Internationale Beziehungen: Definitionen und geschichtliche Entwicklung


Seminararbeit, 2002
16 Seiten, Note: 2,7
Dietmar Klumpp (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwei Definitionen der Internationalen Beziehungen im Vergleich

3. Die geschichtliche Entwicklung der Internationalen Beziehungen- Realismus vs. Idealismus
3.1. Idealismus
3.2. Realismus
3.3. Globalismus
3.4. Neorealismus

4. Zusammenfassung

5. Literaturliste.

Internationale Beziehungen- Definitionen und geschichtliche Entwicklung.

1. Einleitung

Wer sich mit den Begriffen der Internationalen Beziehungen und deren Akteuren und Strukturen beschäftigt wird feststellen, dass es eine fast undurchdringliche Fülle von Definitionen gibt. Das liegt zum einen daran, dass noch keine einheitlichen Definitionen unter den Wissenschaftlern gefunden wurden, was an der Komplexität der Internationalen Beziehungen und dem Internationalen System auch scheitern dürfte. Zum anderen wird der Begriff „International Relations“ teilweise für Internationale Politik und Beziehungen undifferenziert behandelt, was nicht zur Erleichterung des Problems beiträgt.[1]

Um dem Problem der Begriffsdefinitionen von internationaler Politik und internationalen Beziehungen annäherungsweise gerecht zu werden, sollten zwei Definitionen herausgegriffen und untersucht werden. Ferner wird analysiert, welche Unterschiede und Differenzen bei beiden Beispielen auftreten. Ebenso werden Gemeinsamkeiten dargestellt, so dass ein unmittelbarer Vergleich möglich ist. Daraus resultieren zwei Fragen: Gibt es einen Grundkonsens bei der Definition der Internationalen Beziehungen und wo liegen die Unterschiede?

Der zweite inhaltliche Themenbereich der Hausarbeit wird sich mit dem Vergleich der beiden Groß- Schulen der Internationalen Beziehungen befassen. Beide Groß- Schulen Idealismus und Realismus so wie ihre Kinder Globalismus und Neorealismus werden in ihrer geschichtlichen Entstehung und Entwicklung dargestellt. Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob sich die Groß- Schulen und die Disziplin im Allgemeinen den geschichtlichen Veränderungen und Entwicklungen angepasst haben. Und haben sie sich nicht auch gegenseitig bedingt? In Verbindung mit dem ersten Themenbereich stellt sich zusätzlich die Frage, ob die verschiedenen Schulen und ihre unterschiedlichen Ansichtsweisen einen Einfluß auf die Begriffsdefinitionen ausüben.

Soweit man das überhaupt überblicken kann, liegt doch eine relativ starke Dominanz der US- Amerikaner auf dem Gebiet der Internationalen Beziehungen vor.[2] Das wird zumindest beim Idealismus und Realismus deutlich, die von Amerikanern wie Woodrow Wilson und Hans J. Morgenthau geprägt wurden. So „(...) schlugen die Entwicklungen der amerikanischen Theorie der Internationalen Beziehungen auch auf die europäische Theorie durch. Bis heute hat diese vorwiegend amerikanische Anregungen nachvollzogen und der Rezeption nur wenig Eigenständiges entgegengesetzt.“[3] Dies bedingt natürlich auch die Forschung und den Forschungsstand generell in Deutschland, die auf Grund ihrer relativ kurzen Geschichte noch Nachholbedarf hat.

3. Zwei Definitionen der Internationalen Beziehungen im Vergleich.

Um das Themengebiet der Internationalen Beziehungen annäherungsweise zu fassen, sollte am Anfang erst einmal eine Abgrenzung erfolgen. Dies gelang F. A. Sondermann im Jahre 1968, daher besteht ein relativ breiter Konsens über die Kriterien des Gegenstandes der internationalen Beziehungen bzw. internationaler Politik. Als erstes beziehen sie sich: „(...) auf Aktivitäten, die die Grenzen eines Staates an einem Punkt überschreiten; (2) sie beziehen sich auf Akteure (Staaten oder soziale Gruppen), die bestimmte Ziele zu verwirklichen suchen; (3) sie beziehen schließlich auf einen als Einheit aufzufassenden Prozess von Aktionen und Reaktionen, auf ein wechselseitiges Bezugsgeflecht grenzüberschreitender Handlungen (was die Betrachtung einzelner Aktionen ausschließt).“[4]

Als weiteres scheint klar zu sein, dass bei der Bertachtung von Handlungsabläufen der Standpunkt des Betrachters entscheidet, ob es sich um internationale Beziehungen bzw. internationaler Politik oder Außenpolitik handelt. Das heißt aus den Fragestellungen und den dahinter stehenden Erkenntnissinteressen geht hervor, ob es sich um Außenpolitik handelt und deshalb aus dem Blickwinkel eines Staates heraus untersucht wird. Oder ob internationale Politik aus einer übergeordneten Blickrichtung analysiert wird, also einer schwebenden Haltung über dem Internationalen System.[5]

„Man kann entweder die Interaktion direkt- die internationale Politik- analysieren (wenn man kann) oder die diese Interaktion zustande bringenden Außenpolitiken der einzelnen Ländern untersuchen (was man kann).“[6] Doch beides gehört in die Internationalen Beziehungen.

