Qualitatives Bewegungslernen am Beispiel des oberen Zuspiels im Volleyball


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlagen des motorischen Lernens

2. Phasen des Bewegungslernens
2.1. Entwicklung der Grobkoordination
2.2. Feinkoordination
2.3. Phase der Feinstkoordination und der Variablen Verfügbarkeit

3. Qualitatives Bewegungslernen

4. Qualitatives Bewegungslernen am Beispiel Volleyball
4.1. Spezifik des Volleyballspiels
4.2. Qualitatives Bewegungslernen des oberen Zuspiels frontal
4.2.1. Knotenpunkte der Bewegung
4.2.2. Methodik des Trainings des oberen Zuspiels

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Grundlagen des Motorischen Lernens

Der Mensch ist ein Wesen, welches sich aktiv mit der dinglichen und menschlichen Umwelt auseinandersetzt, wobei die Motorik eine große Rolle spielt. Die Motorik hat für den Menschen grundlegende Bedeutung. Ohne sie wäre die Menschheit nicht denkbar, da sie Einfluss auf alle Lebensgebiete hat. „Die menschliche Bewegung [...] ist ein Produkt der Arbeit.“[1]. Alle Bewegungsformen des Menschen haben ihren Ursprung in der Existenzsicherung, welche durch Arbeit geschieht. Somit nimmt die Motorik im menschlichen Sein eine herausragende Rolle ein.

Wenn wir nun über das motorische Lernen sprechen, so sollte als erstes einmal geklärt werden, um was es sich dabei überhaupt handelt. Lernen im weiteren Sinne versteht man als Grundvorgang im Leben des Menschen und in der Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit. Demnach handelt es sich um das Neuerwerben oder Weiterentwickeln von Verhalten und Leistungsformen durch aktive Auseinandersetzung des Individuums mit seiner Umwelt. Somit ist motorisches Lernen das Erwerben, Verfeinern, Stabilisieren und Anwenden motorischer Fertigkeiten. Es ist eingebettet in die Gesamtentwicklung der menschlichen Persönlichkeit und vollzieht sich in Verbindung mit der Aneignung von Kenntnissen, mit der Entwicklung koordinativer und konditioneller Fähigkeiten und mit der Aneignung von Verhaltenseigenschaften.

Das Erlernen von Bewegungen ist meist ein komplizierter Prozess. Zu beachten ist dabei auch, dass die Voraussetzungen zum Lernen immer unterschiedlich sind. So gibt es die äußeren Voraussetzungen, wie z.B. die gesellschaftliche Umwelt, oder auch die Sprache und innere Voraussetzungen, wie z.B. die Lernfähigkeit und Motivation, oder das motorische Ausgangsniveau. Aufgrund dieser Gegebenheiten ist eine differenzierte Betrachtung des Lernprozesses notwendig.

2. Phasen des Bewegungslernens

Beim Erlernen neuer Bewegungen durchlaufen wir mehrere Phasen. In der Regel unterscheiden wir drei ineinander übergehende Lernphasen. Die erste Phase ist die Entwicklung der Grobkoordination, die zweite Phase die Feinkoordination und die dritte Phase ist die Stabilisierung der Feinkoordination (auch genannt „Feinstkoordination“) und der variablen Verfügbarkeit.

2.1. Entwicklung der Grobkoordination

Zunächst einmal muss sich der Lernende überhaupt mit der Lernaufgabe vertraut machen. Der Lernende bekommt eine erste Vorstellung von der zu lösenden Bewegungsaufgabe und versucht den Bewegungsablauf zu realisieren, was aber meist noch nicht sofort gelingt. Unter günstigen Bedingungen läuft die Bewegungsausführung fehlerfrei ab, allerdings erscheint sie noch nicht ganz „rund“, läuft also nicht stabil ab. Der Lernende muss sich noch sehr auf die Bewegungsausführung konzentrieren. In der ersten Lernphase dominiert meist der optische Analysator, um eine Bewegung zu erfassen, wobei der kinästhetische nur unzureichend ausgebildet ist. Die Bewegungsstärke ist noch fehlerhaft, das heißt der eingesetzte Krafteinsatz ist falsch und meist übermäßig. Durch den übermäßigen Anstrengungsgrad kommt es zu einer Verkrampfung der Muskulatur, wodurch wiederum der gesamte Bewegungsrhythmus abgehackt und unrund erscheint. Die Bewegungskopplung ist in der Phase der Grobkoordination noch ungenügend oder schlichtweg falsch. Eine gering ausgeprägt Bewegungspräzision und Bewegungskonstanz sind in dieser Lernphase noch typisch und auch das optimale Bewegungstempo ist noch nicht gefunden.

