Struktur und Funktionsweise von Garantieprodukten, dargestellt an ausgewählten Beispielen


Hausarbeit, 2006
36 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition, Struktur und Entstehungsgründe von Garantieprodukten
2.1 Die Definition und die Struktur
2.2 Entstehungsgründe für strukturierte Garantieprodukte

3. Struktur und Funktionsweise der „10% Wiener Walzer Anleihe 2002/2008“(WKN 644369)
3.1 Ausstattungsmerkmale der Anleihe
3.2. Funktionsweise und Struktur
3.3 Risiken und Chancen der Anleihe

4. Rolling Lock-in-Zertifikat (WKN: GS973A) mit Kapitalgarantie von Goldman, Sachs
4.1. Ausstattungsmerkmale des Garantiezertifikates
4.2. Funktionsweise und Struktur des Rolling Lock-in-Zertifikates
4.3 Auszahlungsprofile der Rolling-Lock-in-Strategie bei unterschiedlichen Investitionsstufen
4.4 Chancen und Risiken des Zertifikates

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die dramatische Entwicklung an den Aktienbörsen kurz nach der Jahrtausendwende hat zahlreichen Anlegern gezeigt, wie risikoreich die Aktieninvestitionen sind. Es hat dazu geführt, dass nach der Baisse von 2000 bis 2002 für viele Privatinvestoren die Sicherheit des angelegten Kapitals zum wichtigsten Kriterium einer Investition geworden ist. Da die sichere Staatsanleihe und andere Rentenwertpapiere in den letzten Jahren historisch niedrige Renditen verzeichnet haben, haben sich viele, in Aktien enttäuschte Anleger, flexiblere Anlagemöglichkeiten gewünscht, die sowohl den Erhalt des eingezahlten Kapitals garantieren als auch überdurchschnittliche Renditen für bestimmte Marktentwicklung versprechen. Auf diese Wünsche haben zahlreiche Emittenten mit einer Vielzahl von neuen Finanzprodukten reagiert, die eine Kapitalerhaltung garantieren. Diese Eigenschaften haben nur eine Investmentproduktgruppe – die so genannte Garantieprodukte und die haben sich bei den Anlegern in der letzten Zeit mehr und mehr durchgesetzt.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Funktionsweise und der Struktur der Garantieprodukte.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, die Funktionsweise und die Struktur von Garantieprodukten zu analysieren, deren Bestandteile zu untersuchen und zu zeigen, welche Vorteile und Nachteile dabei für Anleger entstehen. Die zwei strukturierten Garantieprodukte von zwei Emittenten werden ausgewählt, die die Garantieanleihen und die Garantiezertifikate repräsentieren. Da die strukturierten Garantieprodukte aus einer Garantiekomponente und einer Performance-Komponente bestehen, werden deren Funktionen gesondert untersucht. Dabei steht die Funktionsweise der Garantiekomponenten eines Garantieproduktes im Mittelpunkt der Arbeit.

In der Hausarbeit werden spezielle Literatur, aktuelle Internetquellen und Emittentenprospekte verwendet.

Im Kapitel 2 werden die Definitionen und die Komponenten von Garantieprodukten behandelt. Dabei werden einige Entstehungsgründe für die Produkte genannt.

Im 3. Kapitel wird die 10% Wiener Walzer Anleihe von der Deutsche Bank analysiert.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Rolling Lock-in-Zertifikat von Goldman, Sachs.

2. Definition, Struktur und Entstehungsgründe von Garantieprodukten

2.1 Die Definition und die Struktur

Die ersten und ältesten Garantieprodukte sind die festverzinslichen Wertpapiere, die sowohl die angefallenen Zinszahlungen als auch den Rückzahlung des Nennbetrages am Ende der Laufzeit garantieren. In den Letzten Jahren sind neue Generationen von Garantieprodukten entstanden, die die Rückzahlung nur einer Investitionskomponente garantieren.

Der Begriff neue „Garantieprodukte“ umfasst eine sehr heterogene Produktgruppe, deren wichtigste Eigenschaften

1) die garantierte Auszahlung des investierten Kapitals am Rückzahlungstag und
2) eine begrenzte Partizipation an positiver Entwicklung eines oder mehrerer Basiswerte

sind.

