Am 14. Juli dieses Jahres beschloss die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf, durch den die Eigenheimzulage für Neuverträge vom kommenden Jahr an komplett gestrichen werden soll. Dies löste den zu erwartenden Protest der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter des Baugewerbes aus, die negative wirtschaftliche Folgen für den Bausektor befürchten. Umweltverbände begrüßten die Streichung dieser Subvention hingegen, da diese ohnehin nur die zunehmende Flächenversiegelung und Zersiedelung der ländlichen Gebiete fördere. Der Eigenheimzulage wird also eine Wirkung unterstellt, deren Folgen unterschiedlich bewertet werden. So soll sie die Entstehung von Eigenheimen fördern, womit eine Ausdehnung der Siedlungen im Umland der Ballungszentren verbunden ist. Doch ob diese Einzelsubvention wirklich zusätzliche Bautätigkeit erzeugt und somit einen Effekt auf die Siedlungsexpansion hat, ist offen. Im Folgenden sollen nicht die Wirkungen dieser Einzelsubvention evaluiert werden. Vielmehr geht es um die Frage, ob der Prozess der Stadt-Umland-Wanderung überhaupt steuerbar ist. Dies erfordert zunächst eine Begriffsbestimmung und die Betrachtung des Prozesses der Suburbanisierung. Im dritten Kapitel werden dann die Ursachen der Stadt-Umland-Wanderung dargestellt. Anschließend wird die Entwicklung in Deutschland aufgezeigt. Diese beginnt mit der Industrialisierung Preußens im 19. Jahrhundert und endet im heutigen wiedervereinigten Deutschland. Im fünften Kapitel werden die ökonomischen, soziostrukturellen und ökologischen Folgen des Suburbanisierungsprozesses thematisiert. Die daraus resultierenden Probleme erfordern Gegenmaßnahmen. Eine Auswahl von sinnvollen Möglichkeiten der Gegensteuerung wird abschließend präsentiert und im Einzelnen erläutert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Suburbanisierung
2.1 Formen der Suburbanisierung
2.2 Sonderformen der Suburbanisierung
3. Die Ursachen der Suburbanisierung
4. Die Entwicklung der Suburbanisierung in Deutschland
4.1 Von der Industrialisierung bis zur Nachkriegszeit
4.2 Die 60er und 70er Jahre
4.3 Die 80er und 90er Jahre
4.4 Die Entwicklung in Ostdeutschland
5. Die Folgen und Probleme des Suburbanisierungsprozesses
5.1. Die ökonomischen Folgen
5.2 Die soziostrukturellen Folgen
5.3 Die ökologischen Folgen
6. Gegensteuerungsmöglichkeiten
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der Suburbanisierung in Deutschland, wobei insbesondere die Frage im Mittelpunkt steht, ob und inwieweit die Stadt-Umland-Wanderung der Bevölkerung steuerbar ist. Dabei werden die historischen Entwicklungslinien, die zugrunde liegenden Ursachen sowie die ökonomischen, soziostrukturellen und ökologischen Konsequenzen für die betroffenen Stadtregionen analysiert, um abschließend Möglichkeiten einer gezielten Gegensteuerung zu identifizieren.
- Grundlagen und Definitionen des Suburbanisierungsbegriffs.
- Historische Entwicklung der Suburbanisierung von der Industrialisierung bis in die Gegenwart.
- Analyse der spezifischen Prozesse in Ost- und Westdeutschland.
- Darstellung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen für Kernstädte und Umland.
- Entwicklung und Bewertung von Strategien zur stadtregionalen Gegensteuerung.
Auszug aus dem Buch
4.1 Von der Industrialisierung bis zur Nachkriegszeit
Wenn man die zeitliche Entwicklung der Suburbanisierung in Deutschland beschreiben will, steht man zunächst vor der Frage, wann dieser Prozess eigentlich begann. Erste Frühformen entwickelten sich bereits in der Zeit vor den beiden Weltkriegen. In Preußen setzte im 19. Jahrhundert ein starkes Städtewachstum ein. Dies wurde hauptsächlich durch die Industrialisierung ausgelöst. Vor 1840 waren die Städte zwar wichtige Handels- und Kulturzentren, ihre Bevölkerungsanzahl war aber relativ klein (vgl. Aring 1999: 60). Im Zuge der Industrialisierung stieg in den betroffenen Städten der Bedarf an Arbeitskräften stark an. Dieser konnte nur durch Migration gedeckt werden. Infolgedessen strömten Zuwanderer in die industriellen Wachstumszentren und lösten einen enormen Anstieg der Stadtbevölkerung aus. Dieser erreichte zwischen 1840 und 1910 seinen Höhepunkt. Bis 1910 hatten 48 Städte mehr als 100.000 Einwohner (vgl. Aring 1999: 60). Die öffentliche Hand hielt sich planerisch bei der Ausweitung der Städte eher zurück (vgl. Aring 1999: 60), was nicht ohne Folgen für die neu entstehenden Wohngebiete blieb.
