Dokumentation eines Praktikums an einer Ganztagshauptschule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

91 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung
1.1. Entscheidung für diese Schule
1.2. Erwartung
1.3. Erster Eindruck

2. Die Praktikumsschule im allgemeinen
2.1. Der Schulort
2.2. Die Schulart
2.3. Das Schulgebäude, die Pausenplätze und die medialen Möglichkeiten
2.4. Das Kollegium und die Mentorin
2.5. Schülervertretung und Elternengagement

3. Die Praktikumsklassen
3.1. Klasse 10c
3.2. Klasse 9c
3.3. Klasse 8a
3.4. Klasse 8a
3.5. Klasse 7c

4. Dokumentation von Mentorenunterricht
4.1. Mentorenführungsstil
4.2. Gesamterfassung und -notation von Mentorenunterricht

5. Dokumentation von Eigenunterricht
5.1. Eigener Führungsstil
5.2. Gesamtplanung (mit Gestaltungsintention) der Ganzheit des Eigenunterrichts

6. Schlußreflexion

Literatur- und Internetseitenverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Entscheidung für diese Schule

Bei den ersten schulpraktischen Studien hatte ich mich für Gemeinschaftsgrundschule Hückeswagen entschieden, wo ich selbst die Grundschulzeit verbracht hatte. Ich hospitierte nicht in der Sekundarstufe I, obwohl ich dieses Lehramt anstrebe, weil ich fürchtete, dort allzuleicht in die Schülerrolle zurückzufallen. Die unbequeme Sitzhaltung auf den für Grundschüler bestimmten Stühlchen hatte mich dann auch in der Tat stets daran erinnerte, daß ich hier nicht mehr als Schüler saß.

Inzwischen im vierten Semester angelangt und schon ein wenig tiefer ins Studium eingedrungen, glaubte ich jetzt, vor dieser Gefahr besser gefeit zu sein als noch vor anderthalb Jahren.

So blieb noch die Wahl zwischen den zwei Schulen in Hückeswagen, die eine Sekundarstufe haben – eine Schule an meinem Wohnort zu wählen erschien mir schon aus Bequemlichkeitsgründen am sinnvollsten zu sein –, der Städtischen Realschule oder der Montanus-Ganztagshauptschule. Erstere hatte ich selbst besucht, und die Mehrzahl der eigenen Lehrer waren noch im Dienst. So entschied ich mich gegen diese Schule, weil ich fürchtete, die eigenen Unterrichtsversuche und das dabei geforderte Selbstbewußtsein könnten darunter leiden, sich einem ehemaligen Lehrer als Mentor unterstellt zu sehen. Das eigene „Comeback“ zu feiern und sich von den Lehrern als Beweis der Durchlässigkeit des Schulsystems feiern zu lassen – ein ehemaliger Realschüler auf dem Weg, selbst Lehrer zu werden – erschien mir überdies zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh. Es würde einen hohen Erwartungsdruck aufbauen, dem ich mich noch nicht gewachsen fühlte, zumal ich mich noch in einiger Entfernung von der wirklichen und auch formalen Qualifikation eines Lehrers sah.

1.2. Erwartung

Mir drängte sich geradezu der Wunsch auf, mein späteres „Klientel“ nun einmal wirklich kennenzulernen. Zwar hatte ich vor Praktikumsbeginn auch so hehre Erwartungen im Sinn, wie sich den verschiedenen Dimensionen von Unterricht anzunähern und auch nach 13 Jahren Schulerfahrung eine vertiefte Lehrersicht in das alltägliche Schulleben zu bekommen, im Grunde bewegte mich aber noch immer die Frage, ob die Berufsentscheidung die richtige gewesen war. Für mich war die Berufsentscheidung, wenngleich ich den Lehrerberuf schon lange erwogen hatte, schließlich um ein Jahr früher als erwartet und damit ein wenig hastig gefallen. Deshalb ging es mir darum, zu der banalen Überzeugung zu gelangen: „Ich weiß nun ganz sicher, daß ich Lehrer werden will“, oder eben zu einer entgegengesetzten Entscheidung, ohne das wertvolle Studium bereuen oder gar abbrechen zu wollen.

