Die negative Verstärkung ist einer der Grundbegriffe des instrumentellen Lernens. Unter instrumentellen Verhalten versteht man ein Verhalten, welches Instrument oder Mittel ist, um eine bestimmte Konsequenz zu erwirken. Diese eingetretene Konsequenz entscheidet über nachfolgendes Verhalten. Dieser Zusammenhang zwischen dem Verhalten und der Konsequenz wird als Kontingenz bezeichnet.
Man unterscheidet vier Arten des instrumentellen Lernens: positive Verstärkung, negative Verstärkung, Bestrafung und Löschung, wobei man mit positiver und negativer Verstärkung den Aufbau und mittels Bestrafung und Löschung den Abbau eines Verhaltens erwirken kann.
Außerdem grenzt man mehrere Arten von Konsequenzen voneinander ab: positive Verstärkung, negative Verstärkung, positive Bestrafung sowie negative Bestrafung.
Die Begriffe “positiv“ und “negativ“ meinen jeweils die Darbietung oder Auftreten bzw. Entzug oder Verschwinden einer Konsequenz. Damit soll keine Wertung vorgenommen werden
In meinen Ausführungen möchte ich näher auf die negative Verstärkung eingehen.
Aus dem Inhalt:
-Begriffsbestimmung
-Formen negativer Verstärkung
-Zwang
-Angst, Aggression, Ingratiation
-Angst- und Vermeidungsverhalten
-Gelernte Hilflosigkeit
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsbestimmung
1.1.Terminologisches Problem
2. Formen negativer Verstärkung
2.1. Fluchtlernen (Flucht- und Abschaltverhalten)
2.2. Vermeidungslernen (Ausweich- und Vorbeugungsverhalten)
3. Zwang
4. Angst, Aggression, Ingratiation
5. Angst- und Vermeidungsverhalten
6. Gelernte Hilflosigkeit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen der negativen Verstärkung im Kontext des instrumentellen Lernens. Das primäre Ziel ist es, die Wirkungsweise dieses Lernprinzips sowie seine Auswirkungen auf menschliches Verhalten in Alltag und Schule theoretisch zu fundieren und anhand relevanter Fallbeispiele zu veranschaulichen.
- Grundlegende Definitionen der negativen Verstärkung und Abgrenzung von Bestrafung.
- Unterscheidung von Flucht- und Vermeidungslernen.
- Analyse von Zwangssituationen als Form des Lernens.
- Zusammenhang zwischen Angst, Aggression und Ingratiation.
- Die Zweifaktoren-Theorie der Angstvermeidung und das Phänomen der erlernten Hilflosigkeit.
Auszug aus dem Buch
1. Begriffsbestimmung
“Ereignisse, die die Reaktion eines Organismus festigen können, wenn sie in kontingenter Beziehung auftreten, werden Verstärker genannt. Verstärker werden immer empirisch definiert – durch ihre Wirkung auf die Auftretenswahrscheinlichkeiten von Verhaltensweisen (Reaktionen).“ (Zimbardo, 1999)
Wenn ein Reiz, der vermieden, entfernt oder in seiner Intensität vermindert wird, die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Reaktion ansteigen läßt, so wird er als negativer Verstärker bezeichnet.
Man sollte beachten, daß man negative Verstärkung nicht mit Bestrafung verwechseln darf. Bestrafung ist die aversive Konsequenz, die einem Verhalten folgt. Sie führt nämlich zu einer Verminderung der Auftretenswahrscheinlichkeit, d.h. Schwächung oder Unterdrückung des betreffenden Verhaltens.
Ein gutes Beispiel für das Aufrechterhalten einer Verhaltensweise durch negative Verstärkung ist die Verwendung eines Schirmes bei schlechtem Wetters. Die negative Verstärkung - das Naßwerden – wird dadurch vermieden, daß man einen Schirm aufspannt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hier werden die Grundlagen des instrumentellen Lernens sowie die Bedeutung der Begriffe „positiv“ und „negativ“ im Kontext der Verstärkung erläutert.
1. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert Verstärker empirisch und grenzt negative Verstärkung klar vom Konzept der Bestrafung ab.
1.1.Terminologisches Problem: Hier wird diskutiert, wie umgangssprachliche Missverständnisse das Verständnis negativer Verstärkung erschweren, insbesondere in sozialen Zwangssituationen.
2. Formen negativer Verstärkung: Dieses Kapitel führt das Schema des Flucht- und Vermeidungslernens ein.
2.1. Fluchtlernen (Flucht- und Abschaltverhalten): Beschreibt, wie ein Individuum durch Handeln einer unmittelbar aversiven Situation entkommt.
2.2. Vermeidungslernen (Ausweich- und Vorbeugungsverhalten): Erläutert, wie durch Signalreize drohende aversive Ereignisse proaktiv verhindert werden.
3. Zwang: Untersucht Zwang als eine häufige Art des Lernens in sozialen Situationen, bei der Angst als Motivator dient.
4. Angst, Aggression, Ingratiation: Analysiert verschiedene Arten der Aggression und einschmeichelndes Verhalten (Ingratiation) als Strategien zur Angstreduktion.
5. Angst- und Vermeidungsverhalten: Stellt die Zweifaktoren-Theorie vor und erklärt, wie Vermeidungsverhalten löschungsresistent wird.
6. Gelernte Hilflosigkeit: Erläutert anhand von Tierexperimenten, wie die Unkontrollierbarkeit aversiver Ereignisse zu passivem Verhalten führt.
Schlüsselwörter
Negative Verstärkung, instrumentelles Lernen, Fluchtlernen, Vermeidungslernen, Zwang, Angst, Aggression, Ingratiation, Zweifaktoren-Theorie, gelernte Hilflosigkeit, aversive Reize, Kontingenz, Eindrucksmanagement, Verhaltensaufbau, Bestrafung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den lerntheoretischen Grundlagen der negativen Verstärkung innerhalb des instrumentellen Lernens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen Begriffsdefinitionen, verschiedene Lernformen wie Flucht- und Vermeidungslernen, soziale Lernprozesse durch Zwang sowie die Verknüpfung von Angst und aggressivem bzw. ingratiativem Verhalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirkungsweise der negativen Verstärkung theoretisch zu erklären und die Relevanz dieser Lernform anhand von Beispielen aus dem Alltag und dem schulischen Umfeld aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung lerntheoretischer Konzepte (u.a. nach Zimbardo, Fürntratt, Edelmann) auf spezifische Verhaltensbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen des Flucht- und Vermeidungslernens, die psychologische Dynamik von Zwang und Angst sowie komplexe Phänomene wie die erlernte Hilflosigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie negative Verstärkung, Angstreduktion, Instrumentelles Lernen und Vermeidungsverhalten charakterisiert.
Wie unterscheidet sich negative Verstärkung von Bestrafung laut Autorin?
Negative Verstärkung dient dem Aufbau eines Verhaltens, um einen aversiven Reiz zu vermeiden, während Bestrafung den Abbau eines Verhaltens durch aversive Konsequenzen zum Ziel hat.
Was genau versteht man unter dem Begriff „Ingratiation“?
Ingratiation bezeichnet ein „Einschmeichelverhalten“, bei dem eine Person Taktiken einsetzt, um sich in einem Abhängigkeitsverhältnis attraktiver zu machen oder bestimmte Ziele zu erreichen.
Warum ist die „gelernte Hilflosigkeit“ ein kritisches Phänomen?
Sie beschreibt einen Zustand, in dem ein Individuum nach Erfahrung unkontrollierbarer aversiver Reize resigniert und selbst dann keine Fluchtversuche mehr unternimmt, wenn dies möglich wäre.
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- Katrin Niemann (Author), 2000, Negative Verstärkung im instrumentellen Lernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6435