Oligopole als wettbewerbspolitisches Problem


Seminararbeit, 2006

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff des Oligopols

3. Theorien zur Preisbildung im Oligopol
3.1. Homogener Markt
3.1.1. Mengenwettbewerb
3.1.2. Preiswettbewerb
3.2. Heterogener Markt

4. Marktmacht und Konzentration
4.1. Begriff und Messung der Konzentration
4.2. Fusionen und Auswirkungen der Konzentration
4.3. Marktmacht und Marktmachtmissbrauch

5. Kooperationen im Oligopol
5.1. Arten der Absprachen und Auswirkungen
5.2. Preisführerschaft

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Oligopol ist in der heutigen Wirtschaft sehr präsent, denn es stellt die am häufigsten beobachtbare Marktform dar. Aufgrund seiner Besonderheiten ergeben sich jedoch Probleme, die teilweise zu erhöhten Preisen für die Verbraucher und damit zu Wohlfahrtsverlusten führen. Die vorliegende Arbeit vermittelt einen Eindruck der unterschiedlichen Problemfelder des Oligopols und veranschaulicht diese anhand einiger Beispiele aus der Praxis. Insbesondere zeigt diese Arbeit die Schwierigkeiten, die sich für die Wettbewerbspolitik und –behörden bei der Beseitigung der Oliopol-Problematik ergeben.

Der Ablauf der Arbeit ist wie folgt:

Im zweiten Kapitel erfolgen zunächst eine Marktabgrenzung und eine Definition des Oligopols.

Das dritte Kapitel behandelt die theoretischen Modelle der Preisbildung im Oligopol und veranschaulicht diesbezüglich mehrere Ansätze.

Im vierten Teil werden die Begriffe Markmacht und Konzentration näher beleuchtet und eine Einschätzung der Auswirkungen auf den Markt dargestellt. Möglichkeiten der Messung von Konzentration und Missbrauch der Marktmacht werden ebenfalls erläutert.

Das fünfte Kapitel gibt einen Überblick über Kooperationsformen im Oligopol, erlaubte und unerlaubte Absprachen, und geht noch einmal explizit auf die Preisführerschaft ein.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse dieser Arbeit diskutiert, zudem wird ein Blick auf die Zukunft der Wirtschaftpolitik für das Oligopol geworfen.

2. Der Begriff des Oligopols

Der Begriff „Oligopol“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „wenige Anbieter“.[1] Im Jahr 1932 erschien das Oligopol in Verbindung mit wirtschafts-wissenschaftlicher Literatur zum ersten Mal. Auf einem oligopolistischen Markt stehen viele Nachfrager wenigen Anbietern gegenüber. Die wenigen Oligopolisten teilen sich den Markt auf, jeder besitzt einen relativ großen Anteil am Marktvolumen. Es gilt ein enges Oligopol (nur sehr wenige Anbieter, Duopol sogar mit nur zwei Anbietern) und ein weites Oligopol (mehrere bis viele Anbieter) voneinander zu unterscheiden. Es bestehen jedoch Unklarheiten darüber, ab wann man von einem (weiten) Oligopol, oder von einem Polypol spricht. Alleine die Anzahl der Marktakteure ist kein ausreichendes Abgrenzungskriterium, es müssen weitere Aspekte beachtet werden. Zentrale Annahme eines Oligopols ist, dass die Aktionen eines Anbieters Einfluss auf das Marktgeschehen haben, und auch von den Konkurrenten wahrgenommen werden.[2] Umgekehrt planen Oligopolisten die Schritte ihres Konkurrenten mit in die eigene Strategie ein, was in einem Polypol aufgrund der atomistischen Marktstruktur (kein Anbieter hat Einfluss auf den Markt) nicht der Fall ist. Zusätzlich sind Oligopolisten Preisanpasser, während Polypolisten lediglich die Menge angleichen.[3] Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass zur Beurteilung jeweils der „relevante Markt“ abzugrenzen ist, was sich in der Praxis als schwierig erweist.[4] Eine Abgrenzung zum Polypol kann z.B. auch anhand der Marktphase erfolgen, da in einem Oligopol meist nur in der Expansionsphase eines Produktes Preiswettbewerb erwartet wird. Auch in der europäischen Rechtsprechung existieren unterschiedliche Definitionen eines Oligopols, jedoch haben sie die Voraussetzungen eines relativ homogenen Gutes, hoher Markttransparenz und weniger Anbieter mit insgesamt viel Marktanteil gemeinsam.[5] Aus diesen Bedingungen ergeben sich unter bestimmten Umständen Wettbewerbsverzerrungen, die im weiteren Verlauf der Arbeit erläutert werden.