Provoziert hatte mich auch die Lektüre der Einleitung des Buchs „SPS, Schulpraktische Studien, Szenen Pädagogischer Situationen, Sammlung Pragmatischer Studienhilfen“, wo hinsichtlich der Studienanfänger als Motivation für ein Lehramtsstudium Statusdenken für möglich gehalten wird.[1] Ich wollte mich darauf hin prüfen und ggf. um eine Motivation bemühen, die über Statusdenken hinausgeht.

Einen weiteren persönlichen Erwartungsschwerpunkt stellte für mich die Frage dar, ob die Diskussion vom unterstellten Erziehungsnotstand[2] sich in der Hauptschule als gerechtfertigt darstellen würde. Überzeugt vom biblischen Geschichtsbild, wonach „die Nacht [...] weit vorgerückt [ist] und der Tag [...] nahe [ist]“ (Römer 13,12)[3], die Entwicklung also eine dekadente ist, kamen mir dennoch die Worte des Predigers gerade im Hinblick auf die Behauptung, daß die „heutigen“ Schüler viel „schlimmer“ seien als frühere, nicht aus dem Sinn: „Sprich nicht: Wie ist es, daß die früheren Tage besser waren als diese? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach“ (Prediger 7,10).[4] Gerade bei Großeltern und im nichtprofessionellen Bereich der Kinderarbeit schien die Behauptung einer sich stets zum Schlimmeren entwickelnden Jugend kritiklos angenommen und verfochten zu werden, ungeachtet der Frage, wann der angenommene Mißstand denn begonnen haben soll.

Als ich, darum befragt, wie mein erster Eindruck von meiner Hospitationsklasse sei, sagte, ich sei erstaunt von der Disziplin unter den Schülern, wie ich sie von meiner Schulzeit nicht kenne, schien das den Lehrer, der mich fragte, zu verwundern. Er sagte sogleich, daß die ländliche Struktur des Einzugskreises den allgemeinen Abwärtstrend noch ein wenig bremse. Meine Mentorin, Frau A., hingegen vertrat die Auffassung, wie sie mir sagte, daß die Schüler sich diszipliniert verhielten, wenn man ihnen das auch zutrauen und einreden würde. Sage man den Kindern oft genug, wie „schlimm“ sie seien, verhielten sie sich auch schon bald so.

Ferner wollte ich mir die Frage stellen, ob das Lehramtsstudium wirklich so ungeeignet ist, „gute“ Lehrer hervorzubringen, wie es oft zu hören ist, und ob es sozusagen als Eintrittskarte nur notwendiges Übel ist, demnach also ein Selbstläufer geworden ist. Ich nahm mir daher vor, das Verhältnis der Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Ausbildung und der des Praxisbezugs anhand meiner Erfahrung während des Praktikums zu überdenken.

Ein wenig erstaunt war ich, als ich gleich am ersten Tag im Lehrerzimmer von meinem Tischnachbarn im Lehrerzimmer zu hören bekam, daß man mit der wissenschaftlichen Ausbildung nichts anfangen könne. So einfach wollte ich mich aber nicht geschlagen geben und ließ mich durch diese Aussagen provozieren, so daß ich mir vornahm, im Praktikum zu reflektieren, wo mir meine bisherige wissenschaftliche Ausbildung zu Hilfe kommen würde.

1.3. Erster Eindruck

Noch nicht lange vor Praktikumsbeginn hatte ich in der Hückeswagener Lokalzeitung gelesen, daß sich die Hauptschule eines guten Renommees erfreut und „bei Jugendlichen ganz hoch im Kurs [liegt]“.[5] So gebe es keine Schmierereien und keine Zerstörungen, und das soziale Miteinander sei gut.[6]

Um so erstaunter war ich, daß ich am ersten Praktikumstag einem Polizisten in unmittelbarer Schulnähe begegnete. Die Verkehrssituation allein konnte das nicht erfordern, denn die Schule liegt am Ende einer Sackgasse, die nur von Lehrern, Eltern und einigen Bussen befahren wird. Von P.[7], einem Schüler der neunten Klasse, erfuhr ich schon bald, daß der Polizist zur Hauptschule bestellt worden sei, um dort Prügeleien, wie sie sich kürzlich ereignet hätten, zu verhindern.

