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Mitteleuropa gegen das neue Europa - Ein Vergleich der Schriften Friedrich Naumanns und Tomas Garrigue Masaryks

Title: Mitteleuropa gegen das neue Europa - Ein Vergleich der Schriften Friedrich Naumanns und Tomas Garrigue Masaryks

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 42 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Frank Henschel (Author)

History - Basics
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"Mitteleuropa im ganzen ist zerschlagen, als sei es eine vergrößerte Balkanhalbinsel,“ schrieb Friedrich Naumann 1918 in der letzten Ausgabe der Zeitschrift „Mitteleuropa“. „Unser ganzes Volk ist frei und unabhängig und tritt, geachtet und gestützt durch die allgemeine Sympathie, in die Geschichte der europäischen Nationen. Leben wir im Märchen?“ fragte Thomáš G. Masaryk im selben Jahr in seiner ersten Rede als Präsident der neu entstandenen Tschechoslowakischen Republik. Diese beiden Aussagen kennzeichnen nicht nur das Ende des Ersten Weltkriegs, sondern auch das vorläufige Ende einer Debatte um die Zukunft des europäischen Kontinents. 1915 war Naumanns Buch „Mitteleuropa“ erschienen und fand in der durch die deutschen Kriegserfolge ausgelösten Euphorie reißenden Absatz. Der national-liberale Politiker forderte einen wirtschaftlichen und militärischen Bund zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, um so England und Frankreich auf der einen und Russland auf der anderen Seite einen starken mitteleuropäischen Block unter deutscher Führung entgegenzusetzen. Drei Jahre später schrieb Masaryk „Das Neue Europa“, eine essayistisch formulierte Kampfschrift gegen die „pangermanistischen“ Mittelmächte und ein Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Nationen, welches allerdings erst 1920 in der Tschechoslowakei, bzw. 1922 auf deutsch erscheinen konnte.

Trotz der stark divergierenden Ansichten innerhalb desselben inhaltlichen Bezugsrahmens und des Antwortcharakters von Masaryks Buch wurde noch keine umfassende vergleichende Studie beider Schriften, geschweige denn beider Persönlichkeiten und ihres Werkes angestellt. Der Verfasser will versuchen, den Vergleich zwischen Naumanns „Mitteleuropa“ und Masaryks „Das neue Europa“ weder nur oberflächlich, noch auf wenige Aspekte beschränkt durchzuführen. Der Vergleich soll vorgenommen werden, indem die Inhalte aus ihren direkten Kontexten gelöst und neu in Beziehung zueinander gesetzt werden. Begriffe und Ereignisse wie der Krieg, Europa, der Westen, Demokratie u.a. sollen als Kriterien mit inhaltlichen Bildern des jeweiligen Autors gefüllt werden und die Argumentationsstrukturen offen gelegt werden.

Letztendlich soll der Vergleich Aspekte des Europa-Diskurses der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorstellen, ergänzt um die Darstellung der Idee von Mitteleuropa vor 1914 und einen kurzen Ausblick auf die diskursive Langlebigkeit dieses mehr fiktionalen als empirischen Gebildes.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mitteleuropa im 18. und 19. Jahrhundert

3. Biographische Überblicke

3.1 Tomáš Garrigue Masaryk

3.2 Friedrich Naumann

4. Mitteleuropa zu Beginn des 20. Jahrhunderts

5. „Mitteleuropa“ gegen „Das neue Europa“

5.1 Bedeutung des Krieges

5.2 Begründung der Europakonzepte

5.3 Charakterisierung der Nachbarvölker

5.4 Charakterisierung der Donaumonarchie

5.5 Charakterisierung des Westens

5.6 Europaverständnis

5.7 Demokratieverständnis

6. Ausblick: Mitteleuropa - Tot oder lebendig?

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die konträren Europavisionen von Friedrich Naumann („Mitteleuropa“) und Tomáš Garrigue Masaryk („Das neue Europa“) einer vergleichenden Analyse zu unterziehen, um die unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Diskurse des frühen 20. Jahrhunderts offenzulegen.

  • Historische Entwicklung des Begriffs „Mitteleuropa“
  • Biographische und ideologische Analyse der Akteure Naumann und Masaryk
  • Vergleich der Kriegswahrnehmung und Europakonzeptionen
  • Untersuchung der nationalen Selbstbestimmung und Demokratieverständnisse
  • Reflexion der Langlebigkeit mitteleuropäischer Konstruktionen

Auszug aus dem Buch

5.1 Bedeutung des Krieges

Naumann fasst am Schluss des Buches zusammen: „Mitteleuropa ist Kriegsfrucht.“46 Diese Einstellung zieht sich durch das gesamte Buch, denn schon zu Beginn stellt er fest, „daß dieser Krieg nicht nur ein deutscher Krieg ist, und nicht nur ein Donaukrieg, sondern, daß er die Geschichtsprobe Mitteleuropas ist.“47 Die Auseinandersetzung zwischen den europäischen Mächten ist für ihn unumgänglich und nur durch ihn kann es zur Umbildung Europas durch die Gründung Mitteleuropas kommen. Naumann behauptet, dass dieser Krieg ein Defensivkrieg ist, den Deutschland zusammen mit Österreich-Ungarn gegen Frankreich und Russland zu führen hat und in den sich England einmischt, um das Deutsche Reich zum eigenen Vorteil zu schwächen.48 Aber dank deutscher Tugenden, die Naumann im Text fast beiläufig erwähnt, ist das Kaiserreich dieser Aufgabe gewachsen.

