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'Die unsichtbare Kirche' - Lessing und die Krise der Freimaurerei

Title: 'Die unsichtbare Kirche' - Lessing und die Krise der Freimaurerei

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 35 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bastian Pütter (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei gleichzeitig herausragenden und typischen Erscheinungen des achtzehnten Jahrhunderts in Deutschland. Auf der einen Seite Gotthold Ephraim Lessing, der deutsche Exponent der literarischen Aufklärung, der erste „freischwebende Intellektuelle“ , auf der anderen Seite die soziopolitische Erscheinung der Freimaurerlogen.
Sowohl Lessing als auch die Geheimbünde sind in sofern typisch für die deutsche Vorrevolutionszeit, als sie die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen und geistigen Situation des Bürgertums abbilden.
Der erste Teil der Arbeit zeichnet die Entstehung und Entwicklung der modernen Freimaurerei bis zu ihrer Krise gegen Ende des Jahrhunderts nach und analysiert die Gründe des Niedergangs.
Dabei rückt das Verhältnis von Aufklärung und Freimaurerei ins Zentrum. Zwar prägen die Logen als gesellschaftliche Formationen die Aufklärung entscheidend, doch besteht zwischen beiden Phänomenen ein Spannungsfeld, das einerseits bedingt wird durch ihren unterschiedlichen Charakter. Aufklärung ist im achtzehnten Jahrhundert eine intellektuelle Mentalitätsstruktur, eine bestimmte Weltsicht, eine praktische Philosophie, während die Freimaurerlogen gesellschaftliche Einrichtungen, organisierte Gruppen sind. Freimaurer ist man nur als Angehöriger dieser Gruppe, Aufklärer ist man „in der virtuellen Solidarität Gleichgesinnter“
Andererseits gerät die Forderung der Aufklärung nach Publizität mit den strukturellen Eigenschaften der Logen in Konflikt. Aus der Perspektive des Öffentlichkeitsanspruchs der Aufklärung, sind die Geheimgesellschaften sogar „ihr Gegenteil“ .
Die freimaurerische Biografie Lessings läuft entlang dieses Spannungsfeldes von Ideal und Organisationsform, Öffentlichkeitspostulat und Geheimnis. Der zweite Teil der Arbeit wird die Auseinandersetzung des „Selbstdenkers“ Lessing mit der sich wandelnden Freimaurerei von der Journalistenzeit in Berlin bis zu seinem „politische[n] Testament“ „Ernst und Falk – Gespräche für Freymäurer“ nachzeichnen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Freimaurerlogen im achtzehnten Jahrhundert

2.1. Entstehungsgeschichte

2.2. Anfänge und Verbreitung in Deutschland

2.3. Gesellschaftliche Funktion und historische Bedeutung

2.4. Die Krise der Freimaurerei

2.4.1. Templertradition und Aristokratisierung

2.4.2. Strikte Observanz

3. Lessing und die Freimaurer

3.1. Lessings Kontakte zur Freimaurern

3.2. Lessings Ablehnung durch Bode

3.3. Lessing als Freimaurer: Aufnahme und Enttäuschung

3.4. „Ernst und Falk“ – Lessings Freimaurergespräche

3.4.1. Kritik: die freimaurerische Praxis

3.4.2. Utopie: die ideelle Freimaurerei

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis von Gotthold Ephraim Lessing zur zeitgenössischen Freimaurerei vor dem Hintergrund ihrer Krise im ausgehenden 18. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie Lessing die Diskrepanz zwischen dem freimaurerischen Ideal der Aufklärung und der realen, zunehmend aristokratisierten und sektiererischen Logenpraxis wahrnahm und in seinem Spätwerk „Ernst und Falk“ als utopischen Gegenentwurf einer „unsichtbaren Kirche“ neu definierte.

  • Historische Entwicklung und Krise der Freimaurerlogen
  • Die Rolle von Geheimhaltung und Publizität in der Aufklärung
  • Lessings freimaurerische Biografie und seine Enttäuschung
  • Analyse von Lessings „Ernst und Falk“ als politisches und philosophisches Manifest

Auszug aus dem Buch

3.4.2. Utopie: die ideelle Freimaurerei

Die Benennung der Defizite freimaurerischer Praxis macht jedoch nur einen Teil der „Gespräche für Frey-Mäurer“ aus. Lessing abstrahiert von dieser Praxis und entwickelt das Modell eines Freimaurertums, das weit über die zeitgenössischen Vorstellungen hinausgeht.

