Anakyklosis - Der Kreislauf der Verfassungen im 6. Buch des Polybios


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Zur Person des Polybios
2.1 Sein politischer und historischer Hintergrund
2.2 Seine Zielsetzung bei den Historien

3 Das 6. Buch
3.1 Der Aufbau des 6. Buches und seine Einbettung in das Gesamtwerk
3.2 Die Anakyklosis
3.3 Die römische Verfassung

4 Probleme bei der Interpretation des 6. Buches

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schon früh haben sich griechische Philosophen mit verschiedenen Verfassungstypen beschäftigt und mit dem Problem, wie diese von einander abhängen. Platon hat in seiner Politeia ein System geschaffen, bei dem es beginnend mit der idealen Verfassung, der Aristokratie, einen Kreislauf der Verfassungen gibt, der in der schlechtesten Verfassung, der Tyrannis, endet. Auch Aristoteles hat sich im Anschluss und auch in Kritik an Platon, mit dem Problem des Übergangs einer Verfassungsform in die andere beschäftigt. Polybios greift dieses Thema im 6. Buch seiner Historien auf und schließt den von Platon offen gelassenen Verfassungskreislauf zu einem „geschlossenen Kreis“, der Anakyklosis.

Neben der Frage auf welche Weise und auf Grund welcher Umstände und Ursachen sich diese Entwicklung vollzieht gibt es noch andere wichtige Fragestellungen die bei einer Untersuchung der Anakyklosis bedacht werden müssen. Zuerst halte ich einen kurzen Einblick in das Leben des Polybios für unumgänglich, um die politischen und persönlichen Ziele, die er mit seiner Arbeit bezweckt, besser erkennen zu können und sie von den Zielen, die er selbst innerhalb der Historien nennt, unterscheiden zu können. Außerdem muss sowohl das 6.Buch im Kontext des gesamten Werkes gesehen werden, als auch die Anakyklosis im Zusammenhang des 6. Buches. Dieser Zusammenhang ist sehr wichtig, um die Funktion der Anakyklosis zu erkennen. Ein anderer wichtiger Punkt bei der Interpretation ihrer Funktion ist eigentlich auch die Datierung des Textes. Diese Frage hat in der Forschung zu regen Diskussionen geführt, bei denen es im Prinzip darum geht, ob das 6. Buch komplett aus einem Guss ist oder ob Polybios nachträglich unter dem Druck politischer Veränderung Teile des 6. Buches den Umständen angepasst hat. Diese These wird durch Widersprüche innerhalb des 6. Buches gestärkt, auf die ich noch genauer eingehen werde. Auf die Frage der Datierung möchte ich aus Platzgründen nicht weiter eingehen. Allerdings sei soviel gesagt, dass ich weitgehend mit der Meinung von Walbank übereinstimme, dass sich die Widersprüche auch anders erklären lassen und es darüber hinaus kaum erwähnenswerte Gründe gibt, die Anlass geben sich für mehrere Schichten auszusprechen.[1]

Schließlich werde ich auf die römische Verfassung, auf die Polybios im zweiten Teil des 6. Buches näher eingeht, einen genaueren Blick werfen. Dieser Schritt ist für das Verständnis der Anakyklosis entscheidend, da die Frage wie und auf Grund welcher Verfassung Rom zur Weltherrschaft gelangen konnte, die Fragestellung von Polybios ist. Daraus ergibt sich das auch die Anakyklosis nur Mittel zum Zweck ist, um diese Frage zu beantworten. Allerdings entstehen aus diesem direkten Zusammenhang zwischen Anakyklosis und der römischen Verfassung auch, wie oben bereits erwähnt, Probleme, die nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

2 Zur Person des Polybios

2.1 Sein politischer und historischer Hintergrund

Polybios wurde 200 v. Chr., in einer Zeit in der Rom, nach dem Sieg im 2. punischen Krieg, bereits in seiner Hochphase war, in Megalopolis geboren. Er stammte aus einer politisch einflussreichen und reichen Familie. Sein Vater Lykortas war selbst in leitenden Positionen des achaiischen Bundes tätig und hatte somit guten Einblick in die politische Situation, sowohl in Griechenland, als auch in dem Kontakt mit Rom. Unter diesem Einfluss wuchs Polybios mit der direkten Erfahrung der politischen und militärischen Situation seiner Zeit auf. Auch, dass eine Kooperation mit dem neuen mächtigen Spieler, mit Rom, entscheiden ist um politisch weiter überleben zu können, wurde ihm schon in seiner Jugend am Beispiel des Krieges zwischen Rom und Perseus bewusst. Dennoch sympathisierte er zu Beginn seiner politischen Karriere mit der anti-römischen Partei. Bereits 169 wurde er selbst Hipparch des achaiischen Bundes und war somit auch selbst für die Politik seines Landes mitverantwortlich. Nach dem römischen Sieg bei Pydna im Jahr 168 wurde er mit tausend anderen führenden achaiischen Persönlichkeiten, deren Gemeinsamkeit ihre anti-römische Einstellung war, nach Rom deportiert. Dabei hatte Polybios jedoch mehr Glück als die meisten seiner Leidensgenossen, denn er kam nicht in die italienische Provinz, sondern direkt ins Zentrum der Macht, nach Rom. Er wurde Mentor und Freund eines Sprosses der Scipionen Familie, von dem zu diesem Zeitpunkt siebzehnjährigen Scipio Aemilianus. Seine Lage in Rom konnte man wohl kaum als schlecht bezeichnen. Er hatte Kontakt zu den führenden Personen der römischen Gesellschaft, zu einigen der anderen Deportierten und zu Gesandtschaften, die aus ganz Griechenland regelmäßig nach Rom kamen. So gelangte er zu einem Überblick über die politischen Umstände seiner Zeit, den er in Achaea wohl nur schwer bekommen hätte. Im Jahr 150 wurden die Deportierten, und somit auch Polybios, von Rom freigelassen. Er selbst konnte aber erst 146, nach der Zerstörung Korinths, nach Hause zurückkehren, wo er danach bis zu seinem Tod im Jahr 118 lebte.[2]

