „Die Bauern sahen in der Christuslegende nur eine neue Version ihrer eigenen alten Überlieferungen von der Muttergöttin und ihrem Göttlichen Kind, das geopfert und wiedergeboren wird.“ ( Starhawk 1992: 16)

Später setzten die Verfolgungen ein und die Anhänger der Alten Religion wurden zu Ketzern erklärt und oftmals auf Scheiterhaufen verbrannt.

1484 begann mit der Päpstlichen Bulle von Innozenz VIII eine lange und grausame Geschichte der Hexenverfolgung in der ganzen Welt. „Mit der Veröffentlichung des Hexenhammers, Malleus maleficarum[4], durch die Dominikaner­mönche Institoris und Sprenger im Jahre 1487 wurde der Boden für die Schreckensherrschaft bereitet, die Europa bis weit ins 18. Jahrhundert in Atem halten sollte.“ (Kramer 2000: 7) Darauf werde ich im nächsten Abschnitt genauer eingehen.

Kriege, Kreuzzüge, Seuchen, Elend, Verarmung, Bauernaufstände, Lehen und vieles mehr begleiteten die nächsten Jahrhunderte. Während dieser Zeit ging der Hexenglaube in Europa und Amerika in den Untergrund und wurde zu einer Geheimreligion. Überlieferungen wurden nur an Vertraute weiter gegeben, meist an Mitglieder der eigenen Familie. Verbindungen zwischen Hexenzirkeln wurden aufgelöst. Folglich wurden keine Treffen mehr zu den großen Festen veranstaltet und das Wissen, sowie die Ergebnisse von Zauber und Ritualen, konnte nicht mehr geteilt werden. Überlieferungen gingen teilweise verloren oder gerieten in Vergessenheit. Allerdings wurden trotz alle dem viele Weisheiten weitergegeben, heimlich hinter verschlossenen Türen oder verschlüsselt in Sagen, Volksliedern und Märchen. Nachdem die Hexenverfolgungen im 18. Jahrhundert an Bedeutung verloren, kam eine lange Zeit des Unglaubens an die Alte Religion. Die wahren Erinnerungen waren erloschen und mit Angst und Unsicherheit verbunden. Die geschichtlichen Reste des alten Glaubens erschienen albern und abergläubisch. Erst im letzten Jahrhundert wurde das Hexentum wiederbelebt und erlangte neue Bedeutung. Die abgestammte Urreligion der Menschheit, die Alte Religion, wird nunmehr als Paganismus bezeichnet, ein anderer Begriff für Heidentum. (vgl. Starhawk 1992: 18ff)

„Der Hexenglaube war immer eine Religion der Poesie, nicht der Theologie. Die Mythen, Legenden und Lehren werden als Metapher für das „Unsagbare“ erkannt, die absolute Wirklichkeit, die unser begrenzter Verstand niemals vollständig begreifen kann. Die Mysterien des Absoluten können nie erklärt werden. Symbole und rituelle Handlungen werden benutzt, um veränderte Wahrnehmungszustände auszulösen, in denen Einsichten vermittelt werden, die man mit Worten nicht auszudrücken sind.“ (Starhawk 1992: 20)

Die ‚Alte Religion’ ist nicht von Regeln und Normen durchzogen, außer der Tatsache, dass man tun und lassen kann was man will, wenn man dabei keinem anderen schadet. Aus diesem Grunde ist der pagane Glaube in unserer modernen Gesellschaft schwer zu begreifen. Wir sind es gewohnt uns ein Leben lang Regel und Normen zu beugen und danach zu leben ohne darüber nachzudenken. Deshalb ist gerade in der heutigen Zeit die ‚Alte Religion’, der Paganismus, eine ganz neue Freiheit, die uns zum Ursprung zurückführt.

Im nächsten Abschnitt möchte ich auf die Rituale und Sabbate der Hexenreligion eingehen und diese näher erklären.