Lessings utopischer Gegenentwurf zum bestehenden Logenwesen erweitert die Freimaurerei zu etwas Notwendigem, „das in dem Wesen der Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft begründet“ sei, also letztlich zu einer anthropologischen Konstante (S. 453). Auf dieser Ebene der „Wesenheit“ (S. 451) der Freimaurerei ist es uninteressant, ob man Logenmitglied ist oder nicht: „Weil man etwas sein kann, ohne es zu heißen.“ (S. 468)

Freimaurer zeichnet die Beteiligung an - und das Verstehen von - „wahren Taten“ aus (S. 456). Im Gegensatz zu den guten Taten der Logen – der Wohltätigkeit, Fürsorge, Erziehung usw. – sind diese „nicht erklärbar“ (ebd.).

Die wahren Taten der Freimäurer sind so groß, so weit aussehend, daß ganze Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie getan! Gleichwohl haben sie alles Gute getan, was noch in der Welt ist, - merke wohl: in der Welt! [...]

Die wahren Taten der Freimäurer zielen dahin, um größtenteils alles, was man gemeiniglich gute Taten zu nennen pflegt, entbehrlich zu machen. (ebd.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Konstellation des 18. Jahrhunderts ein und umreißt die thematische Diskrepanz zwischen Gotthold Ephraim Lessings aufklärerischem Denken und der gesellschaftlichen Institution der Freimaurerei.

2. Die Freimaurerlogen im achtzehnten Jahrhundert: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung, Verbreitung und die zunehmende Krise des Freimaurerwesens nach, wobei insbesondere der Einfluss von Hochgradsystemen und die Aristokratisierung innerhalb der Logen beleuchtet werden.

3. Lessing und die Freimaurer: Hier wird Lessings biographische Auseinandersetzung mit der Freimaurerei sowie die Entwicklung seines Idealbildes im Dialogwerk „Ernst und Falk“ detailliert untersucht.

4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht Lessings Rolle als scharfer Analytiker, der die Logenpraxis seiner Zeit zugunsten eines kosmopolitischen, aufklärerischen Ideals überwand.

Schlüsselwörter

Freimaurerei, Gotthold Ephraim Lessing, Aufklärung, Geheimbünde, Ernst und Falk, Logenwesen, Publizität, Strikte Observanz, Hochgradsysteme, Bürgerliche Gesellschaft, Toleranz, Kosmopolitismus, Ideelle Freimaurerei, 18. Jahrhundert, Sozialer Wandel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die kritische Auseinandersetzung Gotthold Ephraim Lessings mit der Freimaurerei im 18. Jahrhundert, besonders deren Wandel von einer aufklärerischen Bewegung hin zu einer starren, sektiererischen Organisationsform.

Welche Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte der Freimaurer, die Pathogenese der bürgerlichen Gesellschaft, die Spannungsfelder zwischen Geheimnis und Publizität sowie Lessings Konzept einer „ideellen Freimaurerei“.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Lessing die Diskrepanz zwischen dem idealen Selbstanspruch der Freimaurerei und der prekären, krisenhaften Realität der Logen gegen Ende des 18. Jahrhunderts bewertete.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verwendet eine historische und literaturwissenschaftliche Analyse, die biographische Aspekte mit geistes- und sozialgeschichtlichen Kontexten verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der freimaurerischen Strukturen im 18. Jahrhundert, eine Analyse der persönlichen Erfahrungen Lessings mit verschiedenen Logen und eine tiefgreifende Interpretation seines Spätwerks „Ernst und Falk“.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Freimaurerkrise, Aufklärung, „Ernst und Falk“, bürgerliche Öffentlichkeit, Strikte Observanz und die „unsichtbare Kirche“.

Warum lehnte Bode Lessings Aufnahme ab?

Aufgrund der internen Krisen innerhalb der Hamburger Logen, ausgelöst durch die Einführung der Strikten Observanz und die damit einhergehende Aristokratisierung, war eine reguläre Aufnahme Lessings zu diesem Zeitpunkt faktisch unmöglich.

Wie unterscheidet Lessing zwischen „guten Taten“ und „wahren Taten“?

„Gute Taten“ im Sinne der Logen beziehen sich auf Wohltätigkeit und Fürsorge, während „wahre Taten“ in seinem utopischen Modell als langfristige, oft für Zeitgenossen unsichtbare, die Menschheit humanisierende Handlungen definiert werden.

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Details

Title
'Die unsichtbare Kirche' - Lessing und die Krise der Freimaurerei
College
University of Cologne
Course
Hauptseminar: Aufklärung und sozialer Wandel im 18. Jht.
Grade
1,0
Author
Bastian Pütter (Author)
Publication Year
2002
Pages
35
Catalog Number
V64663
ISBN (eBook)
9783638574181
ISBN (Book)
9783638640084
Language
German
Tags
Kirche Lessing Krise Freimaurerei Hauptseminar Aufklärung Wandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bastian Pütter (Author), 2002, 'Die unsichtbare Kirche' - Lessing und die Krise der Freimaurerei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64663
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