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Zeit heilt keine Wunden. Kriegstraumatisierung als verdrängtes Thema der Altenhilfe

Title: Zeit heilt keine Wunden. Kriegstraumatisierung als verdrängtes Thema der Altenhilfe

Diploma Thesis , 2006 , 81 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Judith Härri (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Verletzungen seelischer Art, welche durch menschliche Gewalt hervorgerufen werden (man-made-disaster). Das Trauma als Folge von menschlicher Gewalt findet im Krieg seine massivste Form. Folglich lässt sich Kriegstraumatisierung als extreme Form von psychischer Traumatisierung charakterisieren.
In der Auseinandersetzung mit Kriegstraumatisierung in Deutschland, stößt man zwangsläufig auf das Arbeitsfeld der Altenarbeit. Die Überlebenden des II. Weltkrieges der ersten, sowie zweiten Generation, sind heute weit über 60 Jahre alt und somit in den Einrichtungen und Hilfesystemen der Altenarbeit anzutreffen.
Das Thema weist eine hohe Komplexität auf, da Erkenntnisse aus der Psychotraumatologie, der Gerontologie und der Altenarbeit im Allgemeinen verknüpft werden müssen. Mit dieser Schwierigkeit versucht sich das vorliegende Buch auseinander zu setzten.
Es soll versucht werden eine Antwort zu finden auf die Fragen, welche Elemente und Erkenntnisse der Psychotraumatologie für die Altenarbeit relevant sind, welche Therapieformen in die Altenarbeit übernommen werden können und was dies für die Sozialarbeit bedeuten mag.

Fundamentale Bedeutung und Aktualität erlangte das Thema in Deutschland durch den 60. Jahrestag des Endes des II. Weltkrieges im Jahre 2005.
Erschreckender Weise wurde festgestellt, dass die psychischen Folgen der NS- Zeit noch immer ein verdrängtes Thema in der deutschen Gesellschaft darstellen. Die Altenhilfe und Altenpflege scheint sich hilflos gegenüber den psychosozialen Folgen des Krieges zu fühlen. Paradoxer Weise ist jedoch eine hohe Anzahl der Klienten in der Altenarbeit in irgendeiner Weise durch traumatische Kriegserlebnisse beeinträchtigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das psychische Trauma

2.1 Definition

2.1.1 Kollektive Traumatisierung

2.1.2 Individuelle Traumatisierung

2.2 Verlauf und Folgen

2.2.1 Langfristige Folgen von Traumatisierung

2.3 Kriegstraumatisierung

3. Eingrenzung der betroffenen Personen im Alter

3.1 Überlebende des II. Weltkrieges

3.2 Sexualisierte Gewalt gegen Frauen

3.3 Die Zweite Generation

4. Die gesellschaftliche und therapeutische Auseinandersetzung mit Kriegstraumatisierung

4.1 Gesellschaftliche Wiedergutmachung durch Anerkennung des Leids

4.2 Individuelle Behandlung durch sozialtherapeutische Möglichkeiten

4.2.1 Sozialtherapeutische Methoden der Stabilisierung

5. Psychosoziale Arbeit mit älteren, kriegstraumatisierten Menschen

5.1 Am Ende des Lebenszyklus

5.1.1 Trauma-Reaktivierung im Alter

5.2 Durchführung und Zielsetzung sozialtherapeutischer Arbeit mit älteren Menschen

5.2.1 Die Bedeutung von Beziehung und Interaktion in der sozialen Arbeit mit alten Menschen

6. Aufgaben und Anforderungen an die Sozialarbeit im Bereich der Altenarbeit mit Kriegstraumatisierten

6.1 Ein Übertragungsversuch der Therapieansätze in die Altenarbeit am Beispiel eines Gruppenangebotes

6.2 Anforderungen an die Qualifikation der Sozialarbeiter

6.2.1 Koordination, Kooperation und Netzwerkarbeit in der Altenarbeit

7. Resümee

8. Anhang

8.1 Anhang A

8.1.1 Die Posttraumatische Belastungsstörung nach dem Diagnose- Manual DSM VI

8.1.2 Die Posttraumatische Belastungsstörung nach dem Klassifikationssystem der ICD-10

8.2 Anhang B

8.2.1 Vergleich des Paragraphen § 177 StGB vor- und nach der Reform 1997

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die bisher in der Altenhilfe weitgehend verdrängte Thematik der Kriegstraumatisierung bei der Generation, die den Zweiten Weltkrieg als Erwachsene oder Kinder erlebt hat. Ziel ist es, auf Basis psychotraumatologischer und gerontologischer Erkenntnisse Ansätze für eine sozialarbeiterische Unterstützung und Stabilisierung dieser Menschen zu entwickeln und die Rolle der Sozialarbeit im interdisziplinären Kontext der Altenarbeit zu klären.

  • Psychotraumatologie und das spezifische Phänomen der Kriegstraumatisierung
  • Besondere Belastungssituationen bei Überlebenden des Zweiten Weltkriegs und der "Zweiten Generation"
  • Methoden der Stabilisierung und trauma-orientierten Arbeit im Alter
  • Sozialarbeiterische Konzepte wie "Empowerment" und "Case Management" in der Altenarbeit
  • Anforderungen an die Qualifikation und Netzwerkarbeit von Sozialarbeitern in der Altenpflege

Auszug aus dem Buch

6.1 Ein Übertragungsversuch der Therapieansätze in die Altenarbeit am Beispiel eines Gruppenangebotes

Im Folgenden soll versucht werden, die behandelten Punkte 4.2 und 5.2 der vorliegenden Arbeit zu verknüpfen.

Es existieren besondere Merkmale für die Arbeit mit alten, kriegstraumatisierten Menschen. Den Hintergrund bildet das Wissen um Traumatisierung und verdrängte Trauerprozesse, sowie die psychosoziale Altenarbeit im Allgemeinen.