3.2 Bräuche, Sabbate und deren Bedeutung in der christianisierten Welt

Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt sind die acht Sabbate Zeremonien, die auf uralte Feste zurückgehen, mit denen der Wechsel der Jahreszeiten gefeiert wurde. Die Sabbate sind auch als das „Große Sonnenrad des Jahres“ oder das „Mandala der Natur“ bekannt und werden auf unterschiedliche Weise in fast allen Kulturen unserer Erde gefeiert. Sie besitzen eine reichhaltige Mythologie[5] und tragen verschieden Namen. Die vier großen Feste entsprechen dem alten gälischen Jahr und sind als Lichtmess, Beltane, Lammas und Samhain bekannt. Die vier kleineren Sabbate werden Frühjahrs­tag­­undnachtgleiche, Sommersonnenwende, Herbsttagundnachtgleiche und Winter­sonnen­wende genannt. (vgl. Dunwich 1999: 24)

Im Gegensatz zu den Vorstellungen die Menschen von solchen Festen haben, werden an diesen Tagen keine Orgien veranstaltet oder dem Satan gehuldigt. Diese Auffassungen entstammen dem Volksglauben. Eines der bekanntesten Werke, welches den Aberglauben des Volkes widerspiegelt, ist Goethes Faust. Bekanntermaßen treffen sich in seinem Werk die Hexen auf dem Blocksberg.

Goethe schrieb, dass:

auf dem Blocksberg schaurige Nacht herrschte, der Sturm tobte, die Bäume brachen. Allerlei Getier sei in großer Unruhe. Dämpfe steigen auf, Nebel wabert, und ein wütender Zaubergesang erfüllt die Berghänge. Es ist der Chor der Hexen, die in dieser Nacht auf den Blocksberg ziehen, zum Hexensabbat, denn heute ist Walpurgisnacht. Auch als Beltane bekannt. Mittendrin streben Faust, dem auf der Suche nach Wahrheit jedes Mittel recht ist, und Mephisto, der verkörperte Teufel, bergauf. „Dort“ sagt Faust, „strömt die Menge zum Bösen, da muss sich manches Rätsel lösen.“ Auf dem Gipfel des Blocksbergs, dem Versammlungsort der Hexen, stoßen sie auf eine gigantische Orgie. Hunderte von Hexen huldigen dem Teufel in Gestalt eines Ziegenbocks und erweisen ihm durch einen Kuss auf den Hintern ihre Ergebenheit. Und dann vermischen sie sich beim Tanz wahllos in allen möglichen sexuellen Ausschweifungen. (vgl. Goethe 1999: 121ff)

Der Klassiker Faust oder neuere Medien wie Fernsehen und Hörbücher, Groschenromane zeigen uns ein skurriles Bild einer Hexe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Hexentum häufig mit satanischen ‚Schwarzen Messen’ oder dem „Schwarzen Sabbat“ verwechselt wird. „Eine solche „Schwarze Messe“ ist kein Hexensabbat. Es ist eine satanische Kulthandlung, die das Hauptritual der katholischen Kirche parodiert und angeblich die Opferung ungetaufter Säuglinge, perverse Sexorgien und das Rückwärtsaufsagen des Vaterunsers beinhaltet.“ (Dunwich 1999: 25)

In Hexensabbaten lässt sich nichts von dieser Art finden. Es gibt keinerlei Opfer, weder Menschliche noch Tierische, keine schwarze Magie und gegen die Kirche zielende Rituale. Bei den Feiern zu den Sabbatfesten huldigen die Hexen lediglich der Natur, sie tanzen, singen, genießen traditionelles Essen und ehren die Götter der Alten Religion.

Diese acht Feste stellen feste Bestandteile des heidnischen Kalenders[6] dar. Der jährliche Zyklus wiederholt den monatlichen Zyklus von Tod, Erneuerung, Wiedergeburt, Wachsen, Reifen und abermals Tod. Betrachtet man dieses auf ein Jahr, ist es die Sonne, die verschiedene Stationen durchstreift. Sie verschwindet in den dunklen Winter­monaten, kommt langsam im Frühling wieder hervor und strahlt in vollem Ausmaß im Sommer und verliert wieder an Wärme und Kraft im Herbst.

3.2.1 Samhain

Das Jahr der Hexen beginnt mit Samhain, der das Ende des Sommers bedeutet und am 31.10. stattfindet. Dieser Tag ist in unseren Breitengraden als Allerheiligen, ein Katholischer Feiertag, bekannt. Im Volksglauben sagt man, es sei der „Seelentag“ an dem die Seelen der Verstorbenen auf die Erde zurückkehren würden.

Zur Zeit der Angelsachsen war Samhain der Jahresbeginn. Der ganze September wurde mit Totenkulten verbracht und der 31. Oktober wurde als das endgültige Ende der Ernte und dem Beginn des Winters, dem dunklen Schluss des Jahres in die triste Kargheit der kältesten Monate betrachtet. Traditionellerweise wurde an diesem Tag Geld für die Seelen der Toten gesammelt, Kuchen gebacken, ebenso wurde an Wegkreuzungen Nahrung hinterlegt und Feuer angezündet.