2.2. Feinkoordination

Die zweite Lernphase umfasst den Zeitraum von der Grobkoordination bis zu einem Stadium, in dem die Bewegung unter konstanten Bedingungen fehlerfrei ausgeführt werden kann. Die Bewegungsmerkmale entsprechen einer guten Technik. Dazu gehört, dass der Bewegungsumfang nun zweckmäßig ist und auch das Tempo angemessen ist. Weiterhin ist der Krafteinsatz angemessen, wodurch die Muskulatur nicht mehr dauerhaft verkrampft ist, sodass der Bewegungsrhythmus flüssig wirkt. In dieser Phase wird auch mehr und mehr der kinästhetische Analysator mit einbezogen, welcher die Vor- und Rückinformationen über die Bewegung maßgeblich steuert und regelt, sodass die Bewegungsantizipation vervollkommnet wird.

2.3. Phase der Feinstkoordination und der variablen Verfügbarkeit

In dieser Phase ist der Lernende in der Lage, die Bewegungsaufgabe auch unter wechselnden oder schwierigeren Bedingungen fehlerfrei auszuführen. Dabei ist das Bewegungsempfinden präzisiert. Das Bewegungsprogramm, welches in den vorhergehenden Lernphasen noch nicht ganz ausführlich war, ist nun detailliert und kann variabel antizipiert und eingesetzt werden. Somit kann sich der Bewegungsausführende schon zeitig auf Störungen und/oder Schwierigkeiten einstellen und so die zu lösende Bewegungsaufgabe ohne Fehler lösen.

3. Qualitatives Bewegungslernen

Wenn hier im weiteren Verlauf von einem qualitativen Bewegungslernen gesprochen wird, so möchte ich darauf hinweisen, dass es sich um ein qualitativ hohes Bewegungslernen handelt, wir also eine hohe Qualität erreichen möchten. Außerdem müssen wir uns ein wenig von dem rein „theoretischen“ motorischen Lernen lösen, denn qualitatives Bewegungslernen ist noch mehr. Wenn wir wirklich von einem qualitativen Bewegungslernen sprechen wollen, so müssen wir auch Bewegungen qualitativ „erleben“. Das heißt zunächst, dass wir die Bewegungen bewusst ausführen und uns auf unsere Sinneseindrücke, die dabei entstehen, konzentrieren. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese taktil, optisch oder kinästhetischer Natur sind, wichtig ist nur, dass wir diese Eindrücke bewusst erleben und speichern bzw. verarbeiten. Wenn wir eine neue Bewegung erlernen wollen, so versucht man zunächst die Bewegung zu sehen, wie sie ein „Könner“ vollzieht. Auf dieser Grundlage bilden wir in unserem Gehirn schon ein kleines Bewegungsprogramm, in dem die Bewegungsaufgabe schon vor unserem inneren Auge abläuft. Möchte man dann die Bewegungsaufgabe in der Realität motorisch lösen, so wird man feststellen, dass Vorstellung und Realität zwei völlig verschiedene Dinge sind[2]. Auf einmal strömen so viele Sinneswahrnehmungen auf unseren Körper ein, dass wir diese nicht ausreichend verarbeiten können. Wir können noch nicht entscheiden, welche dieser Reize zum Lösen der Bewegungsaufgabe wichtig ist und welcher nicht. Erst beim zunehmenden Differenzieren der Bewegungshandlung, wenn man bestimmte Knotenpunkte bewusst beachtet, kommt man immer mehr zur angestrebten „Wunschbewegung“. Dabei werden zunächst Anweisungen des Trainers als verwirrend oder störend empfunden. Erst wenn wir die Bewegung mehrmals durchlaufen haben und wir uns ein „Gefühl“ dafür verschafft haben, isst man überhaupt erstmal in der Lage, den Anweisungen des Trainers offen gegenüberzustehen und Hinweise zu beachten. Je mehr man weiterübt, umso unabhängiger wird man von den Instruktionen des Trainers[3]. Die Hinweise des Trainers integriert man jetzt in seine eigene Bewegungserfahrung. Dadurch ist man in der Lage aufgrund der alten Bewegung schneller eine neue zu erlernen, dabei Bewegungsschemata zu modifizieren, umzugestalten und neu anzupassen. Somit schafft man sich ein neues Steuerprogramm, auf der Grundlage des alten3.

[...]


[1] Meinel, K. & Schnabel, G.: Bewegungslehre. Sportmotorik. Berlin 1998. Seite 20

[2] Holz, A.: Qualitatives Bewegungslernen. Sportpädagogische Aspekte einer kognitiv akzentuierten Bewegungslehre in Schlüsselbegriffen. Zumikon 1986. Seite 149

[3] Holz, A.: Qualitatives Bewegungslernen. Sportpädagogische Aspekte einer kognitiv akzentuierten Bewegungslehre in Schlüsselbegriffen. Zumikon 1986. Seite 150

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Qualitatives Bewegungslernen am Beispiel des oberen Zuspiels im Volleyball
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Sportwissenschaft)
Veranstaltung
Volleyball Vertiefung
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V64630
ISBN (eBook)
9783638573894
ISBN (Buch)
9783640203994
Dateigröße
742 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitatives, Bewegungslernen, Beispiel, Zuspiels, Volleyball, Vertiefung
Arbeit zitieren
Mathias Herbst (Autor), 2005, Qualitatives Bewegungslernen am Beispiel des oberen Zuspiels im Volleyball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64630

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