Wallenstein und die Astrologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Bedeutung der Astrologie zur Zeit Wallensteins
2. Wallensteins Astrologen
2.1 Johannes Kepler
2.2 Giovanni Baptista Senno
3. Astrologie als Leitmotiv?
3.1 Erste Begegnungen mit der Astrologie
3.1.1 Fragwürdige Studienreise
3.1.2 Pagenzeit auf Schloss Ambras
3.2 Die Horoskope von 1608 und 1625
3.3 Das erste Generalat und Beginn der Gegnerschaft
3.3.1 Berichte über die Brucker Konferenz
3.3.2 Astrologische Anfragen Gustav Adolf betreffend
3.3.3 Die Kapuziner-Relationen und ihre Folgen
3.3.4 Entlassung
3.4 Flugschriften vom Herbst/Winter 1633/1634

III. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 I. Einleitung

Wenn man den Namen Wallenstein hört, dann denkt man an den Dreißigjährigen Krieg, an Schiller oder an die Astrologie. Wie kommt es aber, dass gerade die Astrologie so oft mit diesem Feldherrn in Verbindung gebracht wird? Für uns ist sie heute eher etwas über das man lächelt. Es gibt zwar in fast jeder Zeitung und Zeitschrift ein Tages- oder Wochenhoroskop, aber wer liest diese schon, weil er wirklich an die Macht der Sterne glaubt? Zur Zeit Wallensteins war dies anders. Damals wurde die Astrologie als Wissenschaft angesehen. Ein Astrologe wurde oft auch als Mathematiker oder Astronom bezeichnet und das Erstellen von Geburtshoroskopen, sogenannten Nativitäten, war nichts außergewöhnliches. Berühmte Mathematiker und Astronomen, wie Johannes Kepler, errechneten sie für weltliche und geistliche Fürsten. Auch vor schwierigen und bedeutenden Entscheidungen musste oft ein Astrologe die Sterne befragen. Wenn die Astrologie zur Zeit Wallensteins also nichts außergewöhnliches war, warum taucht sie im Zusammenhang mit dem Feldherrn immer als etwas unnatürliches auf und wurde ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht?

Eine mögliche Antwort liegt darin, dass der Feldherr einigen Fürsten im Reich, vor allem Maximilian von Bayern, zu mächtig wurde und diese mit allen Mitteln versuchten, Wallenstein beim Kaiser schlecht zumachen. So erklärten sie in ihren Augen merkwürdige Verhaltensweisen und Entscheidungen mit Hilfe einer angeblichen Astrologieabhängigkeit. Die Tatsache, dass in Wallensteins Heer nicht nur Katholiken dienten, machte ihn bei seinen Feinden zu einem religiös gleichgültigen Menschen, der nur an die Macht der Sterne glaubte. Eine gute Propaganda, da der Kaiser ein streng gläubiger Katholik war. Schließlich soll Wallenstein sogar nach der Krone gegriffen haben, weil ihm dies die Sterne vorhergesagt hätten. Wie der Kaiser auf diese Vorwürfe reagierte und was in Eger passierte wissen wir, aber es bleibt die Frage, ob Wallenstein wirklich von der Astrologie abhängig war, oder sie, wie viele vor ihm, als zusätzliche Informationsquelle nutzte.

Diese Arbeit versucht die Frage zu beantworten, ob Wallenstein die Astrologie nun wirklich als Leitmotiv bei seinen politischen und militärischen Entscheidungen benutzte. Schwierig ist dabei, dass Selbstaussagen Wallensteins bezüglich seines Astrologieglaubens nur spärlich, die astrologischen Vorwürfe seiner Gegner hingegen häufiger überliefert sind. In einem einführenden Teil wird die Bedeutung der Astrologie zur Zeit Wallensteins erklärt, um die für uns heute merkwürdige „Wissenschaft“ aus den Augen der Zeitgenossen Wallensteins betrachten zu können.