Somit waren Samhain und Beltane die bedeutendsten Feuerfeste in Europa. Diese Feuer sollten den Weg der Toten in die andere Welt erleuchten.

Die heute noch in England praktizierten Feuer des 5. Novembers lassen sich auf die alte Samhain-Tradition zurückführen.[7]

Als Halloween[8] ist dieses Fest weltweit am berühmtesten. In Amerika werden die Häuser mit Kürbissen geschmückt und die Kinder laufen verkleidet durch die Straßen. Dieser Brauch ist ein Fest für Erwachsene und Kinder. Allerdings sind die Ursprünge für den allbekannten ausgehöhlten Kürbis in Irland zu finden und wurde von Einwanderern mit ins Land gebracht. Der Sage nach bauten die Iren aus ausgehöhlten Rüben Laternen, die sie genau wie die Feuer in England, zum Beleuchten des Weges für die Toten anbrachten. Da es in Amerika nicht so viele Rüben gab, nahm man einfach den Kürbis. Daraus entstand das mit dem Kürbis verbundene, allseits bekannte Halloween.

Für Hexen ist Samhain eine Zeit, in der die Grenzen zwischen den Welten am durchlässigsten sind und die Toten mit den Lebenden zusammenkommen. Somit könnte mit verstorben Seelen kommuniziert und Geheimnisse in Erfahrung gebracht werden. (vgl. Brooke 1998: 145ff)

3.2.2 Mittwinter

Das nächste Fest im Hexenkalender ist das Julfest, auch Mittwinter genannt. Es wird am 21. Dezember zur Wintersonnenwende, dem kürzesten Tag des Jahres, begangen. Ab diesem Datum werden die Tage wieder länger und die langen Stunden der Dunkelheit nehmen ab. Die wärmeren Zeiten scheinen greifbarer und die Wiedergeburt der Sonne wird gefeiert.

Viele heutige Bräuche deuten auf dieses alte pagane[9] Fest, beispielsweise das christliche Weihnachtsfest an dem Weihnachtsbäume geschmückt werden, Mistel- und Stech­palmen­zweige aufgehängt werden oder das Verbrennen des Julscheites (auch Weihnachtsscheite genannt). Somit ist Weihnachten, das nur wenige Tage nach der Wintersonnenwende gefeiert und an dem die Geburt Christi zelebriert wird, die ursprüngliche christianisierte Form der alten Julfeste.

Mittwinter bedeutet für die Hexen das Kommen des Sommers. Vom dunkelsten Punkt des Jahres blicken diese nach vorn, der Helligkeit und Wärme des Mittsommers entgegen. (vgl. Dunwich 1999: 35ff)

3.2.3 Imbolc

Imbolc, Lichtmess wird am 1.Februar begangen und ist das Fest des Lichtes. Die Bezeichnung soll vom englischen "in the belly" abgeleitet sein, was soviel bedeuten soll wie "im Bauch der Mutter". So wie in den ersten Monaten einer Schwangerschaft von Außenstehenden nichts zu bemerken ist, kann man auch bei "Mutter Erde" nur ahnen, welches Leben und welche Kraft sie zu diesem Zeitpunkt bereits in sich birgt. Andere Namen sind u. a. Oimelc (englisch/irisch für "Schafsmilch", da nun die Lämmer geboren werden) und Birgid (zu Ehren der gleichnamigen irischen Göttin des Lichts und des Feuers). In der christlichen Tradition wird dieses Fest Lichtmeß genannt. Man erfreut sich an den ersten Schneeglöckchen, die durch die Schneedecke gedrungen sind. Reinheit, Unschuld und ein junges und frisches Erblühen im Winterfrost wird damit verbunden.[10] „In Europa wurde dieses Fest früher mit einem Fackelzug gefeiert, um die Felder vor der Aussaat zu reinigen und fruchtbar zu machen, sowie den entsprechenden Gottheiten und Geistern zu danken. Bei der christianisierten Version der Lichtmess-Prozession wird die Jungfrau Maria verehrt, und in Mexiko entspricht dieses Fest dem Neujahr der Azteken.“ (Dunwich 1999: 27)

3.2.4 Frühjahrstagundnachtgleiche

Ostara, die Frühjahrstagundnachtgleiche wird am 21. März begangen, wenn der Tag genau so lang ist wie die Nacht. Am ersten Sonntag nach dem auf Ostara folgenden Vollmond, wird seit dem zweiten Jahrhundert Ostern gefeiert, das bedeutet: nie früher als am 22. März und nie später als am 25. April. Ostern hat dem Namen zufolge deutlich seinen Ausgangspunkt in diesem heidnischen Fest. Die Frühjahrtag­und­nachtgleiche wird der Göttin des Frühjahres und der Morgendämmerung gewidmet, da dieses Fest den endenden Winter, die Frühlingsblumen und die immer wärmer werdende Sonne feierte.

