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Religiöse Kommunikation in modernen Biografien

Zur Funktion der Religion in biografischen Selbstbeschreibungen von Mitgliedern Klinischer Ethik Komitees

Title: Religiöse Kommunikation in modernen Biografien

Diploma Thesis , 2004 , 109 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl.-Soziologin Andrea Wagner (Author)

Sociology - Religion
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Religion und Biografie stehen in einem bestimmten Zusammenhang, sie beeinflussen sich wechselseitig. Das heißt, aus Biografien lassen sich einerseits diverse Erkenntnisse über Religiöses gewinnen, andererseits geben Religiösitäten unter Umständen auch Aufschluss über den Biografen und damit über die Gesellschaft.
Diese Arbeit befasst sich mit der kommunikativen Thematisierung religiöser Elemente in biografischen Selbstbeschreibungen von Mitgliedern klinischer Ethikkomitees. Klinische Ethikkomitees sind in der Bundesrepublik noch ein Novum, werden aber seit 1997 an immer mehr Krankenhäusern zur Behandlung der im Klinikalltag ethisch problematischen Fallkonstellationen eingerichtet. Die vorliegende Studie stellt sich die Frage, welche Funktionen die religiöse Kommunikation in modernen Biografien übernimmt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1. Einführung in die Thematik der Diplomarbeit

1.2. Beschreibung der Vorgehensweise

2. DIE METHODE: WAS IST UND LEISTET BIOGRAFIEFORSCHUNG? UND WAS NICHT?

2.1. Das narrative Interview

2.2. Die Analyse biografischer Interviews

2.3. Zur (nicht-) Homologie von Leben und Text

2.3.1. Schützes Homologieannahme

2.3.2. Die Homologieannahme in der Kritik

2.3.3. Biografie als soziales Konstrukt

2.4. Problem und Problemlösung: Biografie als Umgang mit Kontingenzen

2.5. Die Betonung religiöser und moralischer Aspekte

2.6. Was leistet Biografieforschung im allgemeinen und bei der Untersuchung Klinischer Ethik Komitees?

3. DAS KLINISCHE ETHIK KOMITEE – EIN KNAPPER ÜBERBLICK

3.1. Der Terminus Ethik

3.1.1. Grundtypen ethischer Konzepte

3.1.2. Ethik in der Systemtheorie

3.1.3. Die Klinische Medizinethik

3.2. Die Institution Klinisches Ethik Komitee

3.2.1. Begriffsabgrenzung: Ethik Kommission vs. Klinisches Ethik Komitee

3.2.2. Der Aufgabenbereich eines Klinischen Ethik Komitees im Detail

3.2.3. Die Zusammensetzung und Funktionsweise Klinischer Ethik Komitees

3.2.4. Zur moralischen Qualität Klinischer Ethik Komitees

3.3. Die Personen: von professionellen Ethikern und Ethik-Laien

3.3.1. Die Anforderungen an professionelle Ethik-Berater

3.3.2. Das Aufgabenfeld der Ethik Komiteemitglieder

3.3.3. Die Ethik Komiteemitglieder im Kontext von Religion und Moral

3.3.4. Der Bezug zur Biografie

4. DIE RELIGION IN ZWEIERLEI KONTEXT

4.1. Religion und Moral – Entkoppelt oder verknüpft?

4.1.1. Der Ansatz der Systemtheorie

4.1.2. Konsens und Kontra: aktuelle Empirie und Diskussion

4.2. Der Zusammenhang von Religion und Biografie

4.2.1. Die Funktion der Biografie für die Religion

4.2.2. Die Funktion der Religion für die Biografie

4.2.2.1. Die lebensgeschichtlich ordnende Funktion der Religion

4.2.2.2. Die reflexive Funktion der Religion

4.2.2.3. Religion zur Steigerung der Handlungsautonomie

4.2.2.4. Entlastung und Deutung durch Religiöses

4.2.2.5. Religion zur Hilfe bei lebenspraktischen Fragen

4.2.2.6. Zusammenfassung der Ergebnisse der Literaten

5. DIE MITGLIEDER KLINISCHER ETHIK KOMITEES: DIE THEMATISIERUNG VON KOMPETENZ ZUR REDUKTION VON KONTINGENZ

5.1. Das Datenmaterial

5.2. Die Akteure des Klinischen Ethik Komitees

5.3. Selbstbeschreibung als Problem: Die Unsicherheiten der Biografen in der asymmetrischen Kommunikation zwischen Interviewer und Befragtem und deren Bewältigung