Sobald aber der Versuch unternommen wird, die beiden Begriffe internationale Beziehungen und internationale Politik und deren Akteure zu trennen, scheiden sich die Geister.

Frank R. Pfetsch verwendet die Begriffe Internationale Beziehungen und Internationale Politik synonym und betrachtet beide „[...] als die Gesamtheit grenzüberschreitender Beziehungen zwischen politischen Akteuren, [...]“[7] Von ihm wird der Regimeansatz herangezogen und bestimmte Themenfelder (z. B. Kyotoprotokoll) als Teilsystem mit definierbaren Grenzen und Strukturen aus- und abgegrenzt. Somit kann erreicht werden, die einstmals klare „institutionalisierte Staatenstruktur“[8] hinter sich zu lassen und Struktur, staatliche und nicht- staatliche Akteure gemeinsam, in ihrem logischen Zusammenspiel zu erfassen. Die Internationalen Beziehungen untersuchen in erhöhtem Maße staatliche Akteure, also Regierungen. Dennoch treten unausweichlich andere nicht zu ignorierende Akteure hinzu, wie zum Beispiel Regionalorganisationen (EU), Universalorganisationen (UN), non- gouvernementale Organisationen (Greenpeace) als auch informelle gesellschaftliche Kräfte (Geistliche, Schriftsteller etc.).[9]

Als Gegenpart zu den Akteuren stellt Pfetsch „die Art der Interaktionen“[10], die Beziehungen unter den Akteuren des Internationalen Systems. Sie werden bestimmt von Strukturen und Prozessen die wiederum von den allgemeinen Herrschaftsverhältnissen beeinflusst werden. Pfetsch schreibt dazu: „Die Konfigurationen können je nachdem als hierarchisch, polar, diffus, anarchisch, egalitär etc. gekennzeichnet werden [...]“.[11]

[...]


[1] Vgl. Behrens, Henning/ Noack Paul (Hrsg.), Theorien der Internationalen Politik, München 1984, S.14.

[2] Vgl. Rittberger, Volker/ Hummel, Hartwig, Die Disziplin „Internationale Beziehungen“ im deutschsprachigen Raum auf der Suche nach ihrer Identität: Entwicklung und Perspektiven, in: Theorien der Internationalen Beziehungen. Bestandsaufnahme und Forschungsperspektiven, hrsg. von Rittberger, Volker, Sonderheft 21 der Politischen Vierteljahreszeitschrift, 31 (1990), S.17- 47, hier S.34f.

[3] Behrens, Theorien der Internationalen Politik, S.36.

[4] Boeckh, Dieter (Hrsg.), Internationale Beziehungen, in: Lexikon der Politik, Bd. 6 , hrsg. von Nohlen, Dieter, München 1994, S.225.

[5] Vgl. Meyers, Reinhard, Grundbegriffe, Strukturen und theoretische Perspektiven der Internationalen Beziehungen, in: Grundwissen Politik, hrsg. von Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 21993 (Studien zur Geschichte und Politik, Bd. 302), S.229- 335, S.260.

[6] Czempiel, Ernst- Otto, Internationale Beziehungen: Begriffe, Gegenstand und Forschungsabsicht, in: Einführung in die internationale Politik, hrsg. von Knapp, Manfred/ Krell, Gert, München/ Wien 3 1996, S.2- 24, S.4.

[7] Pfetsch, Frank R., Internationale Politik, Stuttgart u.a. 1994, S.29.

[8] Ebd.

[9] Vgl. Ebd., S.30; siehe auch Kapitel 4 (S.56- 101).

[10] Ebd.

[11] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Internationale Beziehungen: Definitionen und geschichtliche Entwicklung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V64484
ISBN (eBook)
9783638572873
ISBN (Buch)
9783638773775
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internationale, Beziehungen, Definitionen, Entwicklung
Arbeit zitieren
Dietmar Klumpp (Autor), 2002, Internationale Beziehungen: Definitionen und geschichtliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64484

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