So hatte ich zu Anfang den Eindruck, als ob das Bild, das in der Lokalpresse von der Schule gezeichnet wird, von der Realität ein wenig abweicht. Von meiner Mentorin erfuhr ich allerdings, daß die Polizei zudem auch morgens dort stehe, um die Autofahrer dazu zu bringen, langsam zu fahren, und die Polizei habe auch Aufgaben zur Drogenprävention übernommen und unterrichte die Schüler. P., so vermutete ich, hatte sich durch seine Erklärung zur Polizeipräsens ein wenig wichtig machen wollen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Polizei an der Montanusschule

Als ich zum ersten Mal das Lehrerzimmer betrat, stellte ich einen bemerkenswerten Unterschied zum Eindruck fest, den ich beim ersten Schulpraktikum gewonnen hatte. Damals noch waren alte Erinnerungen an dieses „sagenumwobene“ Zimmer wach gerufen worden. Die Angst, wenn ein Klassenkamerad wegen schlechten Benehmens in dieses oder das Rektorzimmer gerufen wurde, hatte ich noch spüren können. Respektvoll hatte ich Abstand vor dem Mikrofon für Durchsagen gehalten, denn ich hatte noch vor Augen gehabt, wie Frau S. den zusammengeschrieen hatte, der es gewagt hatte, hier auf eigene Faust eine Durchsage zu machen. Das Lehrerzimmer hatte ich die ganze Zeit des Praktikums nicht betreten und die Pausen auf dem Schulhof verbracht. Der enorme Respekt vor dem Lehrerzimmer hatte zehn Jahre überdauert.

Das jetzige Lehrerzimmer war von solch episodischem Wissen unbelastet, und so überschritt ich recht unbeschwert die Schwelle zum Lehrerzimmer.

Eine besondere Erfahrung im Lehrerzimmer war dann die erste große Pause. Herr C. sagte: „Ich bin noch in duzfähigem Alter und heiße Udo“, und Herr B. fügte hinzu: „Ich heiße Jürgen.“ Ich war sehr erstaunt über die freundschaftliche Aufnahme und auch die Akzeptanz eines jungen Studenten bei den „altgedienten“ Lehrern. Ich spürte etwas von dem Prinzip der Kollegialität, von dem ich bisher nur aus Vorlesungen über die preußische Geschichte gehört hatte, das sich hier in der Schule aber noch unbeschadet erhalten hatte.

2. Die Praktikumsschule im allgemeinen

2.1. Der Schulort

Die Montanus-Ganztagshauptschule liegt am westlichen Stadtrand der oberbergischen Stadt Hückeswagen. Hückeswagen liegt im Norden des oberbergischen Kreises, es liegt etwa 40 km nordöstlich von Köln und grenzt im Westen an die Ballungskerne des Bergischen Landes (Remscheid, Solingen, Wuppertal). Die südöstlich gelegene Kreisstadt Gummersbach ist ca. 25 km entfernt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Stadtplan von Hückeswagen [8]

Hückeswagen hat zur Zeit ca. 16.000 Einwohner. 1975 hatte es aufgrund der kommunalen Neugliederung einen größeren Einwohneranteil an Remscheid verloren, durch die Expansion im Wohnungsbereich ist dieser Verlust an Einwohnern wieder ausgeglichen. Das Stadtgebiet beträgt 50,46 km2, die Bevölkerungsdichte somit ca. 317 Einwohner/km2.

Diese Fakten machen verständlich, warum in dem Schulprogramm[9] als Vorteil der Montanusschule der kleinstädtische Charakter von Hückeswagen angeführt wird.[10]

Hinzu kommt, daß 54,2 Prozent der Fläche Landwirtschaftsfläche ist,[11] Hückeswagen also einen ausgesprochen ländlichen Charakter trägt, wie Herr B. mir gegenüber auch bemerkte (siehe Kapitel 1.2.). Als ländliche Ortsteile zu nennen sind im wesentlichen die Ortsteile Dreibäumen, Heide, Kobeshofen, Kormannshausen, Marke, Mickenhagen, Neuenherweg, Scheideweg, Schückhausen und Steffenshagen.

