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Die Lüge, ein linguistischer Fall. Beschreibung des Lügens als Sprechakt sprachlicher Täuschung

Title: Die Lüge, ein linguistischer Fall. Beschreibung des Lügens als Sprechakt sprachlicher Täuschung

Thesis (M.A.) , 2005 , 113 Pages , Grade: 1

Autor:in: Iris Baumgärtel (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

Sprache bzw. das Sprechen als Form der Kommunikation ist eine Handlung der sozialen Interaktion. Die Lüge ist damit eine besondere Form der Interaktion.

Die Ausführungen sollen zeigen, welche linguistischen Ausprägungen das Lügen als eine Form des sprachlichen Handelns aufweist und welche kommunikativen Fähigkeiten und Schwierigkeiten darin liegen. Um zu beschreiben, was wir eigentlich genau tun, wenn wir sprechen, wird um größten Teil die Sprechakttheorie Austins und Searles zugrunde gelegt. Außerdem werden semantische und pragmatische Grundlagen zur Wahrheit, Sprecher-Hörer-Beziehungen, sowie eine genauere Einordnung des sprachlichen Handelns in die soziale Interaktion im Allgemeinen beschrieben.

Der zweite Abschnitt wird sich dem Lügen als einem eigenen Begriff der sprachlichen Täuschung widmen. Den ersten Anstoß zu ernsthaften linguistischen Analysen dieses speziellen Falls sprachlichen Handelns gab Weinrich mit seiner "Linguistik der Lüge" im Jahr 1966, die aber „nur“ eine Antwort auf die Preisfrage „Kann Sprache die Gedanken verbergen?“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zu geben versuchte.

Im III. Teil werden Theorien und Analysen des Lügens als Sprechakt ausgeführt. Nachdem die Begriffe Wahrheit und Wissen in einem kleinen erkenntnistheoretischen Exkurs näher bestimmt wurden, werden Anhaltspunkte zu finden sein, inwiefern Lügen als eine Form des Behauptens verstanden werden kann.

Darüber hinaus widmen wir uns einer eigentlich ganz eigenen Thematik: dem Paradox des Lügners.
Wie sind Sätze zu verstehen, die sich im Bezug auf ihre eigene Aussage selbst widersprechen? Welches Wahrheitsprädikat ist einem Satz der Form "Dieser Satz ist falsch" zuzuteilen, wenn nicht klar ist, ob der semantische Inhalt nun wahr oder falsch ist?
Zu dieser Frage wird zum einen die philosophische und logische Umgehensweise mit sprachlichen Paradoxien erläutert, sowie eine kleine Auswahl an semantischen und pragmatischen Gedanken zur Lösung des Problems geboten.

Excerpt


Inhalt

Einleitung

I. Vorbereitende Grundlagen

1. Pragmatische und Semantische Grundlagen

1.1. Bedeutung und Wahrheitsbedingungen – Stützpunkte der Semantik

1.2. Sprache, Sprecher und Hörer

2. Sprachliches Handeln

2.1. Die Sprechakttheorie

2.1.1. Die Sprechakte bei Austin und Searle

2.1.1.1. Glückensbedingungen illokutionärer Akte (Searle)

2.1.1.2. Die Klassifizierung von Sprechakten: Die Taxonomie von Searle

3. Kommunikation und kommunikative Kooperation

3.1. Die Rolle des Impliziten

II. Die Sprachliche Täuschung und die Lüge

1. Das Interesse der Linguistik an Täuschung und Lüge

1.1. Der Untersuchungsgegenstand

2. Grund und Zweck des Lügens – Eine pragmatische Frage?

3. Allgemeine Definitionen

III. Die Theorie und linguistische Analysen

1. Die Lüge als eigener Begriff sprachlicher Täuschung

2. Wahrheit und Wissen

2.1. Wissen, Glauben und Lügen

3. Der prototypische Fall

3.1. Proposition und propositionale Einstellung

3.2. Behaupten

3.2.1. Erfolgsbedingungen der Behauptung

3.3. Lügen als besondere Behauptungen

3.3.1. Faktive und epistemische Wahrheit

3.3.2. Der Irrtum – ein Fall einer wahren Lüge

4. Sprechakttheoretische Bestimmung

4.1. Lügen als illokutionärer Akt: Glückensbedingungen

4.2. Die Lüge als Perlokution

IV. Das Paradox des Lügners

1. Die Metaphysik des Paradoxen

2. Paradox und Antinomie

2.1. Die aristotelische Lösung

2.2. Das Paradox des Lügners zwischen Philosophie und Logik

3. Das Problem des Lügners

4. Die Ermittlung der Antinomie im Sprachsystem

5. Lösungsversuche – eine überschaubare Auswahl

5.1. Pragmatische Überlegungen zum Antinomienproblem

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Lügen als spezifische Form des sprachlichen Handelns und analysiert dessen Einordnung in die linguistische Sprechakttheorie. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das Lügen als bewusste Täuschungshandlung unter den Bedingungen kooperativer Kommunikation und im Kontext semantischer Wahrheitskriterien präzise bestimmt und von anderen Formen sprachlicher Fehlleistungen, wie dem Irrtum, abgegrenzt werden kann.

  • Grundlagen der Sprechakttheorie nach Austin und Searle im Kontext der Lüge.
  • Die Abgrenzung von Lügen, Täuschen und Irrtum als sprachliche Handlungen.
  • Die Analyse der Lüge unter Berücksichtigung von Wissens- und Wahrheitsbegriffen.
  • Untersuchung des Paradoxes des Lügners und dessen Implikationen für die Semantik.