2.2 Seine Zielsetzung bei den Historien

Wie Polybios nicht nur in der Einleitung zum ersten Buch, sondern erneut am Anfang des 6. Buches betont, ist sein Hauptziel herauszufinden, wie Rom, in nur wenigen Jahrhunderten, von einem unbedeutenden Dorf zu der die gesamte bekannte Welt dominierenden Macht werden konnte. Er wollte dabei aber nicht nur den Griechen diese Entwicklung aufzeigen, sondern er wandte sich auch an römische Leser. Vor allem für Politiker und andere einflussreiche Personen war sein Werk von Interesse, denn für diese war es wichtig genaue Information über die beschriebenen Ereignisse zu erhalten.[3] Gelzer ist darüber hinaus der Meinung, dass Polybios vor allem seine persönliche pro-römische Haltung, die sich bei ihm nach seiner Deportierung eingestellt hatte, gegenüber den Griechen zu rechtfertigen versuchte.[4] Wie Eisen beschreibt, war es ein großes Erlebnis für Polybios und er stand unter dem enormen Eindruck, den Rom auf ihn machte. Dabei ist Eisen davon überzeugt, dass Polybios erst 146, auf Grund seiner persönlichen Erfahrung begonnen hat, sich für die Ursache der römischen Herrschaft zu interessieren und dass er im Gegensatz zu den römischen Historikern, die der reinen Vaterlandsliebe ergeben waren, lange um sein Urteil über Rom gerungen hat.[5]

Polybios Ziele gehen aber weit über die historische Betrachtung hinaus. Er sieht den praktischen Nutzen seiner Arbeit darin, die Vergangenheit zu analysieren um dort Muster zu erkennen, die es ihm ermöglichen eine Prognose für die Zukunft zu stellen.

3 Das 6. Buch

3.1 Der Aufbau des 6. Buches und seine Einbettung in das Gesamtwerk

Die Historien beschreiben einen Zeitraum von ca. 220, dem Beginn des 2. punischen Krieges, bis 146, der Eroberung Korinths und der Zerstörung Karthagos. Allgemein wird angenommen, dass das Werk in zwei Phasen geschrieben wurde. Die Bücher I-VI wurden vermutlich vor 150 geschrieben und gemeinsam veröffentlicht. Die folgenden Bücher dagegen wurden erst nach 146, unter dem Eindruck des Katastrophenjahres 146, verfasst.[6]

Das 6. Buch steht thematisch alleine da. Es widmet sich, im Gegensatz zu den anderen Büchern, die die chronologischen Ereignisse beschreiben, dem zweiten Teil von Polybios Hauptfrage: Welcher Verfassung verdankt Rom seinen Aufstieg? Der Grund warum diese Frage ausgerechnet an dieser Stelle behandelt wird, nämlich nach der Niederlage der Römer bei Cannae im Jahr 216, lässt sich dadurch erklären, dass Polybios eben in der römischen Verfassung den Grund darin sieht, das Rom durch sie auch nach einer solchen katastrophalen Niederlage nicht nur überleben konnte, sondern gestärkt daraus hervor ging. Eisen ist dagegen der Meinung, dass es „Polybios Sinn für Einschnitte, für Umschwünge und Wenden“ war, die zu der Positionierung des Buches nach der Schlacht von Cannae führte.[7]

[...]


[1] Vgl. hierzu F. W. Walbank, Polybius, 1972, S.133ff.

[2] Für einen Überblick über das Leben des Polybios empfehle ich den Artikel von Konrad Ziegler im kleinen Pauly. Konrat Ziegler und Walther Sontheimer (Hrsg.), Der kleine Pauly: Lexikon der Antike, München 1979. Ebenfalls zu empfehlen ist Walbank, der das Leben des Polybios auch im Hinblick auf das 6. Buch analysiert. Walbank, Polybius, S.1ff.

[3] Vgl. Walbank, Polybius, S.4f.

[4] Matthias Gelzer, Die Achaica im Geschichtswerk des Polybios, in: Klaus Stiewe und Niklas Holzberg (Hrsg.), Polybios, 1982, S.47f.

[5] Karl Friedrich Eisen, Polybiosinterpretationen, 1966, S.24.

[6] F. W. Walbank, Polybios über die römische Verfassung, in: Klaus Stiewe und Niklas Holzberg (Hrsg.), Polybios, Darmstadt, 1982, S.218.

[7] Eisen, Polybiosinterpretationen, S.32.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Anakyklosis - Der Kreislauf der Verfassungen im 6. Buch des Polybios
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Die athenische Demokratie
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V64789
ISBN (eBook)
9783638575140
ISBN (Buch)
9783638782333
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anakyklosis, Kreislauf, Verfassungen, Buch, Polybios, Demokratie
Arbeit zitieren
M.A. Thorsten Scherff (Autor), 2005, Anakyklosis - Der Kreislauf der Verfassungen im 6. Buch des Polybios, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64789

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