„In dieser unserer deutschen Arbeitsweise sind wir alle durch den Verlauf des Krieges sehr bestärkt worden. Vom ersten Tage an wurde der uns aufgedrungene Krieg wie eine notwendige, ganz allgemeine Pflicht und Arbeit angesehen, die eben getan werden muss. [...] Der Krieg war eben nur die Fortsetzung unseres Lebens mit anderen Mitteln, aber im Grunde mit den gleichen Methoden.“49

Naumann benutzt hier einen abgewandelten Ausspruch des preußischen Generals von Clausewitz und stellt damit diesen Krieg als normale Dienstverrichtung dar. Die nüchterne Art mit der Naumann über den Krieg spricht, die Jaworski als pragmatisch und unpolemisch bezeichnet hat,50 dient an dieser Stelle der Absetzung gegenüber denen, die aggressiv Kriegspropaganda treiben, doch auch in seinem verharmlosenden Ton formuliert er nichts anderes.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die kontrastierenden Schriften von Friedrich Naumann und Tomáš G. Masaryk ein und stellt die Forschungsfrage nach einem vergleichenden Verständnis ihrer Europavisionen.

2. Mitteleuropa im 18. und 19. Jahrhundert: Dieses Kapitel skizziert die begriffliche Genese von „Mitteleuropa“ seit der Aufklärung und beleuchtet die frühen, teils ökonomischen, teils kulturellen Raumkonzepte.

3. Biographische Überblicke: Es werden die Lebenswege und politischen Hintergründe der beiden Hauptakteure, Tomáš Garrigue Masaryk und Friedrich Naumann, näher beleuchtet.

4. Mitteleuropa zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel analysiert die Verschärfung des Begriffs zu einem ideologischen Kampfinstrument im Vorfeld und zu Beginn des Ersten Weltkrieges.

5. „Mitteleuropa“ gegen „Das neue Europa“: Der Hauptteil vergleicht systematisch die Ansichten beider Autoren in sieben Kategorien, von der Kriegsbewertung bis hin zum Demokratieverständnis.

6. Ausblick: Mitteleuropa - Tot oder lebendig?: Der Ausblick verfolgt die Rezeption der Mitteleuropa-Idee bis ins späte 20. Jahrhundert und reflektiert deren diskursive Transformation.

7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass beide Entwürfe trotz aller Gegensätze zwei Positionen desselben Diskurses zur europäischen Zukunft darstellen.

Schlüsselwörter

Mitteleuropa, Das neue Europa, Friedrich Naumann, Tomáš G. Masaryk, Erster Weltkrieg, Pangermanismus, Demokratie, Selbstbestimmung, Donaumonarchie, Nationalismus, Europaverständnis, Ideengeschichte, Imperialismus, Ostmitteleuropa, Staatenbund.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert und vergleicht die zwei konkurrierenden politischen Entwürfe für die Gestaltung Europas während des Ersten Weltkrieges: Naumanns „Mitteleuropa“ und Masaryks „Das neue Europa“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Kriegsschuldfrage, das Konzept des Nationalstaates, die Rolle der Donaumonarchie, das Verhältnis zu den Westmächten sowie die Bedeutung von Demokratie und Selbstbestimmung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, den Vergleich beider Schriften tiefgehend zu führen, um die Argumentationsmuster und das zugrunde liegende Europaverständnis beider Autoren offenzulegen und eine umfassende vergleichende Studie zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der inhaltlichen Dekontextualisierung und anschließenden Neuverknüpfung, indem weit reichende Themen als Kriterien für einen Vergleich der Argumentationsstrukturen beider Autoren genutzt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in sieben analytische Kategorien, darunter die Bedeutung des Krieges, die Charakterisierung der Nachbarvölker und das Demokratieverständnis beider Autoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind unter anderem Mitteleuropa, Pangermanismus, nationale Selbstbestimmung, Donaumonarchie und das Spannungsfeld zwischen imperialen Machtblöcken und demokratischer Freiheit.

Wie bewertet Naumann das Ende der Donaumonarchie?

Naumann sieht die Donaumonarchie als essenziellen Bestandteil und „Matrize“ für ein stabiles Mitteleuropa, dessen Auseinanderfallen er als historisch und politisch kontraproduktiv ablehnt.

Warum hält Masaryk das „Österreichertum“ für verachtenswert?

Masaryk sieht in Österreich-Ungarn eine „organisierte Gewalttätigkeit“, die das überkommene Mittelalter und eine „entartete Dynastie“ repräsentiert, welche den nationalen Befreiungsbestrebungen der Slawen entgegensteht.

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Details

Title
Mitteleuropa gegen das neue Europa - Ein Vergleich der Schriften Friedrich Naumanns und Tomas Garrigue Masaryks
College
University of Leipzig  (Historisches Seminar)
Course
Europadiskurse in Ostmitteleuropa
Grade
1,0
Author
Frank Henschel (Author)
Publication Year
2006
Pages
42
Catalog Number
V64439
ISBN (eBook)
9783638572590
ISBN (Book)
9783640171484
Language
German
Tags
Mitteleuropa Europa Vergleich Europadiskurse Ostmitteleuropa Friedrich Naumann Masaryk Zwischenkriegszeit Erster Weltkrieg Ideengeschichte Europakonzepte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Frank Henschel (Author), 2006, Mitteleuropa gegen das neue Europa - Ein Vergleich der Schriften Friedrich Naumanns und Tomas Garrigue Masaryks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64439
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