In vielen norddeutschen Bundesländern wird bis heute noch Plattdeutsch gesprochen und seit einigen Jahren auch regelrecht gepflegt, was sogar dazu führte, dass sich auch wieder eine entsprechende Schriftsprache entwickelte und es Einzug in die Lehrpläne dieser Bundesländer nahm. Was aber ist dieses Plattdeutsche? Warum wird es nur in diesen Bundesländern gesprochen? Weshalb gab es bis vor einigen Jahre keine entsprechende Schriftsprache mehr. Dem will diese Ausarbeitung auf den Grund gehen. Es soll gezeigt werden, wie es zum Niedergang des Niederdeutschen kam und warum es sich aber bis heute noch als Platt gehalten hat.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Sprachpolitik – eine Begriffsbestimmung
2. Der Sprachwandel vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen in der zweiten Hälfte des 16. Jh. in Norddeutschland
2.1. Das Niederdeutsche vor dem Sprachwandel
2.2. Mögliche Ursachen des Sprachwandels
2.2.1. Der Untergang der Hanse
2.2.2. Das Erstarken der Territorialfürsten
2.2.3. Die intellektuelle Modernisierung
2.2.4. Die Reformation
2.2.5. Die Schule
2.2.6. Der Buchdruck
2.3. Der dreiphasige sprachliche Ablösungsprozess
2.4. Die hochdeutsche Sprachpolitik und ihre Folgen
3. Das Niederdeutsche nach dem Sprachwandel
4. Abschließende Gedanken
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sprachwandel vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen in Norddeutschland während der frühbürgerlichen Epoche als ein exemplarisches Beispiel für Sprachpolitik. Ziel ist es, die Ursachen, den Verlauf sowie die soziokulturellen Auswirkungen dieses Prozesses nachzuzeichnen und zu beleuchten, inwiefern dabei von einem erzwungenen Sprachwechsel oder einem schrittweisen Wandel gesprochen werden kann.
- Sprachpolitik als Instrument gesellschaftlicher Machtausübung
- Die Rolle des sozioökonomischen Strukturwandels (Untergang der Hanse, Erstarken der Fürsten)
- Kulturelle und institutionelle Triebkräfte des Wandels (Reformation, Schule, Buchdruck)
- Phasenmodell des sprachlichen Ablösungsprozesses
- Diglossie und die heutige Bedeutung des Niederdeutschen
Auszug aus dem Buch
2.2.6. Der Buchdruck
Durch die Entwicklung des Buchdrucks geht im 16. und 17. Jh. die sprachliche Führung von den Kanzleien auf die Druckereien über. Dennoch hat er relativ lange am Niederdeutschen festgehalten. Dies resultiert daher, dass Drucker und Autoren, wie heute auch noch, das größte Interesse daran hatten, dass ihre Schriften eine weite Verbreitung fanden. Im Jahr 1510 ist die Zahl der Drucke noch beträchtlich, wobei die Schriften sogar aus Druckorten außerhalb des niederdeutschen Sprachgebiets kamen. Die Reformation in Schriftform vollzieht sich im gesamten niederdeutschen Sprachgebiet zunächst auf Niederdeutsch. Dies beweist wie auch schon im Fall der Reformation, dass der Buchdruck keine ursächliche Bedeutung für das Eindringen der hochdeutschen Sprache in den niederdeutschen Sprachraum haben kann (Vgl. GABRIELSSON 1983:137). Erst nach 1620 war im gesamten norddeutschen Raum ein rapider Rückgang zu verzeichnen. Nun lieferten die Leipziger, Wittenberger und Erfurter Offizinen mit ihrem „meißnischen Ausgleichsdeutsch“ das sprachliche Vorbild, dem man zu folgen hatte, um möglichst großen Absatz zu bekommen (GABRIELSSON 1983:136). Dieser sprachliche Umschwung ist allerdings auch nur als eine Folgeerscheinung der allgemeinen Rezeption des Hochdeutschen zu werten.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand des Sprachwandels vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen und steckt den theoretischen sowie methodischen Rahmen der Arbeit ab.
1. Sprachpolitik – eine Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Sprachpolitik als Instrument zwischensprachlicher Machtbeziehungen und differenziert zwischen verschiedenen Erscheinungsformen.
2. Der Sprachwandel vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen in der zweiten Hälfte des 16. Jh. in Norddeutschland: Das Hauptkapitel analysiert die komplexen Ursachen, den dreiphasigen Verlauf und die Auswirkungen des Sprachwandels auf das norddeutsche Sprachgebiet.
3. Das Niederdeutsche nach dem Sprachwandel: Dieses Kapitel behandelt das Überdauern des Niederdeutschen bis in die Moderne sowie dessen Rolle als identitätsstiftendes Kulturgut und gesprochene Sprache.
4. Abschließende Gedanken: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Sprachwandel als einen fortdauernden, multidimensionalen Prozess, der nicht als vollständig abgeschlossen betrachtet werden kann.
Schlüsselwörter
Sprachpolitik, Sprachwandel, Niederdeutsch, Hochdeutsch, Norddeutschland, Frühbürgerliche Epoche, Diglossie, Schriftsprache, Hanse, Reformation, Schule, Buchdruck, Sprachsoziologie, Sprachnormen, Regionalsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den historischen Sprachwandel in Norddeutschland, bei dem das Niederdeutsche durch das Hochdeutsche als Schriftsprache abgelöst wurde, und ordnet diesen Prozess in den Kontext sprachpolitischer Maßnahmen ein.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse zwischen Sprachen, die sozioökonomischen Bedingungen des 16. Jahrhunderts, die Rolle kirchlicher und schulischer Institutionen sowie die heutige Resilienz niederdeutscher Mundarten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Institutionen wie Kanzleien, Kirche und Schule aktiv den Sprachwechsel forcierten und welche sozialen Folgen sich daraus für die Bevölkerung ergaben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine historische und sprachsoziologische Analyse, die auf Fachliteratur sowie der Auswertung von Quellen zur Sprachgeschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Ursachen (Hanse, Territorialfürsten, Modernisierung, Reformation, Schule, Buchdruck), die Beschreibung der drei Phasen des Ablösungsprozesses sowie die Folgen der Sprachpolitik.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Sprachpolitik, Diglossie, Epochenschwelle, Sprachwechsel, Schriftsprache und kulturelle Identität.
Welche Rolle spielte der Buchdruck bei diesem Sprachwandel?
Der Buchdruck war primär ein Förderer des Wandels; er konnte zwar nicht als alleinige Ursache gelten, trug aber durch die Verbreitung des „meißnischen Ausgleichsdeutschs“ wesentlich zur Festigung des Hochdeutschen bei.
Warum wird das Niederdeutsche heute noch als "widerstandsfähig" bezeichnet?
Trotz des Verlusts seiner Funktion als Schriftsprache im 17. Jahrhundert blieb das Niederdeutsche als gesprochene Sprache und Mittel der Vertraulichkeit erhalten und findet heute in verschiedenen Bereichen wie Medien und Kultur wieder Beachtung.
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- Susanne Elstner, geb. Spindler (Author), 2006, Sprachpolitik am Beispiel des Sprachwandels vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64636