Auszug aus dem Buch

3.3. LÜGEN ALS BESONDERE BEHAUPTUNGEN

Die Lüge als einen Sonderfall der Behauptung einzuordnen, widerspricht Austins und Searles Annahmen von defekten oder verunglückten sprachlichen Handlungen (vgl. Austin 1972; Searle 1975). Zwar betrachtet Searle die Lüge im Zusammenhang mit der Behauptung, jedoch nur als deren fehlerhaftes Resultat einer Regelverletzung. Es gibt weitere phänomenologische, sprachphilosophische und linguistische Theorien, die die Meinung vertreten, die Lüge sei keine Behauptung in ihrer definierten Form oder vielmehr eine „Pseudobehauptung“ (vgl. Falkenberg 1982). Das Hauptargument dieser Positionen ist die Notwendigkeit der Überzeugung und des aktiven Glaubens. Da in der Lüge dieser Glaube nur vorgetäuscht werde, sei sie auch nur eine scheinbare Behauptung und keine wahrhaftige. Wahrhaftigkeit allerdings als Voraussetzung zugrunde zu legen, steckt den Rahmen zu eng, zumal sie auch nicht die belangvollste Bedingung für eine hinreichende Definition der Behauptung ist. Denn auch, wenn der Lügner nur vorgibt, den Glauben, dass p wahr ist zu haben, mit dieser Behauptung aber den verschleierten aktiven Glauben, dass p falsch ist zum Ausdruck bringt, so ist der Lüge doch der Behauptungsakt inhärent.

All diese [täuschenden] Sprechhandlungen bedienen sich konventioneller Prozeduren und können auch nur dementsprechend klassifiziert werden: ein Lügen also als Sprechhandlung des Behauptens. Jemand, der lügt, will gerade den Schein wahren, dass er das glaube (oder wisse), was er sagt; deshalb wird er sich auch den aus der Behauptung folgenden Obligationen unterwerfen (soweit dies ihm möglich ist unter Wahrung des Scheins). (Wunderlich 1974:351)

Zusammenfassung der Kapitel

I. Vorbereitende Grundlagen: Einführung in die pragmatischen und semantischen Grundlagen sowie die Sprechakttheorie, die als Basis für die Analyse des Lügens dienen.

II. Die Sprachliche Täuschung und die Lüge: Untersuchung des linguistischen Interesses an Täuschung und der Abgrenzung zu allgemeinen Begriffen.

III. Die Theorie und linguistische Analysen: Detaillierte Analyse des Lügens als Sprechakt, unter Einbeziehung von Wissen, Wahrheit und den Erfolgsbedingungen von Behauptungen.

IV. Das Paradox des Lügners: Philosophische und logische Auseinandersetzung mit der Antinomie des Lügners und verschiedenen Lösungsversuchen.

V. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung des Lügens als "maskierte" Perlokution sprachlicher Handlungen.

Schlüsselwörter

Lüge, Sprechakttheorie, sprachliche Täuschung, Pragmatik, Behauptung, Wahrheitsbedingungen, Kooperationsprinzip, Proposition, Lügner-Paradox, Antinomie, Perlokution, epistemische Einstellung, Sprachhandeln, Semantik, Intentionalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die linguistische Beschreibung des Lügens und stellt dabei das Lügen als eine spezifische Art der sprachlichen Kommunikation dar, die eigenen Regeln und Regelverstößen unterliegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Sprechakttheorie (Austin/Searle), die Abgrenzung von Lügen und Irrtum, die erkenntnistheoretischen Begriffe Wissen und Wahrheit sowie das logische Problem des Lügner-Paradoxes.

Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, das Lügen als ernstzunehmenden Fall sprachlichen Handelns zu etablieren und aufzuzeigen, dass schwierige Phänomene wie Paradoxien keine Systemfehler, sondern interessante Aspekte des Sprachgebrauchs sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt sprechaktanalytische Methoden sowie logisch-semantische Analysen, um die Struktur von Lüge und Täuschung systematisch zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des sprachlichen Handelns, die Analyse der Lüge als Sprechakt und eine abschließende Untersuchung logischer Paradoxien, speziell des Lügner-Paradoxes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprechakttheorie, Pragmatik, Lüge, Täuschung, Behauptung und Antinomie charakterisieren.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen "Lügen" und "Belügen"?

Die Autorin definiert Belügen als transitives Erfolgsverb, das die Intention beinhaltet, die Täuschungsabsicht nicht erkennbar zu machen, während Lügen als intransitiver Akt fungiert, der nicht zwingend den Erfolg der Täuschung erfordert.

Warum ist das Paradox des Lügners für die Arbeit relevant?

Es dient als Beispiel für Fälle, in denen Wahrheitsprädikation und logische Grundprinzipien innerhalb eines Satzes kollidieren, und beleuchtet die Grenzen aktueller sprachwissenschaftlicher Theorien bei der Analyse von Selbstbezüglichkeit.

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Details

Title
Die Lüge, ein linguistischer Fall. Beschreibung des Lügens als Sprechakt sprachlicher Täuschung
College
University of Constance
Grade
1
Author
Iris Baumgärtel (Author)
Publication Year
2005
Pages
113
Catalog Number
V64602
ISBN (eBook)
9783638573740
ISBN (Book)
9783638710589
Language
German
Tags
Lüge Fall Beschreibung Lügens Sprechakt Täuschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Iris Baumgärtel (Author), 2005, Die Lüge, ein linguistischer Fall. Beschreibung des Lügens als Sprechakt sprachlicher Täuschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64602
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