Was die Sozialstruktur Hückeswagens betrifft, so machen die „Mittelschicht“ neben den in der Landwirtschaft tätigen Personen die Beschäftigten der Industrie-, Einzelhandels- und Handwerksbetriebe aus. In der Industrie ist die wichtigste verbliebene Branche die metallverarbeitende Industrie und der Maschinenbau – die Tuchindustrie, ehemals geradezu kennzeichnend für Hückeswagen, ist in den 70er Jahren völlig zurückgegangen. In Hückeswagen sind bedeutende Hersteller von Werkzeugmaschinen oder Präzisionswerkzeugen, z. B. Klingelnberg, ansässig und stellen den hauptsächlichen Arbeitgeber der Stadt dar.

So blickt die Montanusschule stolz auf den zuletzt entlassenen Jahrgang zurück, von dem jeder eine Beschäftigung fand. Wie sorgfältig die Schnittstelle zwischen Schule und Beruf vorbereitet wird, zeigte sich mir während des Besuchs des sog. Berufkollegs an der Berufsschule Wermelskirchen am Dienstag, den 25.09.2001. Dort hatten die Klassen 9 und 10 Gelegenheit, sich über die dort ausstellenden regionalen Firmen zu informieren und sich schon persönlich als potentielle Auszubildende vorzustellen.

Die sozial besserstehenden Einwohner sind, grob gesprochen, nicht unerheblich in den neu erschlossenen Wohngebieten angesiedelt. Ein großer Teil schätzt die relativ günstigen Wohnkosten in Hückeswagen. So hat Hückeswagen einen hohen Auspendlerüberschuß. Ca. 3.600 Hückeswagenern, die außerhalb der Stadt arbeiten, stehen lediglich ca. 1.400 Arbeitnehmer gegenüber, die aus der benachbarten Region in Hückeswagen arbeiten. Begünstigt wird das durch das ausgebaute Verkehrsnetz um Hückeswagen. So kann die Autobahn A 1 (Köln-Wuppertal-Dortmund) über zwei Anschlußstellen (Schloß Burg/Wermelskirchen bzw. Remscheid) in jeweils ca. 12 km Entfernung erreicht werden. Durch die Stadt laufen als bedeutende Verbindungsstraßen die B 237 (Meinerzhagen/Kierspe-Wipperfürth-Remscheid) und die B 483 (Hückeswagen-Radevormwald-Remscheid). Allerdings verfügt Hückeswagen nicht mehr über einen direkten Anschluß an das Netz der Deutschen Bahn, der nächste Bahnhof liegt ca. 12 km entfernt in Remscheid-Lennep. Die Busverbindungen gelten hingegen zumindest für die Berufstätigen als zufriedenstellend.

Soziale Brennpunkte gibt es zwar laut der Schulordnung der Montanusschule nicht,[12] der sozial niedrigstehende Einwohneranteil, z. B. auch Zuwandererfamilien, ist aber v. a. im Ortsteil Wiehagen wohnhaft. So kommt auch ein erheblicher Teil der Schüler der Montanus-Hauptschule von Wiehagen.

Die Montanus-Hauptschule ist eine von sechs Schulen in Hückeswagen. Es gibt außer ihr drei Grundschulen, eine Katholische Grundschule, eine Gemeinschaftsgrundschule und eine Grundschule für Wiehagen, eine Realschule und eine Sonderschule für lernbehinderte Schüler. Wer die Allgemeine Hochschulreife anstrebt, muß eines der Gymnasien in den Nachbarstädten besuchen; der überwiegende Teil der Gymnasiasten aus Hückeswagen besucht das EvB-Gymnasium oder das Ursulinen-Gymnasium in Wipperfürth. Für die der Schule vorangehende Zeit stehen neun Kindergärten verschiedener Träger zur Verfügung. Für die Zeit nach der Schule kann Hückeswagen mit keiner Berufsschule aufwarten, das Gebäude der ehemaligen Berufsschule wird derzeit von der Sonderschule genutzt.

