Leseförderung ist eine der Aufgaben, die Schule heute zu verwirklichen hat. Kinder sollen mit allen Formen der Literatur in Kontakt kommen, um ihre Vorlieben zu entdecken: traurige Geschichten, lustige Erzählungen, einfache Texte, anspruchsvolle Gedichte, ausgefallene Scherzgeschichten, „normale“ Kinderbücher, etc. Lehrer können nur Angebote unterbreiten. Dabei ist traditionelle Literatur als genauso wichtig wie moderne Kinderbücher einzustufen. Aus diesem Grunde wurde hier das Kunstmärchen „Die Nachtigall“ des dänischen Autors Hans Christian Andersen (1805-1875) ausgewählt. Vorangestellt sind grundsätzliche Betrachtungen zur Bedeutung von Märchen und zum Kunstmärchen als literarische Besonderheit. Da dieses Märchen nicht als bekannt vorausgesetzt werden kann, fiel die Entscheidung den Text in die Arbeit einzubeziehen. Es folgen eine sprachliche und inhaltliche Analyse, sowie Vorschläge zu Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht.
Inhaltsverzeichnis
0. STATT EINES VORWORTES – WARUM LESEFÖRDERUNG SO WICHTIG IST
1. SCHWARZWEIßZEICHNEREI ODER KUNTERBUNTE PHANTASIEWELT – BRAUCHEN KINDER MÄRCHEN?
2. DAS KUNSTMÄRCHEN ALS SONDERFORM DES MÄRCHENS
3. „DIE NACHTIGALL“ – EIN KUNSTMÄRCHEN VON HANS CHRISTIAN ANDERSEN
4. ANALYSE DES MÄRCHENS „DIE NACHTIGALL“
4.1. Zusammenfassung
4.2. Einordnung des Märchens
4.3. Sprachlich-formale Betrachtung
4.4. Inhaltliche Betrachtung und Interpretationsansatz
5. „DIE NACHTIGALL“ IM GRUNDSCHULUNTERRICHT – VORSCHLÄGE ZUR UMSETZUNG IM UNTERRICHT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die literarische Bedeutung von Märchen am Beispiel von Hans Christian Andersens „Die Nachtigall“ aufzuarbeiten und pädagogische Konzepte für deren Umsetzung im Grundschulunterricht zu entwickeln, um das Interesse der Kinder an Literatur zu fördern.
- Bedeutung der Leseförderung im Zeitalter moderner Medien
- Merkmale und literarische Besonderheiten des Kunstmärchens
- Sprachliche und inhaltliche Analyse des Märchens „Die Nachtigall“
- Biographische Bezüge im Werk von Hans Christian Andersen
- Didaktische Vorschläge zur Auseinandersetzung mit Literatur im Grundschulalltag
Auszug aus dem Buch
3. „Die Nachtigall“ – ein Kunstmärchen von Hans Christian Andersen
n China, das weißt du ja wohl, ist der Kaiser ein Chinese, und alle, die er um sich hat, sind Chinesen. Es ist nun viele Jahre her, aber gerade deshalb ist es wert, die Geschichte zu hören, ehe sie vergessen wird. Des Kaisers Schloß war das prächtigste der Welt, ganz und gar aus feinem Porzellan, so kostbar, aber so zerbrechlich, so gefährlich zu berühren, daß man sich ordentlich in acht nehmen mußte. Im Garten sah man die wunderbarsten Blumen, und an die allerprächtigsten waren Silberglocken gebunden, die läuteten, damit man nicht vorbeigehen möchte, ohne die Blumen zu beachten. Alles war in des Kaisers Garten fein ausgeklügelt. Und er erstreckte sich so weit, daß der Gärtner selbst das Ende nicht kannte. Ging man immer weiter, so kam man in den herrlichsten Wald mit hohen Bäumen und tiefen Seen. Der Wald ging gerade hinunter bis zum Meer, das blau und tief war; große Schiffe konnten unter den Zweigen hinsegeln, und in diesen wohnte eine Nachtigall, die so herrlich sang, daß selbst der arme Fischer, der so viel anderes zu tun hatte, stillhielt und horchte, wenn er des Nachts ausgefahren war, um das Fischnetz aufzuziehen, und dann die Nachtigall hörte. "Ach Gott, wie ist das schön!" sagte er, aber dann mußte er auf sein Netz achtgeben und vergaß den Vogel. Doch wenn dieser in der nächsten Nacht wieder sang und der Fischer dorthin kam, sagte er wieder: "Ach Gott, wie ist das doch schön!"
