Wasser in Bewässerungskanälen und Bewässerungskanäle selbst werden in der Regel mit der Bewässerung von landwirtschaftlich genutzter Fläche in Zusammenhang gebracht. Bewässerungskanäle und das von ihnen transportierte Wasser sollen den Wasserbedarf von Kulturpflanzen decken. Solche Systeme werden deshalb in Regionen verwirklicht, in denen das natürliche Wasserdargebot für eine landwirtschaftliche Pflanzenproduktion nicht ausreichend ist, oder durch eine Zusatzbewässerung die Produktion noch gesteigert werden kann.
Durch die Installation eines Bewässerungssystems in zuvor wasserarmen Regionen steht der dort lebenden Bevölkerung eine größere Wassermenge zur Verfügung. Dieses vermehrte Wasserdargebot, das in erster Linie der Pflanzenproduktion dient, eröffnet aber auch diverse weitere Nutzungsmöglichkeiten.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Mehrzwecknutzung von Wasser und Bewässerungskanälen. Es soll der Frage nachgegangen werden, zu welchem Zweck, in welcher Form und in welchem Ausmaß das Wasser in Bewässerungskanälen über die Pflanzenproduktion hinaus genutzt werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bewässerungskanaltypen
3. Mehrzwecknutzung von Wasser und Bewässerungskanälen
3.1 Nutzung für den Haushalt
3.2 Freizeitgestaltung an und in Bewässerungskanälen
3.3 Nutzung von Wasser und Bewässerungskanälen zur Fischproduktion
3.4 Industrielle Nutzung des Wassers
3.5 Weitere wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten
4. Schlußbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Mehrzwecknutzung von Wasser in Bewässerungssystemen über die reine landwirtschaftliche Pflanzenproduktion hinaus. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie vorhandenes Wasserdargebot in wasserarmen Regionen durch verschiedene Nutzungsformen effizienter und nachhaltiger verwendet werden kann, ohne die ursprüngliche Bewässerungsfunktion zu gefährden.
- Analyse verschiedener Bewässerungskanaltypen und deren Eignung für Zusatznutzungen.
- Untersuchung von wasserwirtschaftlichen Lösungen für den häuslichen Gebrauch.
- Bewertung der Möglichkeiten und ökologischen Auswirkungen einer integrierten Fischproduktion.
- Betrachtung industrieller Anwendungen sowie wirtschaftlicher Potenziale wie Transport und Wasserkraft.
- Erörterung soziokultureller Faktoren bei der Planung von Bewässerungsprojekten.
Auszug aus dem Buch
3.3 Nutzung von Wasser und Bewässerungskanälen zur Fischproduktion
Auch hier gilt, daß gegen eine Fischzucht im Prinzip nichts einzuwenden ist, solange die Wasserqualität und -quantität ausreichend ist, und die Fische das Bewässerungswasser nicht so stark belasten, daß die landwirtschaftliche Produktion gefährdet wird. Eine Fischzucht in Bewässerungskanälen dient in der Regel der Eigenversorgung. Sie bietet einen wertvollen Beitrag zu einer ausgewogeneren Ernährung der Bevölkerung. Eine zu groß angelegte Fischproduktion kann das Bewässerungssystem durch einen übermäßigen Eintrag von Fischexkrementen negativ beeinflussen. Eine intensive Fischproduktion sollte in separaten Wasserbecken durchgeführt werden. (REDDING/MIDLEN 1991)
Fische können in Reusen, Kästen, in mit Gittern abgegrenzten Teilabschnitten oder auch frei im Kanal gezüchtet werden. Die Versorgung der Fische wird je nach Wasser mit seinen Inhaltstoffen (Nährstoffangebot) natürlich geregelt, oder die Fische müssen zusätzlich gefüttert werden. Ausgesuchte Algenarten können als Fischfutter dienen. Zudem sind bestimmte Algenarten auch für den Menschen genießbar oder als natürliches Düngemittel (Stickstoff) für die Felder zu nutzen.
Ein Problem, das häufig in Bewässerungskanälen auftritt, sind Algen oder ganz allgemein Wasserpflanzenplagen. Zu viele Wasserpflanzen beeinflussen die Fließgeschwindigkeit oder verstopfen Kanäle und deren Zuleitungen. In der Regel werden diese dann mechanisch oder chemisch beseitigt. Die Fischzucht bietet da eine zusätzliche natürliche Regulierung, da viele Fische Wasserpflanzen als Nahrung nutzen und so einen Beitrag zur Minderung von Wasserpflanzenplagen leisten. (REDDING/MIDLEN 1991)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Problematik der Wasserknappheit und definiert das Ziel der Arbeit, die Mehrzwecknutzung von Bewässerungskanälen wissenschaftlich zu untersuchen.