Die Gruppenarbeit scheint für die Altenarbeit, insbesondere für die Arbeit mit alten, kriegstraumatisierten Menschen eine geeignete Antwort zu sein. Die Gruppenarbeit hilft der sozialen Isolation durch Alter und Trauma entgegenzuwirken und den alten Menschen Schutz und Sicherheit zu gewähren. Die Gruppe bietet eine Gemeinschaft in der der Einzelne bemerkt, dass er nicht alleine ist. Auch die Gruppenarbeit mit alten, kriegstraumatisierten Menschen orientiert sich an dem Drei-Phasenmodell wie es unter 4.2 der vorliegenden Arbeit beschrieben wurde.

Das hier beschriebene (fiktive) Gruppenangebot soll für Begegnungs- und Altentagesstätten, sowie Alten- und Pflegeheime gleichermaßen gelten. Dabei sind die institutionellen Unterschiede zu bedenken und eine entsprechende Modifikation für die konkrete Anwendung wünschenswert.

So kann die Gruppengröße in Begegnungs- und Altentagesstätten bei ca. zwölf Personen liegen. In Alten- und Pflegeheimen ist davon auszugehen, dass die Bewohner von erheblichen körperlichen Einschränkungen betroffen sind und einer intensiveren Betreuung bedürfen. Es ist ratsam die Gruppengröße hier auf höchstens acht Personen zu beschränken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas Kriegstraumatisierung in der Altenarbeit, stellt das Forschungsinteresse dar und definiert den Aufbau der Arbeit.

2. Das psychische Trauma: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Traumas, den Prozess der Traumatisierung und die spezifischen Charakteristika von Kriegstraumatisierung als extreme Form psychischer Gewalt.

3. Eingrenzung der betroffenen Personen im Alter: Es wird die Zielgruppe der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs, speziell auch von Frauen und der "Zweiten Generation", in den Blick genommen.

4. Die gesellschaftliche und therapeutische Auseinandersetzung mit Kriegstraumatisierung: Das Kapitel diskutiert die Bedeutung gesellschaftlicher Anerkennung sowie individuelle sozialtherapeutische Behandlungsansätze.

5. Psychosoziale Arbeit mit älteren, kriegstraumatisierten Menschen: Hier wird die besondere Lebenssituation im Alter betrachtet und der Prozess der Trauma-Reaktivierung analysiert.

6. Aufgaben und Anforderungen an die Sozialarbeit im Bereich der Altenarbeit mit Kriegstraumatisierten: Dieses Kapitel entwickelt konkrete Gruppenangebote und definiert die notwendige Qualifikation sowie Koordinationsanforderungen für Sozialarbeiter.

7. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Integration dieser Thematik in die Altenpflegeausbildung.

Schlüsselwörter

Kriegstraumatisierung, Altenarbeit, Psychotraumatologie, PTBS, Trauma-Reaktivierung, Sozialarbeit, Sozialtherapie, Empowerment, Case Management, Biographiearbeit, Zweite Generation, Altenpflege, Netzwerkarbeit, psychosoziale Intervention, Lebenszykluskonzept.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der psychischen Belastung älterer Menschen, die durch Kriegserlebnisse traumatisiert wurden und heute in Einrichtungen der Altenhilfe betreut werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verbindet Aspekte der Psychotraumatologie mit der Gerontologie und der klinischen Sozialarbeit, um Wege für einen besseren Umgang mit kriegstraumatisierten Senioren aufzuzeigen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Hauptziel ist es, die mangelnde Auseinandersetzung mit Kriegstraumatisierung in der Altenhilfe kritisch zu hinterfragen und Ansätze für eine professionelle, trauma-orientierte Unterstützung zu liefern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf Literaturrecherche und die Auswertung von Fachkonzepten, um Theorie mit praxisnahen Ansätzen für die Altenarbeit zu verknüpfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen des Traumas auch die Besonderheiten der Trauma-Reaktivierung im Alter sowie konkrete methodische Vorgehensweisen für die Sozialarbeit (z.B. Gruppenangebote) erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Kriegstraumatisierung, PTBS, Biographiearbeit, Empowerment und Netzwerkarbeit im Kontext der Altenhilfe.

Warum ist die "Zweite Generation" für die Arbeit relevant?

Die Arbeit thematisiert die transgenerationale Weitergabe von Traumata, da Kinder von Kriegstraumatisierten oft selbst mit den Folgen dieser Belastungen (Bindungsproblematik, Ängste) im Alter konfrontiert sind.

Warum spielt die Trauma-Reaktivierung im Alter eine besondere Rolle?

Das Alter bringt oft neue körperliche und soziale Krisen mit sich, die als "Schlüsselreize" wirken können, wodurch lange verdrängte Kriegstraumata nach Jahrzehnten plötzlich wieder akut werden.

Welche Rolle spielt die Netzwerkarbeit?

Da die Problemlage alter Menschen multifaktoriell ist, wird Netzwerkarbeit als essenziell betrachtet, um medizinische, pflegerische und psychosoziale Hilfen effektiv zu koordinieren.

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Details

Title
Zeit heilt keine Wunden. Kriegstraumatisierung als verdrängtes Thema der Altenhilfe
College
Cologne University of Applied Sciences
Grade
1,0
Author
Judith Härri (Author)
Publication Year
2006
Pages
81
Catalog Number
V64543
ISBN (eBook)
9783638573306
ISBN (Book)
9783638718394
Language
German
Tags
Zeit Wunden Kriegstraumatisierung Thema Altenhilfe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Judith Härri (Author), 2006, Zeit heilt keine Wunden. Kriegstraumatisierung als verdrängtes Thema der Altenhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64543
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