Im Rahmen dieser Hausarbeit wird insbesondere der erste Part bei der Auseinandersetzung mit der Tugend diskutiert, also die Bestimmung des Wesens der Areté. Im Zusammenhang mit dieser Thematik muss auch intensiv auf das platonische Verständnis von Definitionen eingegangen werden. Vor allem in dieser Passage des Dialogs, in dem Menon seine Definitionsversuche vorbringt, sind diese beiden Aspekte eng miteinander verflochten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einordnung und Merkmale des Dialogs
3 Die Definitionsversuche zur Tugend
3.1 Gesprächseinführung und erster Definitionsversuch
3.2 Der zweite Definitionsversuch
3.3 Der dritte Definitionsversuch
3.4 Der Übergang zu den weiteren Hauptteilen des Dialogs
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Definitionsversuche des Tugendbegriffs (Areté) im ersten Teil des platonischen Dialogs Menon. Dabei steht die Analyse der sokratischen Gesprächsführung sowie die Kritik an Menons Versuchen, die Tugend durch eine bloße Aufzählung von Einzeltugenden zu bestimmen, im Vordergrund, um das zugrunde liegende Verständnis von Definitionen bei Platon zu erarbeiten.
- Analyse der sokratischen Gesprächsführung und Maieutik
- Untersuchung der Definitionsproblematik am Beispiel der Areté
- Kritik an der sophistischen Definitionspraxis
- Vergleich zwischen mathematischen und physikalischen Definitionsansätzen
- Die erkenntnistheoretische Wende zur Anamnesislehre
Auszug aus dem Buch
3.1 Gesprächseinführung und erster Definitionsversuch
Ohne lange Vorrede wird zu Beginn des Gespräches die Frage von Menon direkt an seinen Gesprächspartner gestellt, ob und wie die Tugend lehrbar ist (70 a). Sokrates reagiert auf diese Einstiegsfrage mit kaum verhohlener Ironie. So preist er die Thessalier neben ihrer traditionell vorzüglichen Pferdekunst für ihre neuerliche Weisheit, die sie durch die Besuche des Sophisten Gorgias erworben haben (70 b). FRIEDLÄNDER (1964:257) betont die rhetorische Komponente, die auch in anderen Dialogen Platons aufgegriffen wird: „Das zuchtlose Athen erhält nun ein ironisches Gegenbild: Thessalien, - so wie Thrakien im Charmides, der Perserhof im Alkibiades ironische Gegenbilder sind“.
Insbesondere das spätere Auftreten der Figur des Politikers Anytos ist in diesem Kontext bedeutend. Er gilt als Sinnbild der Höhergestellten, die aus wahrhaftiger Unwissenheit über die Tugend handeln. Dagegen kann Sokrates als einer derjenigen Vertreter gesehen werden, die zwar über das Wissen über die Tugend verfügen, dieses aber nicht öffentlich zur Schau stellen.
So bezieht folgerichtig Sokrates in der Stellung zur Menon’schen Ausgangsfrage eine eher defensiv ausgerichtete Position. Er weiß angeblich nicht einmal, was Tugend überhaupt ist und kann daher auch nicht Menon beantworten, wie es mit der Lehrbarkeit der Tugend bestellt ist (71 a). Er unterläuft somit die eigentliche Intention seines Gesprächspartners, um die von Menon kaum wahrgenommene Schwierigkeit der Was-Frage zur Tugend kenntlich zu machen. Sokrates’ Prinzip heißt: Erst wer das Was bzw. das Wesen einer Sache erkannt hat, kann auch über das Wie bzw. die Eigenschaften formal haltbare Aussagen tätigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Dialogs Menon als Programmschrift für Platons Akademie ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die sich mit den Definitionsversuchen der Areté befasst.
2 Einordnung und Merkmale des Dialogs: Hier wird der Menon chronologisch in das Werk Platons eingeordnet und als Übergang von der aporetischen zur positiven Dialogform charakterisiert.
3 Die Definitionsversuche zur Tugend: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die drei Definitionsversuche Menons und die jeweils kritische Auseinandersetzung durch Sokrates, wobei auch die Rolle der Metaphysik und Mathematik beleuchtet wird.
3.1 Gesprächseinführung und erster Definitionsversuch: Dieses Kapitel behandelt den Beginn des Dialogs, in dem Menon scheitert, die Tugend durch die Aufzählung von Einzeltugenden für verschiedene Personengruppen zu definieren.
3.2 Der zweite Definitionsversuch: Hier wird Menons Versuch kritisiert, Tugend als „Fähigkeit zu herrschen“ zu bestimmen, woraufhin Sokrates die Notwendigkeit einer einheitlichen Definition anhand geometrischer Beispiele erläutert.
3.3 Der dritte Definitionsversuch: Dieses Kapitel erörtert Menons Versuch, Tugend als Streben nach dem Schönen und Guten zu definieren, und die sokratische Argumentation, dass niemand wissentlich das Schlechte begehrt.
3.4 Der Übergang zu den weiteren Hauptteilen des Dialogs: Hier wird das Paradoxon der Wissenssuche („Meno-Paradoxon“) thematisiert und der inhaltliche Übergang zur Anamnesislehre als Ausweg aus der Aporie beschrieben.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert das Scheitern des Menon an der Definition der Areté und verweist auf die Bedeutung der sokratischen Dialektik für die spätere Lehrdialog-Phase Platons.
Schlüsselwörter
Platon, Menon, Sokrates, Areté, Tugend, Definition, Frühdialog, Aporetik, Anamnesislehre, Gorgias, Sophistik, Maieutik, Erkenntnistheorie, Dialektik, Was-Ist-Frage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die ersten Definitionsversuche des Tugendbegriffs (Areté) im platonischen Dialog Menon und beleuchtet die philosophische Methodik der Auseinandersetzung zwischen Sokrates und Menon.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die platonische Definitionslehre, die sokratische Gesprächsführung (Maieutik), das Spannungsfeld zwischen Sophistik und Philosophie sowie die erkenntnistheoretische Wende zur Anamnesislehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Menons Versuche, die Tugend durch Aufzählungen oder Teilaspekte zu definieren, an den sokratischen Anforderungen an eine substantielle Wesensbestimmung scheitern.
Welche methodische Vorgehensweise findet Anwendung?
Es wird eine textnahe Interpretation der relevanten Passagen des Dialogs Menon vorgenommen, ergänzt durch den kritischen Rückgriff auf zeitgenössische und klassische Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die schrittweise Analyse der drei Definitionsversuche Menons und den Übergang zu den erkenntnistheoretischen Konsequenzen, insbesondere dem „Meno-Paradoxon“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Platon, Menon, Areté, Sokrates, Definition, Maieutik und Anamnesislehre.
Warum spielt der „Bienenvergleich“ im Dialog eine wichtige Rolle?
Der Bienenvergleich verdeutlicht die methodische Kritik des Sokrates: Eine Definition darf nicht aus einer bloßen Anhäufung von Einzelbeispielen bestehen, sondern muss das gemeinsame Wesen (das Eidos) erfassen, das alle Instanzen verbindet.
Wie reagiert Sokrates auf die sophistische Argumentationsweise des Menon?
Sokrates begegnet der Sophistik mit Ironie und einer strengen dialektischen Gesprächsführung, die darauf abzielt, die wahrhaftige Erkenntnis des Wesens einer Sache über bloße rhetorische Wortgefechte zu stellen.
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- Stefan Witzmann (Author), 2006, Die Definitionsversuche zur Tugend im ersten Teil des platonischen Dialogs Menon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64550