2. Bewässerungskanaltypen: Hier werden die verschiedenen Baukonstruktionen und technischen Ausführungen von Kanälen beschrieben, die den Rahmen für mögliche Nutzungsformen vorgeben.
3. Mehrzwecknutzung von Wasser und Bewässerungskanälen: Dies ist das Hauptkapitel, in dem spezifische Anwendungen wie häusliche Nutzung, Fischzucht, industrielle Kühlung und Energiegewinnung detailliert analysiert werden.
3.1 Nutzung für den Haushalt: Es wird untersucht, wie durch geregelte Entnahmestellen der Zugang zu Trink- und Nutzwasser verbessert und hygienische Bedingungen optimiert werden können.
3.2 Freizeitgestaltung an und in Bewässerungskanälen: Dieses Kapitel thematisiert die soziale Komponente, warnt jedoch aufgrund von Sicherheitsrisiken wie Strömungen vor der Nutzung als Spielstätte für Kinder.
3.3 Nutzung von Wasser und Bewässerungskanälen zur Fischproduktion: Ein Schwerpunktkapitel, das ökologische Anforderungen und Methoden der Fischzucht in künstlichen Systemen beleuchtet.
3.4 Industrielle Nutzung des Wassers: Hier wird der Bedarf industrieller Betriebe an Wasser, beispielsweise zu Kühlzwecken, unter der Prämisse der Abwasser-Trennung betrachtet.
3.5 Weitere wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten: Dieses Kapitel behandelt diverse Potenziale wie Kleingartenbewässerung, Warentransport und Kleinstwasserkraftanlagen.
4. Schlußbemerkung: Das Fazit fasst zusammen, dass Bewässerungssysteme als soziotechnische Systeme ganzheitlich betrachtet und lokal angepasst geplant werden müssen.
Schlüsselwörter
Mehrzwecknutzung, Bewässerungskanäle, Wasserwirtschaft, Fischproduktion, Wasserqualität, Aride Regionen, Bewässerungssysteme, Infrastruktur, Landwirtschaft, Wasserbedarf, Hygiene, Wasserkraft, Nachhaltigkeit, Eigenversorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Mehrzwecknutzung von Wasserressourcen innerhalb von Bewässerungssystemen und wie diese über die primäre landwirtschaftliche Aufgabe hinaus zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort beitragen können.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Feldern gehören die häusliche Wassernutzung, die Integration von Fischproduktion, industrielle Anwendungen sowie weitere wirtschaftliche Aspekte wie Warentransport und Energiegewinnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, zu welchem Zweck, in welcher Form und in welchem Ausmaß Wasser aus Bewässerungskanälen zusätzlich genutzt werden kann, ohne den landwirtschaftlichen Betrieb zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert die Auswertung existierender Fachliteratur (insbesondere zur Fischproduktion nach Redding und Midlen) mit eigenen analytischen Überlegungen zur praktischen Umsetzung in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Anwendungsgebiete, wobei insbesondere die ökologischen Anforderungen, die Risiken für die Bevölkerung und die notwendigen technischen Voraussetzungen für eine sichere Mehrzwecknutzung aufgezeigt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mehrzwecknutzung, Bewässerungssysteme, Wasserknappheit, Fischzucht, Wasserqualität und soziale Infrastruktur.
Warum ist die Fischzucht in Kanälen eine besondere Herausforderung?
Die Fischzucht kann die Wasserqualität beeinträchtigen und den Durchfluss stören, weshalb sie sorgfältig geplant und idealerweise in separaten Becken oder mit gezielten Barrieren realisiert werden muss.
Warum wird in der Arbeit explizit vor der Freizeitnutzung gewarnt?
Obwohl Kanäle ein Anziehungspunkt für Freizeit und Kommunikation sind, stellen starke Strömungen, Betonstrukturen und rutschige Wände ein erhebliches Verletzungs- oder Ertrinkungsrisiko dar, weshalb sie als Spielstätte für Kinder ungeeignet sind.
- Citation du texte
- Diplom Geograph Stefan Gärtner (Auteur), 1998, Mehrzwecknutzung von Wasser und Bewässerungskanälen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6469