2.2. Die Schulart

Die Montanusschule ist eine Hauptschule, und zwar eine Ganztagshauptschule. Dem Schulprogramm der Schule zu entnehmen ist, daß die Montanusschule dementsprechend ihr „pädagogisches Leitbild“, wie sie formuliert, darin sieht, „auf das Leben vorzubereiten“.[13]

Einen großen Stellenwert mißt das Schulprogramm auch der schulischen Erziehungsarbeit bei. Als wichtige Erziehungsziele nennt es Zuverlässigkeit, zudem Ausdauer, Durchhaltevermögen und Belastbarkeit, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz sowie Höflichkeit und Freundlichkeit.

Auf diese Ziele hingearbeitet wird an der Schule dadurch, daß sich der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin auch außerhalb von Elternsprechtagen ggf. mit den Eltern beraten sowie stets Ansprechpartner der Schüler auch in persönlichen Problemen sind.[14] Das Schulprogramm fordert überdies den stetigen Austausch der Kollegen über die Schüler, die in ihrem Verhalten defizitär wirken, und es sieht Absprachen mit der örtlichen Jugendhilfe und den schulpsychologischen Beratungsstellen vor. Die sozialen Strukturen verbessern helfen sollen zudem Klassenfeiern, Gruppenarbeitsformen sowie Projekte und Exkursionen. Allerdings sieht das Schulprogramm bei wiederholten Verstößen gegen die Hausordnung, die den Schülern schon bei ihrer Anmeldung gegeben wird, auch eine „konsequente Durchführung von Ordnungsmaßnahmen“ vor.[15]

Das Schulprogramm läßt also die für die Hauptschule heute typische sozialpädagogische Ausrichtung erkennen.

Um die Schulart der Montanusschule noch weiter bestimmen zu können, ist es hilfreich zu sehen, wie im Schulprogramm die Ganztagsschule zu verwirklichen versucht wird. Zentrale Bedeutung hat die Mittagspause mit ihren Freizeitangeboten, die zwischen der sechsten und der siebten und achten Stunde angesiedelt ist (siehe Kapitel 2.3.). Von Bedeutung sind zudem die zahlreichen Arbeitsgemeinschaften, etwa die Fußball- oder die Jazztanz-Arbeitsgemeinschaften. Besonderen Nachdruck legt das Schulprogramm darauf, daß die Ganztagsschule keine Verlängerung der Halbtagsschule ist, sondern der Begriff „Ganztagsschule“ impliziere auch, daß eine „ganzheitliche Erziehung“ intendiert sei, „die alle Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler umfaßt und sie fördert“.[16]

2.3. Das Schulgebäude, die Pausenplätze und die medialen Möglichkeiten

Die Montanusschule besteht aus einem etwa 35 Jahre alten, von dem Architekten Schul erbauten Gebäudekomplex, der fast symmetrisch aufgebaut ist, nämlich aus zwei von Schülern und Lehrern liebevoll so genannten „Türmen“ besteht, die durch einen Gang miteinander verbunden sind. Sie besteht darüber hinaus aus einem ca. 25 Jahre alten Gebäudekomplex. In ihm ist das Lehrerzimmer, das Rektor- und Konrektorzimmer sowie das Sekretariat untergebracht. Es umfaßt sämtliche Fachräume sowie das auch (wenn nicht sogar vornehmlich) für außerschulische Veranstaltungen genutzte Forum.

Beide Gebäudekomplexe sind geschickt durch eine Überführung verbunden, den sog. „Lehrergang“, auf dessen Symbolträchtigkeit ich in Kapitel 6 noch eingehe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Lehrergang

Die Mittagspause ist, wie in Kapitel 2.2. bereits angesprochen, von zentraler Bedeutung. Seitlich von dem die sog. „Türme“ verbindenden Gang liegen daher zahlreiche geräumige Räume, wo die Schüler die Pause von 60 Minuten verbringen und gestalten können. Zum einen gibt es eine Mensa, wo das Mittagessen, das ein Partyservice liefert und das 6,00 DM kostet, eingenommen wird. In der Cafeteria verkaufen Schüler der Klassen sieben bis zehn kleine Snacks und Getränke zum Selbstkostenpreis. Dort hält sich während der Mittagspause auch die Stadtjugendpflegerin auf; einmal in der Woche sind die Ortspolizisten zugegen.

