„Frühjahr 1935. Über die weiten amerikanischen Ebenen fegt der Staubsturm. Nach der Uhr ist es Mittag, aber überall brennen die elektrischen Lampen, die Sonne ist zu einer bläulich roten Scheibe geworden, die keine Leuchtkraft hat. Der Staub dringt in alle Ritzen und knirscht in den Zähnen der Menschen und Tiere. Niemand kann sich vor die Tür wagen, es wäre sein Tod.
Der Blick reicht keine hundert Meter weit, und auch drinnen in den Häusern schützt man sich durch nasse Tücher vor Nase und Mund vor den schrecklichen Wirkungen der allerfeinsten Staubteilchen. Die Landstrassen sind verlassen, die Eisenbahnzüge schleichen nur noch vorwärts. Das Vieh ist verstört, weil es nicht begreift, was plötzlich in der Natur vorgeht. Die kleinen Kinder und die an Lungenentzündung erkrankten Erwachsenen, die sich nicht rechtzeitig in volle Sicherheit bringen konnten, sterben schnell dahin.
Das ist schlimmer als ein Tornado, als sengende Hitze und eisige Winterskälte, das ist das Furchtbarste was die Menschen in Amerika je erlebt haben. Wenn der Wind sich legt, ist die Gefahr noch längst nicht vorüber, denn dann senkt sich immer noch der Staub tagelang hernieder und tötet alles ungeschützte Leben. Das ist die Strafe für menschliche Gier und Geldsucht.“
Dieses Zitat aus dem Buch „Amerika alt und neu - Geschichten aus USA“ über den Zusammenhang zwischen den Naturgewalten und dem Schicksal einiger amerikanischer Einwohner zeugt von einer kritischen Einstellung des Autors gegenüber den USA und stammt aus der Zeit des Dritten Reiches. Die Natur „rächt“ sich an seinen Einwohnern für „das Unrecht“, welches sie, in diesem Fall durch den Kriegseintritt im ersten Weltkrieg, begangen haben. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren über einige Jahrhunderte von verschiedenen, meist jedoch mehr negativen als positiven Stereotypen gekennzeichnet.
Reiseberichte, genauso wie Briefe von europäischen Auswanderern, als auch Werbebroschüren amerikanischer Bürger verbreiteten in Europa seit der Entdeckung der „Neuen Welt“ umfangreiche, aber auch unterschiedliche Bilder über „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
Während der Zeit des Nationalsozialismus jedoch lässt sich verhältnismäßig wenig Literatur über die USA finden. Das hängt natürlich zum einen mit der immer weiter voranschreitenden Pressezensur zusammen, und außerdem stimmte der ‚American way of life’ überhaupt nicht mit der Ideologie der Nationalsozialisten überein.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Stereotypen oder Propaganda?
- 2.1 Erläuterung und Definition des Begriffs „Stereotyp“
- 2.2 Vorstellung des Buches: „Amerika – alt und neu, Geschichten aus USA.“
- 2.3 Analyse des Amerikabildes dieses Buches
- 3. Schlussbetrachtung
- 4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit analysiert das Amerikabild, das in einem Buch aus der Zeit des Nationalsozialismus dargestellt wird. Ziel ist es, herauszufinden, ob dieses Bild auf etablierten Stereotypen beruht oder ob es sich um Propagandamittel gegen den politischen Gegner handelt.
- Definition und Bedeutung des Begriffs "Stereotyp"
- Analyse des Amerikabildes in einem spezifischen Buch aus dem Jahr 1938
- Untersuchung der Rolle von Stereotypen und Propaganda in der Darstellung der USA
- Erarbeitung des zeitgeschichtlichen Kontexts und der politischen Dimensionen des Amerikabildes
- Beurteilung der Intention und Wirkung des Amerikabildes im Kontext des Nationalsozialismus
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung führt mit einem Zitat aus dem Buch "Amerika – alt und neu, Geschichten aus USA" in die Thematik ein und stellt die Relevanz des Amerikabildes in der Zeit des Nationalsozialismus heraus.
- Kapitel 2.1: Erläuterung und Definition des Begriffs „Stereotyp“: Dieses Kapitel erläutert die Definition des Begriffs "Stereotyp" und verdeutlicht seine Bedeutung im Kontext der Untersuchung des Amerikabildes.
- Kapitel 2.2: Vorstellung des Buches: „Amerika – alt und neu, Geschichten aus USA.“: Dieses Kapitel stellt das Buch "Amerika – alt und neu, Geschichten aus USA" vor und stellt dessen zeitlichen und räumlichen Kontext heraus.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter der Hausarbeit sind: Amerikabild, Stereotyp, Propaganda, Nationalsozialismus, Zeitgeschichte, politische Ideologie, USA, "American way of life", Geschichte, Literatur, Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde Amerika in der NS-Zeit dargestellt?
Das Amerikabild war stark von negativen Stereotypen geprägt, wobei die USA oft als materialistisch, gierig und kulturell minderwertig dargestellt wurden.
Was ist der Unterschied zwischen Stereotyp und Propaganda?
Ein Stereotyp ist eine vereinfachte Vorstellung, während Propaganda diese Bilder gezielt einsetzt, um politische Gegner abzuwerten und die eigene Ideologie zu stützen.
Worum geht es in dem Buch „Amerika alt und neu“?
Das Buch von 1938 nutzt Naturkatastrophen (wie Staubstürme) als Metapher für eine angebliche „Strafe“ für die moralischen Verfehlungen der Amerikaner.
Warum gab es in der NS-Zeit wenig Literatur über die USA?
Dies lag an der strengen Pressezensur und der Tatsache, dass der „American Way of Life“ fundamental der nationalsozialistischen Ideologie widersprach.
Welche Rolle spielten Reiseberichte für das Amerikabild?
Frühere Reiseberichte und Auswandererbriefe schufen oft das Bild vom „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, das in der NS-Propaganda bewusst ins Negative verkehrt wurde.
- Citar trabajo
- Tobias Herbst (Autor), 2003, Stereotypen oder Propaganda - Analyse eines Amerikabildes aus der Zeit des Nationalsozialismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64408