1. Einleitung
Wer sich mit den Begriffen der Internationalen Beziehungen und deren Akteuren und Strukturen beschäftigt wird feststellen, dass es eine fast undurchdringliche Fülle von Definitionen gibt. Das liegt zum einen daran, dass noch keine einheitlichen Definitionen unter den Wissenschaftlern gefunden wurden, was an der Komplexität der Internationalen Beziehungen und dem Internationalen System auch scheitern dürfte. Zum anderen wird der Begriff „International Relations“ teilweise für Internationale Politik und Beziehungen undifferenziert behandelt, was nicht zur Erleichterung des Problems beiträgt.1
Um dem Problem der Begriffsdefinitionen von internationaler Politik und internationalen Beziehungen annäherungsweise gerecht zu werden, sollten zwei Definitionen herausgegriffen und untersucht werden. Ferner wird analysiert, welche Unterschiede und Differenzen bei beiden Beispielen auftreten. Ebenso werden Gemeinsamkeiten dargestellt, so dass ein unmittelbarer Vergleich möglich ist. Daraus resultieren zwei Fragen: Gibt es einen Grundkonsens bei der Definition der Internationalen Beziehungen und wo liegen die Unterschiede?
Der zweite inhaltliche Themenbereich der Hausarbeit wird sich mit dem Vergleich der beiden Groß- Schulen der Internationalen Beziehungen befassen. Beide Groß- Schulen Idealismus und Realismus so wie ihre Kinder Globalismus und Neorealismus werden in ihrer geschichtlichen Entstehung und Entwicklung dargestellt. Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob sich die Groß- Schulen und die Disziplin im Allgemeinen den geschichtlichen Veränderungen und Entwicklungen angepasst haben. Und haben sie sich nicht auch gegenseitig bedingt? In Verbindung mit dem ersten Themenbereich stellt sich zusätzlich die Frage, ob die verschiedenen Schulen und ihre unterschiedlichen Ansichtsweisen einen Einfluß auf die Begriffsdefinitionen ausüben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zwei Definitionen der Internationalen Beziehungen im Vergleich
3. Die geschichtliche Entwicklung der Internationalen Beziehungen - Realismus vs. Idealismus
3.1 Idealismus
3.2 Realismus
3.3 Globalismus
3.4 Neorealismus
4. Zusammenfassung
5. Literaturliste:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, einen Überblick über die theoretischen Grundlagen und die geschichtliche Entwicklung der Internationalen Beziehungen zu geben. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit unterschiedliche Begriffsdefinitionen bestehen und wie sich die zentralen Großschulen der Disziplin im Kontext historischer Veränderungen gewandelt haben.
- Vergleich konkurrierender Definitionen der Internationalen Beziehungen
- Analyse der historischen Entwicklung von Realismus und Idealismus
- Untersuchung der Bedeutung von Akteuren und Strukturen im internationalen System
- Diskussion des Einflusses politischer Ereignisse auf theoretische Ansätze (Globalismus, Neorealismus)
- Reflexion über die Anpassungsfähigkeit politikwissenschaftlicher Theorien
Auszug aus dem Buch
3.1 Idealismus
Ihre Geburtsstunde feierte diese neue wissenschaftliche Disziplin am 30. Mai 1919. Freilich gab es schon Vorläufer, auf die hier aber nicht genauer eingegangen wird. Die Geburtsstunde lässt sich deshalb relativ genau datieren, da auf der Pariser Friedenskonferenz die amerikanische und die britische Delegation eine bis dato unbekannte Forschungsrichtung gründeten, die deshalb auch als „Tochter der Versailler Friedenskonferenz“ gelten kann. Es wurde beschlossen, dass man je ein Institut auf beiden Seiten des Atlantiks einrichtet. Das „Royal Institut of International Affairs“ und das „American Institute of International Affairs” bekam den Auftrag, permanent und systematisch die Internationalen Beziehungen zu erforschen. Das Hauptziel dieser Einrichtungen war, dass man durch systematische Ursachenklärung zukünftige Konflikte und Kriege zu verhindern anstrebte.
