Unternehmensethik in ambulanten Pflegeeinrichtungen


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Dimensionen der ambulanten Pflege
2.1 Die ambulante Pflege in Zahlen
2.2 Ambulante vor stationärer Pflege

3. Der unternehmensethische Ansatz
3.1 Pflegebetriebe sind Wirtschaftsbetriebe
3.2 Wirtschaftsethische Intervention
3.3 Integrative Unternehmensethik

4 Pflegeethik
4.1 Kontextuelle Ethik in der ambulanten Pflege 09 a) Empathie
b) Solidarität
c) Kooperation
d) Kommunikation
e) Sorge

5 Unternehmensethische Spannungsfelder in der ambulanten Pflege
a) Spannungsfeld Fortbildung
b) Spannungsfeld Mitarbeiter
c) Spannungsfeld Respekt
d) Spannungsfeld Sozialarbeit

6 Motive für unternehmensethisches Handeln

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ethisch denkende Menschen waren von jeher Bestandteil einer jeden Gesellschaft. Sie prägten im Laufe der Menschheitsgeschichte unser heutiges Bild von Gut und Schlecht. Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten immer mehr zusammengerückt, und so haben sich Wissens- und Erfahrungsaustausch intensiviert. So ist auch die Unternehmensethik nach Deutschland gekommen. Nach vielen Skandalen in Unternehmen und Gesellschaften drängt sich die Frage auf, ob eine Unternehmensethik hierzulande Anwendung finden sollte. Aber nicht nur Wirtschaftsbetriebe, die einen Ruf verloren haben, könnten davon Gebrauch machen. Alle anderen Betriebe hätten die Möglichkeit an ethischen Vorgaben in ihrem äußeren und inneren Erscheinungsbild zu wachsen um so gegenüber ihren Kunden, den Mitarbeitern und der Umwelt gerecht aufzutreten.

Diese Hausarbeit soll prüfen ob und in welchem Rahmen Unternehmensethik in der ambulanten Pflege Anwendung finden könnte. Neben unternehmensethischen Gedanken könnte eine weitere wichtige Säule, die der kontextuellen Ethik von Nutzen sein.

Hierbei sollen aber auch Spannungsfelder aufgezeigt werden, die unter Umständen dem Gewinnstreben eines Unternehmens entgegen laufen, da in diesen Überlegungen ein finanzieller Mehraufwand für die unternehmensethische Praxis mit berücksichtigt werden muss. Allerdings sollen in diesem Rahmen keine betriebswirtschaftlichen Theorien aufgestellt oder überprüft werden. Genauso wenig geht es um eine Sichtweise aus dem Qualitätsmanagement.

Vielmehr soll da, wo es Not tut, eine sensible und respektvolle Pflege Raum finden. In solchen Unternehmen, in denen Klienten mit der Durchführung der Pflegetätigkeiten zufrieden sind, soll geprüft werden, ob es Verbesserungen über die üblichen Pflegestandards hinaus geben kann.

Durch seine vierjährige Tätigkeit als Pflegekraft in einer Berliner Pflegestation hat der Autor Einblicke gewonnen, die ihm die bestehende Problematik im Berufsleben näher gebracht hat. Aufgrund dieser Erfahrungen sollen sich ethische Aspekte in einer durchführbaren Handlungsebene wieder finden.

Das Fazit beschäftigt sich mit einer Selbstreflexion kontextueller Ethik im ambulanten Pflegealltag.

2. Die Dimensionen der ambulanten Pflege

2.1 Die ambulante Pflege in Zahlen

Ambulante Pflege ist keine Randerscheinung. Im Jahre 2001 wurden in Deutschland eineinhalb Millionen Menschen zuhause gepflegt. Mit professioneller Pflege von 400.000 Menschen waren Pflegebetriebe beschäftigt. Durch die linear ansteigende Lebenserwartung ist sicher davon auszugehen, dass die Zahl der Pflegenden kontinuierlich ansteigen wird. „Der Altenquotient der Deutschen - die Zahl der über 60-Jährigen auf 100 Menschen im Alter von 20 bis 60 - wird sich bis 2030 nahezu verdoppeln, und zwar von 44,3 im Jahre 2002 auf 46 im Jahre 2010, 54,8 im Jahre 2020 und 70,9 im Jahre 2030[1]. Es darf angenommen werden, dass die ambulante Pflege in den kommenden Jahren erhebliche Patientenzuwächse erhält.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]
Stand: 11.2004 [2]