Die Lehrer, die noch mit Nachmittagsunterrichts betraut sind, nehmen das Essen gemeinsam mit den Schülern ein. Auch das stellt eine weitere Gelegenheit dar, intensivere Sozialkontakte, für die der eigentliche Unterricht weniger Raum bietet, zu pflegen. In einem zusätzlichen Raum können die Schüler Gesellschaftsspiele oder Billard spielen, kickern oder sich an Flipperautomaten entspannen. Dazu bieten sich auch die gemütlichen Sofas an. Eine Bibliothek wird von Frau A. betreut. Dort wie im Computerraum können sich die Schüler Unterhaltung verschaffen oder auch ernsthaft Referatthemen u. ä. vorbereiten. Es stehen für die Mittagspause auch Tischtennisplatten zur Verfügung sowie Bälle und Spiele für den Außenbetrieb. Die Turnhalle ist geöffnet.

Die Schule besitzt verschiedene Fachräume, nämlich jeweils einen für Physik, Chemie, Biologie, Kunst und Textil, Informatik und Musik. Sie hat kein Sprachlabor. In dem sog. Demonstrationsraum werden ggf. Filme gezeigt, und auch nur dort, denn in Klassenräumen installierte oder mobile Videogeräte fehlen völlig bzw. sind defekt.

Um zu erkunden, wie die Schüler ihr Schulgebäude, ihren Pausenhof und ihre Fachräume sowie die Medienausstattung empfinden, erstellte ich einen Fragenbogen, der in den ersten drei Fragen genau hiernach fragte.[17]

Den Fragebogen sowie die Ergebnisse füge ich an dieser Stelle vollständig ein und werde in den entsprechenden Passagen meiner Arbeit die anderen Fragen und ihre Ergebnisse einbeziehen.[18]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unsere Schule unter der Lupe

Was lässt sich noch besser machen?

Vergib für jede der folgenden Fragen eine Note von 1 bis 6, um die Verbesserungsmöglichkeiten an eurer Schule aufzuspüren!

1. Wie schätzt du den Pausenhof ein, ist er z. B. grün genug, reicht er für die vielen Schüler aus, vermisst ihr Sportgeräte? Und wie bewertet ihr die Pausenhalle, z. B. hinsichtlich der Sitzgelegenheiten?

2. Ist die Ausstattung der Fachräume ausreichend für die Schülerzahl eurer Klasse?

3. Wie ist die Ausstattung der Schule mit Medien, z. B. Videogeräten oder Internetcomputern, zu bewerten?

4. Wie beurteilt ihr die Aktualität eurer Schulbücher?

5. Seid ihr mit eurer Klassengemeinschaft zufrieden, oder lässt sie zu wünschen übrig? Beurteilt das vor dem Hintergrund, ob es zu Brutalitäten oder Ausgrenzungen von einzelnen Schülern kommt.

6. Fühlt ihr euch als Schüler bei schulischen Entscheidungen ausreichend berücksichtigt und befragt?

7. Glaubst du, dass es auch unter den Lehrern Zwistigkeiten geben kann? Habt ihr das auszubaden?

8. Wie beurteilst du die Hausaufgaben hinsichtlich des Zeitaufwands? Und inwieweit glaubst du, dass die Hausaufgaben Sinn machen?

9. Hälst du deine Fachlehrer für sachkundig und fähig, auch unerwartete Fragen beantworten zu können?

10. In welchem Maß sind deine Lehrer auch offen für eure persönlichen Probleme?

11. Gehst du im Allgemeinen gern zur Schule?

Die Befragung führte zu folgendem Ergebnis:[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Pausenhof (Frage 1) wurde von allen fünf Klassen schlechter als „befriedigend“ bewertet, die Klasse 8a sowie die Klasse 9c bewerteten ihn mit 3,5, die Klassen 7c und 10c mit 3,1 im Durchschnitt, die 8a lag mit der Einschätzung von 3,3 dazwischen.