Ostereier färben[11], die Osterhasen und heiße Kuchen sind heidnischen Ursprunges, denn dies sind alte nordische, griechische, ägyptische, römische und persische Traditionen. In vielen alten Kulturen stand das Ei für die eingekapselte Welt und ist somit ein Symbol der Initiation, denn nur durch Sonne kann die Welt schlüpfen. Ostara repräsentiert daher den Übergang vom sonnenarmen Winter zum Sommer. (vgl. Brooke 1998: 160ff)

Es ist das zweite der drei Fruchtbarkeitsfeste des Frühlings, nach Lichtmess und vor Beltane. Wie bereits erwähnt übernahmen die Christen viele heidnische Traditionen und verteilten sie auf die verschiednen Ostertage, als sie beschlossen das Fest der Auferstehung Jesus zu dieser Zeit feierlich zu begehen.[12] (vgl. York 1998: 277ff)

3.2.5 Beltane

Der dritte Sabbat des Jahres ist Beltane, die Mainacht, Walpurgisnacht oder Hexen­feuer. Es wird am 30. April gefeiert und ist eines der großen Fruchtbarkeitsfeste des paganen Jahres. Bis heute werden verschiedene Bräuche zu diesem Fest zelebriert. Bei uns im sächsischen Erzgebirge und Umgebung wird in der Nacht zum 1. Mai in jeder Stadt und jedem Dorf ein Hexenfeuer veranstaltet. Mit diesen großen Feuern sollte der Winter endgültig vertrieben werden oder der Brauch des Aufstellens des Maibaumes­ in dieser Nacht zum 1. Mai. Diese in jeder Gegend bis heute noch stattfindenden Mainachtfeiern hängen noch stark an der ‚Alten Religion’. Daher ist es eines der wenigen alten Feste, das größtenteils in seiner ursprünglichen Form seit der vorchristlichen Zeit bis in die Gegenwart erhalten geblieben ist.

Beltane, der Hexensabbat beginnt offiziell mit dem Mondaufgang am Vorabend zum 1. Mai und wird traditionell auf einem Berggipfel gefeiert, auf dem die riesigen Beltane - Freudenfeuer entzündet werden, um dem Sommer den Weg zu weisen und die Fruchtbarkeit der Tiere, den Feldern und in den Häusern zu steigern. In Irland waren es in alten Zeiten große Freudenfeuer, die den lebensspendenden Sonnengott[13] symbolisch darstellen sollten und in freier Natur stattfanden. (vgl. Dunwich 1999: 28 ff)

„Es begann der Monat, der nach der Göttin Maya, der jungfräulichen Frühlingsgöttin, benannt war. Da liebten sich junge Paare in frisch gepflügten Feldern, angeblich um das Wachstum des Getreides zu fördern. Bis ins 16. Jahrhundert galt der Mai als Honey – Moon, überall herrschte Freizügigkeit in sexuellen Dingen, die Moral war außer Kraft gesetzt, und die vorübergehend Ehebande auch.“ (York 1998: 280)

Wie Goethe in seinem Faust schrieb, gab es im Thüringischen die Sage, dass die Hexen in der Walpurgisnacht auf ihrem Besen auf den Blocksberg reiten, um dort furchter­regende Dinge zu tun. Somit wird auch in Sachsen in dieser Nacht die Hexe auf dem Hexenfeuer verbrannt. Denn es heißt die Menschen seien in dieser Nacht vor ihren Zauberkräften sicher und könnten sie somit vernichten.

Im urchristlichen Bayern setzten am ersten Mai die jungen Männer ihren Mädchen einen Maibaum vor die Tür, einen schönen jungen Stamm, der mit vielerlei Verzierungen geschmückt war. Dieser Baum sollte die Mädchen vor Wetter, Hexerei und Zauberei schützen. Somit wurde das Volk auch nicht müde sich phantasievoll das Hexendasein auszumalen. Deshalb ist diese Nacht noch bis heute die Nacht der Hexen. (vgl. York 1998: 280 ff)

3.2.6 Mittsommer

Am 23. Juni wird die Sommersonnenwende, auch als Mittsommernacht oder Johannistag bekannt, begangen. Es ist die Nacht vor dem längsten Tag des Jahres. Somit wird wiederum ein Wendepunkt gefeiert, denn es ist ebenso der längste Tag des Jahres. In Britannien werden auf den Hügeln, zu Ehre der Sonne, große Feuer angezündet, um die die Menschen tanzen. Diese Feuer sind Überbleibsel alter druidischer Riten.