„Mit dem Kauf der Schuldverschreibungen erwirbt der Anleger einen Anspruch auf die Rückzahlung der Schuldverschreibungen am Rückzahlungstag, wobei die Höhe der Rückzahlung von der Entwicklung mehrerer Basiswerte abhängt. Die Rückzahlung erfolgt mindestens in Höhe des Nennbetrags“.[1]

„Die Zinsleiter Schuldverschreibungen (die "Schuldverschreibungen") sind

Schuldverschreibungen mit mittelfristiger Laufzeit, die zu pari, d.h. zum Nennbetrag,

ausgegeben und vorbehaltlich einer vorzeitigen Rückzahlung am, in den Anleihebedingungen genannten, Fälligkeitstag zum Nennbetrag zurückgezahlt werden“.[2]

In den Verkaufsprospekten wird ausdrücklich betont, dass die „Geld-zurück-Garantie“ sich nur auf den Nennbetrag bzw. den nominalen Emissionspreis bezieht. Alle in der Laufzeit der Investition entstandene Nebenkosten (Hausbankgebühren, Ausgabeaufschläge und Managergebühren der Emittenten) werden nicht erstatten.

Garantieprodukte sind die Anlagegruppe, die durch ihre Eigenschaften definiert wird.

Garantierte Auszahlungen des eingesetzten Kapitals nennt man Sicherheitskomponente. Performance-Komponente hängt von der Entwicklung des Basiswertes ab.

Diese Anlagegruppe umfasst viele Anlagearten, die unterschiedliche Strukturen haben.

Abb.2.1: Klassifikation von Garantieprodukten nach Anlagearten[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Gruppe der Garantieprodukte, die sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat, sind strukturierte Garantieprodukte. Strukturiert bedeutet, dass das Produkt aus mehreren Elementen des Kassa- und Terminmarktes besteht. Bei den Garantieprodukten mit der garantierten nominalen Rückzahlung des Nennbetrages steht in der Regel als Sicherheitskomponente ein Zinstitel des Kassamarktes. Bei der Performance-Komponente spielt sehr oft eine Kombination von mehreren Basiselementen eine Hauptrolle.

Es könnte auch sein, dass die Garantiefonds eine Strategie haben, die die Garantieprodukte nur aus mehreren Elementen des Kassageschäftes zusammensetzen lässt. Das heißt, dass die Garantieprodukte dann aus unterschiedlichen Rentenpapieren (90-95%) und Aktientitel (10-5%) bestehen. In dem Fall spielen dann die entsprechenden Aktientitel die Rolle der Performance-Komponente.

Das Organigramm zeigt die Basiselemente und die Komponenten von Garantieprodukten.

Abb. 2.2: Klassifikation von strukturierten Garantieprodukten nach Basiselementen und Strukturkomponenten[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie oben gezeigt wurde, haben schon lange Zeit auf dem Markt unterschiedliche Rentenpapiere, die die Rückzahlung sowohl des Nennbetrages als auch Zinsen garantieren, existiert. Zurzeit spielen sie auch eine Hauptrolle bei den Privatinvestitionen in Deutschland. Fakt ist aber auch, dass die neuen strukturierten Garantieprodukte mehr und mehr Marktanteile gewinnen. Die Frage, welche Gründe dieses rasante Wachstum hat, wird im nächsten Paragraphen behandelt.

2.2 Entstehungsgründe für strukturierte Garantieprodukte

Aus Marketingsicht ist jedes Produkt eine Problemlösung. Welche Probleme kann Anleger und Emittent durch Garantieprodukte lösen? Welche Ziele werden bei der Schaffung von neuen Finanzprodukten verfolgt? Um diese Fragen zu beantworten, soll man zuerst klären, welche Anlegerpräferenzen es gibt.

Die Präferenzen der deutschen Anleger zeigt die Anlagestruktur des privaten Geldvermögens.

Abb. 2.3: Geldvermögen: Entwicklung und Struktur[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Jahr 1999 hatten deutsche Privatanleger 484 Mrd. Euro in Aktien investiert. Es war 13,5% des gesamten Geldvermögens und der höchste Stand der Aktienbestände in Deutschland. In 2002 waren es nur 192 Mrd. Euro. Das zeigt, dass einige Anleger, die in Aktien investiert hatten, sie später für zu riskant hielten.

Bei anderen Posten findet man keine gravierenden Veränderungen. Die deutschen Anleger bleiben hauptsächlich risikoscheu. Sicherste Anlageformen Spar-, Sicht-, Terminanlagen und Bargeld haben den größten Anteil (35,7%) des Geldvermögens. Sichere Geldanlagen bei Versicherungen haben den zweitgrößten Anteil (24,2%).

Das Chancen-Risikoprofil einer Investition hat mehrere Ausprägungen. Oft benutzt man drei Bewertungsstufen[7]: niedrig, mittel, hoch.