5.3.1 Die direkte und indirekte Kommunikation von Unsicherheiten

5.3.1.1. Die direkte Nachfrage

5.3.1.2. Die fiktive oder rhetorische Frage

5.3.1.3. Die ‘Bestätigungsfloskeln’

5.3.1.4. Die Verweigerungen

5.3.2. Die Konstruktion von Erwartbarkeiten zur Reduktion von Kontingenz

5.3.3. Das Herausstellen der eigenen Besonderheit

5.3.3.1. Die Thematisierung sozialer Kompetenzen

5.3.3.2. Die Thematisierung einer Selbsterfahrung

5.3.3.3. Die Thematisierung von Religion

6. DER REKURS AUF RELIGION UND MORAL

6.1. Die differenten Formen religiöser Kommunikation und deren Funktion in den Biografien der Mitglieder des Klinischen Ethik Komitees

6.1.1. Die Thematisierung gemeinsamer Glaubensüberzeugungen: Religion zur Steigerung der Handlungsautonomie

6.1.2 Die Thematisierung religiöser Riten: Lebensgeschichtliche Ordnung durch religiöse Kausalhandlungen

6.1.3 Die Thematisierung transzendenter Elemente: Religion zur Entlastung von Verantwortung

6.1.4. Die Thematisierung religiöser Quellen und Lehrsätze: Legitimation durch Wissen

6.1.5 Die Thematisierung religiöser Werte: Religion zur Hilfe bei lebenspraktischen Fragen

6.1.6. Auf einen Blick: Formen und Funktionen religiöser Kommunikation im Interviewmaterial

6.2. Drei Formen biografischer Selbstbeschreibung

6.2.1. ‘Religion für alle’: Die Atmosphäre des Glaubens und der Menschlichkeit als Weg zur Heilung

6.2.1.1. Die Bedeutung der Kategorie ‘Religion für alle’ für die Biografiekonstruktion

6.2.1.2. Rückschluss auf der Ebene ‘Klinisches Ethik Komitee’ und ‘Krankenhaus’: Helfen und Heilen durch eine Atmosphäre der Menschlichkeit

6.2.2 ‘Religion den Anderen’: Verarbeitung durch Reflexion

6.2.2.1. Die Bedeutung der Kategorie ‘Religion den Anderen’ für die Biografiekonstruktion

6.2.2.2. Rückschluss auf der Ebene ‘Klinisches Ethik Komitee’ und ‘Krankenhaus’: Helfen und Heilen durch Reflexion

6.2.3 ‘Die individuelle Religion’: Die Besonderheit des Einzelfalls

6.2.3.1. Die Bedeutung der Kategorie ‘Die individuelle Religion’ für die Biografiekonstruktion

6.2.3.2. Rückschluss auf der Ebene ‘Klinisches Ethik Komitee’ und ‘Krankenhaus’: Helfen und Heilen durch die Betonung des Einzelfalls

6.3. Zusammenfassung der Analyseergebnisse

7. DAS KLINISCHE ETHIK KOMITEE ALS ZIVILRELIGIÖSE INSTANZ DER GESELLSCHAFT

7.1. Die Forderung nach der ‘Übersetzung’ von Religiösem

7.2. Was ist eigentlich Zivilreligion?

7.3. Die Gründe für die Entwicklung des Klinischen Ethik Komitees zur zivilreligiösen Instanz

8. RESUMÉE: BIOGRAFIE UND GESELLSCHAFT IN ZIVILRELIGIÖSEM KONTEXT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle religiöser Kommunikation in den biografischen Selbstbeschreibungen von Mitgliedern klinischer Ethikkomitees. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Mitglieder solcher Gremien ihre berufliche Eignung durch den Rekurs auf Religion und Moral plausibilisieren und welche Funktionen diese Kommunikation bei der Reduktion biografischer Kontingenz erfüllt.