Die Griechen entfachten auch solche Feuer zu Ehren des Demeters[14]. Die Gläubigen dieser Göttin tanzten um das Feuer, um das Böse zu bannen und eine gute Ernte sicherzustellen.

In Irland wiederum sagt man, Feen flögen um ein Baalfeuer und versuchten es zu löschen, damit sie ihr Unwesen treiben könnten. Nach dem Erlöschen der Feuer am nächsten Tage wurde die Asche auf die Felder gestreut, damit die Ernte ergiebiger würde.

Shakespeare schrieb in seinem Werk der „Mittsommernachtstraum“, das in dieser Nacht eine Zeit der Verzauberung, Hexereien und der Possen sei.

Es wurde von verschiedenen Kräutern gesprochen, die man in dieser Nacht sammeln sollte. So zum Beispiel der Farnkrautsamen, der so klein ist, dass er mit den bloßen Augen kaum sichtbar ist und denjenigen der ihn findet, unsichtbar machen sollte.

In Volksmärchen wurde auch gelegentlich von der besonderen Kraft dieser Nacht gesprochen. Man denke nur an das Märchen „Zwergnase“, denn nur ein Kraut, welches der Zwerg Jacob in dieser Nacht sammelt, habe die Zauberkraft ihn zurück in einen Jüngling zu verwandeln.

Mittsommerfeuer werden ausschließlich mit Eiche entfacht, denn diese war den Donnergöttern heilig und wurde Vesta, der römischen Göttin des Herdes, zugeordnet. (vgl. Brooke 1998: 168ff)

Die Sommersonnenwende ist ein wichtiger Wendepunkt im großen Sonnenrad des Jahres, da die Tage danach wieder kürzer werden und die zweite Hälfte des Jahres beginnt.

3.2.7 Lammas

Lammas ist das erste Erntefest des Jahres und wird am 15. August gefeiert, da in diesem Monat die Natur auf ihrem Höhepunkt der Fruchtbarkeit ist. In früheren Zeiten wurde dieses Fest um den 1. August gefeiert und die Menschen danken an diesem Tag den Göttern für die Ernte, was sie häufig mit verschiedenen Opfergaben für die Gottheiten taten, damit sie die weitere Fruchtbarkeit des Landes sicherstellen.

Die Hexen ehren den Fruchtbarkeitsaspekt in der heiligen Vereinigung der Göttin mit ihrem Gefährten, dem Gehörnten Gott.

Ursprünglicher Weise wurde dieses Fest von den alten Druiden als das Fest von Lughnasadh in Irland und Lughmass im britischen gefeiert. Sie führten an diesem Tag Schutzrituale durch und huldigten dem keltischen Sonnengott Lugh. In anderen vorchristlichen Kulturen wurde Lammas als ein Kornfest und zur Würdigung des Todes des heiligen Königs gefeiert. (vgl. Dunwich 1999: 31) In Bayern wird dieser Tag als Maria Himmelfahrt begangen.

3.2.8 Herbsttagundnachtgleiche

Auf Lammas folgt das zweite Erntefest die Herbsttagundnachtgleiche, es ist der zweite Vierteltag des Jahres und wird am 21. September gefeiert. Mit diesem Fest endet das Hexenjahr. Man feiert die Früchte der Ernte und den Abschied des ergiebigen Som­mers. „Die letzten Gaben wurden als Symbol der Göttin, der Jungfrau und Erntekönigin, verkleidet und auf dem Kaminsims aufbewahrt. Das jüngst Mädchen auf dem Feld schnitt die Garbe und bracht sie zum Erntenachtmahl. Im hohen Nordosten von Schottland heiß sie Cailleach, alte Frau, sie trug ein weißes Kleid mit Umhang und Schal, die mit weißem Heidkraut zusammengebunden war. In ihrer Schürze trug sie ein Brot, Käse und eine Sichel. Sie saß beim Erntefest am Kopfende des Tisches, und die jungen Männer tanzten mit ihr.“ (Brooke 1998: 173ff) Bis heute wird in unseren Breitengraden in jedem Dorf oder jeder Stadt um dieses Datum herum, ein Erntedankfest gefeiert. Dieses christliche Fest findet somit ihren Ursprung in dieser alten Tradition der Herbsttagundnachtgleiche. Denn auch beim christlichen Ernte­dank­fest wird das Ende des Sommers gefeiert und für die reichlichen Gaben aus der Natur gedankt.