Danach werden Johannes Kepler und Giovanni Baptista Senno, die beiden wichtigsten Astrologen im Gefolge Wallensteins vorgestellt. Auf weitere Astrologen, denn Wallenstein reiste nie ohne, wird hier nicht eingegangen.

Der dritte Teil stellt schließlich die Frage nach dem Leitmotiv. Hier wird versucht die ersten Kontakte Wallensteins mit der Astrologie zu rekonstruieren, es werden die Horoskope vorgestellt, die er sich von Kepler hat erstellen lassen und einige Ereignisse während seiner beiden Generalate werden unter dem Gesichtspunkt der Astrologie untersucht. Aus Platzgründen liegt der Schwerpunkt hier auf dem ersten Generalat.

2 II. Hauptteil

1. Bedeutung der Astrologie zur Zeit Wallensteins

Den Ursprung der Astrologie findet man in Mesopotamien, wo sie die Zusammenhänge zwischen den Gestirnen und dem irdischen Leben behandelte. Im 12. Jahrhundert gelangten eine Fülle von astrologischen Texten aus dem islamischen Raum nach West- und Mitteleuropa. Die Lehren des Albumasar aus dem 9. Jahrhundert, dass Aufstieg und Niedergang politischer oder religiöser Ereignisse mit den großen Konjunktionen von Saturn und Jupiter in Verbindung stünden, hatten auf die westlichen Gelehrten des 12. und 13. Jahrhunderts großen Einfluss. So erklärten sie u.a. die Geburt Jesu oder den Aufstieg des Islam astrologisch. Auch der Ausbruch der Reformation wurde mit Hilfe der Sterne begründet. Zur Zeit Wallensteins befasste sich die Astrologie hauptsächlich mit der Wettervorhersage, der Alchemie, der Medizin, aber vor allem mit der Horoskopie und der in diesem Zusammenhang stehenden Vorraussagen für das Zukünftige.

Bei den Horoskopen spielte vor allem das Erstellen des Geburtshoroskops eine große Rolle. Hierbei musste zum Zeitpunkt der Geburt die Stellung der Planeten zueinander errechnet werden. Da für die Korrektheit des Horoskops der Zeitpunkt der Geburt so genau wie möglich bekannt sein musste, war es nicht unüblich, dass bei der Geburt eines Königs- oder Kaiserkindes ein Astrologe im Raum anwesend war. Das Errechnen dieser Geburtskonstellation wurde mit Astrolabien und Sternhöhenmessern durchgeführt und erforderte enorme astronomische und mathematische Kenntnisse, so dass die Astrologie als Wissenschaft angesehen wurde und die meisten Astronomen auch als Astrologen tätig waren. Aber erst Johannes Kepler hat die ersten brauchbaren Ephermeridentafeln[1] erstellt, so dass sich die Astrologen bis dahin auf ihre Intuition verlassen mussten und es hier zu ersten Berechnungsfehlern kommen konnte. Nach dem Aufstellen der Geburtskonstellation kam es zur eigentlichen astrologischen Arbeit im Deuten und Auswerten der Konstellation nach bestimmten Regeln und Systemen. Hier war es wichtig, welcher Planet in welchem Zodiakos und welchem Haus stand, wobei jedes Haus eine bestimmte Bedeutung besaß. Aber nicht nur die Stellung, sondern auch die Planeten an sich spielten eine Rolle, da jedem Planeten eine oder mehrere Eigenschaften zugeschrieben wurden und diese Eigenschaften sich auf den Charakter des Menschen übertrugen. Der Planet, dessen Macht zur Geburtsstunde am größten war, prägte so nach allgemeiner Auffassung den Charakter und war deshalb für den Lebensweg bestimmend. Diese physischen und moralischen Eigenschaften der Planeten ergaben sich einerseits aus ihren antiken Götternamen, andererseits wurden auf sie die vier aristotelischen Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde und die ihnen entsprechenden Temperamente Hitze, Feuchtigkeit, Kälte und Trockenheit übertragen.