  • Systemtheoretische Analyse von Biografien als Problemlösungsweisen
  • Die Funktion von Religion und Moral für die Biografiekonstruktion
  • Zivilreligiöse Bedeutung und Aufgaben von klinischen Ethikkomitees
  • Die Rolle der narrativen Interviewanalyse in der Religionssoziologie
  • Umgang mit Unsicherheiten in asymmetrischen Kommunikationssituationen

Auszug aus dem Buch

2.1. Das narrative Interview

Das narrative Interview wird vor allem im Rahmen biografischer Forschung verwendet. Flick beschreibt, dass sich das Verfahren vor allem zur Generierung von Theorien eignet, wobei ein Ziel der Forschung auch die Typologie von biografischen Verläufen darstellen kann (vgl. Flick 1995: 123). Der Interviewte wird durch eine erzählgenerative Anfangsfrage gebeten, in einer Stegreiferzählung beispielsweise seine Lebensgeschichte zu erzählen. In den von mir analysierten biografischen Interviews lautete die Eingangsfrage folgendermaßen: „Wir interessieren uns für die persönlichen Hintergründe von Menschen, die in klinischen Ethik Komitees mitarbeiten. Ich möchte Sie als Mitglied in einem solchen Komitee bitten, mir Ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Das betrifft all die Ereignisse und Erfahrungen, an die Sie sich erinnern können und die Ihnen wichtig sind.“ Es existieren unterschiedliche Möglichkeiten der Erzählaufforderung, es kann ein Rahmen vorgegeben werden oder aber das Thema völlig frei bleiben. Die in den von mir analysierten Interviews gestellte Frage stellt sozusagen eine Mischung dar. Einerseits wurde der Kontext, in welchem das Interview stattfindet, erwähnt und so sichergestellt, dass der Befragte darauf eingeht. Dennoch bleibt genug Offenheit, um andere biografische Stränge zu erzählen, es wurde auch explizit nicht nach einer Berufsbiografie oder ähnlichem gefragt.

Der Befragte erzählt im Anschluss an die Eingangsfrage seine Lebensgeschichte, optimalerweise ohne vom Interviewer unterbrochen zu werden. Der Interviewer soll dabei verstehende Signale geben, der „Erzähler gewinnt dadurch Gewissheit, dass er den Wunsch des Interviewers richtig verstanden hat und dass sich zwischen beiden eine gelungene Interaktion entwickelt hat“ (Hermanns 1992: 120). Das, was hier von Hermanns eher beiläufig erwähnt wurde, wird mich später in meiner Arbeit noch genauer beschäftigen, da ja meine zentrale These exakt auf das Problem der Kontingenzreduktion in Biografien abzielt. „Dass diese Methode funktioniert und vor allem in der Haupterzählung reichhaltigere Versionen eines Geschehens oder von Erfahrungen liefert als andere Formen der Darstellung, wird damit begründet, dass sich der Erzähler in bestimmten Zwängen [...] verstrickt, sobald er sich auf die Situation des narrativen Interviews insgesamt eingelassen und die Erzählung einmal begonnen hat.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Hinführung zur Thematik der religiösen Kommunikation in modernen Biografien und Beschreibung der methodischen Vorgehensweise.

2. DIE METHODE: WAS IST UND LEISTET BIOGRAFIEFORSCHUNG? UND WAS NICHT?: Theoretische Fundierung der Biografieforschung als qualitatives Verfahren zur Untersuchung von Kontingenzreduktion.

3. DAS KLINISCHE ETHIK KOMITEE – EIN KNAPPER ÜBERBLICK: Überblick über die Aufgaben, die institutionelle Struktur und die ethischen Anforderungen an Mitglieder klinischer Ethikkomitees.