Niedrig (Rendite im Durchschnitt zwischen 0-5% p.a. bei geringem Risiko, d.h. Verlust des eingesetztes Kapital ist weitgehend ausgeschlossen): z.B. bei Sparbuch, Festgeld, Tagesgeld, Geldmarktfonds und Bundesanleihen. Da die oben genannten Anlagen dem Privatanleger zurzeit kaum den Inflationsausgleich von 2% bringen, kann man nicht über diese Geldanlage als gewinnbringende Investition sprechen. Sichere und gleichzeitig mehr als einen Inflationsausgleich bringende Investition sind Staatsanleihen. Welche Renditen die fast risikofreien Investitionen bringen, zeigt die Abbildung 2.4.

Abb. 2.4: Staatsanleihen[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Tabelle folgt: Eine ungefähr 5-jährige risikofreie Investition bringt aufgerundet 3% und eine 1-jährige 2,5% Rendite. Ein risikoscheuer Anleger kann also zurzeit eine sichere Investition tätigen. Die Investitionsidee dabei ist: sichere Erträge ohne Verluste. Ein großer Nachteil der Investition liegt aber in Höhe der Rendite. Abgesehen von Zinsänderungsrisiko, das die Rendite bei vorzeitigem Verkauf der Anleihe möglicherweise noch weiter verringert, lassen Inflation (2%) und Transaktionskosten das Kapital sich kaum vermehren.

Man kann also zwei Gründe der schnellen Entwicklung von neuen Garantieprodukten nennen: die versprochene Sicherheit der Geldanlage und das Versprechen, bei einer bestimmten Marktentwicklung überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Die neuen Garantieprodukte wurden für die Anleger geschaffen, die Investitionen in Aktien für zu riskant und in festverzinsliche Wertpapiere für zu unprofitabel halten

[...]


[1] Bayerische Landesbank. Basisprospekt. Inhaber-Schuldverschreibungen, deren

Rückzahlungsbetrag von der Entwicklung mehrerer Basiswerte abhängt 5. Januar 2006, S.4, www.bayernlb.de

[2] Goldman, Sachs & Co. Wertpapier GmbH Verkaufsprospekt vom 17. Mai 2005 Nachtrag gemäß § 10 Verkaufsprospektgesetz zum unvollständigen Wertpapier-Verkaufsprospekt vom 11. August 2004, Verzinsliche Inhaber-Schuldverschreibungen "Zinsleiter" ,www.goldman-sachs.de

[3] Das Organigramm wurde vom Autor erstellt.

Klassifikation nach Anlagearten vgl.: Schlotthauer, K.-H., Arbeitsunterlagen Kapitalanlagen I WS 2005/06, Frankfurt 2005, S. 5.

[4] Das Organigramm wurde vom Autor erstellt.

Klassifikation von strukturierten Produkte vgl.: M. Wilkens, H. Scholz u. J. Völker: Duplikation und Bewertung strukturierter Finanzprodukte – Callable Stepup Bonds, Die Bank, 39. Jg. (1999), Heft 4, S. 263; M. Wilkens: Individualisierte Bankprodukte – ein Ansatzpunkt zur Stärkung der Marktstellung von Filialbanken gegenüber Direktbanken, in: Finanzielle Märkte und Banken – Innovative Entwicklungen am Beginn des 21. Jahrhunderts, Hrsg. J. Holst u. M. Wilken

[5] Quelle: Deutsche Bundesbank 1995-2003 in: Schlotthauer, K.-H., Arbeitsunterlagen Kapitalanlagen I WS 2005/06, Frankfurt 2005, S. 7; 2004 in: Bundes Bank, ERGEBNISSE DER GESAMTWIRTSCHAFTLICHEN FINANZIERUNGSRECHNUNG FÜR DEUTSCHLAND 1991 BIS 2004, SEPTEMBER 2005, Statistische Sonderveröffentlichung 4, S. 100, Anteil in % für 2004 hat der Autor selbst gerechnet.

[6] Sonstige besteht aus Ansprüchen aus Pensionsrückstellungen, sonstigen Beteiligungen, sonstigen Forderungen

[7] Wiehle, U., Diegelman, M., Deter, Henruk., Finanzprodukte für Privatanleger, 1. Aufl.,Wiesbaden 2005, S 5

[8] Euro am Sonntag, Nr. 47, 20. November 2005, S.59

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Struktur und Funktionsweise von Garantieprodukten, dargestellt an ausgewählten Beispielen
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Fachbereich Wirtschaft und Recht)
Veranstaltung
Finanzdienstleistungen
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V64660
ISBN (eBook)
9783638574150
ISBN (Buch)
9783638844055
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Funktionsweise und der Struktur der Garantieprodukte.
Schlagworte
Struktur, Funktionsweise, Garantieprodukten, Beispielen, Finanzdienstleistungen
Arbeit zitieren
Yury Evteev (Autor), 2006, Struktur und Funktionsweise von Garantieprodukten, dargestellt an ausgewählten Beispielen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64660

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