3.3 Werkzeuge und Symbole des Hexenkultes

Hexen sind verschiedene Gegenstände für ihre Feste und Rituale sehr wichtig, da sie dem ganzen einen gelungenen Rahmen verschaffen. Im Folgenden werde ich auf einige Werkzeuge eingehen und deren Bedeutung erklären. Weiterhin ist die Symbolik von sehr großer Bedeutung für die spirituelle Welt, deshalb werde ich Licht hinter die Vielfalt verschiedener Zeichen bringen.

3.3.1 Instrumente

Werkzeuge, die für die verschiedenen Rituale gebraucht werden sind beispielsweise das Athame - auch Luftdolch genannt, ein Ritualmesser mit schwarzem oder weißem Griff und einer zweischneidigen Klinge, in das traditionellerweise verschiedene magische und / oder astrologische Symbole eingraviert sind. Es steht für das alte mystische Element der Luft. Dieses symbolisiert die Lebenskraft und wird von Hexen dazu verwendet, um magische Kreise zu ziehen, das Böse oder negative Kräfte auszutreiben, Elementargeister zu kontrollieren und zu bannen und um Energie während eines magischen Rituals zu speichern und zu lenken.

Die Glocke ist eine geweihte Messing- oder Kristallglocke, die eingesetzt wird um den Anfang oder das Ende eines Rituals oder eines Sabbats anzukündigen.

Im „Buch der Schatten“[15], welches auch als „Schwarzes Buch“ bekannt ist werden Zaubersprüche, Rituale und Erfahrungen festgehalten. Es wird Buch der Schatten genannt, da die darin enthaltenen Dinge das geheime Wissen der Hexe darstellen und dieses im Verborgenen bleiben sollte. Darin sind verschiedene Rezepte und Heilwirkungen von Pflanzen zu finden, sowie Träume und andere spirituelle Erfahrungen. ( vgl. Dunwich 1999: 40f)

Der Hexenkessel ist ein kleiner, schwarzer, gusseiserner Topf. Er diente zum Brauen von Tränken, dem Verbrennen von Räucherwerk und dem Aufbewahren von Holzkohle, Blumen, Kräutern oder Steinen.

Neben den bereits genannten Werkzeugen gibt es ebenfalls ein Zeremonienschwert. Dieses verkörpert das Element des Feuers und symbolisiert somit Stärke. Das Zeremonienschwert kann genauso eingesetzt werden, wie die Athame, es kann somit auch die Elementargeiser bannen und folglich vor bösen Geistern schützen. Hexen verwenden einen Kelch - auch heiliger Pokal genannt, in ihren Feierlichkeiten. Er verkörpert das Element des Wassers. Er ist üblicherweise aus Silber und mit verschiedenen magischen Symbolen verziert. Daraus wird Wein oder Wasser getrunken. ( vgl. Dunwich 1999: 40f)

Ein weiterer kurios wirkender Gegenstand ist das Pentakel, es ist eine flache Scheibe, die das Motiv des mystischen fünfzackigen Hexensterns, auch Pentagramm (früher Drudenfuss) genannt, trägt. Es verkörpert das Element der Erde und die weibliche Energie.

Ein anderes wichtiges Utensil für pagane Feste ist der Stab. Er ist eine schmale Rute aus Holz, die aus dem Ast eines Baumes gefertigt wird. Meistens werden die Äste einer Weide[16] dazu benutzt, denn man schreibt diesem Baum magische und heilende Kräfte zu. (Dunwich 1999: 40f)

Andere bedeutsame Reliquien des Hexenkultes sind Kerzen. Sie stehen ebenfalls für das Element des Feuers, sie werden geweiht und in verschiedenen Farben zu unter­schiedlichen Ritualen und Festen angewandt. Rote Kerzen sollen beispielsweise bei Liebeszaubern und blaue bei Zaubersprüchen für die Gesundheit helfen. (vgl. Dunwich 1999: 40ff)

Das Weihrauchgefäß darf nicht fehlen, es symbolisiert das Element der Luft, Weihrauch wird bei jedem Ritual entzündet. Zum einen als Opfergabe für die Göttin und den ‚Gehörnten Gott’, dem männlichen Pendant zur Muttergöttin, und zum anderen um die Luft vor Bösem zu reinigen sowie Gutes herbeizurufen.

