»›Ich reise niemals nach Paris, lebe tief in meiner Provinz und bin der unbekannteste aller Menschen.‹ Das behauptet 1895, zehn Jahre vor seinem Tod, ein Schriftsteller, der seit über dreißig Jahren in regelmäßiger Folge Bücher veröffentlicht und der sich weder von kriegerischen noch von innerfamiliären Auseinandersetzungen, Magenbeschwerden oder beginnender Blindheit davon abbringen lässt. Die Bücher haben ihn zum erfolgreichen Begründer der Gattung des wissenschaftlichen Romans‹ gemacht, einige seiner Figuren und Themen sind schon zu Lebzeiten Mythen der Moderne geworden, und ungefähr seit 1873 übersetzt man ihn simultan in ein Dutzend verschiedener Sprachen […]«
Die Rede ist von Jules Verne – Autor von mehr als 80 Romanen und Kurzgeschichten, darunter so weltberühmte Werke wie »Die Reise um die Erde in 80 Tagen« oder »20.000 Meilen unter dem Meer«. Dieser hat mit seinen Romanen schon etliche Generationen fasziniert und unterhalten und gilt heute als einer der größten französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.
Mir stellte sich anlässlich des 100. Todestages des Erschaffers von so berühmten Charakteren wie »Kapitän Nemo« oder »Phileas Fogg« die Frage: Als Jules Verne am 24. März 1905 starb, hinterließ er ein umfangreiches literarisches Erbe, das in aller Welt bekannt war. Doch wie sieht es heute aus – hundert Jahre nach seinem Tod? Die technischen Erfindungen und wissenschaftlichen Errungenschaften, die Verne in seinen Romanen beschreibt und die das Publikum des 19. Jahrhunderts in Staunen versetzten, sind längst von der Wirklichkeit eingeholt
worden. Hat dies der Faszination, die von seinen Büchern ausgeht, einen Abbruch getan? Ist Jules Verne zusammen mit dem 19. Jahrhundert ein Teil der Vergangenheit geworden oder sind seine Werke auch heute noch präsent? Was hat sich verändert im Verlauf von 150 Jahren Rezeption?
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Zu diesem Zweck sollen sowohl die Verbreitung der Verne’schen Romane in den einzelnen Medien als auch die Aufnahme und Beurteilung derselben durch das Publikum betrachtet werden. Dabei setzt die Untersuchung der Rezeptionsgeschichte Jules Vernes am Beginn seiner schriftstellerischen Karriere an und endet mit der Gegenwart, rund 150 Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Romans.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Jules Verne
2.1 Biographie
2.1.1 Lebenslauf
2.1.2 Der Mensch Jules Verne
2.2 Werk
2.2.1 Wegbereiter und Nachfolger
2.2.2 Gesamtwerk
2.2.3 Der naturwissenschaftliche Abenteuerroman
2.3 Jules Verne als Begründer der »Science-Fiction«?
2.4 Jules Verne als »Technik-Prophet«?
3. Rezeptionsforschung
3.1 Definition von »Rezeption«
3.2 Rezeptionsforschung als wissenschaftliche Methode
3.2.1 Was macht Rezeptionsforschung?
3.2.2 Rezeptionstheoretische Modelle
3.2.3 Empirische vs. Historische Rezeptionsforschung
3.3 Methodische Vorgehensweise dieser Arbeit
4. Die Rezeptionsgeschichte Jules Vernes
4.1 Forschungsstand
4.2 Rezipientenschichten
4.3 Internationale Rezeption
4.4 Verlagswesen
4.5 Rezensionen und berühmte Kritiker
4.6 Theater
4.7 Literatur
4.8 Filme
4.9 Comics
4.10 Hörbücher
4.11 Computerspiele
4.12 Die Verehrung Jules Vernes
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Magisterarbeit setzt sich zum Ziel, die Rezeptionsgeschichte der Werke von Jules Verne über einen Zeitraum von etwa 150 Jahren zu untersuchen. Im Zentrum der Analyse steht dabei die Frage, wie sich die Aufnahme und Beurteilung der Verne’schen Romane durch das Publikum in verschiedenen Medien und über verschiedene Generationen hinweg verändert hat und welche Faktoren diese Verbreitung maßgeblich beeinflussten.
- Biographische und werkbezogene Grundlagen des Schriftstellers Jules Verne.
- Theoretische Verankerung und methodische Herangehensweise der Rezeptionsforschung.
- Analyse der Verbreitung und Wahrnehmung von ausgewählten Hauptwerken in verschiedenen Mediengattungen (Literatur, Theater, Film, Comic, Hörspiel, Computerspiel).
- Untersuchung der Rolle von Verlagswesen und Übersetzungen für den internationalen Erfolg.