Wesentlich positiver wurde die Ausstattung der Fachräume bewertet, beide Hospitationsklassen der Stufe 8 bewerteten sie mit 2,5, die 10c lag in ihrer Einschätzung mit 2,6 ein wenig darunter, gefolgt von der 7c mit 2,7 und der 9c, die im Durchschnitt zu einer Bewertung mit der Note 3,2 kam.

[...]


[1] Vgl. Gerhard Müßener, SPS. Schulpraktische Studien. Szenen Pädagogischer Situationen. Sammlung Pragmatischer Studienhilfen (Wuppertal: 1993) (Deimling-Arbeitsmittel für Studium und Lehre, Bd. 3), S. 13.

[2] Vgl. etwa Petra Gerster, Christian Müller, Der Erziehungsnotstand. Wie wir die Zukunft unserer Kinder retten (Berlin: 2001).

[3] Zitiert nach der Überarbeiteten Fassung der Elberfelder Übersetzung (Wuppertal u. Hückeswagen: 1999), S. 189.

[4] Zitiert nach der Nichtrevidierten Fassung der Elberfelder Übersetzung (Wuppertal: 731993 (11933)), S. 505.

[5] Mark Schrörs, Schülerzahl an der Montanus-Schule gestiegen. Hauptschule liegt bei Jugendlichen ganz hoch im Kurs, Bergische Morgenpost 129, 06.06.01, S. 3214.

[6] Vgl. ebd.

[7] Namen und Klassen sind alle geändert und anonymisiert.

[8] Entnommen aus Der Stadtplan <http://www.realschule-hueckeswagen.de/anfahrt.htm#null#> (08.10.01).

[9] Zitiert nach Montanusschule. Ganztagshauptschule der Stadt Hückeswagen. Schulprogramm der Montanusschule <http://home.t-online.de/home/montanusschule/index-schulprogr.htm> (08.10.01).

[10] Vgl. ebd.

[11] Vgl. Zahlen, Daten und Fakten. Hückeswagen <http://oberberg-online.de/staedte/hueckeswagen> (08.10.01).

[12] Vgl. Schulprogramm der Montanusschule.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Die Befragung machte ich in der letzten Woche meines Praktikums. Am Mittwoch, dem 3. Oktober 2001, wurde allerdings in der Hauptschule eingebrochen, und sämtliche Computer aus dem Internetraum wurden gestohlen. So wies ich bei den Befragungen, die nach dem 3. Oktober stattfanden, ausdrücklich daraufhin, daß ich den Status vor dem 3. Oktober erkunden wolle.

[18] Nur in Kapitel 2 habe ich einen „Inhalts-Komplex“, nämlich den „Primär-Komplex“, gesondert betrachtet, die weiteren „Inhalts-Komplexe“ sind den Kapiteln über die Praktikumsklassen und die Unterrichtsdokumentation nachgeordnet und bleiben zumeist unausgesprochen, wie auch die verschiedenen Voraussetzungsfelder nicht immer explizit genannt werden.

[19] Geplant war eine Sechser-Staffelung der Benotung, die Schüler wählten aber häufig Zwischenwerte wie „2-3“, „2-“ oder „3+“, die ich – ausgehend von der Prämisse, daß die Schüler gewiß nicht stärker differenzierten – zu der Dezimalzahl „2,5“ generalisierte.

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Dokumentation eines Praktikums an einer Ganztagshauptschule
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Pädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
91
Katalognummer
V6487
ISBN (eBook)
9783638140485
ISBN (Buch)
9783638716970
Dateigröße
1543 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Damit Ihr es einfacher habt bei dem entsetzlich umfangreichen Praktikumsbericht für SPS II, habe ich meinen ins Netz gestellt. Hoffentlich könnt Ihr einige Ideen übernehmen. Der Dozent war sehr zufrieden mit der Arbeit, deshalb ist er vielleicht ganz nützlich.
Schlagworte
Dokumentation, Praktikums, Ganztagshauptschule
Arbeit zitieren
Marcel Haldenwang (Autor), 2001, Dokumentation eines Praktikums an einer Ganztagshauptschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6487

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