Eine Schüssel mit Salz, steht für das Element der Erde und für die Reinigung, diese Schüssel ist ein wichtiger Bestandteil in der paganen rituellen Welt.

Moderne Hexencoven, Zirkel, treffen sich in Ritualgewändern in der Natur oder feiern ihre Feste vollkommen nackt, um der Schöpfung somit näher zu sein. (vgl. Dunwich 1999: 40ff)

2.3.2 Symbole

Nun möchte ich genauer auf die Vielfalt der oft falsch verstandenen Symbole eingehen. Sie sind ein bedeutsamer Teil der religiösen als auch magischen Aspekte des Hexen­tums. Wie in jeder Religion gibt es auch im Paganismus besondere Sinnbilder, im Judentum ist es der Judenstern und im Christentum das Kreuz Jesu.

Von besonderer Bedeutung sind folgende Symbole[17]:

[...]


[1] Für eine Wesensbeschreibung der klassischen Heiden aus ihrem Selbstverständnis heraus scheint die Bezeichnung heute nicht mehr sinnvoll. Zur Selbstbezeichnung wurde der Begriff am Beginn und nochmals am Ende des 20. Jahrhunderts, als im Zuge einer allgemeinen Neubewertung der Natur das Heidentum als Glaubens- und Lebenspraxis wiederentdeckt wurde. Die sogenannten Neuheiden nehmen heidnisches, oftmals animistisches Brauchtum, Rituale, und Traditionen vorchristlicher Kulturen der eigenen Region oder fremder Naturreligionen (Animismus), vor allem der keltischen Überlieferung, unter den Bedingungen heutiger Kultur wieder auf. Sie werden heute noch oft eher der esoterischen Szene (Esoterik) und / oder animistischen Sekten zugeordnet. Im Unterschied zu Stammestraditionen oder tatsächlich traditionell naturreligiösen Kulturen ist das Neuheidentum ein (post)modernes Phänomen mit subkulturellen Zügen (meist) in den westlichen Industrieländern. Allerdings ist seit 1973 heidnische Religion (Asatru) in Island wieder eine staatlich anerkannte Religion. Auch in Norwegen und Dänemark ist Asatru heute offiziell anerkannt.

[2] Die Septuaginta ist die altgriechische Übersetzung des Tanach bzw. des Alten Testaments und die älteste durchgehende Bibelübersetzung überhaupt. Sie ist das Werk hellenistischer Juden aus Alexandria. (www.wikipedia.de)

[3] Der Schamanismus gilt als Ursprung von Religion und Medizin. Schamanen sind zentrale religiöse Funktionsträger ihrer Kulturen. Sie vermitteln in magischer Naturverbundenheit über veränderte Bewußtseinszustände wie Traum, Trance und Ekstase zwischen den Kräften der sichtbaren und unsichtbaren Welt und regulieren so die Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen, Steinen der Erde und der Geisterwelt. (www.schamanismus-information.de)

[4] (Kramer 2000: 7)

[5] Mit dem distanzierten Verhältnis der griechischen Philosophie des 7. bis 4. Jhs. v. Chr. zum 'Mythos' hängt unter anderem die Entwicklung einer 'Mythologie' im strikten Sinne des Wortes zusammen, d. h. die antik-wissenschaftliche Beschäftigung mit den Mythen, welche für deren zentrale Figuren und Geschehnisse 'rationale' Erklärungen zu finden sucht. Der antike Begriff 'Mythologie' in diesem Sinne bedeutet also das gerade Gegenteil von 'Mythos', und auch der gegenwärtige, insbesondere der wissenschaftliche Sprachgebrauch sollte zumindest nicht gedankenlos das eine mit dem anderen Wort gleichsetzen. 'Mythologie' kann jedenfalls auch heute die systematische wissenschaftliche - also etwa anthropologische, ethnologische, religionswissenschaftliche oder historische - Bestandsaufnahme und Untersuchung der 'Mythen' bedeuten, die im Bereich einer Kultur wirksam und in ihrer Überlieferung methodisch erkennbar und darstellbar sind. (www.tu-berlin.de)

[6] Es ist der Kalender unserer germanischen Vorfahren, der in den Wirren der Geschichte unwiederbringlich verloren gegangen ist. Es gibt aber verschiedene Rekonstruktionsversuche dieses Kalenders nach dem Wissen über die Kelten.