- Einordnung des Autors im Kontext von Science-Fiction und Technikprognostik.
Auszug aus dem Buch
2.4 Jules Verne als »Technik-Prophet«?
In seinen Romanen und Erzählungen schildert Verne zahlreiche Erfindungen wie elektrisch betriebene U-Boote, Hubschrauber oder die bemannte Raumfahrt, die später tatsächlich entwickelt wurden. Sowohl damals als auch heute noch sagt man ihm deshalb seherische Fähigkeiten nach. Dass eben jene Schilderungen aber nicht Produkte seiner eigenen Phantasie, sondern vielmehr Bestandteile seiner Sammlung von wissenschaftlichen Fakten und Erkenntnissen waren, soll dieses Kapitel zeigen.
Nachdem Hetzel den jungen Verne unter Vertrag genommen hatte, entwickelte dieser unter der Anleitung seines Verlegers jenen publikumswirksamen Schreibstil, der märchenhafte Fiktion mit wissenschaftlichen Fakten verband.
Das 19. Jahrhundert war geprägt von herausragenden Wissenschaftlern wie Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, dem Chemiker und Erfinder Alfred Nobel oder auch dem Mathematiker und Physiker Carl Friedrich Gauß und Hetzel vermittelte Verne Kontakte zu den namhaftesten Erfindern und Wissenschaftlern Frankreichs. Jene Bekanntschaften sowie zahlreiche Publikationen in Fachzeitschriften wurden für den französischen Schriftsteller zur Quelle seiner detailgetreuen Beschreibungen von technischen Erfindungen wie Luftschiffen und U-Booten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Leben und Werk von Jules Verne ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der 150-jährigen Rezeptionsgeschichte seiner Romane.
2. Jules Verne: Dieses Kapitel gibt einen umfassenden Überblick über die Biographie und das schriftstellerische Werk von Jules Verne sowie seine Rolle in den Bereichen Science-Fiction und Technikprognostik.
3. Rezeptionsforschung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Rezeptionsforschung definiert, verschiedene wissenschaftliche Modelle erläutert und die methodische Vorgehensweise für die Analyse dieser Arbeit begründet.
4. Die Rezeptionsgeschichte Jules Vernes: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der die Verbreitung und Rezeption der Werke in verschiedenen Medien wie Theater, Film, Comics, Hörbüchern und Computerspielen sowie die Bedeutung des Verlagswesens detailliert untersucht.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die Rezeption Jules Vernes zusammen und wirft einen Blick auf die zukünftige Bedeutung seiner Werke.
Schlüsselwörter
Jules Verne, Rezeptionsforschung, Science-Fiction, Literaturgeschichte, Abenteuerroman, Mediennutzung, Verlagswesen, Technikgeschichte, Adaption, Rezeptionstheorie, Medienrezeption, Jules-Verne-Forschung, Populärkultur, Übersetzungsgeschichte, Romanzyklus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rezeptionsgeschichte der Werke des französischen Schriftstellers Jules Verne von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Verbreitung von Vernes Romanen in verschiedenen Medien, die kritische Aufnahme durch zeitgenössische und heutige Leser sowie die Bedeutung des Autors als angeblicher "Technik-Prophet".
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie sich die Rezeption von Vernes Werken über 150 Jahre hinweg entwickelt hat und warum seine Geschichten trotz des technologischen Fortschritts bis heute präsent geblieben sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf Methoden der historischen Rezeptionsforschung, ergänzt durch Analysen von Sekundärliteratur, Statistiken und modernen Online-Rezensionen.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Medienanalysen: von Theateraufführungen und Verfilmungen bis hin zur modernen Umsetzung in Comics, Hörspielen und sogar Computerspielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Rezeptionsforschung, Abenteuerroman, Jules-Verne-Rezeption, Literaturgeschichte und die Transformation von Medieninhalten.
Welche Rolle spielt der Verleger Pierre-Jules Hetzel für Jules Verne?
Hetzel wird als zentraler Mentor und Verleger dargestellt, der durch seine geschickte Vermarktung und inhaltliche Orientierung maßgeblich zum Erfolg von Vernes "Außergewöhnlichen Reisen" beitrug.
Wie bewertet die Autorin Vernes Ruf als "Technik-Prophet"?
Die Arbeit argumentiert, dass Verne kein seherischer Visionär war, sondern ein äußerst gewissenhafter Dokumentarist seiner Zeit, der wissenschaftliche Fakten aus seiner umfangreichen Zettelsammlung geschickt in seine Abenteuergeschichten integrierte.
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- Maja Roseck (Author), 2006, Die Rezeptionsgeschichte Jules Vernes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64923