Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Presse der DDR auseinander. Es soll gezeigt werden, welche Schritte unternommen wurden, um eine parteigerechte Presse zu entwickeln und welche Aufgaben die Presse zu erfüllen hatte. Angefangen wird bei den Grundlagen der Meinungsfreiheit in der Verfassung bis hin zu einzelnen Auflagen für Journalisten und Redakteure. Der wichtigste Punkt ist, dabei zu erläutern wie groß der Einfluss auf die Presse seitens Regierung, Staat und Partei war. Dabei wird auch gezeigt, wie die Presselandschaft der DRR im Einzelnen aussah. Besonders eingegangen wird hierbei auf die Tageszeitungen in der DDR.Mit einer Inhaltsanalyse der zweitauflagenstärksten Tageszeitung der DDR, dem „Neuen Deutschland“, soll festgestellt werden, ob die Beeinflussung durch die Partei so groß war, dass selbst zu einem tragischen Ereignis wie dem Mauerbau in Berlin am 13. August 1961, nur parteikonforme Nachrichten herausgegeben wurden. Mit einem Vergleich zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Grenzberichterstattung herausgearbeitet. Bei der Forschungsliteratur wird hauptsächlich auf die Publikationen von Heinz Pürer/Johannes Raabe und Gunter Holzweißig zurückgegriffen, da diese das Thema der Presse in der DDR sehr ausführlich abgehandelt haben. Vor allem aus der Monographie Holzweißigs „Massenmedien in der DDR“ wird in der weiteren Forschungsliteratur häufig zitiert. Aktuelle Zeitschriftenaufsätze zur erläuterten Themenstellung sind sehr rar. Häufiger dagegen sind Aufsätze über die Zusammenarbeit zwischen ost- und westdeutschen Journalisten nach der Wende (Löffel-holz/Quand 1999) oder über die allgemeine Entwicklung der DDR-Medien in den neuen Bundesländern zu finden (Schneider 2004). [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Pressestruktur der DDR
2.1 Die rechtlichen Grundlagen
2.2 Die politischen Lenkungsmaßnahmen
2.3 Weitere Formen der Presselenkung und Kontrolle
2.4 Die Aufgaben der Presse
2.5 Die Presselandschaft in der DDR
3. Inhaltsanalyse des Zenralorgans „Neues Deutschland“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“
3.1 Untersuchungsobjekte und Untersuchungsmethode
3.2 Ergebnisse der Analyse
3.2.1 Inhalte des „Neuen Deutschland“
3.2.2 Inhalte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“
3.2.3 Vergleich von beiden Zeitungen
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der staatlichen und parteipolitischen Lenkung auf die Presse in der DDR. Anhand einer vergleichenden Inhaltsanalyse des SED-Zentralorgans „Neues Deutschland“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zum Mauerbau 1961 wird analysiert, inwieweit das Ziel der parteikonformen Berichterstattung erreicht wurde.
- Strukturen und Kontrollmechanismen der DDR-Presse
- Rechtliche Grundlagen und politische Lenkungsmaßnahmen
- Die Rolle der Presse als Propaganda-, Agitations- und Organisationsinstrument
- Vergleichende Analyse der Grenzberichterstattung am 13. August 1961
- Untersuchung von Sprachgebrauch und journalistischer Freiheit in der DDR
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Vergleich von beiden Zeitungen
Die auffälligste Erkenntnis beim Vergleich der Berichterstattung von beiden Zeitungen ist, dass im ND alle Artikel positiv dargestellt werden, während in der FAZ alle Artikel negativ konnotiert oder neutral sind.
Zitate aus internationalen Zeitungen kommen auf beiden Seiten vor, beim ND werden sie völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Beide Zeitungen zitieren aus der Londoner „Times“, dem „Guardian“ und dem „Daily Herald“. Beim direkten Vergleich wird deutlich, dass die entscheidenden Textpassagen, die gegen eine Grenzschließung sind, bei der FAZ abgedruckt werden. Beim ND hingegen werden die Stellungnahmen der Zeitungen verdreht wiedergegeben und durch Zitatausschnitte mit nur wenigen Worten oder Satzteilen ergänzt.