3. Theorien zur Preisbildung im Oligopol

3.1. Homogener Markt

3.1.1. Mengenwettbewerb

Das Cournot -Modell gilt als eines der ersten Oligopolmodelle. Es ist Basis für viele Weiterentwicklungen und Abwandlungen.[6] Es unterliegt neoklassischen Annahmen. So wird von linearer Kostenstruktur und Nachfrage ausgegangen, einem vollkommenen Markt, nur zwei Anbietern (Duopol), und alle Anbieter sind Mengenfixierer.[7] Zusätzlich wird erwartet, dass nach der ersten Mengensetzung eines Anbieters keine Reaktion des Konkurrenten stattfindet. Vielmehr lässt sich ein 2-stufiger Prozess beachten. Nachdem die Anbieter autonom ihre Mengen gesetzt haben, findet anschließend die Preisfestlegung auf dem Markt statt.

Der Oligopolist kann sein Gewinnmaximum nur erreichen, wenn er die Reaktionen seines Konkurrenten antizipiert. Folglich produziert er eine entsprechende Menge seines homogenen Gutes. Cournot stellt eine eigene Reaktionsfunktion der beiden Anbieter auf, die die produzierte Menge der Duopolisten bei einer veränderten Strategie zeigt. Im Schnittpunkt beider Reaktionsfunktionen ist das Optimum für beide Anbieter erreicht.

Im Cournot-Gleichgewicht sind die Erwartungen und Vorstellungen der Anbieter miteinander kompatibel, es herrscht eine stabile Situation, die sich nicht mehr verändert. Jeder Anbieter stellt ein Drittel der Sättigungsmenge her, weswegen diese Lösung auch als Cournotsche Zweidrittel-Lösung bekannt wurde. Der Gewinn der Duopolisten erreicht nicht das Gewinnniveau eines Monopolisten, jedoch ist der Gewinn höher als im Polypol. Es entsteht also ein höhere Produzentenrente, gleichzeitig aber auch ein Wohlfahrtsverlust durch zu hohe Preise.

Auch Cournot erkannte, dass eine hohe Anbieterkonzentration in einer geringen Wettbewerbsintensität mündet. Ihm wurde für sein Modell jedoch sehr schnell Kritik entgegengebracht. Die neoklassischen Voraussetzungen und vor allem die Fixierung der Mengen stellen sich als realitätsfern heraus. Unternehmen mit Marktmacht (also Oligopolisten) werden eher den Preis festsetzen, als die Menge als Aktionsparameter zu nehmen.[8] Ebenso ist es unwahrscheinlich, dass die Konkurrenten nicht auf Schritte eines Marktakteurs reagieren werden.

Diesem Kritikpunkt widmete sich Stackelberg, und erweiterte das Modell Cournots.[9] Er geht von einem zweiperiodischen Spiel aus, indem ein Marktakteur der „Klügere“ ist, und sich der Konkurrent anpasst. Der Marktführer ist in der ersten Periode alleine auf dem Markt und bestimmt seine gewinnmaximale Menge. In der zweiten Periode stößt ein zusätzlicher Anbieter hinzu (Marktfolger), der die produzierte Menge des Führers hinnehmen muss. Der Marktführer kalkuliert die Absatzmenge des Folgers jedoch mit in seine Berechnungen sein, so dass er einen „first-mover-Vorteil“ hat. Insgesamt kann er einen doppelt so hohen Gewinn wie der Folger ausweisen.

Die produzierte Menge ist im Stackelberg-Modell höher als bei Cournot, hier werden Dreiviertel der Sättigungsmenge angeboten (Stackelberg ¾ -Lösung). Dementsprechend sind auch die Preise niedriger als im Cournot-Modell.

Als Kritik wurde jedoch vorgetragen, dass es ungeklärt bleibt, wer die Marktführer, und wer die –folger Position einnehmen wird. Laut Stackelberg müsste es zu einem ruinösen Konkurrenzkampf kommen, bis ein Anbieter aufgibt und die Folger-Position anerkennt.

3.1.2. Preiswettbewerb

Ein weiteres Modell der Oligopoltheorie ist die Bertrand -Lösung.[10] Die generellen Annahmen des Modells sind identisch mit Cournot’s. Hier setzt der Anbieter jedoch den Preis für sein Produkt fest, und passt die Menge entsprechend an. Besonders bei homogenen Produkten ist der Nachfrager meist sehr preissensibel, er reagiert auf zu hohe Preise mit einem Anbieterwechsel. Unterbietet ein Anbieter den Preis des anderen, erhält er die gesamte Nachfrage, und der Konkurrent setzt nichts mehr am Markt ab. Für die Anbieter lohnt sich eine Preisunterbietung erst dann nicht mehr, wenn das Preisniveau an den Grenzkosten angekommen ist. Da die Kostenverläufe identisch sind, werden beide Duopolisten ihre Produkte zum Preis in Höhe der Grenzkosten anbieten (auch bei mehr als zwei Produzenten würde sich dieser Preis bilden). Somit erzielt kein Anbieter einen Gewinn, und das Marktergebnis entspricht dem im Polypol. Es kommt also nach Bertrand auch im Oligopol zu Wettbewerb, der sogar das Niveau der vollständigen Konkurrenz erreicht (Bertrand-Paradoxon).