Diese Prämisse muss man als Ergebnis des Ersten Weltkrieges werten, der als erster „totaler Krieg“ in die Geschichte einging und die angloamerikanischen Demokratien erschütterte. Während dieser Anfänge war die Disziplin stark idealistisch geprägt und stand mit dem Namen Woodrow Wilson in Verbindung. Dieses idealistische Erkenntnissinteresse entsprang der „ (...) Einsicht dass der Friede viel zu kostbar war, sein Verlust zu katastrophal, als dass man ihn den Politikern und Diplomaten alleine überlassen konnte.“ Die Idealistische Groß Schule entwickelte sich aus den negativen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, bei dem das System eines Mächtegleichgewichts (Balance of Power), das aus militärischer Abschreckung bestanden hatte, zusammenbrach. Der Idealismus wehrte sich gegen das klassische Modell, indem Einzelstaaten konkurrenzartig gegeneinander antraten. Vielmehr wurde eine Weltgesellschaft oder Weltgemeinschaft angestrebt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Begriffsdefinitionen innerhalb der Internationalen Beziehungen ein und stellt die Forschungsfragen bezüglich des Vergleichs der Großschulen sowie deren historischer Anpassungsfähigkeit.
2. Zwei Definitionen der Internationalen Beziehungen im Vergleich: In diesem Kapitel wird anhand von zwei Ansätzen (Sondermann und Pfetsch) untersucht, wie sich der Gegenstandsbereich der Disziplin definieren lässt und welche Rolle Akteure und Strukturen dabei spielen.
3. Die geschichtliche Entwicklung der Internationalen Beziehungen - Realismus vs. Idealismus: Das Kapitel bietet eine historische Analyse der theoretischen Strömungen und beleuchtet deren Entstehung als Antwort auf globale Krisen wie die Weltkriege.
3.1 Idealismus: Hier wird die Entstehung des Idealismus als disziplinärer Ausgangspunkt nach 1919 und dessen Fokus auf internationale Kooperation und Weltfrieden dargestellt.
3.2 Realismus: Dieses Kapitel erläutert die realistische Sichtweise, die Machtpolitik und den Nationalstaat als zentrale Analyseeinheiten betrachtet, geprägt durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs.
3.3 Globalismus: Hier wird die Erweiterung der theoretischen Debatte in den siebziger Jahren behandelt, die verstärkt transnationale Akteure und ökonomische Verflechtungen einbezog.
3.4 Neorealismus: Dieser Abschnitt beschreibt die Weiterentwicklung des Realismus hin zu einer systemischen Theorie, die insbesondere auf veränderte globale wirtschaftliche und geopolitische Strukturen reagiert.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die theoretische Vielfalt und bestätigt die These, dass sich die Großschulen der Internationalen Beziehungen kontinuierlich an geschichtliche Entwicklungen angepasst haben.
5. Literaturliste: Die Literaturliste führt sämtliche im Text verwendeten Quellen und weiterführende Werke auf.
Schlüsselwörter
Internationale Beziehungen, Internationale Politik, Realismus, Idealismus, Globalismus, Neorealismus, Außenpolitik, Machtpolitik, Weltgesellschaft, Nationalstaat, Systemtheorie, transnationale Akteure, Macht, Gleichgewicht, Ressourcensicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Internationalen Beziehungen, insbesondere mit der Frage nach Definitionen und der historischen Entwicklung der wichtigsten politikwissenschaftlichen Denkschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit fokussiert sich auf den Vergleich von Begriffsdefinitionen, die Analyse der Großschulen Realismus und Idealismus sowie deren Weiterentwicklungen zum Globalismus und Neorealismus vor dem Hintergrund historischer Ereignisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu zeigen, wie die Disziplin der Internationalen Beziehungen auf globale Veränderungen reagiert hat und ob die verschiedenen Schulen ihre Theorien im Zeitverlauf anpassen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literaturanalyse, in der verschiedene politikwissenschaftliche Theorien und Definitionen gegenübergestellt und historisch eingeordnet werden.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionsproblematik, die historische Genese der Großschulen unter Berücksichtigung von Schlüsselereignissen wie den Weltkriegen sowie die Entstehung moderner Ansätze wie des Neorealismus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Internationale Beziehungen, Machtpolitik, Weltgesellschaft, Realismus, Idealismus sowie die Dynamik zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren.
Inwiefern hat der Realismus auf die Kritik reagiert?
Der Realismus hat sich laut der Arbeit in den Neorealismus gewandelt, der nun auch systemische Aspekte und ökonomische Faktoren stärker berücksichtigt, um auf die Schwächen des klassischen Realismus zu antworten.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der USA auf diese Disziplin?
Die Arbeit stellt eine starke Dominanz US-amerikanischer Theorien fest, die sowohl den Idealismus als auch den Realismus geprägt haben und deren Anregungen bis heute maßgeblich für die internationale Forschung sind.
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- Dietmar Klumpp (Author), 2002, Internationale Beziehungen: Definitionen und geschichtliche Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64484