Die berufliche Förderung benachteiligter Jugendlicher steht im Rahmen der stets aktuellen Diskussionen um Chancengleichheit und Abbau sozialer Ungleichheit immer wieder im öffentlichen Diskurs. Gleichzeitig wird über den Umgang mit den spärlichen öffentlichen Finanzmitteln diskutiert. Die Agentur für Arbeit versucht mit ihren Bemühungen um eine qualitativ hochwertige Maßnahmendurchführung bei möglichst geringem Mitteleinsatz den Spagat zwischen diesen Anforderungen zu schlagen. Im Rahmen von Ausschreibungen werden Maßnahmen der Benachteiligtenförderung, unter ihnen auch die ausbildungsbegleitenden Hilfen, in kurzen Abständen wettbewerblich vergeben: der Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Angebot erhält den Zuschlag. Zweifellos wird mit diesem Verfahren in seiner Grundausrichtung beiden Aspekten entsprochen, leider wird bei den damit verbundenen Wechseln der Trägereinrichtung etwas in den Schatten gestellt: Wie kommen die TeilnehmerInnen in der Maßnahme selbst mit dem Wechsel eines Trägers klar?
In diesem Buch wird der Frage nachgegangen, in wie weit Teilnehmer und Teilnehmerinnen von einem Trägerwechsel beeinflusst werden bzw. welche Auswirkungen er auf die Maßnahme selbst hat. Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden Beteiligte an solchen Wechselprozessen befragt, deren Eindrücke in einer qualitativen Studie analysiert wurden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Berufsausbildung im dualen System
1.1 Aspekte der dualen Berufsausbildung
1.1.1 Außerbetriebliche Ausbildungswege
1.1.2 Zu den Auszubildenden im dualen System
1.2 Zur Entwicklung rechtlicher und struktureller Grundlagen der beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher
1.2.1 Zielgruppendefinition „Benachteiligte“
1.2.2 Entwicklung der beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher
1.2.3 Zur Jugendberufshilfe auf Grundlage des KJHG
1.2.4 Zur Förderung benachteiligter Jugendlicher im (Berufs-)Schulwesen
1.2.5 Zur rechtlichen Entwicklung der Benachteiligtenförderung nach SGB III
1.3 Angebote des SGB III zur beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher
1.3.1 Struktur der Agentur für Arbeit
1.3.2 Maßnahmenstrukturen im SGB III zur beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher – die Benachteiligtenförderung
1.3.3 Pädagogische Ansätze in der Benachteiligtenförderung
1.3.4 Arbeitsgrundlagen in der Benachteiligtenförderung
1.3.5 Maßnahmen der sozialpädagogisch gestützten Berufsausbildung nach SGB III
1.4 Ausbildungsbegleitende Hilfen
1.4.1 Ausbildungsbegleitende Hilfen als Form der beruflichen Förderung
1.4.2 Die Maßnahmenträgern
1.4.3 Jugendliche in der Maßnahme
1.4.4 Sozialpädagogische Fachkräfte in abH
1.4.5 Aufgabenbereiche der Lehrkräfte
1.4.6 Aufgabenbereiche der Agentur für Arbeit
1.4.7 Kooperationen und Netzwerke in abH
1.5 Vergabe öffentlicher Dienstleistungen durch die Agentur für Arbeit
1.5.1 Vergabeverfahren und ihre Probleme
1.5.2 Ökonomische und förderpolitische Hintergründe
2. Folgen des Trägerwechsels im Maßnahmenverlauf von abH – Eine qualitative Studie
2.1 Das Forschungsfeld – abH im Landkreis Esslingen
2.1.1 Relevante Strukturdaten des Landkreises
2.1.2 Geschichtliche Entwicklung der Maßnahme abH in Esslingen
2.2 Zentrale Fragestellungen und Inhalte der Studie
2.3 Zur methodischen Anlage der Studie
2.3.1 Hintergründe zum Erstellen der Studie
2.3.2 Methodische Anlage
2.4 Ergebnisse der Studie
2.4.1 Folgen für und aus der Sicht von Teilnehmern
2.4.2 Folgen für und aus der Sicht von sozialpädagogischen Angestellten
2.4.3 Folgen für und aus der Sicht von Lehrkräften
2.5 Zusammenfassung
3. Sozialwissenschaftliche Konsequenzen aus der Studie
3.1 Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse im Bezug auf das untersuchte Feld
3.1.1 TeilnehmerInnen der Benachteiligtenförderung
3.1.2 Bedeutung der Bildungseinrichtung
3.1.3 Qualität durch Wettbewerb?
3.2 Theoretische Grundlagen sozialpädagogischer Arbeit im Arbeitsfeld der beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher
3.2.1 Ganzheitlichkeit und Lebensweltbezug
3.2.2 Partizipation
3.3 Folgerungen für eine angemessene Vergabe von Maßnahmen der beruflichen Förderung benachteiligter Jugendlicher
3.3.1 Aspekt der Qualität bei der Maßnahmevergabe
3.3.2 Aspekt der Wirtschaftlichkeit bei der Maßnahmenvergabe
3.3.3 Aspekt des TeilnehmerInnen-Interesses bei der Maßnahmenvergabe
3.4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Ausschreibungspraxis der Agentur für Arbeit auf die Durchführung der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) nach §§ 235, 240ff SGB III, insbesondere im Kontext von Trägerwechseln. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie TeilnehmerInnen den Wechsel eines Trägers erleben und welche Konsequenzen dies für die pädagogische Arbeit und die Stabilität des Förderprozesses hat.