Beispielhaft sind die für den Berliner Raum typischen Mietskasernen, eine hoch verdichtete und dadurch ertragreiche Bauweise. Ein anderer städtebaulicher Entwicklungspfad wurde in jener Zeit im Ruhrgebiet betreten. Der Kolonie- und Werkswohnungsbau zeichnete sich im Gegensatz zu den engen Mietskasernen durch seine aufgelockerte Bauweise aus. Er entstand allerdings auch aus unternehmerischem Kalkül heraus (vgl. Aring 1999: 62). So war Werksbezogenheit eine zentrale Eigenschaft jener Erweiterung vorindustrieller Städte durch Industrie- und Wohnquartiere. Ähnlichkeiten zwischen dem letztgenannten Typus der Stadtexpansion und der heutigen Umlandurbanisierung sind dabei durchaus erkennbar (vgl. Aring 1999: 60). Die Erfindung der Eisenbahn und deren Aufstieg zum Massenverkehrsmittel im 19. Jahrhundert ermöglichten erstmals Pendelverkehr zwischen Stadt und Umland. Dadurch wurde die Besiedlung des ländlichen Raumes gefördert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Suburbanisierung, insbesondere im Kontext aktueller wohnungspolitischer Debatten, und definiert das Ziel der Arbeit: die Untersuchung der Steuerbarkeit der Stadt-Umland-Wanderung.
2. Zum Begriff der Suburbanisierung: Dieses Kapitel definiert Suburbanisierung als Prozess der Verlagerung von Bevölkerung und Nutzungen aus dem Stadtkern in das Umland und unterscheidet verschiedene Formen wie Wohn-, Industrie- und Dienstleistungssuburbanisierung.
3. Die Ursachen der Suburbanisierung: Hier werden die Haupttreiber des Prozesses identifiziert, insbesondere der steigende Flächenbedarf, der Bedeutungsverlust physischer Nähe sowie niedrige Bodenpreise im Umland.
4. Die Entwicklung der Suburbanisierung in Deutschland: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick, von den Anfängen der Industrialisierung über die Nachkriegszeit, den Boom der 60er und 70er Jahre bis zu den spezifischen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung.
5. Die Folgen und Probleme des Suburbanisierungsprozesses: Es werden die negativen Auswirkungen analysiert, wobei zwischen ökonomischen Problemen (Steuerverluste), soziostrukturellen Folgen (Segregation) und ökologischen Belastungen (Verkehrsaufkommen, Flächenverbrauch) differenziert wird.
6. Gegensteuerungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel stellt konkrete Lösungsansätze vor, darunter die Optimierung der innerstädtischen Raumnutzung, den Ausbau des ÖPNV und eine stärkere stadtregionale Kooperation.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der wesentlichen Erkenntnisse über den Prozess der Suburbanisierung, seine Ursachen, historischen Phasen und die Notwendigkeit politisch-administrativer Steuerung der Stadtregion.
Schlüsselwörter
Suburbanisierung, Stadt-Umland-Wanderung, Stadtentwicklung, Demografischer Wandel, Flächenbedarf, Dekonzentration, Segregation, Wohnungsbauförderung, Stadtregion, Ökologische Folgen, Bodenpreise, Verkehrsaufkommen, Stadtplanung, Industriegeschichte, Stadtsoziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess der Suburbanisierung in Deutschland, also der flächenhaften Ausdehnung von Wohn-, Industrie- und Dienstleistungsfunktionen aus den Kernstädten in deren Umland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Ursachen und Erscheinungsformen der Suburbanisierung, ihre historische Entwicklung, die resultierenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Probleme sowie Ansätze zur politischen Steuerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob der Prozess der Stadt-Umland-Wanderung überhaupt steuerbar ist und wie die damit verbundenen negativen Folgen durch gezielte Maßnahmen abgefedert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den aktuellen Stand der Forschung und stadtplanerische Diskurse auf Basis bestehender Literatur (wie Friedrichs, Aring, Heuer) zusammenführt und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Begriff und die Ursachen der Suburbanisierung definiert. Anschließend folgt eine detaillierte historische Betrachtung der Entwicklung in Deutschland und eine kritische Auseinandersetzung mit den Folgen des Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Suburbanisierung, Stadt-Umland-Wanderung, Segregation, Stadtentwicklung, Demografie und stadtregionale Kooperation.
Warum unterscheidet sich die Entwicklung in Ostdeutschland von der in Westdeutschland?
Die Unterschiede resultieren aus der unterschiedlichen Geschichte der beiden Staaten: Während im Westen ein schleichender Suburbanisierungsprozess stattfand, blieb im Osten die "kompakte Stadt" Leitbild, was nach der Wende zu einer sprunghaften, teils durch Förderung ausgelösten Suburbanisierung führte.
Welche konkreten Gegensteuerungsmaßnahmen schlägt der Autor vor?
Der Autor schlägt Maßnahmen wie die Optimierung der Raumnutzung durch Nachverdichtung, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Förderung des Bestandserwerbs sowie die institutionelle Stärkung der Stadtregion als politisch legitimierte Einheit vor.
Inwiefern hat die "Eigenheimzulage" den Prozess beeinflusst?
Laut Arbeit trug die Eigenheimzulage massiv zur Siedlungsexpansion bei, da sie Neubauten deutlich stärker förderte als den Erwerb von Bestandsimmobilien und somit Wanderungsbewegungen in das Umland begünstigte.
- Quote paper
- Fabian Mesecke (Author), 2004, Suburbanisierung in Deutschland. Ursachen, Entwicklung und Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64380