Inhaltlich werden folgende Themen betrachtet:
Grundzüge der russischen Sonderpädagogik
Krise der russischen Sonderpädagogik
Tendenzen zur Überwindung der Krise
Zur Situation der sonderpädagogischen Einrichtung in der Stadt Perm
Die Schüler
Die Mitarbeiter
Ausblick für Perm
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge der russischen Sonderpädagogik
2.1. Krise der russischen Sonderpädagogik
2.2. Tendenzen zur Überwindung der Krise
3. Zur Situation der sonderpädagogischen Einrichtung in der Stadt Perm
3.1. Die Schüler
3..2. Die Mitarbeiter
4. Ausblick für Perm
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Transformationsprozess des russischen sonderpädagogischen Systems unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Perm. Im Fokus steht dabei die Analyse der systemimmanenten Krise der Nachwendezeit sowie die Darstellung aktueller Reformbestrebungen, die von einer starren, klinisch geprägten Defektologie hin zu einer kindorientierten Sonderpädagogik führen sollen.
- Historische Entwicklung und systemische Krise der russischen Sonderpädagogik
- Die Rolle der Wissenschaft und Bildungspolitik bei der Reform von Förderstrukturen
- Fallbeispiel Perm: Implementierung neuer Bildungsmodelle und Ausgleichsklassen
- Herausforderungen durch sozioökonomische Faktoren und den demografischen Wandel im pädagogischen Personal
- Integrative Tendenzen und internationale Kooperationsprojekte
Auszug aus dem Buch
2.1. Krise der russischen Sonderpädagogik
1995 stellte Malofeev, Leiter des Forschungsinstitutes für Korrektiverziehung (früher wissenschaftliches Forschungsinstitut für Defektologie an der APW), fest, dass der Zustand des Systems der Sonderpädagogik der 90er Jahre als Krise des staatlichen Systems der sonderschulischen Bildung und als Krise der Korrektionspädagogik als Wissenschaft charakterisiert werden muss.
Aus den historischen Entwicklungsbedingungen können daher folgende Merkmale der Krise skizziert werden:
1. In der Tradition der russischen Defektologie wurde davon ausgegangen, dass Behinderungen immer durch pathologische Störungen, Defekte bedingt sind; die sozialen Ursachen wurden weitgehend ignoriert. „Die kommunistische Ideologie zeichnete ein Bild einer glücklichen, gesunden Gesellschaft, in welches Behinderte nicht hineinpaßten“ (Perm, 1994). Die einseitige klinische Auslegung von Behinderung bis hin zur Verdrängung von Behinderung aus dem gesellschaftlichen Bewußtsein prägten die Einstellung der Bevölkerung und der Spezialisten.
2. Kinder mit Entwicklungsabweichungen waren ausschließlich Gegenstand der staatlichen Fürsorge und damit stark separiert in großen Internatseinrichtungen untergebracht. Die Folgen dieser Separierung sind in ihrem gesamten Ausmaß noch nicht absehbar, Malofeev und Korkunov nannten unabhängig voneinander folgende:
- durch die Separierung wurde in der Bevölkerung das Bewußtsein geschaffen, dass Behinderung keinen Platz im Leben der Gesellschaft hat;
- durch die Zentralisierung der sonderpädagogischen Einrichtungen wurde die regionale Bildungspolitik kaum mit dem Problem der Behinderung konfrontiert, so konnte auch keine Kompetenzen im Umgang mit Behinderung erwerben;
- durch die zentralisierte staatliche Fürsorge geben Eltern ihre Kinder mit Behinderungen in die staatlichen Internate, ein Leben mit diesen Kindern fand kaum statt;
- durch die wenigen zentralen Internatseinrichtungen – sicher auch der Größe des Landes geschuldet – und der geringen Akzeptanz von Behinderung, gab es nur wenig ausgebildete Experten. Nur 9% der Lehrer an Sonderschulen in Russland hatten 1998 eine sonderpädagogische Qualifikation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Kontext der russischen Sonderpädagogik seit 1993 und begründet die Themenwahl unter besonderer Berücksichtigung der Situation in Perm.
2. Grundzüge der russischen Sonderpädagogik: Dieses Kapitel analysiert die systemische Krise des Fachbereichs und stellt Ansätze zur Modernisierung sowie die staatliche Einteilung der Förderbedarfe vor.
3. Zur Situation der sonderpädagogischen Einrichtung in der Stadt Perm: Der Abschnitt bietet eine empirische Bestandsaufnahme der Schülerschaft und der personellen Ressourcen in Perm.
4. Ausblick für Perm: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Reformbemühungen zusammen und benennt die ökonomischen Hürden für eine moderne integrative Schulentwicklung.
Schlüsselwörter
Sonderpädagogik, Russland, Defektologie, Korrektionspädagogik, Perm, Ausgleichsklassen, Kompensationsklassen, Inklusion, Transformationsprozess, Bildungspolitik, Internatsschulen, Sonderpädagogische Förderung, Reform, Schulentwicklung, Förderbedarf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Zustand des russischen sonderpädagogischen Systems in der Zeit nach dem Umbruch, mit einem spezifischen Fokus auf die Region Perm.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Krise der Defektologie, die Umgestaltung der sonderpädagogischen Bildungslandschaft und die Herausforderungen bei der Implementierung moderner Förderkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Einblick in das russische System der Sonderpädagogik zu geben und aufzuzeigen, wie durch regionale Projekte und internationale Zusammenarbeit Reformen angestoßen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und auf die Auswertung regionaler Daten sowie Beobachtungen aus dem Austausch mit Wissenschaftlern und Praktikern in Perm.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Krise der Korrektionspädagogik, die Definition neuer Förderstrukturen (Typ 1 bis 8) und die konkrete Situation der Einrichtungen, Schüler und Lehrkräfte in Perm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sonderpädagogik, Reformprozess, integrative Modelle und das Fallbeispiel Perm charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die neue Fachsprache von der alten?
Während in alten Dokumenten die starre klinische Klassifizierung nach Behinderungsarten dominierte, rückt zunehmend der Begriff der „Kinder mit speziellen Bedürfnissen“ (SEN) in den Vordergrund, was ein kindorientiertes Menschenbild widerspiegelt.
Welche Rolle spielt die ökonomische Lage für die Sonderpädagogik?
Die ökonomische Situation wird als dramatisch beschrieben; sie behindert die Reformen massiv, da selbst grundlegende Ressourcen wie Lehrmittel oder angemessene Entlohnungen oft nicht sichergestellt werden können.
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- Katrin Niemann (Author), 2001, Sonderpädagogik in Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6436