Die Restriktionen der Bertrand-Lösung lassen dieses Modell für die Praxis jedoch eher unbrauchbar erscheinen. Zum einen wird von Fixkosten abstrahiert, was in der Realität kaum vorkommt, zum anderen wird unterstellt, dass sich die Anbieter einen ruinösen Preiskampf bis zu den Grenzkosten liefern. Viel schwerer wiegt aber die Vorraussetzung, dass ein Anbieter notfalls die gesamte Marktnachfrage bedienen kann. Dies kann nicht als realistisch gelten, da Kapazitätsbeschränkungen existieren.

3.2. Heterogener Markt

Modelle, die einen heterogenen Markt abbilden (einzelne Produkte sind differenzierbar), konzentrieren sich überwiegend auf den Preiswettbewerb, da die Erkenntnisse aus dem Mengenwettbewerb hier in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen.[11] Bei den Modellen des Preiswettbewerbs galt die geknickte Nachfragekurve als das Modell, welches die gegenseitigen Reaktionen der verschiedenen Anbieter am besten darstellt. Es wurde parallel von Sweezy sowie Hall und Hitch 1939 entwickelt. Analysiert wird hier jedoch nur das Verhalten eines einzelnen Anbieters, der Rest ist exogen vorgegeben. Mit diesem Ansatz soll Preisstarrheit auf oligopolistischen Märkten erklärt werden. Es liegt die Annahme zugrunde, dass der Anbieter Preiserhöhungen nicht folgt, Preissenkungen aber sehr wohl. Diese asymmetrischen Preisreaktionen führen in der Preis-Absatz-Funktion zu einer Knickstelle. In der Grenzerlösfunktion kommt es sogar zu einer Sprungstelle, in der Kostenänderungen des Anbieters nicht zu Änderungen der gewinnmaximalen Preis-Mengen-Kombination führen.[12]

Für kleine Kosten- und Nachfrageschwankungen kann das Modell der geknickten Nachfragekurve gute Ergebnisse erzielen, jedoch hat es auch einige Nachteile. In der Wirtschaft kommt es häufiger vor, dass Unternehmen Preiserhöhungen ebenfalls folgen und dass selbst kleinste Kostenveränderungen dennoch einen Einfluss auf den Preis haben. Zudem weist die Reaktionshypothese der Konkurrenten einige Schwächen auf.

Es wird anhand der einzelnen Theorien ersichtlich, dass sie alle einen kleinen Bereich der Oligopolproblematik abbilden können. Durch ihre meist realitätsfernen Annahmen können sie aber nur bedingt als Analyseinstrumente für heutige Situationen eingesetzt werden. Teilweise widersprechen sich die Theorien sogar und kommen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

[...]


[1] Vgl. Habersaat, M. (2002), S. 9.

[2] Vgl. Hardes, H.-D. (1992), S. 224.

[3] Vgl. Wied-Nebbeling, S. (2004), S. 12.

[4] Der „relevante Markt“ sind hier Produkte von direkten Konkurrenten und Substitutionsprodukte. Es stellt sich jedoch das Problem, welche Anbieter noch dazugehören, und welche nicht. Siehe weiterführend hierzu: Wied-Nebbeling, S. (2004), S. 13ff.

[5] Vgl. Habersaat, M. (2002), S. 145.

[6] Auf eine genaue Herleitung der einzelnen Modelle und seiner mathematischen sowie graphi- schen Veranschaulichungen sei im Rahmen dieser Hausarbeit verzichtet. Vielmehr interessieren die Ergebnisse der Modelle, ihr Bezug zur Realität sowie die Auswirkungen auf den Wettbe- werb.

[7] Vgl. hierzu und im Folgenden: Wied-Nebbeling, S. (2004), S. 128ff.

[8] Vgl. Hardes, H.-D. (1992), S. 225f.

[9] Vgl. Bester, H. (2003), S. 85ff.

[10] Vgl. Finsinger, J. (1991), S. 52ff.

[11] Vgl. Wied-Nebbeling, S. (2004), S. 157.

[12] Vgl. Hardes, H.-D. (1992), S. 226.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Oligopole als wettbewerbspolitisches Problem
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Seminar Markt und Allokation
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V64854
ISBN (eBook)
9783638575584
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Aufgrund der Besonderheiten eines oligopolistischen Marktes ergeben sich Probleme, die teilweise zu erhöhten Preisen für die Verbraucher und damit zu Wohlfahrtsverlusten führen. Die vorliegende Arbeit vermittelt einen Eindruck der unterschiedlichen Problemfelder des Oligopols und veranschaulicht diese anhand einiger Beispiele aus der Praxis. Insbesondere zeigt diese Arbeit die Schwierigkeiten, die sich für die Wettbewerbspolitik und -behörden bei der Beseitigung der Oligopol-Problematik ergeben.
Schlagworte
Oligopole, Problem, Seminar, Markt, Allokation
Arbeit zitieren
Stephan Schmidt (Autor), 2006, Oligopole als wettbewerbspolitisches Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64854

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