2.2 Ambulante vor stationärer Pflege

Bei Betrachtung der Zahlen fällt auf, dass mehr als doppelt so viele Menschen zuhause gepflegt werden und nicht in Altenheimen. Dies hat verschiedene Gründe, von denen die gravierenden Pflegemängel in den Heimen die wichtigsten sind. Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen fürchten sich vor der „schlechten Behandlung“ in einem Pflegeheim. Diese Einrichtungen leiden besonders unter den „Leistungsbegrenzungen“ durch die Krankenversicherungen[3]. Nur am Rande seien hier die Erfahrungen des verdeckt ermittelnden Pflegers, Markus Breitscheidel, erwähnt, die er in seinem Buch „Abgezockt und totgepflegt“ zusammengefasst hat.[4] Pflegebedürftige sind in der Konsequenz durch knappe Personalbemessung, das Fehlen von gerontopsychiatrischem Fachpersonal und dem Mangel an therapeutischen und pflegerischen Materialien die Leidtragenden.[5]

Mit der Annahme von Diensten einer ambulanten Pflegeeinrichtung wählen pflegebedürftig gewordene Klienten aus ihrer Sicht wahrscheinlich meist das „kleinere Übel“ um einem Leben im Heim zu entgehen. Daher erwarten sie mit dieser Entscheidung auch eine zufrieden stellende Pflege.

Einen weiteren Grund für die vorrangige Wahl der Pflegenden im eigenen Heim hat der Gesetzgeber mit dem Prinzip des Vorranges Ambulanter vor stationärer Pflege (§ 3 SGB XI) geschaffen.

3. Der unternehmensethische Ansatz

3.1 Pflegebetriebe sind Wirtschaftsbetriebe

Aufgrund dieser Tatsache ist es für den ambulanten Pflegebetrieb notwendig, Gewinne zu erzielen. Dies erklärt sich nach dem ökonomischen Prinzip, dass mit gegebenem Faktoreinsatz [Pflegefachkraft] ein möglichst hoher Produktionsertrag erreicht werden soll (Maximumsprinzip).[6] Ähnlich, wie in anderen Wirtschaftsunternehmen, wird eine Dienstleistung erbracht, für die im Gegenzug eine Bezahlung erfolgt. Die Bezahlung erfolgt über die Pflegeversicherung. Zusatzleistungen müssen vom Klienten extra bezahlt werden.

Auf die Nachfrage nach ambulanter Pflege wurde reagiert. Zahllose Pflegebetriebe entstanden seit Einführung der Pflegeversicherung, 1996. Eine Marktlücke war entdeckt, mit der Geld zu verdienen war. Dabei blieben ethische Grundsätze manchmal auf der Strecke. Zum einen, weil sich die Betreiber ambulanter Pflegedienste mit den betriebswirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten nicht auskanten - da wurden dann andere Prioritäten gesetzt als „gute Pflege“. Zum anderen weil die Möglichkeit, hohe Gewinne zu machen, existierte.

Um höhere Gewinne zu erreichen, werden Pflegekräfte in solchen Betrieben zu einer „schnelleren“ Arbeit angehalten, um damit möglichst viele Klienten zu versorgen. Damit lassen sich insgesamt mehr Leistungen abrechnen. Ob diese dann auch immer durchgeführt werden, sei zweifelnd dahingestellt.

Eine solche Überbeanspruchung der Pflegekräfte bleibt jedoch nicht ohne Folgen. Durch diese Art von Personalrationierung sinken für die Pflegefirma die aufzubringenden Kosten und die Gewinne steigen, doch durch eine ständige allgemeine Unzufriedenheit kommt es zu einer hohen Mitarbeiter- und Klientenfluktuation.

Überbelastung von Pflegekräften bedeuten Pflegemängel, Vernachlässigung, Gewalt etc.[7] Eine im Jahr 2001 durchgeführte Fremdeinschätzung ergab, dass über 50% der Pflegenden von ambulanten Pflegeeinrichtungen überbelastet sind.[8] Eine alarmierend hohe Zahl. Die Beschreibung der Qualitätsmängel und Regelungsdefizite der Qualitätssicherung in der ambulanten Pflege ließe sich beliebig weiterführen.[9]

Pflege hat mit moralischem Handeln zu tun. Der Wunsch, „gute“ Pflege durchzuführen, mag bei den meisten Pflegenden Anspruch sein, wird aber von vielen außer Acht gelassen, wenn Zeitdruck, Unterbezahlung und fehlende Anerkennung den Berufsalltag ausmachen.

[...]


[1] vgl. Schirrmacher 2004, S. 41

[2] Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung, Pflegebedürftige und ihre Versorgung

[3] Vgl. Dibelius (2003b), S

[4] Vgl. Breitscheidel, Markus (2005)

[5] Vgl. Dibelius (2006)

[6] Vgl. Luckenbach (1994), S. 23

[7] Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2001), S. 104

[8] Vgl. im Folgenden: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2001), S. 253

[9] An dieser Stelle sei für weitere Informationen auf den entsprechenden Band verwiesen, der im Auftrage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entstanden ist.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Unternehmensethik in ambulanten Pflegeeinrichtungen
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V64367
ISBN (eBook)
9783638572057
ISBN (Buch)
9783638767187
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmensethik, Pflegeeinrichtungen
Arbeit zitieren
Alexander Weber (Autor), 2006, Unternehmensethik in ambulanten Pflegeeinrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64367

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