Aus allen Ländern kamen Reisende in die Stadt des Kaisers und bewunderten diese, das Schloß und den Garten. Doch wenn sie die Nachtigall zu hören bekamen, sagten sie alle: "Das ist doch das Beste!"
Zusammenfassung der Kapitel
0. STATT EINES VORWORTES – WARUM LESEFÖRDERUNG SO WICHTIG IST: Es werden die wesentlichen Vorteile des Lesens gegenüber anderen Medien hervorgehoben und die Notwendigkeit von Lesevorbildern in Schule und Elternhaus betont.
1. SCHWARZWEIßZEICHNEREI ODER KUNTERBUNTE PHANTASIEWELT – BRAUCHEN KINDER MÄRCHEN?: Das Kapitel diskutiert die Relevanz von Märchen für Kinder, wobei sowohl Kritikpunkte wie Gewalt und veraltete Moral als auch die positiven Effekte für die kindliche Phantasie gegenübergestellt werden.
2. DAS KUNSTMÄRCHEN ALS SONDERFORM DES MÄRCHENS: Hier wird der Gattungsbegriff des Kunstmärchens definiert, von Volksmärchen abgegrenzt und in seinen historischen Kontext eingeordnet.
3. „DIE NACHTIGALL“ – EIN KUNSTMÄRCHEN VON HANS CHRISTIAN ANDERSEN: Es folgt der Abdruck des Originaltextes von „Die Nachtigall“, um eine gemeinsame Wissensbasis für die nachfolgende Analyse zu schaffen.
4. ANALYSE DES MÄRCHENS „DIE NACHTIGALL“: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Zusammenfassung, eine literaturwissenschaftliche Einordnung sowie eine detaillierte sprachliche und inhaltliche Untersuchung des Werkes.
5. „DIE NACHTIGALL“ IM GRUNDSCHULUNTERRICHT – VORSCHLÄGE ZUR UMSETZUNG IM UNTERRICHT: Es werden konkrete didaktische Sequenzen für die Arbeit mit 3. und 4. Klassen entworfen, um die Themen Natur versus Kunst sowie die Bedeutung von Originalität erlebbar zu machen.
Schlüsselwörter
Märchen, Kunstmärchen, Hans Christian Andersen, Leseförderung, Die Nachtigall, Literaturdidaktik, Grundschule, Natürlichkeit, Künstlichkeit, Interpretationsansatz, Erzählweise, Jenny Lind, Deutschunterricht, Kinderliteratur, Symbolik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Kunstmärchen „Die Nachtigall“ von Hans Christian Andersen unter literaturwissenschaftlichen Aspekten und entwickelt didaktische Konzepte für den Grundschulunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Bedeutung von Leseförderung, die Abgrenzung von Volks- und Kunstmärchen, die Analyse von Andersens Sprache sowie die Thematik der Ambivalenz zwischen Natur und Technik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Märchen als wertvollen Bestandteil der kulturellen Bildung darzustellen und durch eine fundierte Analyse sowie praxisnahe Unterrichtsvorschläge die Begeisterung für das Lesen bei Kindern zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Textanalyse mit pädagogisch-didaktischen Reflexionen und integriert biographische Hintergründe des Autors zur Deutung des Textes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Zusammenfassung, eine Einordnung des Märchens, eine sprachlich-formale Betrachtung sowie eine inhaltliche Interpretation, ergänzt um konkrete Vorschläge zur Umsetzung im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Märchen, Kunstmärchen, Leseförderung, Literaturdidaktik, Natürlichkeit versus Künstlichkeit und der biographische Bezug zu Hans Christian Andersen.
Welche Rolle spielt die Biografie von Andersen in dieser Analyse?
Die Analyse beleuchtet, wie Andersens persönliche Erfahrungen, insbesondere sein Werben um die Sängerin Jenny Lind, in die Symbolik zwischen der echten und der künstlichen Nachtigall einfließen.
Warum wird der Einsatz der Methode "Kopie-austeilen-lest-das-zu-Hause" abgelehnt?
Die Autorin argumentiert, dass Grundschulkinder mit einem so umfangreichen Text in eigenständiger Lektüre überfordert wären und eine moderierte, gemeinsam angeleitete Auseinandersetzung im Unterricht erfolgreicher ist.
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- Susann Sulzbach (Author), 2003, Märchenbetrachtung und -analyse am Beispiel "Die Nachtigall" von Hans Christian Andersen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64507