- Wettbewerbliche Vergabe von abH-Maßnahmen
- Qualitative Folgen eines Trägerwechsels
- Sozialpädagogische Arbeit und deren Herausforderungen
- Rolle der Lehrkräfte und sozialpädagogischen Fachkräfte
- Bedeutung von Beständigkeit in der pädagogischen Förderung
Auszug aus dem Buch
2.4.1.7 Beziehung zur Lehrkraft in abH
Wie aus den oben vorliegenden Erkenntnissen bereits ersichtlich, wird für die Teilnehmer als Bezugsperson in abH ausschließlich die Lehrkraft gesehen. Auch die Arbeit der Lehrkraft wird außerhalb der eigentlichen Trägereinrichtung verstanden. Der Eindruck entsteht, dass die Auszubildenden die Trägereinrichtung ausschließlich als Anbieter der Räumlichkeiten und der Ausstattung ansehen, dass der Unterricht quasi in jeder erdenklichen anderen Örtlichkeit stattfinden könnte, wenn die Lehrkräfte nicht von der Bezahlung durch den Träger abhängig wären. Die Funktion aller anderen Beteiligten in der Maßnahme, hauptsächlich der sozialpädagogischen Fachkräfte, wird dementsprechend in der Verwaltung der Maßnahme, der Räumlichkeiten und der Ausstattung gesehen.
Das Vertrauen zur Lehrkraft wird als Hauptfaktor für einen gelingenden Stützunterricht gesehen. Die Auszubildenden in abH werden von der Lehrkraft akzeptiert und es wird auf sie eingegangen. Sie nimmt sich Zeit für die Teilnehmer und findet dadurch Zugang zu ihren Problemlagen und nimmt diese gemeinsam mit ihnen in Angriff. Durch diesen Vertrauensaufbau können im Rahmen des Stützunterrichtes auch persönliche Problemlagen besprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Berufsausbildung im dualen System: Dieses Kapitel erläutert das duale Ausbildungssystem sowie die rechtlichen und strukturellen Grundlagen der Förderung benachteiligter Jugendlicher, einschließlich der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) und deren Vergabeverfahren.
2. Folgen des Trägerwechsels im Maßnahmenverlauf von abH – Eine qualitative Studie: Die Studie untersucht empirisch die Perspektiven von Teilnehmern, sozialpädagogischen Angestellten und Lehrkräften auf die Auswirkungen von Trägerwechseln infolge der Ausschreibungspraxis.
3. Sozialwissenschaftliche Konsequenzen aus der Studie: Abschließend werden die Studienergebnisse theoretisch eingeordnet, sozialpädagogische Konzepte reflektiert und konkrete Empfehlungen für eine angemessenere Maßnahmenvergabe formuliert.
Schlüsselwörter
abH, Ausbildungsbegleitende Hilfen, Trägerwechsel, Ausschreibungspraxis, Bundesagentur für Arbeit, SGB III, Benachteiligtenförderung, Sozialpädagogik, Stützunterricht, Berufsausbildung, Qualitativer Forschungsansatz, Lernortkooperation, Bildungsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen, die das wettbewerbliche Ausschreibungsverfahren der Agentur für Arbeit auf die Durchführung der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) hat, insbesondere wenn dies zu einem Trägerwechsel führt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Bedingungen der Benachteiligtenförderung, die Anforderungen an sozialpädagogische Arbeit, die Rolle der Stützlehrkräfte sowie der Einfluss der Ausschreibungspraxis auf die Qualität der pädagogischen Betreuung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit TeilnehmerInnen von einem Trägerwechsel in der Maßnahme betroffen sind und welche Auswirkungen dies auf die pädagogische Arbeit und die Qualität der Förderung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Studie, die auf problemzentrierten Interviews mit TeilnehmerInnen sowie Experteninterviews mit sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrkräften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Interviews in verschiedenen Themenblöcken, etwa zur Bedeutung der Lehrkraft als Bezugsperson, zur Wahrnehmung der sozialpädagogischen Arbeit und zur Problematik der kurzen Laufzeiten bei der Vergabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe abH, Trägerwechsel, Ausschreibungspraxis, Benachteiligtenförderung und pädagogische Qualität definieren.
Warum ist der Trägerwechsel für die Jugendlichen problematisch?
Der Wechsel führt bei den Jugendlichen zu einer massiven Verunsicherung, da vertraute Bezugspersonen (insbesondere die Lehrkräfte) verloren gehen können und der Neuaufbau von Vertrauensverhältnissen durch die kurze Förderdauer erschwert wird.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft im Vergleich zur sozialpädagogischen Fachkraft?
Die Jugendlichen identifizieren die Lehrkraft als primäre Bezugsperson für ihren Lernerfolg, während die Rolle der sozialpädagogischen Fachkräfte oft unklar bleibt oder nur als administrative Verwaltung wahrgenommen wird, was die Bindung erschwert.
Welche Empfehlungen leitet der Autor für die Vergabe ab?
Der Autor empfiehlt eine stärkere Einbeziehung qualitativer Kriterien durch lokale Expertise, die mögliche Einbindung von Bildungsgutscheinen, sowie eine Kontinuität des Personals, um die Wirksamkeit der Förderung nicht durch häufige Wechsel zu gefährden.
- Quote paper
- Sebastian Latte (Author), 2006, Hauptsache billig? Die Ausschreibungspraxis der Agentur für Arbeit und ihre Folgen bei Trägerwechsel nach §§ 235, 240ff SGB III, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64909