[7] Jeder musste an diesem Tag einen Stein in das Feuer werfen und man sagt sich, dass derjenige, der den Stein am nächsten Morgen nicht mehr finden kann, das Feuer im nächsten Jahr nicht mehr erleben würde. Der englische Begriff für dieses Feuer ist „bonfire“. In Irland wird Samhain mit dem keltischen Tara-Fest assoziiert. Jeder, der ein Gewaltverbrechen verübte oder gestohlen hatte, fand den Tod durch das Feuer. Auf diese Weise sollten alle diese Übel gebannt und das neue Jahr willkommen geheißen werden.

[8] Halloween wird am Abend des 31. Oktobers gefeiert. Das ist der Tag vor Allerheiligen und daher stammt auch der Name. "Allerheiligen" heißt auf englisch "All Saints", der Abend davor "All Saints Eve", daraus entstand später "All Hallowmas Eve", was dann wiederum zu "Halloween" wurde.

[9] Anderer Begriff für heidnisch

[10] In Nottinghamshire, in England, wurde eine Kerzen auf die Wiege neben dem Altar gestellt und das Kind, welches von Pfarrer als letztes getauft wurde, schaukelt er im Arm. In diesem christlichen Brauch ist das heidnische Wiedergeburtsritual unver­kennbar verankert. Es erinnert an die Tradition der Keltischen Göttin des Feuers, der Weisheit und Dichtung namens Birgit, die immer zu Imbolc geehrt wird. (vgl. Brooke (1998), Seite 158)

[11] Die Eier wurden mit Naturprodukten wie Zwiebelschalen, Blauholz, gefärbten Stoff­fetzen und Stechginster koloriert .

[12] Die Tage des Osterfestes beginnen mit Gründonnerstag. Warum diesem Tag die Farbe grün zugeordnet wurde weiß bis heute keiner genau, es heißt aber dass die Eier, die die Hühner an diesem Tag legten, als besonders Heilkräftig galten. Sie werden in Bayern bis heute zur Speiseweihe am Ostersonntag zur Messe getragen. (vgl. York (1998), Seite 277ff)

[13] Der Gott Bel / Beli, in manchen Regionen Cetshamain genannt. Beltaine leitet sich von dem Gott ab, hieß früher Bel – Tene und ist ein Feuerfest. (www.beepworld.de)

[14] Demeter ist eine dreifache Muttergöttin aus dem griechisch-kleinasiatischen Raum. Sie ist zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und der Jahreszeiten. Sie ist eine dreifaltige Göttin, d. h. sie tritt in verschiedenen Manifestationen als Jungfrau, Mutter oder alte Frau auf. Andere Namen und Titel von Demetrie waren "Despoina" (Gebieterin), "Daeira" (Göttin), "Gerstenmutter", "Weise der Erde", "Weise des Meeres" und "Überfluss". Ihre Manifestationen sind die Kore (als Jungfrau/Frühjahrsgöttin), Demetrie (als Mutter/Sommer- und Erntegöttin) und Persephone (als Altes Weib/Todes-/Wintergöttin). (www.wikipedia.de)

[15] Es handelt sich um ein leeres Buch, wie ein Tagebuch, in dem die Hexe ihre Rezepte, Zaubersprüche und Erfahrungen festhalten kann.

[16] Die Weide im lateinischen Salix genannt, „kommt als Stauch, aber auch als Baum in ganz Europa vor. Angeblich werden die Bäume bis zu 200 Jahre alt. Die Blütenkätzchen wachsen getrennt nach Geschlecht auf verschiedenen Bäumen. Die Zweige sind wegen ihrer Biegsamkeit bei Korbflechtern beliebt. Der Hauptwirkstoff der Weide, das Salizyl, wird im Körper in Salizylsäure umgewandelt. Diese Säure, auch Bestandteil vieler Medikamente, beispielsweise von Aspirin, wirkt fiebersenkend, entzündungshemmend und schmerzstillend. (Anthea(o.J.), Seite 326)

[17] Zeichnungen 1 dieser Symbole sind im Anhang zu finden: Zeichnung 1 (Dunwich 2000: 47)

Ende der Leseprobe aus 133 Seiten

Details

Titel
Hexen. Die Hintergründe zur Entwicklung des Hexentums
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
133
Katalognummer
V64274
ISBN (eBook)
9783638571425
ISBN (Buch)
9783656774594
Dateigröße
1116 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Entwicklung, Hexentums
Arbeit zitieren
Dana Sadler (Autor), 2005, Hexen. Die Hintergründe zur Entwicklung des Hexentums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64274

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