4. DIE RELIGION IN ZWEIERLEI KONTEXT: Theoretische Analyse der Verknüpfung von Religion und Moral sowie deren Bedeutung für individuelle Biografiekonstruktionen.

5. DIE MITGLIEDER KLINISCHER ETHIK KOMITEES: DIE THEMATISIERUNG VON KOMPETENZ ZUR REDUKTION VON KONTINGENZ: Empirische Untersuchung der Unsicherheiten von Biografen und der Konstruktion von Kompetenz in Interviews.

6. DER REKURS AUF RELIGION UND MORAL: Analyse der verschiedenen Formen religiöser Kommunikation als Strategie zur Identitätskonstruktion und Kontingenzbewältigung im Krankenhausalltag.

7. DAS KLINISCHE ETHIK KOMITEE ALS ZIVILRELIGIÖSE INSTANZ DER GESELLSCHAFT: Diskussion des klinischen Ethikkomitees als zivilreligiöses Integrationsinstrument zur Bearbeitung krisenhafter gesellschaftlicher Entwicklungen.

8. RESUMÉE: BIOGRAFIE UND GESELLSCHAFT IN ZIVILRELIGIÖSEM KONTEXT: Zusammenfassende Betrachtung der Wechselwirkung zwischen individuellen biografischen Konstruktionen und gesellschaftlichen Strukturen.

Schlüsselwörter

Biografieforschung, Narratives Interview, Klinische Ethik Komitees, Religion, Moral, Kontingenzreduktion, Zivilreligion, Systemtheorie, Identitätskonstruktion, Ethik, Krankenhausalltag, Professionalisierung, Sinnfindung, Diskurs, Glaubenserfahrung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht, wie Mitglieder klinischer Ethikkomitees religiöse und moralische Elemente in ihren Lebensgeschichten einsetzen, um ihre berufliche Identität zu legitimieren und mit Unsicherheiten umzugehen.

Welche Themenfelder werden zentral behandelt?

Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Soziologie der Religion, der Biografieforschung, der Medizinethik sowie dem systemtheoretischen Konzept der Kontingenzbewältigung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die spezifische Funktion der religiösen Kommunikation in biografischen Selbstbeschreibungen von Ethikkomitee-Mitgliedern aufzudecken, insbesondere vor dem Hintergrund, wie sie sich als kompetente Akteure inszenieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine qualitative Forschungsarbeit, die narrative biografische Interviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse und wissenssoziologischer Hermeneutik auswertet.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Strategien der Akteure, Unsicherheiten durch religiöse Referenzen zu bewältigen und das klinische Ethikkomitee als eine Art zivilreligiöse Institution zu legitimieren.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Besonders prägend sind die Begriffe "Kontingenz", "Biografiekonstruktion", "Zivilreligion" und "Ethische Kompetenz".

Warum spielt die Religion für die Mitglieder von Ethikkomitees eine Rolle?

Die Religion dient den Mitgliedern als Ressource, um komplexe medizinethische Fragen im Alltag zu ordnen, Verantwortung zu entlasten und eine konsistente, moralisch anerkannte Identität im institutionellen Kontext zu wahren.

Inwiefern wird das klinische Ethikkomitee als zivilreligiöse Instanz charakterisiert?

Das Komitee fungiert als Medium, das durch den Konsens über grundlegende Werte (wie Menschenwürde) eine ordnende und integrative Funktion übernimmt, ähnlich wie Religion in vormodernen Gesellschaften, jedoch in einer säkularen, modernen Form.

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Details

Title
Religiöse Kommunikation in modernen Biografien
Subtitle
Zur Funktion der Religion in biografischen Selbstbeschreibungen von Mitgliedern Klinischer Ethik Komitees
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Grade
1,3
Author
Dipl.-Soziologin Andrea Wagner (Author)
Publication Year
2004
Pages
109
Catalog Number
V64450
ISBN (eBook)
9783638572682
ISBN (Book)
9783638928946
Language
German
Tags
Religiöse Kommunikation Biografien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Soziologin Andrea Wagner (Author), 2004, Religiöse Kommunikation in modernen Biografien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64450
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