Seit seiner Entstehung lag das Christentum mit der Astrologie im Konflikt. In der christlichen Schöpfungsgeschichte gibt es nur einen Gott, der die Welt erschaffen hatte, die Gestirne sowie Sonne und Mond sind hier keine Götter mehr. Die Welt und der Kosmos wurden entmythologisiert. Trotzdem spielen im Christentum die Planeten und Sterne eine große Rolle. So sind die astronomischen Handbücher des frühen Mittelalters stark von der kirchlichen Praxis geprägt, wie die Beobachtungen des Mondlaufes für die Festberechnung zeigen. Aber auch in den Kuppeln der christlichen Kirchenbauten zeigt sich die Himmelssymbolik oder man denke an den „Stern von Bethlehem“. Ein Rütteln an dem Weltbild der Kirche konnte existenzbedrohend sein, trotzdem erschienen dem einfachen Volk Himmelskörper oft als Zeichen und Boten Gottes oder überirdischer Mächte und in den Sternbildern lebten uralte Sagen und Mythen weiter. Aber nicht nur das einfache Volk glaubte an das Sterndeuten. Viele Astrologen standen in den Diensten fürstlicher Mäzene oder hatten das Amt eines Hofastrologen z.B. bei den Kaisern Rudolph II., Matthias oder Ferdinand II. inne. Und selbst Päpste wie Julius II. (1503-1513), Leo X. (1513-1521), oder Paul III., der erste Papst der Gegenreformation, glaubten an die Vorhersagen der Astrologie. Mit dem Trienter Konzil von 1545 bis 1563 wurde die Astrologie durch die Kirche endgültig verboten und verdammt, wer es sich aber leisten konnte, ließ sich weiterhin die Nativität stellen und fragte zu Beginn wichtiger Unternehmungen die Astrologen um Rat. Gerade während des Dreißigjährigen Krieges hatte die Sterndeutung noch einmal einen Höhepunkt. Zur Zeit Wallensteins war die Astrologie, trotz des Verbotes durch die Kirche und dem Konflikt mit dem christlichen Glauben, nichts ungewöhnliches. Sie war für die damaligen Menschen die Fortführung der Vernunft, mit deren Hilfe man zusätzliche Informationen gewinnen konnte.[2]

[...]


[1] Ephermeriedentafeln zeigen sowohl für die vergangenen, als auch für die zukünftigen Jahre, für jeden Tag die Konstellation der einzelnen Planeten zueinander. Die äußeren Planeten unseres Sonnensystems Uranus, Neptun und Pluto waren noch nicht bekannt, die Sonne und der Mond wurden aber als Planeten angesehen, so dass man auf die Zahl Sieben kam, die sowohl in den Religionen, als auch bei der Sphärenharmonie eine große Rolle spielt. Vgl.: Mazal, Otto: Die Sternenwelt des Mittelalter. Wiesbaden 2001. Seite 94-99.

[2] Zu Punkt 1 vgl.: Aureus, Wolfgang: Astrologie und Horoskop. Mit 110 Illustrationen, davon 62 Zeichnungen, 45 Fotos und 3 Farbtafeln. Bayreuth 1978. Seite 13-24, 28-33. Geiger, Angelika: Wallensteins Astrologie. Eine kritische Überlieferung nach dem gegenwärtigen Quellenbestand. Graz 1983. Seite 11-20. Mazal, Otto: Die Sternenwelt des Mittelalter. Wiesbaden 2001. Seite 7-145. Page, Sophie: Astrologie in Medieval Manuscripts. Toronto 2002.

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Details

Titel
Wallenstein und die Astrologie
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: Wallenstein und der Dreißigjährige Krieg
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V64499
ISBN (eBook)
9783638573023
ISBN (Buch)
9783656381198
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wallenstein, Astrologie, Hauptseminar, Wallenstein, Dreißigjährige, Krieg
Arbeit zitieren
Matthias Wies (Autor), 2005, Wallenstein und die Astrologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64499

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