Diese Verdrehung der Tatsachen des ND werden bei einem weiteren Punkt deutlich. Die FAZ zum Beispiel berichtet von Flüchtlingen aus Ostberlin, die mit Mühe und Not in den Westen gekommen sind. Auf der anderen Seite wird beim ND von „Opfern des Menschenhandels“ gesprochen, die von den „Menschenhändlern“ aus dem Westen entführt wurden.
Wie in 3.2.1 erwähnt, wurde den Stellungnahmen und Leserbriefen der DDR-Bürger im ND viel Gewicht beigemessen. In der FAZ wurden zu diesem Thema keine Leserbriefe abgedruckt. Dabei fällt auf, welchen Stellenwert die Agitation als Aufgabe der Presse im ND hatte. Durch die gezielte Auswahl von den vielen positiven Meinungen und die immer wieder auftretenden Wendungen „Schutz“, „Frieden“ und „Sicherheit“ sollte die gesamte Leserschaft davon überzeugt werden, dass es sich bei der Grenzschließung wirklich um ein positives Ereignis handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der parteigesteuerten Presse in der DDR ein und formuliert die Zielsetzung der vergleichenden Inhaltsanalyse zum Mauerbau.
2. Die Pressestruktur der DDR: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen, die staatlichen Kontrollinstanzen und die ideologischen Aufgaben der Presse im sozialistischen System.
3. Inhaltsanalyse des Zenralorgans „Neues Deutschland“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: Dieser Abschnitt beschreibt die methodische Vorgehensweise und präsentiert die Ergebnisse des direkten Vergleichs der Berichterstattung vom 15. August 1961.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Effektivität der staatlichen Lenkungsmaßnahmen auf die Wahrnehmung der Leser.
Schlüsselwörter
DDR-Presse, SED, Neues Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Mauerbau, Inhaltsanalyse, Propaganda, Agitation, Medienlenkung, Zensur, Pressefreiheit, Massenverbundenheit, Ost-West-Vergleich, Journalismus, DDR-Verfassung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Strukturen, Funktionen und den Einfluss der staatlichen Lenkung auf die DDR-Presse anhand eines konkreten historischen Ereignisses.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die staatliche Kontrolle, die ideologischen Aufgaben der Presse und den Vergleich zwischen staatsgelenkten ostdeutschen und westdeutschen Medien.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob die Beeinflussung durch die SED so stark war, dass selbst bei kritischen Ereignissen wie dem Mauerbau ausschließlich parteikonforme Informationen publiziert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine vergleichende Inhaltsanalyse der Tageszeitungen „Neues Deutschland“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 15. August 1961 durchgeführt.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert sowohl die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Presse in der DDR als auch die spezifische Berichterstattung der beiden gewählten Zeitungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Wichtige Begriffe sind DDR-Presse, SED, Mauerbau, Propaganda, Medienlenkung und Inhaltsanalyse.
Wie wurde die Arbeit der DDR-Journalisten konkret kontrolliert?
Journalisten unterlagen einer strengen Lizenzpflicht, wöchentlichen Weisungen des ZK, einer Nachzensur und der Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS).
Welche Rolle spielte die Zeitung „Neues Deutschland“ innerhalb der DDR-Presselandschaft?
Als zentrales Organ der SED diente das „Neues Deutschland“ als inhaltliches und formales Vorbild, an dem sich alle anderen Zeitungen in der DDR orientieren mussten.
Welche Rolle spielen Leserbriefe laut der Analyse im „Neues Deutschland“?
Leserbriefe wurden im ND gezielt als Instrument der Agitation genutzt, um die Unterstützung der Bevölkerung für den Mauerbau zu inszenieren und die Linie der Partei zu legitimieren.
- Citar trabajo
- Maria Siegmeier (Autor), 2006, Zur Thematisierung der Presse in der DDR - Mit einer Inhaltsanalyse des "Neuen Deutschland" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zum Mauerbau 1961, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64317